Die Spielform von Chriggi habe ich gestern gemacht. Absolute Empfehlung. Viel Action, Speed und Intensität. Viel Neuorientierung, Übersicht und Umschalten. Dazu wird die Kommunikation gefördert.
Die Übung von August wird demnächst probiert...
Die Spielform von Chriggi habe ich gestern gemacht. Absolute Empfehlung. Viel Action, Speed und Intensität. Viel Neuorientierung, Übersicht und Umschalten. Dazu wird die Kommunikation gefördert.
Die Übung von August wird demnächst probiert...
Die Übung klingt geil. Ich werde sie heute mal probieren.
Vorher kann man diese Übung (ab 3:45 Min) machen (ist der gleiche Aufbau und passt auch zum Thema):
http://tv.dfb.de/video/coerver…et-durch-multigoals/2590/
Ich kann da einen Schwank aus meiner noch jungen Trainerlaufbahn erzählen.
Wir haben uns in der Bambini bis E immer heiße Duelle mit unserem direkten Nachbar geliefert. In der Bambini besiegten sie meist uns. In der F waren die Spiele offen, aber wir gewannen überwiegend. In der E waren wir in allen Belangen besser.
Der Nachbar spielte ohne Rotation. Sie hatten vorne ein gefährliches, sehr weit entwickeltes Dreigestirn, die sich blind verstanden. Wir rotierten hingegen. In der Zeit, als das Ruder in der F-Jugend langsam zu unseren Gunsten umschlug, war der erste Schlüssel unsere stabile Verteidigung. Unsere "Abwehrspieler" hatten offensive Spielerfahrung und konnten die Spielzüge deswegen immer besser antizpieren. Umgekehrt war es nicht so. Deren Abwehrspieler waren geistig immer einen Schritt langsamer. Wir gewannen die Spiele durch unsere Handlungsschnelligkeit, nicht weil wir dominanter spielten.
Das Dreigestirn ist mittlerweile gesprengt. Einer ist über dem MSV bei Schalke gelandet, einer spielt bei uns und nur noch einer ist in dem alten Verein. Mittlerweile mit einem neuen Trainer, der auch rotiert ![]()
Hallo,
es eignen sich Spielformen mit vielen Umschaltmomenten und/oder ständig wechselnden Aufgaben, z.B. hier, hier oder auch Tschechenrolle. Auch im Nachbar-Thread findest du einige Übungen, die sich aber nicht alle für eine F-Jugend eignen.
Dazu möglicht spielnah trainieren und viele Wettbewerbe und Schnelligkeitselemente ins Training einbauen. Und natürlich Positionsrotation in den Wettspielen (gaaanz wichtig)...
Gruß, Christoph
...und genau da sind wir ja wieder bei Punkten, die ich anfangs im Thread erwähnte: Würden die Kinder auf der Strasse auch so intensiv drauf gehen? Einige vielleicht, aber bestimmt nicht alle.
Wir haben z.B. einen Jungen in unserer Mannschaft, der jetzt seit einem Jahr bei uns ist. Er hat vorher in der anderen 2005er-Mannschaft (größeres Leistungsgefälle) unseres Vereins gespielt. Dort spielt er meist so eine Art Sechser. Bei uns spielt er oft (ich muss zugeben: leider zu oft *schäm*) in der Innenverteidigung. Der Jungs hat ein großes Talent im Rausrücken und Antizipieren. Seine Spielweise ist das Gegenteil von blind "drauf gehen". Er hat meist die Ruhe weg, beobachtet, kontrolliert, sichert die tiefen Räume und verstellt den Weg zum Tor. Er rückt nur in höchster Not raus oder wenn er sich sicher ist, den Ball zu erobern. Seine Erfolgsquote liegt gefühlt bei fast 100%. Seine Entscheidungsfindung ist unfassbar stabil. Ich würde ihm mit der Anweisung intensiver drauf zu gehen, komplett seine Stärke nehmen. Der würde eingehen wie ein Primel.
Ich kann mich noch erinnern, wo ich ihm in einem Spiel zu Saisonbeginn mal eine Anweisung gegeben haben, auf welcher Höhe er bei unserer Ecke als Absicherung zu stehen hat. Er hat mich ziemlich verduzt angeguckt. Ich habe dann entschuldigend abgewunken und gesagt: Du machst das schon. Und mit diesem Weg sind wir die ganze Saison über prächtig gefahren.
Die Kinder machen zu lassen, ist nach meiner Erfahrung selten verkehrt. Man braucht natürlich Geduld und muss Rückschläge in Kauf nehmen.
Und genau hier schließt sich auch der Kreis zu meiner Intensitätsfrage: Wieviel Intensität kann ich von den Jungs einfordern. Ist das NLZ ein gutes Vorbild? Oder einfach spielen lassen?
Wenn @Schimanski sich hier Gedanken über die Spielintelligenz und den Übung des gepflegten Spielaufbaus gegen schwächere Gegner (ermutigt durch die MFS) anspricht, aber doch lieber mit seiner E-Jugend auf Grossfeld spielt, widerspricht das dann nicht den Grundsätzen der MFS und Horst Wein?
Diese Frage habe ich mir vor dem Sprung auf das D-Jugendfeld auch gestellt und sogar hier im Forum diskutiert.
Ich kann dir nach wie vor nicht sagen, ob der Weg richtig war, weil ich den anderen Weg nicht gegangen bin und keine Vergleichsmöglichkeit habe.
