Beiträge von Schimanski

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    Hallo zusammen,


    es ist soweit. "Meine" Jungs rücken in den Fokus der DFB-Nachwuchsförderung. In diesem Thread möchte ich die Entwicklung in den nächsten Wochen und Monaten dokumentieren, wobei ich zum jetzigen Zeitpunkt natürlich nicht sagen kann, wie lange diese Zeit andauern wird. Vielleicht ist auch nächste Woche Montag alles schon vorbei.


    Worum geht`s eigentlich? Der DFB sucht ab dem Jungjahrgang D-Jugend deutschlandweit die talentiertesten Kinder eines Kreises (bei mir: Kreis 9 im Fussballverband Niederrhein (umfasst den Großteil Duisburg (rechtsrheinisch), Mülheim und Dinslaken)), die NICHT in einem NLZ spielen, um sie einmal wöchentlich parallel zum Training im Breitensportverein zu fördern. Aus diesen Kindern und den stärksten Kinder des im jeweiligen Kreis ansässigen NLZ (in unserem Fall der MSV Duisburg) wird dann die Kreisauswahl gebildet, wobei das NLZ maximal acht Spieler stellen darf. Diese Kreiswauswahl spielt dann gegen die andere Kreise im Fussballverband Niederrhein Turniere, bei denen die Verbandstrainer sichten und die Verbandsauswahl bilden. Aus diesen Verbandsauswahlmannschaften werden dann in höheren Jahrgängen die U-Nationalmannschaften gebildet.


    Wieso dieser Thread? Zum einen zum Austausch, zum anderen aber auch weil ich selbst so einen Bericht gerne gelesen hätte.


    Ganz wichtig: Meine Eindrücke sind natürlich höchst subjektiv und keinesfalls allgemeingültig oder vollkommen. Es kann in anderen Kreisen ganz anders laufen, zudem habe ich als Papa von einem und Trainer von mehreren Anwärtern einen stark gefärbten Einblick. Ich werde mich trotzdem um Neutralität bemühen.


    Gleich geht`s los...


    Gruß, Christoph

    Ich habe mich letztens auch mit einem ehemaligen Profi unterhalten, der als Co-Trainer einer NLZ-Mannschaft unser Gegner war und laut eigenen Aussagen, die A-Lizenz besitzt. Obwohl ich früher als Fan zu ihm als Fussballer aufgeschaut habe und er wirklich sehr freundlich, kommunikativ und keineswegs abgehoben war, klang schon durch, dass fundamentales Wissen über Ausbildungsstrategien im Kindesalter fehlen. Wirklich vorwerfen kann man ihm das nicht. Er wendet schließlich die Methoden an, die ihn zum Profi gemacht haben.

    Auf welche Technikaspekte muss man den achten? Ich bin selbst ein schlechter Fussballer, deswegen frage ich.
    Mir ist gestern beim Warmmachen aufgefallen, dass es (logischerweise) sehr wichtig ist, auf welcher Höhe man den Ball trifft bzw. wo das Standbein steht. Ich habe selber oft den Ball etwas zu weit vor dem Körper getroffen, so dass der Fuß a) beim Schwingen nicht im Punkt maximaler Geschwindigkeit, sondern schon in der Entschleunigungsphase war und b) sich nach vorne immer weiter gerade gedreht hat, so dass der Ball nicht mit der harten Innenseite, sondern schon etwas mit dem Seitspann getroffen wurde, woraus auch eine leichte Rotation entstand. Aber es gibt sicher noch andere Aspekte, die man coachen kann...

    Die gängige Praxis ist wohl das Abkippen eine Mittelfeldspielers, um Überzahl in der ersten Aufbaulinie zu haben. Wichtig sind dann die Folgebewegungen in den höheren Zonen. Auch da müssen Spieler sich von ihren Positionen lösen und das Loch des Mittelfelspielers auffüllen, ansonsten leidet dein Spiel unter Verbindungsmangel und die Bälle werden dann doch wieder gebolzt.

