Beiträge von Schimanski

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    Andre, du sagt es doch selbst. Passwege zustellen, nah am Mann. Das ist keine reine Ballorientierung, sondern eine Mischform. Ein reine Ballorientierung ist für mich sowas:

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    Im Profifussball spielt das kaum einer mehr so konsequent, vielleicht noch Favre in Ansätzen. Dass der freie Mann am anderen Ende vom Platz frei gelassen wird, steht außer Frage, aber es gibt wieder mehr situative Mannorientierungen in Ballnähe.

    Nabend,


    ich fand die Elternreaktionen interessant. Wie ein Eventpublikum ohne tiefgehende fachliche Kenntnisse.


    @Andrè: Das du dich immer so an der Manndeckung hoch ziehst :D
    Ich denke, der Trend geht wieder mehr zu Manndeckung, ohne dabei die mannschaftstaktische Struktur des Ballorientierten aufzugeben. Eine gute Mannschaft/Spieler wechselt in Sekundenbruchteilen zwischen Ball- und Mannorientierung. Wenn man nach der reinen Lehre im Mannschaftsverbund ballorientiert verschiebt, ist man in den meisten Spielen vermutlich chancenlos.


    Gruß, Christoph

    Guten Morgen,


    wieso funktioniert das System eigentlich? Wieso ist es möglich für relativ wenig Geld sein Kind in den Fussballverein zu stecken, während die Tennisstunde, die Balletstunde, der Klavierunterricht oder auch das Fussballcamp richtig Geld kosten?


    Ich denke, es liegt am Wettkampf. Der direkte Bezug zum Wettkampf fehlt bei allen oben aufgeführten kostenpflichtigen Angeboten. Für viele Trainer ist es fazinierend, die eigene Mannschaft am Wochenende gegen andere Mannschaften antreten zu lassen. Darüber kann man(n) sich gut definieren, darüber kann man(n) Selbstvertrauen tanken und die eingebrachte Arbeit in Form von Ergebnissen zurückbekommen.
    Ich merke es an mir selber. Ich hätte keine Lust unentgeltlich ein Fussballcamp zu betreuen. Den Stress brauche ich nicht. Aber ich betreue gerne eine Mannschaft, die dann gegen andere Mannschaften kickt. Ich forme und entwickle sie und freue mich auf das Duell mit anderen Teams.


    Genau deswegen finde ich es auch heuchlerisch, sich über gewinndenkende Trainer zu echauffieren. Es geht nicht ohne sie. Nur mit ihnen ist es möglich, dass Fussball ein Volkssport ist, der Millionen von Menschen für kleines Geld eine Fussballausbildung und -betreuung ermöglicht. Wenn wir den Wettkampf abschaffen würden, würde das System zusammen brechen. Billige Fussballausbildung ohne Wettkampf wird nicht funktionieren.


    Im Umkehrschluß finde ich es durchaus gerechtfertigt, dass man für Fussballausbildung, die sich nicht ausschließlich am Wettkampf, sondern an der Entwicklung orientiert, auch Geld verlangen kann. Das ist für mich dann Qualität und hat nix mit Geldgeilheit zu tun.


    Gruß, Christoph

    Steini: Aufschlussreiche Antwort :thumbup:


    Günter: Mein Sohn spielt seit einem Jahr auch viel Tischtennis in der Schule, ist aber koordinativ einer der schwächsten in der Mannschaft. Ich kann nur hoffen, dass du mit deiner Vermutung der langfristigen Effekten Recht behältst :D
    Grundsätzlich denke ich auch, dass Parallelsportarten immer helfen, egal ob die Bewegungen fussballnah sind.


    @All: Was haltet ihr von Trampolinspringen?


    Gruß, Christoph

    Hallo,


    mich freut eure Entwicklung sehr.


    Ich würde mich für einen Spieler nie verbiegen. Das ist ein Mannschaftssport und wer das nicht versteht, soll halt woanders sein Glück versuchen. Von dieser Mentalität wird die Mannschaft langfristig profitieren, selbst wenn schon mal "ein Guter" den Verein verlässt.