Aber der Weg fühlt sich richtig an, weil wir in dem halben Jahr D-Jugend in jedem Spiel gefordert wurden. Aber - das muss ich zugeben - zum Ende der Hinrunde war ich ein wenig gelangweilt von der D-Jugend, weil die Spiele sich stark ähnelten. Nichtsdestotrotz - und das war von vornherein so gesplant - haben wir weiter Freundschaftsspiele, Turnier und Pokalspiele auf dem E-Jugendfeld gemacht. Zudem trainieren wir auch weiter in Kleingruppen. Ein Abschlusspiel 9 gegen 9 gab es vielleicht drei- oder viermal (gegen unsere D II), ansonsten haben wir immer in kleinen Gruppen gespielt. Dazu kommt noch das Hallentraining, wo platzbedingt sowieso nur bis maximal 5 gegen 5 gespielt werden kann (meist 4 gegen 4). Dazu ohne Ende Spielformen. Über die ganze Hinrunde gesehen hat die Spielzeit 9 gegen 9 vielleicht maximal 10% eingenommen.
Dass sie es in der U11 so machen, heißt ja nicht, dass sie es die ganze Jugend über so machen. Sollte man nicht alles zu seiner Zeit lernen?Ist es einfacher einem "Attackierer" die Geduld beizubringen oder ist es einfacher einem Geduldigen das Attackieren beizubringen? Dass Du es bei der U13 anders gesehen hast, kann ja genau dafür ein Indiz sein.
Die Bereitschaft zum Attackieren muss grundsätzlich vorhanden sein. Später kann man dann lernen, wann man dieses Mittel sinnvoll einsetzt.
Mir ist wichtig, dass die Kinder die Entscheidung selbst treffen, beide Seiten kennenlernen und dann im Spiel entscheiden, wie sie vorgehen. Diese Entscheidungsfreiheit darf ihnen nicht vom Ergebnisdruck genommen werden.
Aber - und das möchte ich nochmal betonen - ich bin nicht grundsätzlich gegen Intensität, Druck drauf und aggressives Spiel. Ich habe ja die Diskussion darüber bewusst gesucht, weil ich mir nicht sicher bin. Ich habe zuletzt hier im Thread viele Argumente dagegen aufgeführt, weil ich nach den Gründen meiner Zweifel gefragt wurde. Das heisst aber nicht, dass ich grundsätzlich dagegen bin.
Alles anzeigenWar jetzt auch hier sehr lange nicht aktiv. Die Diskussion finde ich sehr vielschichtig und interessant. Eine Anmerkung zu den Themen "Ballbesitzfussball" und "Gegnerdruck".
Insgesamt wird im Forum viel über "altersgerecht" und "breitensporttauglich" diskutiert. Es ist meine feste Auffassung, dass es, für ein schwaches, mittleres und selbst gutes Kinder- und Erwachsenenteam vielfach schwieriger sein wird, Angriffe systematisch vom IV oder vom Torwart aus aufzubauen und zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Wir gross ist denn eigentlich im Profibereich der Anteil an Toren, die auf diese Weise erzielt werden? Wie gross ist er im Breitensport, im Kifu? Für wie viele Teams ist es heute, morgen und in fünf Jahren möglich, auch nur ein Drittel der erzielten Tore "von hinten herausgespielt" zu haben?
Für Kinder wird das aufgrund der hierfür verlangten a) technischen und taktischen Sicherheit b) Konzentration und c) Abstimmung der Mannschaftsteile noch um ein Vielfaches schwieriger sein. Auch den NLZ-Teams ist dies nur gegen schwächere, lokale Gegner möglich. Von den fünf Toren im Video wird - selbstverständlich! - keines von hinten heraus eingeleitet. Um es etwas zuzuspitzen: ist es kindgerecht, auf das Toreschiessen zu verzichten, um dem vermeintlichen Ideal des gepflegten Spielaufbaus hinterherzujagen?
Ist es nicht statt dessen gerade alters- und entwicklungsgerecht, möglichst gegentornahe Ballgewinne anzustreben und zügig zum Abschluss zu kommen? Dann sind wir doch auch wieder näher bei 3:3. So komme ich doch als Kind schnell zu Erfolgserlebnissen (Ballgewinn -> Umschalten -> Abschluss). Ich halte das für kindgerecht.
Ein sehr interessanter Hinweis. Mit diesem Ansatz kann man auch die starken Manndeckungen der NLZ schon in der U8 und U9 erklären. Die Kinder haben viele 1:1-Situationen, also das primäre Ausbildungsziel. Trotzdem sollten wir uns da nix vormachen. Größtenteils bestimmt das Mannschaftsergebnis die Spielweise.
Die Gründe, wieso ich das "Ideal des gepflegten Spielaufbaus" anstrebe, sind denkbar einfach: Alle Kinder sollen Ballaktionen haben und sich als Teil des Angriffs verstehen. Eine sture Trennung nach Verteidiger und Stürmer möchte ich nicht.
Zudem kann man durch das hinten-raus-spielen offensive Räume schaffen, weil der Gegner ballorientiert verschiebt und seine Formation auflockert.
Gruß, Christoph
aber die Spitzen lahm und schussschwach.
...auch hier könnte ein Zusammenhang zur intensiven Arbeit gegen Ball bestehen.
Ich habe mir übrigens ein paar Minuten der U13 (sowohl in der Halle als auch draußen) vom gleichen YouTube-Kanal angeschaut. Da scheint die Intensität im Anlaufen und das "Drauf gehen" reduzierter und die Arbeit gegen den Ball mannschaftlich etwas strategischer und abwartender zu sein.