    Moin,


    Mal eine generelle Frage: Wie oft sollte man eine solche Uebung durchfuehren bzw. wie lange dauert es, bis man erste Verbesserungen sieht? Ich weiss, das ist bei jeder Mannschaft anders. Aber mich wuerden da mal ein paar Erfahrungswerte interessieren.


    Ich bin der Meinung, mit solchen Spielformen erreichst du immer enorm viel in kurzer Zeit. Solche Übungen sind spielnah, haben enorme kreatives Potential, sind intensiv, fordernd und machen vor allem Spaß. Und wenn man Spaß hat, ist der Lerneffekt - wissenschaftlich bewegt - am größten. Ich mache in jedem Training Spielformen. Meistens geht die größte Zeit dafür drauf. In jedem Training. Oft dreimal die Woche. Wenn man die Jungs in Spielformen spielen lässt, kann man nicht viel falsch machen.


    Aber es kommt natürlich auch immer die Spieler an. Mir fallen da zwei meiner Spieler ein. Der eine ist seit einem Jahr bei uns, der andere seit zwei Jahren. Beide bringen und brachten viel atlethisches und technisches Potential mit, hatten in ihren alten Mannschaften aber nicht so gute Mitspieler. Beide bekommen bei mir viel Input in Sachen Spielformen. Beide nehmen unterschiedlich viel mit. Der, der kürzer bei mir ist, hat den, der länger bei mir ist, in Sachen Spielverständnis schon lange überholt. Er saugt das alles auf und wächst rasend schnell. Der andere zwar stetig, aber langsamer.


    Heute sagte ein andere Fussballtrainer zu mir, dass er davon ausgeht, dass in 10 Jahren jeder Fussballer, der es nach ganz oben schafft, Abitur haben wird. Er meinte damit natürlich nicht, dass die Spieler die Bildung für den Fussball bräuchten, sondern die Intelligenz, um den steigenden Anforderungen In Sachen Taktik und Strategie gerecht zu werden.



    Trainiere einen älteren Jahrgang E-Jugend, finde die Übung recht interessant und würde diese gerne mal im Training einbauen.Ich habe nur die Befürchtung, dass meine Jungs den "Wandspieler" gar nicht als sinnvoll ansehen und lieber den Torabschluss suchen werden. Wenn bei dieser Übung der Wandspieler angespielt werden kann, müsste doch meistens der direkte Weg zum Tor auch frei sein, oder?


    Könnt Ihr mir Eure Erfahrungen mal mitteilen?
    Danke schon mal.

    Instinktiv machen doch die Verteidiger den direkten Weg zum Tor zu. Wenn man dann den Wandspieler stattdessen anspielt, ergeben sich sofort neue Passoptionen und -winkel, Bewegung und Folgebewegungen, vor allem weil man ein zweites Tor/Ziel und eine 5:3 bzw. 4:3-Überzahl hat. Also haben die Spieler dadurch enorm viele Optionen zum Torerfolg zu kommen.


    Ein typischer Spiezug ist ein Andribbeln auf eines der beiden Tore. Der Verteidiger macht den Weg zum direkten Torabschluss zu. Also spielt man den Wandspieler an. Dieser lässt dann direkt vor eines der beiden Tore klatschen und der Ball wird dann entweder von einem nachstoßenden oder aber dem ursprünglichen Anspieler, der sich wie bei einem Doppelpass gelöst hat, verwandelt.


    Elementar wichtig ist natürlich dass die Jungs die Basics können (Kopf heben beim Dribbeln, einen beidfüßigen Innenseitstoß und eine flexible Ballan- und mitnahme). Das sollte bei den meisten E-Jugenden aber eigentlich der Fall sein.


