Auch, wenn beim DFB immer etwas länger dauert, heißt das nicht, das man in der Geschichte über Fussballkonzepte eine Richtung ändern darf. Auch, wenn wir im internationalen Fussball eine der letzten führenden Nationen waren, die sich schweren Herzens vom "Kampf Mann gegen Mann" trennen mußten, bedeutet dies nicht, das wir unsere neuen Fussballtypen nicht lieben. Viele altgediente DFB-er genießen von heute vor ihrem inneren Auge die Dribbelkünstle eines Pierre Litbarski oder Thomas Hässler. Manche sehen die individuelle Dribbelfähigkeiten in Spielern wie z.B. Özil wiedergeboren. Doch stellen auch sie fest, das sich im Laufe der Jahre der Fussball dahingehend verändert hat, das nicht allein mit individueller Stärke Spiele zu gewinnen sind (wie unlängst der FC Bayern gegen die Gladbacher Fohlen bitter erfahren mußten), sondern der Fussball sich gruppen- und manschaftstaktisch in rasender Geschwindigkeit übers gesamte Spielfeld verteilt hat. Jeder ist nur noch dann effektiv, wenn er wie ein Zahnrad im Getriebe der erfolgsversprechenden Trainertaktik funktioniert. Dortmund und Schalke demonstrierten in ihren letzten BuLi-Spielen, das man auch dann auf die individuellen Stärken ihrer Leistungsträger zeitweilig verzichten kann, wenn das Konzept soweit von der Mannschaft verinnerlicht ist, das eine Positionsrotation keinerlei Einflüsse hat!
War man sich vor Jahren noch beim DFB sicher, das das "raumorientierte Spiel" nur etwas für Profis ist, werden heutzutage die DFB-Stützpunkttrainer dazu angehalten, dem Talentnachwuchs bereits im D-Jugend-Alter die Grundprinzien des ballorientierten Spiel zu vermitteln. Mag sein, das in Frankfurt manchmal die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut. Dennoch halte ich den bereits eingeschlagenen Weg für unumkehrbar.
So steht zu vermuten, das durch die verbesserte Spieler- und auch Trainerausbildung immer mehr junge, engagierte Leute einen ballorientierten Fussball auch im Breitensportbereich mit mehr oder weniger Erfolg einführen. Ob man nun den Grad der Perfektion immer noch als Schmalspurfussball bezeichnen mag, hängt zum einen von den Vermittlungsfähigkeiten der Trainer ab und zum anderen auch vom Blickwinkel des Betrachters.
Die Vermittlung des gewünschten Passpiels ist aber nur unter den Voraussetzungen individueller technischer Qualitäten möglich. Die Torvorbereitung wird lediglich etwas weniger dem Zufall einger Dribbelkünstler überlassen, sondern ist immer mehr das Ergebniss einer mannschaftlichen Leistung.