Beiträge von Schimanski

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    Hi Oliver,


    ja, wir haben auch ein paar Tore geschossen, genau genommen 31 Tore, wobei ich schon versuche das Ganze losgelöst von den Ergebnissen zu bewerten.
    Natürlich freuen mich Siege und Tabellenführungen, aber das hat mit dem Thema ja nur entfernt etwas zu tun. Deswegen brauche ich das hier nicht breit treten.


    Wir machen viele Freundschaftspiele. Wie man unsere Homepage entnehmen kann, waren diese Saison fast ausschließlich Spiele gegen gleichaltrige (spielstarke) und sogar gegen jüngere (NLZ-)Teams dabei. Gerade weil da die Anforderungen und Reize anders als in der Liga sind, macht das für mich Sinn.


    Da wir nächstes Jahr mit drei, vier Kindern aus dem Altjahrgang die D1 bilden werden (und - wenn die jetzige D1 die Liga halten kann - sogar Leistungsklasse spielen werden), müssen wir in der Rückrunde da auch weiter am Ball bleiben. Ansonsten kann es dann im nächsten Jahr gegen die kreisbesten Teams aus dem Altjahrgang ein böses Erwachen geben. Trotzdem freuen wir uns auf die Herausforderung.


    Gruß, Christoph

    Das wurde bei uns letztes auch abgepfiffen und meine Kinder schauten ganz entsetzt. Ich finde die Anwendung der Regelung bei zehnjährigen Kindern sinnfrei. In diesem Alter sollte man froh sein, wenn überhaupt kommuniziert wird. Hier würde ich mir mehr Fingerspitzengefühl von den Schiris wünschen und nicht so viel Drang nach Selbstdarstellung. Ein Hinweis in der Halbzeitpause, dass dieser Ruf bei den Erwachsenen nicht erlaubt ist, hätte auch gereicht.


    Was ich an der Regel nicht verstehe (vielleicht mag mich jemand aufklären): "Lass! rufen" mit einem unfairen Hintergedanken kann doch nur die Mannschaft, die nicht im Ballbesitz ist, oder? Damit will der Rufende doch die ballbesitzenden Mannschaft täuschen, um den Ball zu bekommen. Wieso wechselt der Ballbesitz dann nachdem der Schiri diesen Ruf abgepfiffen hat? Die "täuschende" Aktion kann doch nicht von der Mannschaft in Ballbesitz gekommen sein.


    Macht es dann nicht Sinn, bei Ballbesitz des Gegners ständig "Lass!" zu rufen, um darauf zu hoffen, dass der Schiri abpfeifft und man dann den Ball bekommt? Um diesen Missbrauch vorzubeugen, müsste der Schiri doch konkret wissen, von welcher Mannschaft der Ruf kam, oder? Wenn der Schiri wiederum weiß, von wem der Ruf kam, braucht er ihn bei der ballbesitzenden Mannschaft nicht abpfeifen, da kein unfairer Hintergedanke vorliegen kann.

    Moin,


    mal ein kurze Rückmeldung...


    In der Rückrunde E2-Jugend im Frühjahr sind wir schon in eine Gruppe eingeteilt worden, wo die Gegner größtenteils aus dem Altjahrgang waren. Hinzu kamen die stärksten Teams aus unserem Jahrgang. Die Erfahrungen aus diesem Jahr haben uns bestärkt als E-Jugend den Sprung in die D-Jugend zu machen.


    Mittlweile sind acht Spiele gespielt und die Vorrunde ist fast rum. Jedes Spiel stellt eine Herausforderung dar, aber kein Gegner dominiert und überfordert uns. Die Spiele laufen meistens so, dass die Gegner sich stark über Verteidigen, Kämpfen und einen Konterfokus definieren. Wir haben meist viel Ballbesitz und machen das Spiel. Die Herausforderung besteht darin, den Abwehrriegel zu knacken. Das ist ungleich schwerer als in der E-Jugend, weil die Wege weiter sind und die Gegner physisch überlegen. Deswegen haben wir zwei Spiele dabei gehabt, wo ca. 45 Minuten auf beiden Seiten kein Tor gefallen ist (und das im "Noch"-Kinderfussball =O ).


    Wir haben erst drei Gegentore bekommen. Alle drei waren nicht rausgespielt, sondern mehr oder weniger Zufall/Glück ("blinder" Befreiungsschlag, abgefälschte Bogenlampe nach einer Ecke und ein langer Abschlag ist mal durchgerutscht und wurde dann reingeschoben). Es ist aber nicht so, dass wir mauern. Wir spielen meist 2-4-2 oder 2-3-3, bauen fast immer flach auf und riskieren - im Sinne der Ausbildung - hinten viele 1:1-Situationen. Die defensive Stabilität erreichen wir hauptsächlich dadurch, dass wir viel den Ball haben, den Gegner nach hinten drücken und deren Offensivansätze dann meist aus strategisch relativ simplen Alleingängen und Schussversuchen aus weiten Distanzen bestehen.