    Viel kann man auch mit dem Coachen erreichen, indem man das Anspiel auf den Wandspieler überschwänglich lobt. Und wenn die Übung gar nicht läuft, weist man die Jungs in Situationen, wo sie sich festspielen darauf hin, dass sie ja auch den Wandspieler integrieren könnten. Die Jungs gucken sich ja auch untereinander einiges ab. Wenn du zwei, drei spielintelligente in der Mannschaft hast, die den Wandspieler nutzen, werden die anderen es irgendwann nachmachen, wenn sie den Nutzen darin erkennen. Dass ist dann der Flow (implizites Lernen), denn nur solche Übungen bieten und die eine Spielform immer einer vorgegebenen Passübung um Stangen und Hütchen herum, voraus hat (auch damit könnte man ja theoretisch das Spiel in die Tiefe und das "Klatschen lassen" trainieren, allerdings vom Trainer stur vorgegeben, ohne kreatives Potential, ohne Entscheidungsmöglichkeiten für den Spieler, ohne Ausprobieren, ohne Gegnerdruck, ohne Spielbezug und ohne Erfolgserlebnisse).


    Gruß, Christoph

    Ganz wichtig: Alle "Tricks", die man anwendet, um das Ergebnis nicht ausufern zu lassen, sollte man möglichst unauffällig umsetzen, also weder reinrufen, noch damit beim gegnerischen Trainer "prahlen". Die besten Tricks sind die, die man von außen nicht erkennt. Ansonsten wirkt das schnell arrogant und kommt - trotz gutem Willen - selten gut an.

    Wie schon oft in diesem Thread erwähnt, eignen sich kleine Spielformen alà Funino bestens, um das Passspiel zu provozieren bzw. den Kindern die Vorteile per impliziten Lernen nahe zu bringen. Auch Überzahlspiele sind gut geeignet und fördern gleichzeit bei den "Verteidigern" dass ballorienierte Spiel.


    Trotzdem müssen natürlich die Basics stimmen. Und das gehören für mich vor allem drei Dinge, auf die man ab der Bambini achten bzw. auch in der E-Jugend weiter fördern muss.


    1. Um einen Pass zum Mitspieler zu spielen, muss man das Spielfeld sehen. Also müssen die Kinder lernen beim Dribbling den Blick vom Ball zu lösen (Förderung durch Dribbelspiele mit visuellen Signalen)
    2. Um kreativ und unberechenbar zu dribbeln und in alle Richtungen zu passen, muss man beidfüßig sein. Deswegen jeden Übungsaufbau - wenn möglich - auf Beidfüßigkeit ausrichten und im Spiel immer den Versuch mit dem schwachen Fuß überschwänglich loben.
    3. Um auch unter Gegnerdruck Pässe zu behaupten, muss man die Ballan- und mitnahme schulen (also den Ball nicht totstoppen, sondern in einen neuen Raum mitnehmen). Auch hier gibt es unzähliche Möglichkeiten (mit welchem Fuß, mit welcher Fußseite, in welche Richtung, aus der Bewegung/Stand heraus, mit/ohne Richtungswechsel, offene Stellung, etc).


    So welche Basics kann man grundsätzlich ins Aufwärmen integrieren bzw. mit der Förderung von Schnelligkeits-, konditionellen und Wettkampf-Aspekten und vielen Ballkontakten verbinden. Die restlichen 60-70% des Trainings kann man dann Spielformen machen. Fussball durch Fussball ;)

    - Wo für ist das Spiel auf 4 Tore so wichtig? Das einzige was mir dazu einfällt ist, das das Spiel, nach vorne, mehr über die Aussen verlagert wird.

    Dann schaue dir mal ein Kreisklassenspiel in der B- oder C-Jugend an. Es wird (fast) immer wieder versucht, direkt Richtung Tor zu spielen, egal ob per Dribbling oder per Pass. Dadurch wird das Spiel sehr eindimensional, berechenbar und fehleranfällig. Fehlende Spielintelligenz hat für mich vor allem etwas damit zu tun, dass dem Spieler der Blick für kollektive Lösungen fehlt. Dabei ist ist es in einem Spiel, wo man elf gegen elf spielt, doch naheliegend, dass viele Wege nach Rom bzw. in Richtung Tor führen. Der direkte Weg ist dabei selten der Beste. Das gilt auch für die Verteidigung.