Punkt b) kapiere ich nicht. Ich betrachte jetzt die verteidigende Mannschaft. Die hat die Option, die ballführende Mannschaft zu attackieren oder sie erstmal kommen zu lassen. In beiden Fällen ist sie erstmal nicht in Ballbesitz. Wieso hemmt dann diese Phase (egal wie die Mannschaft sich verhält) die spielerische Entwicklung der verteidigenden Mannschaft? Verstehe ich nicht. Oder beziehst Du Dich auf die angreifende Mannschaft? Die kommt bei einem pressenden Gegner natürlich nicht so zur Entfaltung. Aber genau das zwingt deren Spieler, einen Ticken schneller, präziser und schlauer zu spielen als ohne diesen Druck. Das sind doch genau die Reize, die man haben will. So hatte ich mein letztes Posting gemeint. Kapiere also auch so nicht, wieso Du die beiden Punkte "Jagen des Gegners" und "Spielintellektuelle Entwicklung" so in den Gegensatz stellst.
Hallo Oliver,
Ergänzend zu Fak, der einen Aspekt schon sehr gut ausgeführt hat...
Sicher hat das auch mit meiner persönlichen Vorstellung von Fussballästhetik zu tun. Ich mag Ballbesitzfussball. Ich mag konstruktiven, kollektiven, geduldigen und strategischen Fussball. Pressingfussball, der auf Fehler beim Gegner und auf Umschaltmomente baut, ist nicht so meins. Ich mag auch nicht, diese hektische Hin- und Her, genauso wie mir das riskante Spiel in die Tiefe und das lineare Rennen in Richtung Tor missfällt. Mir ist das zu billig. Mir fehlt da der Unterhaltungswert und auch die Nachhaltigkeit, weil man immer auch vom Zufall und davon abhängig ist, was einem der Gegner anbietet. Ich schätze dafür die Dominanz und Kontrolle im Ballbesitzfussball.
Es gibt übrigens auch Videos von den Mainzern von Hallenturnieren. Sie sind nicht schön anzusehen. Es geht nur darum, den Gegner nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Die Tore fallen fast nur aus Fehlern. Ich kann mir nicht so recht vorstellen, dass die Kinder dabei großen Spaß empfinden. Das aber nur am Rande.
Zur Spielintelligenz: Ist es den wirklich "schlau" immer voll auf den Gegner zu gehen? Ist es nicht gerade im taktisch anspruchsvollen Herrenfussball oberhalb der Kreisklassen oft besser, wenn man den Raum nicht durch wildes Anlaufen öffnet, sondern passiver verteidigt? Ein passendes Negativbeispiel sind da sicherlich die Brasilianer im WM-Halbfinale, die nach den ersten Gegentoren auch wie wild drauf gegangen sind und dann kinderleicht zerspielt wurden, weil sie ohne Absicherung und doppelten Boden strategisch wichtige Räume geöffnet haben.
Woher sollen die Kinder denn lernen, wann sie passiv-absichernder und wann sie aktiv-vorwärtsgerichtet verteidigen sollen, wenn sie in der Jugend immer gelernt hat, voll drauf zu gehen und nie die Chance hatten, selbst zu entscheiden?
Hinzu kommen dann beim "Balljagen" die geistige sowie körperliche Erschöpfung, die beim einem etwaigen Ballgewinn die Qualität der Folgeaktionen beeinträchtigt. Das ist übrigens auch bei dem Jungen so, der bei mir am intensivsten spielt. Er ist spielt dann oft etwas unsauber und überhastet. Genauso wie auch die 2006er, von denen ich oben berichtet habe. "Tempo und Druck machen" reduzieren nicht nur die Spielqualität des Gegners, sondern auch die eigene. Das Spiel wird dann sehr instinktiv. Und ich schätze nicht, dass das die besten Vorraussetzungen sind, um kreativ zu spielen und sich auszuprobieren (was in diesem Alter elementar wichtig ist). Nicht umsonst empfiehlt z.B. die Münchener Fussballschule auch Spiel gegen schwache Gegner zu spielen, um den Spielaufbau und Spielzüge zu üben.
Und dann gibt es da noch die mannschaftstaktischen Aspekte, dass beim unkoordinierten Balljagen oft sehr ungünstige Staffelungen erzeugt werden, die nach Balleroberungen dann die Ballzirkulation und das eigene Ballbesitzspiel erheblich erschweren. Das kann man im obigen Spiel sehr gut in den ersten Spielminuten erkennen.
@'MichaMittelfeld: Danke für deinen Erfahrungsbericht. Ich denke, dass ist genau den Weg, den wir auch einschlagen sollten. Man muss halt immer in die Mannschaft "reinhören" und darf sich nicht zu sehr auf das Ziel versteifen. Wenn die Mannschaft genervt ist und den Spaß verliert, muss man vom Gas gehen. Das ist z.B. auch der Unterschied zu einem NLZ. Wenn da ein Kind kein Bock mehr auf "intensiv spielen" hat, wird er einfach ausgetauscht. Bewerber gibt es ja genug.
Sir Alex: Genau meine Meinung und Erfahrung. Wir versuchen schon seit der F-Jugend flach rauszuspielen. Wenn der Gegner uns aber zustellt oder hoch anläuft, wird auch mal ein langer Ball gespielt. Dadurch drücken wir den Gegner wieder nach hinten. Flexibilität finde ich auch sehr wichtig. Das sture Festhalten an Dogmen hemmt hingegen die Entwicklung der Spielintelligenz. Auch hier überlassen wir den Spielern und Torhütern meist die Entscheidung wie sie das Spiel eröffnen und geben in den Besprechungen nur Anregungen wie man auf bestimmte Verteidigungstrategien des Gegner reagieren kann.