    Was mir an der Situation in der D-Jugend sehr gut gefällt ist, dass die Jungs lernen kollektiv, geduldig und strategisch zum Torerfolg zu kommen (und nicht über pure Durchschlgskraft oder Individualfokus wie es oft im Kleinfeldfussball der Fall ist). Nicht so gut gefällt mir, dass wir kaum Erfahrungen im "hohen Verteidigen" sammeln. Damit meine ich Situationen, wo der Gegner das Spiel macht und man selber intensiv als Kollektiv gegen den Ball verschiebt, presst und den Ball jagt. Diese Erfahrungen kann uns die Kreisklassen-D-Jugend nicht bieten, wobei dass bei einem Verbleib in der E-Jugend wohl auch nicht anders ausgesehen hätte. Da helfen wohl nur Freundschaftsspiele gegen ambitionierte Breitensport- und NLZ-Teams.


    Gruß, Christoph

    Hallo Philipp,


    das einfachste ist sicherlich eine 1:1-Übung auf zwei Ziele (Stangentore, Minitore), deren Torerfolg unterschiedlich gewichtet wird (Abschluß starker Fuß zählt dreifach oder so). Über die Anordnung (Winkel und Abstand der Tore, Startpunkt der Spieler) kann man die Übung so anpassen, dass man das gewünschte Verhalten provoziert.


    Ansonsten würde ich ganz klassisch eine 1:1-Situation auf den Außen nachstellen. Hier mal als Veranschaulichung auf rechts außen (man kann es auf der anderen Seite parallel aufbauen):



    Durchbruch über die rote Linie zur Mitte hin soll verhindert werden. Durchbruch über die blaue Linie soll provoziert werden.


    1. Man kann das zuerst als Fangspiel spielen. So lernen die Spieler wie sie den Gegenspieler lenken. Der Verteidiger darf das Rechteck nicht verlassen und sollte den Gegenspieler zur blauen Linie drängen.
    2. Dann mit Ball das Gleiche.
    3. Dann mit Fokus auf die Balleroberung, also sobald der Gegenspieler durchbricht, mitgehen, Tempo aufnehmen und versuchen den Körper zwischen Ball und Gegenspieler zu bekommen. Der Verteidiger darf dann auch über die blaue Linie hinaus mitgehen.


    Hier sind ein paar Fotos von meinen Jungs aus dem Trainingslager, wo wir uns dieser Thematik relativ intensiv gewidmet haben (von Foto 30 bis 51):
    http://viktorias05er.jimdo.com…/trainingslager-nettetal/


    Auf den Bilder sind auch viele Fehler zu sehen (zu großer Abstand, nicht seitlich genug angelaufen, so dass die unerwünschte Seite aufgemacht wird, etc). Man sollte da am Anfang keine Wunderdinge erwarten. Das braucht seine Zeit. Wichtig ist das Coaching und Vormachen. Irgendwann ist natürlich in dem Alter auch die Luft raus. Aber das merkt man als Trainer ;)


    Gruß, Christoph

    Ich habe die Mannschaft gestern live gesehen. Meine Eindrücke beschränken sich nur auf ein Spiel, deswegen kann ich nicht sagen, ob es immer so läuft und ich möchte darum bitten, meine Aussagen entsprechend einzuordnen.


    Die Kinder waren sehr gute, teilweise überragende Fussballer, aber der anwesende Trainer (nicht der im Bericht erwähnte Titz (der laut Vereinshomepage Teamchef ist), sondern Erdal Celik) hat in meinen Augen eine peinliche Show abgezogen. Um es kurz und knapp zu sagen: Ich würde mein Kind unverzüglich abmelden, wenn der Trainer so viel auf mein Kind einreden würde. Er coachte das ganze Spiel über, teilweise mit vollkommen überzogenden und schwachsinnigen Erwartungen an die Kinder. Wenn ich ehrlich bin, habe ich diese Anhäufung an Ratschlägen und Anweisungen in über fünf Jahren Kinderfussball selten erlebt. Eigentlich fällt mir nur ein überambitionierter Bambini-Trainer ein, der ähnlich viel reinrief, aber ich kann nicht genau sagen, wer von beiden schlimmer ist.