    Das Spiel auf vier (oder mehr) Tore fördert das kreative Denken und die Lösungvielfalt der Kinder und reduziert den Tunnelblick. Man kann sich ein 3 gegen 3 auf vier Tore wie ein Teilausschnitt eines "richtigen" Fussballspiels vorstellen (z.B. nur die zwei Achter und der Sechser im 4-3-3 spielen gegeneinander). Die kleinen Tore sind dabei die Passwege hin zu den Stürmern/Außen. Dahinter geht das Spiel später im richtigen Fussball "11 gegen 11" weiter.


    Gerade bei vielen Straßenfussballern und Anfängern erkenne ich zwei Prozesse im Kopf, die von der Position des Balles abhängen.
    a) ich habe den Ball nicht, Reaktion: ich laufe Richtung Ball
    b) ich habe den Ball, Reaktion: ich laufe Richtung Tor


    Das Spiel 3 gegen 3 auf vier Tore gibt dem Fussballspieler neue Reize für weitere Prozesse im Gehirn. Implizites Lernen.

    Ja, früher war alles besser. Grausames Gejaule. Ich lese da keine Argumente, sondern nur eine verklärte, romantisierte Sicht seines Lebensfrühlings und eine gewisse Intoleranz, Engstirnigkeit und Verbittertheit gegenüber der folgenden Generation. Es gibt auch zig Sachen, die früher schlechter liefen als heute, gerade auch was soziale Inhalte betrifft.

    Es kommt halt immer auf die Einstellung der Kinder an. In meiner jetzigen Mannschaft können alle Kinder mehrere Finten. Nicht alle Finten haben sie im Training gelernt ;)
    Aber ich hatte in der Bambini auch Kinder, die hatten nur zweimal in der Woche einen Ball am Fuß. Mit solchen Kandidaten würde ich niemals mehrere Finten einstudieren. Da wäre mir die Trainingszeit zu kostbar, mal ganz davon abgesehen, dass die Individualaschulung ohne Spiel&Wettberwerb selten lange Spaß macht.


    In 95% der Breitensportspiele sehe ich auch keine Finten (außer vielleicht Körpertäuschungen in ihrer einfachsten Form). Da wäre eine Finte, die auch unter Stress angewendet wird, schon ein enormer Hinzugewinn der spielerischen Variabilität. Das nicht jede Gegnerpostion mit passenden Finten beantwortet werden kann, empfinde ich dann als Meckern auf hohem Niveau. Können das denn alle Leistungsfussballer?


    Hier ist übrigens ein Vortrag zu dem Thema:


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    Seit den Landtagswahlen am Sonntag nichts gelernt. Hut ab!

    Wir haben letztens gegen ein NLZ-Team gespielt. Der Trainer coachte seine Kindern in vielen 1:1-Situationen mit den Worten "Mutig sein!".


    Zum Thema: Wenn man keine Zeit hat, ein umfangreiches Fintenrepertoire einzutrainieren, sollte man sich auf eine Finte beschränken und die dann konsequent einstudieren. Lieber ein Finte, die auch im Spiel angewendet wird als zehn Finten, die man nur ohne Gegnerdruck beherrscht. Die Finte muss nicht für alle Kinder gleich sein.


    Wir machen zum Aufwärmen im Training oder vor dem Spiel auch oft folgenden Aufbau:
    http://tv.dfb.de/video/twente-enschede-fintenschule/11700/
    Da hat man in relativ kurzer Zeit mit einem einfach Aufbau viele Ballkontakte und Finten und provoziert durch das Aufeinanderzulaufen, den bei einer Finte erwünschten Richtungswechsel und erzeugt dadurch eine gewisse Spielnähe. Wird beim Coerver-Fintentraining übrigens auch auf vergleichbare Weise gemacht...