    Torprämie ist ein absolutes No-Go. Damit hatten wir auch schon Probleme und sind da konsequent vorgegangen (Mutter mehrmals darauf hingewiesen und dann auch auf dem Elternabend angesprochen). Der Junge spielt derzeit einen super Linksverteidiger und hat erst am Wochenende zwei Tore klasse vorbereitet :D


    Edit: Hier sind zwei schöne Video, die du auch deinen Eltern schicken kannst:

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    https://es-la.facebook.com/video/video.php?v=322958881061646


    Gruß, Christoph

    Moin,


    mir ging es bei der Threaderöffnung nicht um das Libero-Spiel (Ablaufen langer oder steiler Pässe des Gegners) oder das Anspiel des Torwartes bei starkem Gegnerdruck/Pressing, sondern um die ganz bewusste Integration ins Aufbauspiel. Ersteres wird doch heute schon konsequent gespielt, letzteres noch nicht.


    Wer hätte vor zwei, drei Jahren gedacht, dass Robben und Ribery defensiv so stark eingebunden werden? Wären van Gaal und Heynkes schon vorher auf die Idee gekommen, hätte es den deutschen Meister BVB vielleicht nie gegeben. Diese Spielweise ist doch nur eine Reaktion auf die Spielweise, die der BVB, Barca und andere initiiert haben. Genauso wird auch "hinten" immer offensiver gedacht und gespielt.


    Ich finde es naiv, davon auszugehen, dass das moderne Torwartspiel schon am Ende seiner Enwicklung ist. Ich vermute einfach, dass in den nächsten Jahren die Spielanteile der Torhüter noch stärker werden. Darauf möchte ich meine Kinder vorbereiten.


    Wie genau das auszusehen hat und wo die Fallstricke liegen, weiß ich nicht. Man muss es halt mal probieren ;)


    Gruß, Christoph

    Ergänzend:


    - Rotation - den so erfährt "der Stürmer", wenn er "hinten" spielt, am eigenen Leib wie abhängig man von Freilaufbewegungen der anderen ist
    - Spielformen mit geringer Spielerzahl und vielen Varianten in Bezug auf Feldgröße, Torposition und -anzahl
    - Kinder während des Spiels nicht für scheinbar falsche Entscheidungen kritisieren, sondern sie einfach machen lassen - der Erfahrungsschatz, den sie sich mit der Zeit aneignen ist wertvoller als jeder Trainertip
    - Spielformen die das Umschalten in die Offensive fördern


    Gruß, Christoph

    Danke für eure Antworten.


    Mir ist halt im Profifussball augefallen, dass der Torwart nur im Nofall angespielt wird und sich oft - scheinbar überflüssig - das Aufbauspiel der eigenen Mannschaft anschaut. Ich könnte mir vorstellen, dass mit der immer besser werdenden spielerischen Klasse der jungen Torhüter, die Torhüter immer mehr ins Aufbauspiel integriert werden, natürlich als fließender Vorgang, nicht von heute auf morgen. So eine Rolle wie Neuer heute spielt war vor zehn Jahren undenkbar und das wird nicht das Ende der Fahnenstange sein.


    Natürlich spielen die Torhüter bei uns regelmäßig im Feld. Mit gefällt es aber nicht, dass sie als Torwart nur auf der Linie stehen. Ich würde sie gerne schon jetzt ins Aufbauspiel integrieren und dazu gehört das Bewusstsein der ganzen Mannschaft dass da hinten einer ist, den man auch immer anspielen kann (das machen bei uns derzeit vielleicht zwei Spieler). Mir geht´s dabei gar nicht um ein konkretes Taktikgebilde oder ums Gewinnen, sondern darum, dass sie mit diesem Ansatz groß werden.