Gruß, Christoph
Hallo Andrè,
danke für deinen beeindruckenden Beitrag. Du behandelst zwar nicht direkt das Thema, aber öffnest wahrscheinlich vielen (auch mir) mal wieder die Augen, welchen Luftschlössern nachgejagt wird. Ich persönlich habe auch keine Ambitionen, meine Kinder (also alles 12, nicht nur meinen eigenen
) irgendwann Bundesliga spielen zu sehen. Aber ich möchte ihnen den Weg auch nicht verbauen. Solange sie bei mir sind, möchte ich alles tun, um die Option des leistungsorientierten Weg offen zu halten. Ob sie ihn dann irgendwann einschlagen hängt sowieso von vielen Faktoren ab, die ich gar nicht beeinflußen kann.
Mich würde es unglaublich stolz machen, wenn sie dem Fussball erhalten bleiben und als Erwachsene im gehobenen Amateurbereich kicken (wozu sie sicher alle das Potential haben).
Meine persönliche Motvitation ist aber nicht nur langfristig angelegt. Ich erfreue mich auch an kurz- und mittelfristigen Zielen. ich möchte mit ehrgeizigen Kindern arbeiten. Ich möchte eine Entwicklung sehen, sowohl in der Mannschaft als auch individuell. Ich möchte kein Larifari-Training und kein Kinderbetreuer spielen. Ja, und ich möchte auch gewinnen. Aber ich möchte altersgerecht handeln und die Kinder nicht für Ergebnisse opfern oder durch übermäßigen Druck zum Aufhören zu bringen. Dabei stelle ich mir derzeit halt die Frage, wieviel "Intensität" kann ich fordern und ist es überhaupt sinnvoll diesem Aspekt Aufmerksamkeit zu schenken.
Hallo holzi,
ich denke, du hast das ganz gut zusammen gefasst. Viel kann ich deswegen dazu gar nicht sagen. Ich kann eher bestätigen, dass die Halle den Kindern wirklich sehr gut tut. Damit sollte klar sein, dass man auch auf beim Feldtraining hallenähnliche Bedingungen schaffen sollte (kleine Räume, hohes Tempo, viele Ballaktionen, statt der Bande muss man die Bälle als Trainer schnell wieder einspielen).
Das Stützpunkttraining/-scouting fängt bei uns im Kreis jetzt zum Ende der Saison an. Ich bin selbst gespannt und habe auch relativ hohe Erwartungen.
Gruß, Christoph
Guten Morgen,
ich glaube die Diskussion driftet so ein wenig in die falsche Richtung (Edit: bezogen auf Folkao und Don Quijote, die Antworten von Andrè und holzi kamen parallel zu meinem Schreiben), wobei ich da auch selbst nicht unschuldig bin, weil ich das Wort "Handlungsschnelligkeit" erwähnt habe. Handlungsschnelligkeit ist per se immer positiv. Über Handlungsschnelligkeit brauchen wir uns nicht unterhalten. Dass ich als Trainer Handlungsschnelligkeit fördern muss, durch Spiele in engen Räumen und gegen starke Gegner, ist vollkommen klar.
Mir geht es um einen Punkt (Intensität, Drauf gehen, Arbeit gegen den Ball), wo ich nicht sicher bin, welches Maß die Kinder benötigen bzw. inwieweit ich da als Trainer fordern und "Druck" machen muss. Ich hatte das hier (sowohl im Zitat als auch im Text) schon ausgeführt.
Der Grund der hohen Intensität in den NLZ liegt IMHO hauptsächlich darin begründet, dass man das Spiel des Gegners "zerstört", also eine reine Ergebnisfokussierung. Dass das auch funktioniert steht außer Frage, aber bekanntermaßen ist der Mannschaftserfolg in diesem Alter zweitrangig bzw. darf nicht auf Kosten der individuellen Entwicklung gehen. Ich bin der Meinung, dass "Spiel zerstören" für zehnjährige Kinder nicht der Hauptaspekt sein sollte, Fussball zu spielen. Natürlich gehört das zum Fussball dazu (gerade wenn es irgendwann im Erwachsenenfussball um Karrieren, Geld, Vereinsinteressen, Arbeitsplätze, Auf- und Abstieg geht). Aber ich denke, ein zehnjähriges Kind sollte Fussball hauptsächlich spielen, um sich selbst zu entfalten und Erfahrungen mit dem Ball und nicht gegen den Ball zu sammeln.
Genauso bin ich halt skeptisch, ob diese Intensität nicht zu Lasten der spielintellektuellen Entwicklung geht. Natürlich ist es gut, wenn man lernt unter erhöhtem Gegner-, Zeit- und Raumdruck zu spielen, aber ist es auch gut, wenn man nur "balljagend" unterwegs ist?
In dieser Hinsicht ist das Argument von Folkao, dass ein Spieler Intensität von Hause aus mitbringt, interessant. Ich muss zugeben, dass ich auch einen sehr intensiv spielenden Jungen in der Mannschaft habe. Das würde für diese Theorie sprechen. Auf der anderen Seite kenne ich Spieler, die dieses Verhalten erst in den NLZ an den Tag gelegt haben, vermutlich auch aufgrund der größeren Konkurrenzsituation, den Erwartungen der Trainer/Eltern und den Spielerfahrungen in diesem Umfeld. Sind das dann die Kinder, die nach zwei, drei Jahren genug vom NLZ haben und dann lieber wieder mit ihren Freunden "just vor Fun" spielen wollen? Schaffen es also nur die Spieler, die von Hause aus "intensiv" spielen?
Das würde ja wiederum bedeuten, dass ich mir als Breitensport-Trainer darüber keine Gedanken machen brauche und die unintensive Spielweise der meisten Spieler einfach akzeptieren muss.
Mir ist klar, dass es auf die Frage nach der Intensität kein eindeutiges Ja oder Nein gibt, sondern die Frage einen beträchtlichen Graubereich hat. Mir ging es auch haptsächlich um die Diskussion und eure Erfahrungen zu diesem Thema.