    In meinen Augen will da jemand ganz schnell ganz viel Erfolg und ganz viel Erwachsenenfussball, hat aber keine Ahnung davon, was in Kinderköpfen so vor geht und was den Kindern in ihrer Entwicklung wirklich langfristig hilft. Seine Anweisungen waren fachlich sicher fundiert (alles andere würde mich bei seiner Karriere auch wundern), aber sie waren in ihrer Häufung und dem Timing vollkommen übertrieben und unpassend. Herr Celik spielte von außen mit und sein X-Box-Controller war der Mund. Teilweise wurde jeder Ballkontakt kommentiert. Sein liebster Spruch war "spielen", oft auch kombiniert mit "gehen", also "spielen, gehen". Dabei hatten die Kinder den Ball noch nicht mal unter Kontrolle, geschweige denn ein passendes Sichtfeld oder einen geöffneten Passweg und er forderte "spielen". Absolut lächerlich. Dann kam noch so Hinweise wie "mit zwei Kontakten, annehmen, spielen ganz einfach". Was natürlich auch richtig ist, aber die Grundlagen sollte ein Trainer im Training legen und nicht im Spiel einfordern.


    Das Spiel war entsprechend hektisch und von der taktischen Herangehensweise relativ unscharf und improvisiert. Trainerforderungen und das antizipative Verhalten der Kinder passten nicht so recht zusammen. Die Kinder hatten eigentlich gute Ideen und auch kollektiv sinnvolle Lösungsmöglichkeiten für die Spielsituation, der Trainer ließ aber oft erkennen, dass er etwas anderes sehen wollte. Die Kinder folgten ihm nicht stur, sondern spielten auch manchmal das, was sie für richtig hielten. Dementsprechend unrund wirkte das Spiel. Ich möchte fast behaupten, dass die Kinder ohne sein Coaching besser gespielt hätten. Die Tore fielen aber aufgrund der drückenden Überlegenheit trotzdem.


    In meinen Augen wollte Erdal Celik mit seiner Fachkompetenz beeindrucken, überfrachtet die Kinder aber mit Infomationen, die nur Stress und Druck erzeugen, Kreativität und Eigenständigkeit ersticken, anstatt ihnen wirklich eine Hilfe zu sein. Die Kinder zeigten sich trotzdem überraschend spielfreudig und kreativ, was zum einen natürlich an ihren individuellen Fähigkeiten lag, aber auch an der Überlegenheit in dem von mir gesehenen Spiel. Ich vermute trotzdem, dass Erdal Celik noch nicht lange für die Mannschaft verantwortlich ist oder das er in dem Spiel außergewöhnlich aktiv war und in anderen Spielen ruhiger ist. Anders kann ich mir die Spielweise der Kinder nicht erklären.


    Die Kinder selbst wirkten auf mich relativ dizipliniert, spielten aber trotzdem mit einer fast schon kaltblütigen Effektivität und Zielstrebigkeit. Dabei gab es sicher einige Situationen, die zum kindlichen Naturell von elfjährigen Jungs nicht unbedingt passten. "Hinten" wurde in kritischen Situationen gerne mal kräftig zugelangt. "Vorne" wurde ohne Rücksicht auf Keeper und Gegenspieler das Tor reingedrückt. Hier merkte man deutlich den Erfolgseinfluß und den Drill der Erwachsenen. Auch das Coaching passte dazu. Man merkte die hohe Ergebnisfixierung, in kritischen Situationen, wo die Stimmung hätte umschlagen können, wurde FairPlay geheuchelt.


    Auf mich wirkte das ganz Konstrukt deutlich überambitioniert und hat wohl eher das Ziel den Drang nach Anerkennung bei den Erwachsenen zu befriedigen.


    Gruß, Christoph

    Ich halte auch nicht so viel von Spielformen, wo es nur um das Ballhalten geht, egal in welcher Alter- und Leistungsklasse. Mir ist da zu wenig Spielbezug. Trotzdem sollte man ab der E-Jugend die Ballzirkulation schulen. Das steht nicht im DFB-Konzept, sondern ist meine persönliche Meinung. (*) Dafür finde ich die oben vorgestellte Spielform ziemlich spannend und lehrreich. Die Spieler erkennen nämlich den Sinn der Ballzirkulation unmittelbar. Verliere ich den Ball, hat der Gegner womöglich eine große Torchance (deswegen finde ich die Option zwei weitere kleine Tore aufzustellen - unabhängig von der Schulung der kognitiven Fähigkeiten - sehr gut).


    Der Sinn besteht darin, dem Gegner nicht den Ball zu geben, damit der keine Tore schießen kann. Ebenso erkennen die Spieler schnell, dass es Sinn macht, die ballfernen Räume zu besetzen und dass Freilaufbewegungen nicht immer einen Torbezug brauchen. Stichwort: Geduld, Kollektivität, Strategie. Fussball spielt man irgendwann zu elft und es macht halt Sinn, wenn man diese Anzahl an Spielern zum Erzielen eines Tores auch nutzt (was Individualität in keinster Weise ausschließt). Es geht um Variabilität.