    Wir bemühen uns schon seit der Bambini nicht nur auf den langen Abschlag zu setzen, sondern auch alternativ den Ball nach vorne zu bekommen. Davon haben wir bis jetzt auch kaum profitiert (in Form von Ergebnissen), aber unsere Kinder nehmen etwas mit, was ihnen später Vorteile verschafft. Genauso würde ich das gerne mit dem Torwartspiel in Angriff nehmen.


    Oliver: Wir bauen viel über die Außenspieler auf, weil dort der meiste Platz ist. Die Kinder können in Ruhe den Ball verabeiten, den Kopf heben und dann spielen oder dribbeln. In der Zentrale ist dafür meist zu wenig Zeit/Platz bzw. fehlen unseren Kinder dafür vielleicht auch die Fähigkeiten. Vermutlich ändert sich das in der E-Jugend. Anders gesagt: Das, was der zentrale Abwehrspieler bei uns für den Aufbau macht, kann auch der Torhüter leisten.


    Gruß, Christoph

    Hallo,


    mal konkret auf unsere Mannschaft herunter gebrochen. Wir spielen 3-2-1. Der Aufbau läuft bei uns entweder über den langen Abschlag oder über die hinteren Außenspieler. Damit sind wir fast allen F-Jugenden weit voraus, da die wenigsten einen Aufbau von hinten raus probieren.


    Mich stört dabei aber die Rolle des mittleren Abwehrspielers. Er ist nicht ins Aufbauspiel integriert, sondern reiner Ausputzer und fast nur defensiv aktiv. Entweder fliegt der Ball über ihn hinweg oder an ihm vorbei. Meine Überlegung wäre versuchsweise auf 2-1-3 umzustellen, wobei der Torwart die raumfüllende Rolle des zentralen Abwehrspielern mit übernimmt, die zwei Verteidiger sich breit anbieten. Wir hätten dann vorne einen Spieler mehr und könnten vor allem die Flügel effektiver bespielt.


    Problematisch ist natürlich der Zeitpunkt des Ballbesitzwechsels, da das Zentrum sehr offen ist. Da müssten dann der Mittelfeldspieler und die Verteidiger sehr schnell und aufmerksam umschalten, IMHO aber nur eine Frage der Übung.


    Das kann man natürlich nicht von heute auf morgen machen, sondern muss man sukzessive einführen. Ich habe z.B. einen sehr starken Feldspieler, der auch Tor kann. Er würde sich für erste Versuche anbieten, später können sich dann auch etatmäßigen Torwärte ausprobieren, am Anfang gegen schwächere Gegner, später dann auch gegen die besseren Mannschaften...


    Gruß, Christoph

    Moin,


    als Jugendtrainer möchte man gerne fortschrittlich ausbilden. Eigenlich sollte man sich nicht am Erwachsenenfussball der Gegenwart, sondern der Zukunft orientieren. In den 90er war es z.B. suboptimal, mannorientiert auszubilden. Diese Generation hatte bei der Umstellung auf die ballorientierte Verteidigung Anpassungsprobleme, wurden schnell von den jungen Spieler der 00er überholt.


    Was ist der Trend der nächsten Jahre? Können wir als Jugendtrainer die Entwicklung voraussagen und unseren Kinder damit einen Vorteil verschaffen?


    Mir fällt da vor allem die Rolle des Torwarts ins Auge. Schon jetzt sind sie ins Feldspiel integriert und werden in Drucksituationen oft als Anspielstation gewählt. Die besten ihrer Zunft können den Ball dann sogar gezielt nach vorne spielen und/oder Pressinglinien überspielen (Neuer).


    Wenn man diese Entwicklung weiterspinnt, könnte man ihn sogar gezielt ins Aufbauspiel einbauen, z.B. als Ersatz für den abkappenden Sechser. Derzeit ist es im Profifussball ja so, dass die AV hoch und die IV breit schieben und der Sechser sich fallen lässt und man dann aus einer Dreierkette aufbaut, um so einen Spieler mehr in die Offensive zu bekommen. Kann die Rolle nicht auch ein Torwart leisten? Dann hätte man einen weiteren Spieler "über", den man offensiv einsetzen kann (Gegenspieler bilden, Anspielstationen schaffen, Räume besetzen).