Gruß, Christoph
Hi Oliver,
deine Argumentation ist schlüssig. Und sie ist auch verständlich, argumentierst du doch aus Sicht eine NLZ-Vaters.
Für mich ist die Frage nach der Intensität aus einer anderen Sicht interessant:. Wieviel "Intensität" brauche ich bei einer ambitionierten Breitensport-U11?
Ich muss zugeben, dass ich meine Jungs vom technischer Vermögen und dem Spielverständnis nicht weit entfernt von den NLZ-Teams sehe. Im obigen Spiel ist kein Spielzug und keine Finte, die ich von meinen Jungs nicht auch schon so oder so ähnlich gesehen habe. Ich kenne auch das Leistungsvermögen mehrerer 2005er und 2006er-Kinder, die in ein NLZ gewechselt sind, aus den Breitensportzeiten. Auch hier sehe ich keine riesigen Unterschiede zu meinen Kindern. Anders formuliert: Ich würde einigen Jungs den Sprung in ein NLZ-Team zutrauen. Vielleicht nicht als Leistungsträger, aber mitschwimmen könnten sie aus fussballerischer Sicht schon (die mentalen Aspekte und die Einbindungproblematik in einem fremden Umfeld lasse ich mal außen vor).
Aber trotzdem haben wir gegen gleichaltrige NLZ-Teams kaum ein Chance bzw. können so gerade gegen jahrgangsjüngere NLZ-Teams mithalten. Die Unterschiede liegen eindeutig in der Intensität/Handlungsschnelligkeit/Tempo/Aggressivität, nicht im technischen Vermögen oder dem Spielverständnis. Die Frage ist halt, ob ich als Breitensport-Trainer auch probieren sollte auf dieses Intensitäts-Niveau zu kommen. Und wenn ja, welche Methodiken sich da anbieten. Meine Zweifel, ob man das in dem Alter überhaupt anstreben muss, habe ich ja schon ausführlich angeführt.
Schönen Gruß, Christoph
Moin,
noch was Grundsätzliches zu dem Thema Passen/Dribbeln in diesem Alter. Sobald die Kinder die technischen (Ballführen mit aufrechtem Blick, beidfüßige Ballan- und mitnahme in alle Richtungen, beidfüßiger Innenseitstoß) und körperlichen (peripheres Sehen) Fähigkeiten mitbringen, um kollektiv Fussball zu spielen und entsprechende Spielerfahrungen gesammelt haben, dann passen sie auch und spielen "miteinander".
Den Drang alles alleine zu machen und ins Dribbling zu gehen, legen die Kinder mehr und mehr ab, weil sie a) merken, dass die Erfolgsaussichten oft schlechter als ein Abspiel sind und b) weil sie von ihren Mitspielern angepflaumt werden, wenn sie nicht abspielen (was zur Isolation im Team führt). Die Kinder sind da durch Sky, X-Box und Playstation auch schon sehr stark sozialisiert in Bezug auf den Mannschaftssport Fussball.
Ich habe in fünfeinhalb Jahren Kinderfussball praktisch nie ein Abspiel von den Kindern gefordert, ich habe das Passspiel auch in den Besprechungen so gut wie nie thematisiert. Ich habe "nur" Trainingsmethodiken angewendet, die den Sinn des Zusammenspiels erkennen lassen (was nicht heisst, dass wir nicht auch Finten, Dribbling und 1:1-Situationen trainieren). Ich habe den Kindern aber in 99,9% der Fälle die Entscheidung überlassen, ob sie dribbeln oder passen.
Trotzdem passen die Kinder in diesem Alter überwiegend. Das ist nicht unnatürlich. Gerade wenn sie dem Gegner spielerisch überlegen sind, wenden sie mit Freude das Passspiel an. Obwohl man eigentlich das Gegenteil vermuten würde. Deswegen finde ich das Verhalten der U11-NLZ-Kinder in dem obigen Spiel auch nicht fremdbestimmt oder erzwungen. Vor allem unter dem Aspekt, dass trotz des schon an den Erwachsenenfussball angelehnten Spielaufbaus in höheren Zonen oft das 1:1 gesucht wird.
Gruß, Christoph
Alles anzeigenTrotzdem gibt es einen Punkt der mich "stört" bzw. bei dem ich nicht schlüssig bin, ob der NLZ-Fussball ein gutes Vorbild ist. Dazu sei gesagt, dass ich mir schon seit der U9 regelmäßig NLZ-Spiele angeschaut und vereinzelt auch gegen sie gespielt habe. Für mich als Breitensport-Trainer war und ist es immer interessant zu sehen, was die "da oben" anders machen. Neugier und Inspiration sind mein Antrieb, wobei ich manche Dinge auch kritisch gesehen und bei meiner Mannschaft vermieden habe, wie z.B. die typischen Manndeckungen der NLZ-Teams im Kleinfeldbereich schon bei der U9. Dieser Zwang schränkt IMHO die Entwicklung der Spielintelligenz ein und gehört nach meinem Empfinden nicht in den Kinderfussball.
Wo ich aktuell etwas hardere und weswegen ich diesen Thread eröffnet habe, ist die Intensität in der Spielweise. Gerade dieser extreme Fokus, immer sofort drauf zu gehen, zu stören und zu attackieren, macht mich nachdenklich. Ich möchte das auch ausführen:
Zum einen zweifel ich daran, dass die Kinder das aus freien Stücken tun und im unbeeinflußten Spiel auf der Strasse auch so drauf gehen würden. Dazu sei gesagt, dass ich immer der Meinung war und bin, dass man das Wettspiel nur so wichtig machen sollte, wie es den Kindern ist. Mein Job als Trainer ist es, ihnen im Training die Werkzeuge an die Hand zu geben (Technik, Athletik und Spielintelligenz) und ihnen dann im Spiel die Möglichkeit zu geben sie so anzuwenden, wie sie es für richtig halten. Ich bin kein Freund davon mit irren Ansprachen die letzten 10% rauszukitzeln und so zu tun als ob es in der F-Jugend-Kreisklasse um die Champions League ginge.