    Ich kann nur für meine Jungs sprechen. Ich schätze 2/3 der Jungs lassen den Ball gerne laufen und ergötzen sich an gelungenden Passstafetten. Ja, ich würde es Spielfreude nennen. Ich schätze, die Hälfte zirkuliert auch lieber als das sie aufs Tor bolzt. Das mag in anderen Mannschaften anders sein, aber das hat IMHO auch immer damit zu tun, was der Trainer den Kindern bietet und welche Grundausbildung sie genoßen haben.


    (*) Ich schaue mir oft Spiele ältere Jahrgänge im Breitensport an und ich finde es erschreckend wie ungeduldig, überhastet und riskant dort immer wieder der Weg in Richtung Tor gesucht wird. Das Ergebnis sind Flipperspiele und Kampfspiele mit stetig wechselndem Ballbesitz, die kaum einen Lerneffekt haben. Im Gegenteil sind die Erfolgserlebnisse für den einzelnen Spieler erschreckt gering. Ich hätte keine Lust in solchen Mannschaften zu spielen. Spaß macht das sicher nicht.


    Diese limitierte Spielweise hat nur etwas mit fehlender Spielintelligenz zu tun. Und die schult man laut Horst Wein nicht durch Reden und Instruieren, sondern durch Stimulieren mit geeigneten Spielformen. Ich wüsste nicht, wieso das Thema Ballzirkulation dem oberen Jugendbereich und Leistungsfussball vorbehalten sein soll.

    Hallo zusammen,


    eine schöne Spielform habe ich bei den Profis des MSV Duisburg gesehen und direkt mit meiner U11 ausprobiert. Auch unsere A2-Jugend-Trainer hat sie schon erfolgreich ausprobiert.
    Ich würde sie ab der D-Jugend bis in den Seniorenbereich empfehlen. Auch in der E-Jugend kann es schon funktionieren, die Kinder müssen aber gewisse Fähigkeiten in Ballan- und mitnahme, Passspiel, Spielintelligenz und Lernbegeisterung mitbringen. Vielleicht muss man ein wenig Geduld haben, bis es rund läuft, aber es lohnt sich.


    Es werden zwei Mannschaft à 4 Spieler (es können auch mehr oder weniger sein, je nachdem wie viele Spieler beim Training sind) gebildet. Dazu gesellen sich zwei Torhüter und ein Überzahlspieler, der bei beiden Mannschaften mitspielt (auch beim Überzahlspieler kann man variieren oder ihn ganz weglassen, dazu später mehr). Das Spielfeld wird eher eng abgesteckt. Bei D-Junioren und 11 Spielern (wie auf dem Bild) würde ich so ca. 25x20m bis 30x25m sagen.



    Die eine Mannschaft (im obigen Bild die Blauen) hat das Ziel den Ball zirkulieren zu lassen. Beide Torhüter und der Überzahlspieler können dabei eingebunden werden. Die Torhüter dürfen aber nur mit dem Fuß mitspielen. Die anderen Mannschaft (die Roten) versucht den Ball zu erobern. Es wird also in diesem Fall im 7 gegen 4 auf Ballhalten gespielt. Wenn die rote Mannschaft den Ball erobert, kann sie auf beide(!) Tore abschließen. Der Überzahlspieler wechselt im Moment des Ballbesitzes von der zirkulierenden zum torabschlußsuchenden Team (er darf aber selbst keine Tore schießen). Nach einer vorher festgelegten Zeit von ca. 3 bis 5 Minuten wechseln die Teams die Aufgaben. Am Ende gewinnt die Mannschaft, die in ihrer Pressing-Phase mehr Tore erzielt hat. Die zirkulierende Mannschaft darf keine Tore erzielen. Ihr Ziel liegt nur darin, den Gegner nicht in Ballbesitz kommen zu lassen.


    Daraus ergeben sich diverse Lerneffekte:


    - bei der zirkulierende Mannschaft schult man das Ballbesitzspiel. Freilaufen, Anbieten, Lösen vom Gegenspieler, gleichmäßige Besetzung des Raums in Tiefe und Breite, Ballan- und mitnahme, Integration der Torhüter, Dreiecksspiel, auf Lücke gehen, etc..
    - bei der pressenden Mannschaft schult man das Anlaufen, Raumverdichten, Lenken, in den Deckungsschatten nehmen und bei Ballgewinn natürlich das schnelle Umschalten.