    Ich überlege jetzt konkret, ob ich spätestens zur E-Jugend (also ab nächsten Sommer) den Torwart ins Aufbauspiel integrieren. Im Kinderfussball würde die Überzahl natürlich noch effektiver sein, weil einer mehr bei sechs natürlich schwerer wiegt als einer mehr bei zehn.


    Was haltet ihr davon? Wie kann ich die Kinder dazu animieren? Wo liegen Gefahren und Risiken?


    Gruß, Christoph

    Hallo,


    ich habe in der Bambini aus Naivität und Unerfahrenheit auch zu viel durchgehen lassen, jetzt in der F ist es ein großer Kampf Diziplin in den Haufen zu bekommen. Würde ich wieder eine Bambini bekommen, würde ich vom Anfang an konsequenter und strenger sein. Das heisst nicht, dass man rumbrüllt und Kinderherzen bricht, aber man muss klare Regeln aufstellen und Nichteinhaltung konsequent sanktionieren.


    Die Mutter scheint nicht auf eurere Seite zu sein, sonst würden die Kinder nicht zu ihr laufen. Für die Kinder ist sie ein Ausweg. Damit untergräbt sie eure Autorität. Die Mutter muss mit euch an einem Strang ziehen und hinter euch stehen. Falls sie das nicht möchte, würde ich sie bitten, während des Trainings das Vereinsgelände zu verlassen, selbst bei den Bambini. Ansonsten könnt ihr den Kampf nur verlieren.


    Gruß, Christoph

    Hallo Tobias,


    danke für deine interessante Auseinandersetung meiner Beobachtungen.

    Ich mache mal den Schlaumeier: mit hoher Laufbereitschaft und Spielintelligenz spielt sich jedes System leichter und besser.

    Sicher, aber im umgekehrten Fall kann ein System mit nur einem Außen und vielen zentralen Spielern, von denen man eine variable Interpretation erwartet, sehr anfällig und chaotisch enden. Ich denke da an die Spieler, die im Kinderbereich schon auf festen Positionen gespielt haben und wöchentlich aufgefordert wurde, ihre Position zu halten, zu passen und bloß nichts kreatives zu machen, was den Mannschaftserfolg beeinträchtigen könnte.


    Nach meinen Einschätzung dürften das mindestens 50%, womöglich sogar 70-80% aller Kinder sein, die seit der G-Jugend im Verein gegen den Ball treten. Eine Mannschaft, die größtenteils mit solchen Kindern spielt, bekommt durch ein relativ statisches System Stabilität, Ordnung und Sicherheit.


    Ich habe bei den zwei von mir beobachteten Spielen speziell auf den Moment des Ballbesitzwechsels geachtet. Für mich kann man in diesem Umschaltmoment gute Rückschlüsse auf das Spielverständnis ziehen. Einige Spieler blieben fast ohne erkennbare Reaktion (Position halten), andere sprinteten auf ein scheinbar im Kopf verankertes Ziel (Traineranweisung), die wenigsten analysierten die Situation und zeigten sich in ihrem Handeln flexibel. Umso mehr Spieler, man von letzterer Sorte hast, desto irrelevanter wird die Diskussion um das passende System.


    Eine konkrete Anordnung habe ich auch gar nicht Kopf. Ich würde mir vielleicht drei variable zentrale Spieler wünschen, die (fast) den ganzen Platz bearbeiten und situativ die Flügel, den Sturm und die Defensive unterstützen. Dazu zwei IV, zwei Außen und ein Stürmer, die die drei Spieler umkreisen und relativ positionsstarr spielen. Problematisch ist dabei natürlich das erwünschte Lernziel des Viererkettenspiels, so dass es wohl auf ein 4-3-1 hinauslaufen. Der Unterschied zu dem 4-3-1, was ich gesehen habe, wäre die abweichende Anordnung bei Ballbesitz. AV höher schieben und die offensiven Außen nicht auf dem Flügel, sondern auf den Halbpositionen.