Zum anderen bin ich auch nicht sicher, ob dieses wilde Anlaufen ausbildungstechnisch überhaupt sinnvoll ist. Die Kinder sind mehr damit beschäftigt das Spiel des Gegners zu zerstören als das eigene zu gestalten. Geht da nicht der eigentliche Fokus des spaßbetonten Ausprobierens verloren? Wird da nicht zu viel Gehirn- und Muskelenergie an falscher Stelle investiert (nämlich um ein gutes Ergebnis (für den Trainer, den Verein und die Eltern) zu erzielen und nicht um selbst möglichst viel zu lernen)? Sind genau deswegen nicht auch viele Pässe unsauber, überhastet und technisch unzureichend? Sind deswegen nicht auch viele Staffelungen ungünstig und verhindern, dass die Kinder "Fussball spielen" (im Sinne vom kreativen Passen, Dribbeln und Ballkontakte sammeln)?
Mir ist schon klar, dass der Umgang mit erhöhte Gegner-, Zeit- und Raumdruck elementar ist, um irgendwann auf höchsten Herrenniveau zu spielen. Aber müssen die Kinder damit schon jetzt konfrontiert werden? Wieso kommen die meisten zehnjährigen NLZ-Spieler "oben" nicht an? Wieso sind die meisten Profifussballer erst mit 12 bis 14 Jahren ins NLZ gewechselt? Kann das auch damit zusammenhängen, dass sie in ihren vorpubertären Phasen noch "unintensiver" spielten als die NLZ-Kicker, die 1) irgendwann verbrannt waren und 2) eine wichtige Entwicklungsstufe im strategischen Verteidigen durch ihr "Draufgehen" verpassten?
Als Ergänzung zu diesem Punkt: Ich kenne eine sehr starke 2006er-Breitensportmannschaft. Leistungshomogen besetzt mit spielfreudigen und kreativen Kindern. In der Kreisklasse haben sie kaum Probleme mit den Gegnern. Sie zeigen viele schöne spielerische Ansätze, spielen kollektiv und unberechenbar. Wenn es dann gegen einen älteren und/oder stärkeren Gegner mal nicht so gut läuft, wird von außen immer "Tempo!" und "Druck!" gefordert. Nicht aggressiv, aber doch bestimmend. Das geht dann so weit, dass die Kinder immer kopfloser spielen. Sie jagen den Ball und katapultieren ihn schnell nach vorne. Sie spielen nicht strategisch oder kollektiv, sondern eher wie tollwütige Tiere. Die ganze Spielanlage wird sehr eindimensional und "billig". Selbst die komplettesten Kinder in dieser Mannschaft reduzieren ihre Fähigkeiten dann auf Kampf, Laufen und Schießen.
Wenn ich NLZ-Teams spielen sehe, erkenne ich gewisse Ähnlichkeiten, wobei die NLZ-Teams ihre spielerische Linie natürlich besser durchbekommen (vermutlich wegen der höheren Qualität und der größeren Erfahrung mit solchen Situationen). Trotzdem bleibt das Gefühl, dass die Intensität zu Lasten der spielerischen Klarheit geht.
P.S. Selbst Vergleiche mit Bundesliga-Teams sind schlüssig. Man denke an Leverkusen unter Schmidt oder Stuttgart unter Zorniger.
Ich habe in den letzten Wochen übrigens mehrfach Erfahrungen gegen Mannschaften gemacht, die nach meinen Vermutungen intensiver spielten als es ihrem Naturell entsprach. Einmal eine jahrgangsältere, aber spielerisch unterlegende Breitensportmannschaft, einmal ein jahrgangsjüngeres NLZ-Team und einmal eine gleichalte Mannschaft aus einem ambitionierten Vorstadtverein. Immer war der Effekt der gleiche. Lange Zeit hielten sie das Spiel offen bzw. lagen in Führung. Am Ende wendete sich aber das Blatt, weil sie die Intensität nicht durchgängig auf den Platz bekamen und am Ende einbrachen. Interessanterweise erkannte z.B. der NLZ-Trainer direkt nach dem Spiel diese Problematik gar nicht und führte die hohe Fehlerquote seiner Jungs als Grund für die Niederlage an.
Gruß, Christoph
Hallo,
erstmal danke für die zahlreichen und ergiebigen Antworten.
Mainz spielt in einem relativ klaren 2-4-2. Diese Formation spiele ich persönlich mit meinen 2005ern auch sehr gerne. Viele Verbindungen. Hohe Zentrumspräsenz. Gleichmäßige Raumbesetzung (eine große Raute ähnlich wie bei einer realtaktischen Aufstellung im Herrenfussball). Für die einzigen Außen gibt es viel Entfaltungspotential und ein breites Aufgabenspektrum. Mutige und offensive Ausrichtung. Keine Mauertaktik.
Übrigens erkennt man an der Positionierung der zwei zentralen Spieler, dass die Spieler noch lange keine fertigen Fussballer sind. Es wird oft zu ballfordernd gespielt, es fehlt an Tiefenstaffelung und raumöffnenden Bewegungen, um Dreiecke zu erzeugen und die flache Staffelung der mittleren Viererkette aufzulösen. Aber das nur am Rande.