    Dadurch das auf zwei Tore abgeschlossen werden kann, wird die lineare, tororientierte Spielauffassung vieler Spieler aufgelockert, ihre Kreativität gefördert und die Beobachtung des Raumes (nicht nur Richtung Tor, sondern 360°) geschult. Die abschlußsuchende Mannschaft kann nach der Balleroberung im Konter nämlich auch einfach mal die Richtung ändern und zum anderen Tor angreifen. Auch eine bessere Kommunikation der Spieler wird provoziert. Rufe wie "andere Seite" sind keine Seltenheit. Tore fallen durch die zwei Tore und die plötzliche Überzahl nach Ballgewinn (durch den Überzahlspieler) eigentlich reichlich und auch unmittelbar. Die Verteidiger der eben noch zirkulierenden Mannschaft, müssen hellwach sein. Damit schult man das Gegenpressing.


    Da bei der zirkulierenden Mannschaft der Torbezug entfällt, sind die Freilaufbewegungen und die Raumbesetzung viel kreativer und weiträumiger. Das 360°-Spiel wird geschult. Das gleiche gilt für das Dribbling, wobei die Spielform durch die Überzahl natürlich schon das Passspiel provoziert.


    Je nach gewünschtem Lernschwerpunkt kann man den Überzahlspieler auch weglassen oder zwei von ihnen einsetzen. Generell gilt, dass mehr Überzahlspieler das Spiel der ballzirkulierenden Mannschaft erleichtern und weniger Überzahlspieler dafür mehr Umschaltmomente und Torabschlüsse generieren.


    Ganz wichtig ist noch, dass der Trainer an der Seitenlinie sich ein paar Bälle bereit legt und sie bei Ausball schnell einspielt. Ein Einwurf kostet zu viel Zeit ;)


    Schönen Gruß, Christoph

    Die Wahl des vermeindlich richtigen Balles hängt ja nicht nur von den Körperdimensionen der Spieler, sondern auch von den Spielfeldmaßen, der Spielerzahl und den weiteren Gegegebenheiten des Spiels (nicht variable Faktoren wie die Angriffsfläche für den Wind, Sprungverhalten oder Erdanziehung) ab. Hinzu kommen dann noch unterschiedliche Hebel und Körpermasse-Muskelverhältnisse zwischen Kindern, Heranwachsenen und Erwachsenen. Deswegen finde ich es gewagt, die richtige Größe einfach nur von der Größe runterzubrechen.


    Trotzdem zeigt es natürlich anschaulich, dass kleiner und leichter im Zweifel richtiger ist.


    Ich handhabe es seit Jahren so, dass ich verschiedene Bälle in unserem Sack habe. Schwerpunktmäßig den vorgeschriebenen Spielball, aber auch kleinere und leichtere Bälle oder welche mit abweichendem Sprungverhalten. Bei den Übungen entscheidet so der Zufall welchen Ball die Kinder gerade am Fuß haben. Stichwort ist hier die differenzielle Lernmethode.


    Gruß, Christoph

    Super Steini :thumbup: Ich freu mich sehr und werde alles aufsaugen.
    Gerade diese praxisbezogende Threads sind eine echte Bereicherung dieses Forums und eigentlich viel zu selten.


    Gruß, Christoph

    Vorgestern gehört: "Geht drauf!" "Passt in eurem Rücken auf!"
    Abstand zwischen beiden Ansagen maximal zwei Sekunden.


    Oder vor zwei Wochen: Mannschaft ist im Angriff, der Raum in Ballnähe ist stark verdichtet, die Mannschaft verliert aber den Ball. Trainer ruft aus Angst vor dem Konter: "Zurück! Schnell!" Dabei wollten die Kinder gerade ins Gegenpressing gehen. Der Gegner bedankt sich, weil er problemlos in Ballbesitz bleibt und sogar der Konter noch einfacher wird.


    Oder letzten Samstag ein Spieler nach Rückstand: "Reaktion zeigen!" Ich fragte provokant: "Wie sieht die aus?" Keine Antwort. Es blieb schließlich beim 0:1.

    Hallo Steini,


    mir fällt eine Spielform ein, die - zumindest teilweise - ebenfalls den Überblick schult.


    Man spielt 4:4, 5:5 oder 6:6 (je nachdem wieviele Spieler da sind) und platziert an den Seitenlinien (Position beliebig bzw. durch die Spieler wählbar) ein oder zwei Spieler (je nach anwesender Spielerzahl) pro Mannschaft. Dann ruft man als Trainer in einem passenden Moment einen (oder zwei) Spieler raus. Diese werden durch ihre Mannschaftskollegen von der Seitenlinie ersetzt. Sie dürfen sich aber nicht auf dem Feld abklatschen, sondern nur außerhalb des Feldes. Somit hast du für drei, vier, fünf Sekunden eine Überzahl-/Unterzahl-Situation, die die eine Mannschaft möglichst schnell nutzen sollte bzw. dessen entstandenen Lücken durch die andere Mannschaft geschlossen werden müssen.