    Gruß, Christoph

    Hallo Björn,


    ich gebe zu, mein Beitrag liest sich wie ein Vorwurf. War aber gar nicht so gemeint. Ich wollte damit eigentlich nur, die Coerver-Methodik in Schutz nehmen. Wer Technik und möglicht viele Ballkontakte in möglichst wenig Zeit verpacken will, wird immer Probleme mit Spaßbefreitheit, Monotonie und fehlender Spielnähe haben. Da muss halt jeder Trainer für sich entscheiden, wie er die richtige Mischung findet.


    Ich habe als Kind Tennis gespielt. Ich bin selten gerne zum Training gegangen. Für mich war die meist technikorientierte Schulung zu langweilig. Meine Trainerin war fachlich sicher sehr gut und ich habe in der Bewegungsauführung viel von ihr gelernt. Aber ich spiele heute kein Tennis mehr. Vielleicht lag es auch an mir. Vielleicht lag es aber auch am Training. Womöglich an beidem.


    Trotzdem haben mich diese Erfahrungen geprägt. Wenn ich als Trainer gelangweilte Kinder sehe (und das sieht man - noch bevor sie etwas sagen - relativ schnell schon an der Körperspannung), dann hinterfrage ich sofort meinen Aufbau. Technikorientierte Übungen mit einschleifendem Charakter schneiden da immer schlechter ab. Und auch in vielen Videos der MFS oder vom DFB sieht man den Akteuren das an.


    Ich meide solche Übungen deswegen oft oder halte sie so kurz wie möglich. Womöglich macht mich das in gewisser Form sogar zu einen schlechten Trainer, weil Kinder anderer Mannschaften technisch besser geschult sind. Im asiatischen Raum ist dieser "Technikdrill" aufgrund der landestypischen Mentalität noch ausgeprägter. Und wenn man sich die asiatischen Spieler in der Bundesliga anschaut, muss man feststellen, dass sie technisch alle überdurchschnittlich gut sind und sich deswegen auch gut in engen Räumen behaupten können. Ich zweifel deswegen auch nicht an, dass die Technikschulung nötig ist und die Kinder irgendwann die Früchte dieser "Arbeit" ernten.


    Grundsätzlich sollte das Training aber immer möglichst "bunt" sein, auch bei der Technikschulung. Da haben Technikrundläufe genauso ihre Berechtigung wie Ballmastery von Coerver. Wobei ich bei Coerver die parallele Schulung der Rhythmusfähigkeit sehr positiv finde und der Quotient aus Ballkontakte durch Zeit noch größer sein dürfte.


    Gruß, Christoph

    Ich persönlich finde die Technik/Koordinationsübungen alà MFS/Zodiak genauso wenig spielnah und unspannend wie die Coerver-Ballmastery-Sachen. Der - meist unmotviert oder einfach nur blind drauf geballerte - Torschuss (ohne Gegner- oder Zeitdruck) am Ende ändert daran wenig.


    Mir ist klar, dass es ohne diese Trainingselemente wohl nicht geht. Das ist wie beim Musikinstrument oder Schreiben lernen. Nur Ausprobieren reicht nicht.


    Bei Coerver ist es übrigens so, dass es Übungen gibt, die auf den Ball-Mastery-Elementen aufbauen und wo dann die Bewegungen unter erschwerten Bedingungen angewendet werden. Ich habe da z.B. ein Aufbau in Erinnerung, wo man eine Finte parallel mit Partner gemacht hat und durch den Übungsaufbau gezwungen wurde, einen wirklichen Richtungswechsel und eine Tempoverschärfung einzubauen, um erfolgreich zu sein bzw. nicht gegeneinander zu stoßen. Da konnte man schon von einer gewissen Spielnähe sprechen und die Dynamik in der Übung war auch eine ganz andere...