Bei Frankfurt kann ich die Formation nicht so recht deuten. Ich sehe einen deutlicheren Stabilitätsfokus mit drei bis vier absichernden Spielern und sich dann zwangsläufig daraus ergebende Lücken und Unterzahlen auf dem restlichen Spielfeld. Chancen ergeben sich für die Frankfurter deswegen eigentlich fast nur aus Mainzer Fehlern, Zufällen, Bolzen, Konter und Schnellangriffen.
Theoretisch sind das natürlich alles mannschaftstaktische Aspekte, die in diesem Alter eine untergeordnete Rolle spielen sollen. Trotzdem kann man hier den Einfluß der Erwachsenen und eine Ergebnisorientierung erkennen. Hätte der Frankfurter Trainer den Mut besessen ebenfalls im 2-4-2 anzutreten, wäre das Spiel vielleicht 8:0 verloren gegangen, vielleicht aber auch 5:7 oder so. Auf jeden Fall hätten die Frankfurter mehr offensive Spielerfahrungen gesammelt. Und auf der Straße ohne Trainer hätten die Kinder auch nicht die Hälfte der Mannschaft zum Verteidigen "abgestellt".
Trotzdem bestätigen sich viele Vorurteile gegenüber NLZ-Trainer nicht unbedingt. Passpflicht? Dauercoaching? Fremdsteuern? Aggressivität und Druck? Bis auf einen lauten Ruf des Frankfurter Trainer konnte ich nichts dergleichen feststellen. Eigentlich können die Kinder ihre Entscheidungen scheinbar unbeeinflußt treffen und in dieser Hinsicht verstehe ich die barsche Kritik von Dirk auch nicht. Für mich ist die Spielatmosphäre durchaus altersgerecht. Die Kinder können ihre Erfahrungen machen und sich ausprobieren. Was nachher und vorher in der Kabine geredet wird, kann man natürlich nicht wissen. Verkampft, unglücklich oder verunsichert wirkt auf mich aber kein Kind.
Individualtaktisch sind die Kinder natürlich schon sehr weit für ihr Alter. Talente halt. Aber auch hier kann man nicht erkennen, dass das NLZ seinen Ausbildungsauftrag verfehlt oder zu früh altersfremde Themen gelehrt hat. Gerade im (offensiv-)gruppentaktischen Bereich wirkt vieles noch improvisiert und im (defensiv-)gruppentaktischen Bereich noch gar nicht vorhanden (Kettenbildung oder Pressingabläufe).
Trotzdem gibt es einen Punkt der mich "stört" bzw. bei dem ich nicht schlüssig bin, ob der NLZ-Fussball ein gutes Vorbild ist. Dazu sei gesagt, dass ich mir schon seit der U9 regelmäßig NLZ-Spiele angeschaut und vereinzelt auch gegen sie gespielt habe. Für mich als Breitensport-Trainer war und ist es immer interessant zu sehen, was die "da oben" anders machen. Neugier und Inspiration sind mein Antrieb, wobei ich manche Dinge auch kritisch gesehen und bei meiner Mannschaft vermieden habe, wie z.B. die typischen Manndeckungen der NLZ-Teams im Kleinfeldbereich schon bei der U9. Dieser Zwang schränkt IMHO die Entwicklung der Spielintelligenz ein und gehört nach meinem Empfinden nicht in den Kinderfussball.
Wo ich aktuell etwas hardere und weswegen ich diesen Thread eröffnet habe, ist die Intensität in der Spielweise. Gerade dieser extreme Fokus, immer sofort drauf zu gehen, zu stören und zu attackieren, macht mich nachdenklich. Ich möchte das auch ausführen:
Zum einen zweifel ich daran, dass die Kinder das aus freien Stücken tun und im unbeeinflußten Spiel auf der Strasse auch so drauf gehen würden. Dazu sei gesagt, dass ich immer der Meinung war und bin, dass man das Wettspiel nur so wichtig machen sollte, wie es den Kindern ist. Mein Job als Trainer ist es, ihnen im Training die Werkzeuge an die Hand zu geben (Technik, Athletik und Spielintelligenz) und ihnen dann im Spiel die Möglichkeit zu geben sie so anzuwenden, wie sie es für richtig halten. Ich bin kein Freund davon mit irren Ansprachen die letzten 10% rauszukitzeln und so zu tun als ob es in der F-Jugend-Kreisklasse um die Champions League ginge.
Zum anderen bin ich auch nicht sicher, ob dieses wilde Anlaufen ausbildungstechnisch überhaupt sinnvoll ist. Die Kinder sind mehr damit beschäftigt das Spiel des Gegners zu zerstören als das eigene zu gestalten. Geht da nicht der eigentliche Fokus des spaßbetonten Ausprobierens verloren? Wird da nicht zu viel Gehirn- und Muskelenergie an falscher Stelle investiert (nämlich um ein gutes Ergebnis (für den Trainer, den Verein und die Eltern) zu erzielen und nicht um selbst möglichst viel zu lernen)? Sind genau deswegen nicht auch viele Pässe unsauber, überhastet und technisch unzureichend? Sind deswegen nicht auch viele Staffelungen ungünstig und verhindern, dass die Kinder "Fussball spielen" (im Sinne vom kreativen Passen, Dribbeln und Ballkontakte sammeln)?
Mir ist schon klar, dass der Umgang mit erhöhte Gegner-, Zeit- und Raumdruck elementar ist, um irgendwann auf höchsten Herrenniveau zu spielen. Aber müssen die Kinder damit schon jetzt konfrontiert werden? Wieso kommen die meisten zehnjährigen NLZ-Spieler "oben" nicht an? Wieso sind die meisten Profifussballer erst mit 12 bis 14 Jahren ins NLZ gewechselt? Kann das auch damit zusammenhängen, dass sie in ihren vorpubertären Phasen noch "unintensiver" spielten als die NLZ-Kicker, die 1) irgendwann verbrannt waren und 2) eine wichtige Entwicklungsstufe im strategischen Verteidigen durch ihr "Draufgehen" verpassten?