    Ich rufe meistens einen absichernden Spieler heraus oder ziehe die ballferne Seite blank, um Spielverlagerungen zu ermöglichen. Der von dir erwünschte Effekt wird zwar nur "beiläufig" trainiert, aber die Kinder müssen auf jeden Fall mehr scannen als sonst.


    Gruß, Christoph


    P.S. Wir haben letztens gegen die U10 vom MSV gespielt und dessen Trainer forderte die ganze Zeit: "Schulterblick!" von seinen Jungs ;)

    Moin,


    also ich möchte mich ein wenig zwischen die Stühle setzen.


    Wir haben bei uns jetzt seit 1 Jahr ergänzendes Coerver-Training im Verein (zwar nur 45 Minuten alle zwei Wochen, aber immerhin) und ich muss zugeben, dass ich gerade die Technikschulung von Coerver extrem befürworte und die Lernerfolge auch im Spiel immer wiederfinde. Jedes Fussballspiel beginnt mit den individuellen Qualitäten, erst danach kommt alles andere wie Zusammenspiel, Gruppen- und Mannschaftstaktik. Ohne das Fundament (Ballsicherheit, -gefühl, koordinative Gewandtheit) brauchst du dir über den Rest keine Gedanken machen. Alles taktische was mit Ballbesitz zu tun hat, baut auf den individuellen Fähigkeiten auf. Und Ballbesitz sollte jeder Jugendtrainer anstreben. Denn mit Ball am Fuß lernen die Kinder am meisten.


    Ich meine mit individuellen Fähigkeiten noch nicht mal die Dribbelqualitäten, sondern auch die Ballsicherheit in Drucksituation (Pressingresistenz) und die technischen und koordinativen Fähigkeiten, sie aufzulösen. So welche Situationen gibt es in einem Fussballspiel zu Hauf und hier trennt sich die Spreu vom Weizen. In diesem Zusammenhang ist auch Beidfüßigkeit extremst wichtig. Nur diese macht die Kinder in ihren Aktionen unberechenbar (360°-Spiel) und nur mit Beidfüßigkeit macht das Erlernen von Finten überhaupt Sinn. Ansonsten wird das Kind immer wieder auf den starken Fuß gehen und sehr linear spielen, was ich nicht für erstebenswert halte.


    Zudem glaube ich, dass diese Aspekte auch in der F-Jugend schon wichtig ist. Hier macht man Spielformen auf vier Tore alà Horst Wein, fordert und fördert Kreativität und dafür brauchen die Kinder beide Füße und auch die technischen Grundlagen. Wenn ich in meinen fünf Jahren Kinderfussball etwas bereue, dann ist es die nur befriedigende Technikschulung (weil ich selber kein guter Fussballer bin).


    Trotzdem finde ich eine Einheit, wie Björn sie hier vorgeführt hat (Danke für deinen Mut! Wer traut sich noch?) für eine Bambini zu trocken bzw. zu lang. Da braucht es mehr Speed, mehr Fun, mehr Wettkämpfe, mehr Action. Meine Kinder sind jetzt fast alle 10 Jahre und 15-20 Minuten Technikschulung reichen denen völlig. Danach wird`s einfach langweilig und die Aufnahmefähigkeit sinkt auch. In der F-Jugend reichen 10-15 Minuten und in der Bambini kann man den interessierten Kindern in der Tummelphase ein paar "Tricks" zeigen. So einen ausgiebigende Technikdrill mit fast schon asiatischen Verhältnissen halte ich für den Breitensport in dem Alter für verführt. Am meisten lernen die Kinder wenn sie Spaß an der Sache haben und da reicht ein Torschuss am Ende nicht aus (auch wenn ich Björns Engagement und Coaching sehr gut finde).


    Gruß, Christoph

    Hallo,


    ich finde man kann das sicher mal machen. Am besten die Kinder in die Diskussion einbeziehen und nach Lösungen fragen. Ich habe gemerkt, dass da durchaus ein Interesse bei den Kindern in dem Alter vorhanden ist (vermutlich auch die FiFA an Playstation, X-Box und Co.). Umgekehrt merkt man es den Kindern schnell an, wenn es zu viel wird. Man muss es sich nur eingestehen ;)


    Ich habe die Tafel dieses Jahr zweimal beim Training und zwei, drei Mal beim Spiel dabei gehabt. In mehr Einsätzen habe ich keinen Sinn gesehen. Taktisches Verständnis bekommen die Kinder hauptsächlich durch Spielformen und -erfahrungen und nicht durch die Tafel.