    Bei uns wird von 16er zu 16er auf voller Spielfeldbreite gespielt.


    Gruß, Christoph

    Moin,


    ich antworte mal als F-Jugend-Trainer und Sofa-Bundestrainer, der kaum Ahnung davon hat, was D-Jugend-Spieler zu leisten imstande sind, aber sich aber schon für die taktischen Analyse des Profi-Fussballs begeistern kann (spielerverlagerung.de :thumbup: ).


    Ich habe mit zuletzt zwei Spiele unserer vereinseigenen D1 und D2 angeschaut. Beide spielen unterklassig, im oberen bzw. unteren MIttelfeld. Beide spielen mit Viererkette. Aufgefallen ist mir zum einen, dass die Viererkette relativ statisch spielt und sich meist darauf beschränkt zu verteidigen und auf einer Linie zu stehen. "Vorne" hat man dann meist Unterzahl und überlässt vieles dem Zufall bzw. Einzelaktionen. Fand ich schade, kann aber - wie gesagt - schlecht beurteilen, was in dem Alter möglich ist.


    Zudem ist mir die Sechserposition aufgefallen. Der jeweilige Spieler musste enorm große Räume bespielen, enorm viel laufen, wurde oft überspielt und hat dadurch doch wenig Zugriff aufs Spiel bekommen. Hier hätte ich mir einen zweiten Spieler gewünscht. Hinzu kam mit Sicherheit auch das relativ lineare Verhalten der "Außen", die kaum ins Zentrum gezogen sind (selbst wenn der Ball auf der anderen Seite war).


    Meine persönlichen Schlüße: Wenn Viererkette, dann mit hochgezogenen Außenverteidigern und/oder öfters zentral einrückenden offensiven Außen. Zwei relativ statische Außen pro Seite finde ich bei neun Kindern einfach zu viel, gerade im Bezug auf die Entwicklung des modernen Fussballs.


    Besser fänd ich - zumindest theoretisch - nur mit einem Außen zu spielen, das Zentrum zu stärken und von dort situativ die Außen doppelt zu besetzen, wobei das natürlich eine hohe Laufbereitschaft und Spielintelligenz voraussetzt. Wenn man bis zu E viel rotiert hat, sollte das aber umsetzbar sein.


    Aber - wie gesagt - das sind nur die Schlüsse aus zwei beobachteten Spielen, vielleicht ist das gar nicht repräsentativ....


    Gruß, Christoph

    Hi,


    ich bin da etwas anderer Meinung. Die ersten zwei Übungen sind für Bambini zwar eher weniger geeignet, aber die letzte Übung bietet sich für ältere Bambini durchaus an. Das Wettrennen davor macht den Kindern viel Spaß und das 1:1 ist nicht anderes als das, was die Kinder untereinander in der Tummelphase, im Kindergarten oder mit Papa im Garten auch machen. Man schult Körperlichkeit, Individualtaktik, Dribbling, Ballkontrolle, Körpertäuschungen, Beweglichkeit, Antritt, etc. also eigentlich fast alles was ein Fussballer braucht, außer Passen und Mannschaftstaktik :D


    Einmal die Woche fänd ich aber übertrieben. Da sollten die Schwerpunkte schon bei den vom DFB empfohlenen Alterzielen liegen. 1-2 Mal im Monat je 20 Minuten finde ich aber ok, je nachdem wie viel Spaß die Kinder an der Übung haben (es gibt ja unzählige Varianten, z.B. mit vier Toren oder variierenden Sprints). Bei meinen ist die Übung noch immer sehr beliebt.