Gruß, Christoph
Hallo Trainerkollegen,
mich würde mal eurer Meinung zu folgendem Spiel interessieren:
Es spielen die U11 von Mainz 05 gegen die U11 von Eintracht Frankfurt. Beide Teams gehören zwar noch dem E-Jugend-Jahrgang an, spielen aber in diesem Test schon im 9 gegen 9 auf dem D-Jugendfeld. Die 2005er von Mainz gehören seit dem F-Jugendalter zu den stärksten Mannschaften Deutschlands, sowohl was die Spielanlage als auch die Ergebnisse betrifft (was ja nicht zwangsläufig proportional zur Ausbildungsqualität sein muss).
Interessant wären für mich die positiven und negativen Aspekte einer (frühen) Förderung im NLZ-Zentrum und deren Perspektive. Wie würdet ihr das Spiel bewerten, wenn eurer Kind Teil eines der beiden Teams wäre?
Interessant/betrachtenswert finde ich folgende Aspekte:
- Spielintensität/Gegner- und Zeitdruck/physische Aspekte
- mannschaftstaktische Abläufe/Auflagen/Zwänge
- Spielaufbau/Formationen
- Verhältnis von Passen und Dribbeln
- Raum für Individuelle Kreativität
- Spielverständnis, Antizipationsfähigkeit der Kinder
- Spielauffassung/-ansatz der beiden Teams
- Verhältnis von "Spiel zerstören" zu "Spiel gestalten"
- Entstehung der Tore (1:0 - 17:55 Min, 1:1 - 20:37 Min, 2:1 - 44:14 Min, 3:1 - 52:03 Min, 4:1 - 1:07:24 Std)
- Ergebnisfokussierung und deren Auswirkungen auf obige Punkte
Ich freue mich auf eure Meinungen.
Schönen Gruß, Christoph
Wie periodisiert du dein Training und nach welchen Schwerpunkten?
Ich habe bis jetzt (U11) noch keinen Sinn darin gesehen, zu periodisieren. Mein Training war immer bunt. Ich kann das aber fachlich nicht begründen. Ist mehr ein Bachgefühl. Ich fand es kindgerecht so vorzugehen.
Es gab natürlich schon mal Phasen, wo ich Schwerpunkte stärker gesetzt habe (beispielsweise Zweikampf im zweiten Bambini-Jahr oder Spiel auf vier Tore in der F-Jugend), aber nicht wirklich nach technischen Ausbildungsaspekten. Für mich war immer wichtig, dass in (fast) jedem Training Ballkontakte, Spaß, Wettkampf, Speed, Spielformen und Fussball spielen, enthalten sind. Aber das Montagstraining kann völlig anders aussehen als der Mittwochstraining. Muss aber nicht.
Im letzten halben Jahr, seitdem wir 9er-Feld spielen, haben wir den Schwerpunkt auf Ballan- und Mitnahme gelegt und versuchen ihn in fast in jedes Training einzubauen. Zur Rückrunde behalten wir das bei. Hinzu kommt noch verstärkt Ballzirkulation und Intensität bei der Arbeit gegen den Ball. Aber alles in ein buntes Training eingepackt. Vielleicht sehe ich das in zwei, drei Jahren komplett anders und periodisiere. Das hängt wohl von der Entwicklung und dem Feedback der Mannschaft ab.
Gruß, Christoph
Hallo Strznievski,
ich teile deine Meinung zu 100%. Nur mit Spielformen (so gerne ich es auch machen würde) geht es leider nicht. Ich habe das Buch "Fussball durch Fussball" jetzt zu 2/3 durch und der größte Nachteil der Spielformen (das nur ein Ball im Spiel ist), wird leider größtenteils übergangen.
Ich persönlich bin ein großer Freund von Spielformen und wenn ich unendlich Trainingszeit zur Verfügung hätte, würde ich auch wohl ausschließlich mit Spielformen arbeiten. Aber bei zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche sind das einfach zu wenig Ballkontakte pro Spieler.
Ich glaube man kann trotzdem einen ganz guten Kompromiss finden, wenn man die vielen Ballkontakte mit Wettbewerb, Ballan- und mitnahme, Spaß, Kondition- und Athletiktraining mischt. Dann bleibt genug Zeit für Spielformen.
Schönen Gruß, Christoph
Hallo,
ich bin jetzt bei Kapitel 4, also ca. ein Drittel gelesen. Bis auf die RM-typische, manchmal etwas nervig hochgestochene Wortwahl erfüllt es meine hohen Erwartungen.
Es folgen allerdings noch interessante Kapitel, so dass ein abschließendes Urteil verfrüht ist.
Ich erwarte aber nichts anderes als die logische Fortführung des Horst-Wein-Ansatzes.
Was Horst Wein für den Kinderfussball ist, sollte "Fussball durch Fussball" für den Jugend-/Senioren-Fussball sein.
Gruß, Christoph
Ich bin der Meinung, dass eine dritte Trainingseinheit im Kinderfussball am besten auf freiwilliger Basis angeboten werden soll. Wir haben das so kommuniziert, dass wir von den Kindern die Teilnahme an zwei Einheiten erwarten und die dritte als Angebot zu verstehen ist. Damit stösst man keinem vor den Kopf und bietet den leistungsbereiten Kindern trotzdem die Möglichkeit, Ballkontakte zu sammeln.
Ich vermute, dass der Hockey schon immer etwas weiter als der Fussball war, weil die hohen Bälle weitestgehend weg fallen. Also muss im Hockey über Strukturen und Strategie und nicht über Zufälle und Glück zum gegnerischen Tor gelangt werden.
