Moin,
Mal eine generelle Frage: Wie oft sollte man eine solche Uebung durchfuehren bzw. wie lange dauert es, bis man erste Verbesserungen sieht? Ich weiss, das ist bei jeder Mannschaft anders. Aber mich wuerden da mal ein paar Erfahrungswerte interessieren.
Ich bin der Meinung, mit solchen Spielformen erreichst du immer enorm viel in kurzer Zeit. Solche Übungen sind spielnah, haben enorme kreatives Potential, sind intensiv, fordernd und machen vor allem Spaß. Und wenn man Spaß hat, ist der Lerneffekt - wissenschaftlich bewegt - am größten. Ich mache in jedem Training Spielformen. Meistens geht die größte Zeit dafür drauf. In jedem Training. Oft dreimal die Woche. Wenn man die Jungs in Spielformen spielen lässt, kann man nicht viel falsch machen.
Aber es kommt natürlich auch immer die Spieler an. Mir fallen da zwei meiner Spieler ein. Der eine ist seit einem Jahr bei uns, der andere seit zwei Jahren. Beide bringen und brachten viel atlethisches und technisches Potential mit, hatten in ihren alten Mannschaften aber nicht so gute Mitspieler. Beide bekommen bei mir viel Input in Sachen Spielformen. Beide nehmen unterschiedlich viel mit. Der, der kürzer bei mir ist, hat den, der länger bei mir ist, in Sachen Spielverständnis schon lange überholt. Er saugt das alles auf und wächst rasend schnell. Der andere zwar stetig, aber langsamer.
Heute sagte ein andere Fussballtrainer zu mir, dass er davon ausgeht, dass in 10 Jahren jeder Fussballer, der es nach ganz oben schafft, Abitur haben wird. Er meinte damit natürlich nicht, dass die Spieler die Bildung für den Fussball bräuchten, sondern die Intelligenz, um den steigenden Anforderungen In Sachen Taktik und Strategie gerecht zu werden.
Trainiere einen älteren Jahrgang E-Jugend, finde die Übung recht interessant und würde diese gerne mal im Training einbauen.Ich habe nur die Befürchtung, dass meine Jungs den "Wandspieler" gar nicht als sinnvoll ansehen und lieber den Torabschluss suchen werden. Wenn bei dieser Übung der Wandspieler angespielt werden kann, müsste doch meistens der direkte Weg zum Tor auch frei sein, oder?
Könnt Ihr mir Eure Erfahrungen mal mitteilen?
Danke schon mal.
Instinktiv machen doch die Verteidiger den direkten Weg zum Tor zu. Wenn man dann den Wandspieler stattdessen anspielt, ergeben sich sofort neue Passoptionen und -winkel, Bewegung und Folgebewegungen, vor allem weil man ein zweites Tor/Ziel und eine 5:3 bzw. 4:3-Überzahl hat. Also haben die Spieler dadurch enorm viele Optionen zum Torerfolg zu kommen.
Ein typischer Spiezug ist ein Andribbeln auf eines der beiden Tore. Der Verteidiger macht den Weg zum direkten Torabschluss zu. Also spielt man den Wandspieler an. Dieser lässt dann direkt vor eines der beiden Tore klatschen und der Ball wird dann entweder von einem nachstoßenden oder aber dem ursprünglichen Anspieler, der sich wie bei einem Doppelpass gelöst hat, verwandelt.
Elementar wichtig ist natürlich dass die Jungs die Basics können (Kopf heben beim Dribbeln, einen beidfüßigen Innenseitstoß und eine flexible Ballan- und mitnahme). Das sollte bei den meisten E-Jugenden aber eigentlich der Fall sein.
Viel kann man auch mit dem Coachen erreichen, indem man das Anspiel auf den Wandspieler überschwänglich lobt. Und wenn die Übung gar nicht läuft, weist man die Jungs in Situationen, wo sie sich festspielen darauf hin, dass sie ja auch den Wandspieler integrieren könnten. Die Jungs gucken sich ja auch untereinander einiges ab. Wenn du zwei, drei spielintelligente in der Mannschaft hast, die den Wandspieler nutzen, werden die anderen es irgendwann nachmachen, wenn sie den Nutzen darin erkennen. Dass ist dann der Flow (implizites Lernen), denn nur solche Übungen bieten und die eine Spielform immer einer vorgegebenen Passübung um Stangen und Hütchen herum, voraus hat (auch damit könnte man ja theoretisch das Spiel in die Tiefe und das "Klatschen lassen" trainieren, allerdings vom Trainer stur vorgegeben, ohne kreatives Potential, ohne Entscheidungsmöglichkeiten für den Spieler, ohne Ausprobieren, ohne Gegnerdruck, ohne Spielbezug und ohne Erfolgserlebnisse).
Gruß, Christoph