    Gruß, Christoph

    Hallo,


    ich denke, die Lösung ist ganz einfach. Man muss in jungen Jahren die Basis für eine stabile Entscheidungsfindung legen. Das geht nur über Spielpraxis und "machen lassen". Ich würde deswegen gar nix einfordern, sondern nur loben falls die Kinder etwas - für ihre Verhältnisse - überdurchschnittlich Gutes gemacht haben, egal ob dribbeln oder passen.


    Gruß, Christoph

    Moin,


    ich denke, man muss das differenziert betrachten.


    Grundsätzlich bin ich im letzten Jahr auch ein Freund davon geworden, den Kindern möglichst viel Ballbesitz und Offensivaktionen zu ermöglichen (Schande über mein Haupt: In der F-Jugend-Zeit war mir das nicht so klar). Das MUSS in der Ausbildung oberstes Ziel sein. Auch wenn man hinten schon mal anfälliger ist (dafür aber auch viele lehrreiche 1:1-Situationen entstehen). Trotzdem kann es vorkommen, dass der Gegner einfach stärker ist und mehr vom Spiel hat. Wenn wir gegen eine NLZ-Team oder die Ballbesitz-Maschinerie aus dem Nachbarkreis kicken, ist unser Spiel automatisch auf eine große Kompaktheit und schnelles Umschalten ausgelegt. Da brauche ich auch keine taktischen Anweisungen geben oder die Formation entsprechend anpassen. Das ergibt sich von alleine. Trotzdem kontern wir dann nicht blind, sondern versuchen strukturiert und kollektiv die Räume schnell zu nutzen.


    Was ich allerdings diese Saison oft erlebt habe und etwas schade finde, sind (jahrgangsältere) Mannschaften, die bewusst passiv spielen, Kinder vor dem eigenen Tor ausschließlich mit Defensivaufgaben abstellen und die Bälle wirklich nur blind nach vorne pöhlen (selbst wenn sie mal anders könnten). Jedes Kind sollte das Recht haben, etwas auszuprobieren, zu dribbeln, zu passen, selbst wenn es mit der Mauertaktik des Trainers nicht ein Einklang zu bringen ist. Am schlimmsten sind da die Trainer, die ihre Kinder noch beschimpfen, wenn sie sich nicht an diese Vorgaben halten. Das hat so gar nix mit dem Straßenfussball-Gedanken zu tun.


    Im Gegenteil bin ich der Meinung, dass die Kinder, die jahrelang auch im Verein relativ frei spielen konnten, eine so stabile Entscheidungsfindung entwickelt haben, dass sie auch ohne Traineranweisungen ihr Spiel auf den Gegner anpassen. Einer unserer stärksten Defensivspieler (also im Sinne von Antizipation, Stellungsspiel, Zweikampfroutine) ist sehr quirlig, dynamisch und unheimlich gewandt. Er dribbelt im Aufbauspiel auch gerne aus der Abwehr heraus. Das sind Situationen, wo man als Trainer mal kurz innerlich zusammen zuckt. Aber wir lassen ihn machen. Er macht es mittlerweile nämlich nur, wenn Gegner und Räume es zulassen. Das solche Aktionen auch schon mal in die Hose gegangen sind, gehört zum Entwicklungsprozess dazu. Sowas sollte nicht von außen und durch "Taktik" unterbunden werden.


    Gruß, Christoph

    Hallo,


    mir fallen spontan vier Punkte ein:


    1. Über außen bei Ballbesitz aufzubauen ist nie gut. Die Außenlinie ist wie eine Wand und limitiert die Möglichkeiten. Sie hilft dem Gegner beim Pressen. Am besten über die Halbräume aufbauen. Das ist von den Passwinkeln und den Anspielmöglichkeiten viel unberechenbarer.
    2. Rauskippender Sechser um gegen die zwei Stürmer Überzahl zu haben. Entweder zwischen oder neben die IV.
    3. Torwart als Drucklöser einbinden.
    4. AV niemals auf einer Höhe mit den IV staffeln. Immer höher schieben, um Dreiecke und Tiefe ins Spiel zu bekommen. Die AV kann man auch nutzen, um die offensiven Außen des Gegners nach hinten zu drücken und Platz für den geduldigen Aufbau zu schaffen.