    Hallo,


    wir haben Coerver jetzt seit 1,5 Jahren im Verein. Alle zwei Wochen 45 Minuten mit einem externen Coerver-Coach. Die Inhalte sollen dann auch von uns "normalen" Trainern im Training angewendet werden.
    Das Echo ist gemischt. Oft fehlt es an Regelmäßigkeit und Konstanz (die Gründe sind vielfältig). Die Qualität der Coerver-Coaches variiert auch. Einige arbeiten etwas zu monoton/streng und motivieren wenig. Es gibt aber Kritik von der anderen Seite. Die Spieler lernen zu langsam, so dass auf den Inhalten nicht richtig aufgebaut werden kann. Dazu sei gesagt, dass Coerver-Training bei vielen Teams unbeliebt ist und es deswegen für die Trainer schwer ist, es in der "normalen" Trainingszeit anzubieten. Unser Verein ist allerdings größtenteils mit leistungsheterogenen Kreisklassen-Teams bestückt. In leistungsorientierteren Mannschaften sollte dieses Problem geringer sein.


    Ich persönlich finde die Ballbeherrschungs-Aspekte der Coerver-Schule für die Ausbildung sehr sinnvoll, gerade auch weil koordinative Elemente enthalten sind. Das ist in meinen Augen sinnvoller als über Koordinationsleitern zu hüpfen, weil halt zusätzlich ein Ball am Fuß ist. Alle anderen Aspekte der Coerver-Pyramide finde ich jetzt nicht so spektakulär. Die Inhalte unterscheiden sich nicht groß von anderen Trainingsmethoden. Eine Inspiration sind aber auf alle Fälle.


    Die Lernfortschritte bei meiner Mannschaft würde ich als wahrnehmbar bezeichnen. In Sachen Ballsicherheit, Beidfüßigkeit, Pressingresistenz und Fintenrepertoire ist die Entwicklung schon gut, wenn auch nicht überragend. Das liegt natürlich auch daran, dass ich selbst im "normalen" Training die Ballmastery-Aspekte kaum wiederhole. Zum einen sind die Kinder davon gelangweilt, zum anderen möchte ich auch andere Inhalte schulen. Ich bin ein großer Freund von spielnahem Training, also viele Spielformen und Wettkämpfe.


    Trotzdem muss ich feststellen, dass das alleine nicht reicht. Wir haben jetzt seit zwei Monaten Coerver-Winterpause. In dieser Zeit haben wir viel in der Halle und sehr spielorientiert trainiert, zudem viele Turniere in der Halle gespielt. Die Fortschritte in Sachen Handlungsschnelligkeit, Spielintelligenz und Lösungsfindung unter hohem Gegnerdruck und in engen Räumen sind unverkennbar. Nichtsdestotrotz ist die Beinarbeit bei einigen Kindern eher etwas schwächer geworden. Das würde ich der Coerver-Pause zuschreiben.


    Mein Fazit: Für mich steht außer Frage, dass die Ballmastery-Aspekte der Coerver-Schule eine enormen Bereichung in der Ausbildung sind. Coerver hat zwar auch spielnahe Trainingsinhalte wie 1:1 oder Spielformen, aber das ist für mich kein Alleinstellungsmerkmal. Das Problem sehe ich darin, dass der "Spaßfaktor" bei der Ballmastery überschaubar ist und man dafür die "spielnahen" Trainingsaspekte einkürzen muss. Da muss man die richtige Mischung finden. Idealerweise hat man lernbereite und motivierte Fussballer und viel Trainingszeit (zusätzlich). Dann verschwinden die "Nachteile" von Coerver. Diesem Ideal dürfte man gerade im Leistungsbereich sehr nahe kommen...


    Ich hatte beim Trainerwechsel meines MSV im Spätherbst im MSV-Portal-Forum sogar vorgeschlagen, Coerver im Profi-Bereich zu implementieren, um die individuellen Schwächen der Mannschaft in der Ballverarbeitung zu bekämpfen. Das habe ich todernst gemeint. Leider fehlt es da wohl noch vielerorts der Mut, neue Wege zu gehen...