    Wir machen solche und vergleichbare Übungen jetzt seid ca. 2 Jahren und sind vielen anderen Mannschaften im 1:1 sichtbar überlegen. Ob`s wirklich an den Übungen liegt, kann ich mit Gewissheit zwar nicht sagen, vermute aber schon, dass es einen gewissen Einfluß hat ;)


    Gruß, Christoph

    Nabend,


    Das ist eine gute Argumentation pro Rotation. Nur wer sich in die Lage der anderen versetzen kann, vermag ihre Aktionsradien zu antizipieren. Das hört sich taktisch hochgestochen an, sorgt aber spielerisch bei freier Rotation (auch während der Spiele, nicht nur von Spiel zu Spiel) für höhere Eigendynamik aller Akteure im Teamplay, dh Flexibilität und Agilität im Kopf wird stimuliert - und darauf kommt es an, wenn nicht nur blindes Tempo, sondern angemessenes Timing den Erfolg per Selbstkontrolle steuern lassen soll. Ohnedies (dh jeder ruht nicht nur in sich selbst, sondern per Antizipation seiner Aktivität in jedem Mitspieler) bliebe Tempo eher ein modisch beliebter Fetisch, der in der Summe dann oft nur auf Hektik (als Hauptfehlerquelle) hinausläuft.

    Ich hatte diese Woche zwei prägende Erlebnisse, die mir dieses Tatsache nochmal deutlich vor Augen geführt haben.


    Südpokalfinale bei uns in der Stadt, ältere F-Jugend Jahrgang. Für die Kinder wohl das Highlight der Saison. Ich habe den Stürmer der zurück liegenden Mannschaft beobachtet. Trifft seit der Bambini nach Belieben, bringt alles mit, physisch stark, tolle Schusstechnik, technisch gut, großes Kämpferherz, sehr präsent. Aber an diesem Tag lief es nicht. Er schaffte es nicht das Spiel zu lesen, die richtigen Schlüsse zu ziehen, sich passend frei zu laufen oder Mitspieler einzusetzen. Er konnte seinen defensiven Kollegen nicht helfen, wirkte zunehmend hilflos, überhastet, egoistischer und gefrustet. Für mich fehlten ihm Erfahrungswerte im Defensiv- und Aufbauspiel. Er konnte sich nicht in seine Kollegen hineinversetzen.


    Abends habe ich selbst gespielt, Hobbytruppe, links hinten, vor mir offensiv ein "Neuer", 15 Jahre, spielt im Verein, technisch und koordinativ top, guten Schuss, sehr schnell, eigentlich ein toller Außenspieler. Er hat aber unglaublich viele falsche Entscheidungen getroffen. Zum einen hatte der überhaupt kein defensives Verständnis (Räume zustellen, Deckungsschatten herstellen, Gegner decken), war defensiv eigentlich nur brauchbar, wenn der Gegenspieler "zufällig" auf ihn zulief. Eigentlich ließ er mich auf der Seite komplett alleine, obwohl es ihm an Willen nicht fehlte. Zum anderen wusste er im Offensivspiel nicht mit meinen Schwächen (langsam, technisch schwach) umzugehen. Er hätte diese mit seinem Können relativ leicht kompensieren können, erwartete aber stattdessen Dinge von mir, die ich nicht leisten konnte, so dass auch hier das Zusammenspiel überschaubar war. Ich habe ihn dann in der Halbzeit gefragt und er hat mir gesagt, dass er seine ganze Jugend vorne links spielt. Mit Rotation wären diese taktischen Schwächen nicht passiert. Da bin ich ganz sicher. Trotz der großen individuellen Klasse war sein Wert für die Mannschaft überschaubar.


    Deswegen denke ich, dass die Rotation nicht nur die individuellen Eigenschaften eines Spielers stärkt, sondern vor allem seine taktischen und sein Spielverständnis.