    Gruß, Christoph

    Quadratisches Feld. Bei den ersten Durchführungen nicht zu klein, um zusätzlich zum Gegnerdruck nicht auch noch den Raumdruck zu hoch zu haben. Kenne nicht die Spielstärke Deines Teams, aber erfahrungsgemäß sollte das Spielfeld lange eher größer gehalten werden um die Konterbewegung als solches "ausladend" ausführen zu können. Sage jetzt mal so als Richtschnur 15x15 Meter. Auf zwei gegenüber liegenden Seiten zwei Randspieler mit ausreichend Bällen. Nenne sie mal A und B. Im Feld einen offensiven Spieler (C) und einen defensiven (D). Zwei Minuten Spielzeit, danach Wechsel. A und B ins Feld, C/D Randspieler. So haben diese beiden etwas Verschnaufpause. Zum Schluss waren dann alle vier Spieler mal der offensive Part. Gewonnen hat der Spieler mit den meisten Abspielen in diesen zwei Minuten. Wichtig noch: Sollte D mal den Ball erobern, bekommt er einen Punkt wenn er über eine der vier Seitenlinien dribbelt ( Anschlussaktion ).


    Konzentriere Dich aber beim Coaching ausschließlich auf C ! Und das nur so am Rande: Oft gesehenes Verhalten. Ein Schwerpunkt soll trainiert werden, aber zeitgleich auftretende Verhaltensweise außerhalb des Schwerpunktes wird auch mit angesprochen und bearbeitet. Merken und zu einem späteren Zeitpunkt behandeln.
    C hat während der gesamten zwei Minuten immer die Entscheidungsfreiheit von wem er angespielt wird und auch wem er den Ball zurück spielt. Also Doppelpass oder offene Annahme bzw. Eindrehen und Abspiel zur anderen Seite. Wichtiger ist vielmehr, dass er/sie lernt durch schnelle "Täuschbewegungen" oder kurzem Antritt in die entgegengesetzte Richtung und sofortigem Freilaufen nach dem Abspielen sich vom Gegenspieler zu lösen. Wie gesagt ein länger Prozess, also zu Anfang nicht zu viel verlangen und ruhig öfter Coachen.


    Später dann kommt ein zweiter offensiver Spieler dazu, also 2:1. Dann ( und erst dann ) kann man schaffen von Räumen für den Mitspieler schulen.

    Danke für die Übung, Steini.


    Eine Sache ist mir noch nicht ganz klar. Du schreibst, die Randspieler haben ausreichend Bälle. Wann werden denn neue Bälle gebraucht? Wer bestimmt denn den Rhythmus und wann welcher Ball gespielt wird. Ist es nicht so, dass der Ball oft bei den Randspielern "verharrt", weil der offensive Feldspieler nur klatschen lässt und dann wieder damit beschäftigt ist, sich freizulaufen? Was ist, wenn er nach einem geklatschten Ball zum anderen Randspieler läuft? Bekommt er dann einen "neuen" Ball zugespielt? Wenn ja, hat das dann nicht den Effekt, dass der offensive Feldspieler von einer Seite zur anderen läuft und immer nur klatschen lässt? Möchtest du nicht einen anderen Effekt trainieren?


    Gruß, Christoph

    Ich weiß zwar nicht, ob Siebener das Gleiche meint, aber hier mal in Minute 2:45 und 9:45 hingeschaut:

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    Nabend und frohe Ostern,


    etwas off-Topic, aber bezugnehmend auf den Beitrag von aerkemese: Ich entwickel immer mehr ein Abneigung gegen diesen Fussball der sich hauptsächlich über Kampf, Willen und Leidenschaft definiert. Nicht nur bei uns im Pott stehen diese Attribute beim Mainstream-PubIikum ganz hoch im Kurs und erfahren eine große Wertschätzung. Ich denke aber, dass es gerade im Kinder- und Jugendfussball richtiger ist, die Spieler mit ihrem naturgegebenen Ehrgeiz spielen zu lassen.


    Aufgabe des Kinder- und Jugendtrainer ist es, den Kindern das Rüstzeug für das Fussballspiel mitzugeben und es nicht per Ansprache und Dauerchoaching "künstlich" wichtiger zu machen als es ihnen ist. Damit versucht man eigentlich nur Fehler in der Ausbildung zu kaschieren. Kampf kann doch irgendwie jeder. Das ist für mich keine Auszeichung. Davor habe ich keinen großen Respekt.


    Ich habe sogar den Eindruck, dass einige Trainer über diese Motivationsschiene meistens eine große Blase schaffen, die irgendwannn platzt. Oft höre ich von anderen Trainer, sie könnten sich die Leistungsschwankungen ihrer Mannschaft nicht erklären. Entweder fehlt da das analytische Vermögen die Spielstärke des Gegners und die Wechselwirkungen mit dem eigenen Spiel zu erkennen oder es wird einfach zu oft der extra Schub "Kampf" künstlich herbeimotiviert, der dann manchmal fehlt. Darauf hätte ich jede Woche überhaupt keine Lust und es hilft den Kindern auch nur für den Moment, wenn überhaupt...


    Gruß, Christoph