    Gruß, Christoph

    Wenn der Ball auf Außen ist, schieben selbst in der Viererkette die meisten Profiteams die IV nicht bis zu den AV durch, sondern bleiben zentral bzw. bei den Gegenspielern und riskieren dafür eine Lücke im Halbraum. Selbst da sehe ich schon ein Bruch im Kettenverhalten. Wie soll das dann eine Dreierkette auf 70m Spielfeldbreite leisten? Ergo kann es ein kettenähnliches Gebilde mit drei Spielern in letzter Linie gegen den Ball kaum geben. Es muss dann als Fünferkette oder pendelnde Viererkette gespielt werden.


    Im Gegenteil ist es doch so, dass bei Ballbesitz drei statt zwei Spieler tief bleiben und die Dreierkette deswegen eigentlich absichernder und zentrumsfokussierter gespielt wird. Komisch, dass selbst Profitrainer wie Peter Neururer im Fernsehen sich immer noch so äußern, dass eine Dreierkette generell offensiver wäre (das kann natürlich trotzdem so sein, ist es aber meist nicht).


    Den eigentlichen Unterschied zur Viererkette sehe ich meist in der Flügelbesetzung bezogen auf das gesamte Team. Die ist bei der Dreierkette oft einfach (ein Außen macht die komplette Linie) und bei der Viererkette doppelt. Ergo hat die Dreierkette zwei Spieler mehr im Zentrum. Einer halt hinten zentral und einer im Mittelfeld oder Sturm. Die Breite muss dann ggf. situativ doppelt von den Halbraumspielern besetzt werden. Das finde ich persönlich eigentlich sehr modern und für die Fussballausbildung gut geeignet, weil es die Varibialität und Flexibilität der Spieler fördert.

    Die obigen Aussage kommt sinngemäß von Herrmann Hummels, Papa von Mats Hummels, gestern geäußert im Sport 1-Fantalk.
    Die Diskussion ging im Ursprung um die fehlenden Charaktere und die stomlinienförmigen Fussballer, die die NLZ "produzieren".
    Hummels sieht das Problem eher darin, dass zu oft der Wettkampfcharakter im Training fehlt.


    Hier ab 4:17 Min:
    http://video.sport1.de/sport/v…ng__0_0us1t78y?outbrain=1


    Mich würden eure Meinungen interessieren...


    Gruß, Christoph

    Bei uns war bis auf eine Ausnahme auch alles ruhig. Mir kam das in der Bambini- und F-Jugend-Zeit viel schlimmer vor. Da wurde wirklich von jedem zweiten Trainer vehement zum Joystick gegriffen. Jetzt im E- und D-Jugendbereich tragen die Kinder viel mehr Eigenverantwortung, vermutlich weil die Trainer da besser/erfahrener und die Kinder in ihren Entscheidungen stabil geworden sind.


    Gruß, Christoph

    @ Schimi

    Hab mir den ganzen Thread nochmal durchgelesen.
    Könnte es nicht sein, dass du im Grunde deines Herzens nicht ausschließlich danach suchst, wie du die "eigene" Intensität" auf das gleiche Level des Gegners bringst, sondern wie du dessen intensives Agieren gezielt abfedern kannst, um deinen angestrebten Spielstil weiterhin durchzusetzen?

    Da ist sicher etwas dran. Ich möchte den NLZ-Stil nicht mit aller Macht kopieren oder irgendwas erzwingen.


    Die Frage habe ich für uns übrigens so beantwortet, dass wir weiterhin den Kindern viele Freiheiten einräumen und sie so intensiv spielen lassen, wie sie es für richtig halten. Wir fördern die Intensität durch passende Spielformen und Spiele gegen intensive Gegner (also ein Freundschaftsspiel im Zweifel lieber gegen eine U10-NLZ als gegen eine U12-Breitensport).


    Dieses "hintenrum spielen", um den Druck zu lösen, wieder aufzufächern und Struktur in die Formation zu bekommen, ist für mich generell ein Zeichen von "guten" Mannschaften. Die Mainzer finde ich auch spielerisch wesentlich kompletter als die Frankfurter.