    Gruß, Christoph

    Hallo Berni,


    aus der Ferne würde ich dir raten drei Schwerpunkte zu setzen (wobei ich nicht weiß, wie und ich welcher Form du sie schon vorher umgesetzt hast):


    - Rotation zwischen Abwehr und Sturm (das wird kurzfristig an den Ergebnissen nix ändern, nur langfristig helfen). Dadurch steigt das Spielverständnis der Kinder enorm. Die Rotation sorgt dafür, dass jedes Kind mal Passgeber und mal Passempfänger ist und deswegen Erwartungen, Möglichkeiten und Verhalten der einzelnen Positionen bekannt sind. So werden sich die Kinder schneller vom Ball lösen, wenn die Mitspieler freie Räume erlaufen.


    - Spielformen zum schnellen Umschalten. Dazu findest du hier im Forum einige Vorschläge, z.B.hier oder hier oder hier
    Auch beim Abschlußspiel kann man das durch Provokationsregeln fördern (Tore zählen doppelt, wenn alle in der gegnerischen Hälfte sind, etc.)


    - Spielformen mit klaren Überzahlen (z.B. hier) und/oder geringer Spielerzahl. Auch hier kommt man nur durch schnelles Spiel zum Erfolg.


    Gruß, Christoph

    Hallo,

    Schimanski
    Die Schwierigkeit mit dem sportlichen Erflog: Da einige der Gegner fast nur 2004er sind, würde ich glaube ich auch verlieren, wenn ich meine "beste" Truppe auf Feld stelle. Dieses eine Jahr ist im Endeffekt zu viel.

    Die Situation ist mir nicht unbekannt. Gerade wenn die Spiele "aussichtlos" sind, bietet sich eine gewisse Rotation an, weil es eigentlich egal ist ob man 2:8 oder 1:13 verliert.
    Ich würde dann auch auf die gegnerischen Trainer zugehen und sie bitten, bei klarem Vorsprung die schwächeren Spieler zu bringen oder sie fragen, ob ihr einen Spieler mehr aufstellen könnt. Mit den meisten Trainer kann man darüber eigentlich ganz vernünftig reden, auch wenn es mit Sicherheit ein paar gibt, die das überhaupt nicht verstehen und die Augen verdrehen. Fragen schadet aber nichts.


    Wenn ihr dann aber gegen einen Gegner spielt, der mit euch auf Augenhöhe ist, würde ich die Mannschaft einfach mal in Bestbesetzung auf den optimalen Positionen spielen lassen. So ein Sieg kann das Umfeld beruhigen und die Kinder sehr glücklich machen. Dann bekommst du auch wieder Rückendeckung und kannst deine KiFu-Fahne hoch heben. Im nächsten Jahr seid ihr die "Großen" und dann wirst du auch langsam die Früchte deiner Arbeit ernten und die Zweifler mit eurer Spielweise überzeugen.


    Im älteren F-Jugend-Jahrgang hat man nach meinen Eindrücken schon Vorteile, wenn die Kinder komplett ausgebildet wurden. Der flache Spielaufbau wird immer wichtiger (geht nicht, wenn die Verteidiger nur wegdreschen gelernt haben), die Arbeit gegen den Ball (geht nicht, wenn die Stürmer nur vorne warten) und - vor allem - das Mannschaftkollektiv gewinnt immer mehr an Gewicht (vereinfacht: gegen den Ball kompakt, bei eigenem Ballbesitz breit). Dieses Verhalten lernen die Kinder am besten durch Rotation, da diese den Kindern die Abhängigkeit von den Mannschaftskollegen am effektivsten verdeutlicht.


    Trotzdem sollte man nicht blind rotieren. Es gibt so viele Möglichkeiten zu rotieren (in Freundschaftsspielen, wenn die Spiele entschieden sind, wenn der Spielausgang vorher feststeht, etc.), aber in knappen Spielen oder Derbys kann man auch mal in Idealbesetzung spielen. Das schadet keinem Kind, eher im Gegenteil. Es wird den Kindern sogar helfen, weil der Sieg dir die nötige Ruhe und Zufriedenheit verschafft, um die kindgerechte Ausbildung fortzuführen.


    Gruß, Christoph