Beiträge von Schimanski

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    Moin,


    @Schimmi: Genau das ist der fehlerhafte Ansatz vieler Trainer! Sie messen den Erfolg der Rotation nicht in Ausbildungsjahren, sondern an ein paar Spielen und behaupten dann, das Eine oder Andere wäre besser!

    Ich gehe sogar so weit und behaupte mit unserem 3-2-1 der letzten Wochen und unserem omnipräsenten Durchtanker, viel Rotation und viel Freiheiten hätten wir das Spiel noch höher gewonnen. Wer auf unsere Homepage schaut, sieht dass die Ergebnisse überhaupt nicht das Problem sind.


    Ich beobachte das im Erwachsenenfussball ja auch immer wieder. Spieler und Trainer werden gerade vom emotional geprägtem Publikum immer wieder nach Ergebnissen beurteilt. Im Kinderfussball ist das noch falscher, trotzdem können sich auch viele Eltern davon nicht frei machen. Da wird der lockere 13:1 gegen einen jahrgangsjüngere Mannschaft mehr gefeiert als das hart erkämpfte 4:5 gegen die Castings-Truppe des Regionalligisten, obwohl die Jungs im letzteren Spiel an ihre Grenzen gegangen sind und viel mehr mitgenommen haben.


    Eine Beurteilung darüber, was eine perspektivisch bessere Ausbildung wäre, kann nur der Trainer persönlich beurteilen, der dem kompletten Jugend- bis in den Seniorenbereich in Verantwortung stand.

    Stimmt, aber auch nur, wenn man mehrere, stark gegensätzliche Wege schon gegangen ist. Wer kann das schon behaupten? Ich vertraue da dem DFB und der Sportwissenschaft, reagiere aber trotzdem immer wieder auf ungünstige Entwicklungen in der Mannschaft und halte mich dann nicht sturr an Dogmen. In solchen Momenten suche ich möglichst viel Input und wende mich z.B. auch ans Forum. So wie hier.


    Die Vorteile der Rotation kann ich schon jetzt sehen. Da gibt es z.B. das Derby gegen den sehr starken Nachbarsclub. In der Bambini haben sie uns meist geschlagen. In der F haben wir dreimal gewonnen, obwohl die Spiele immer ausgeglichen waren. Grund waren deren Abwehrspieler, die Probleme hatten unsere Spielzüge zu antizipieren, weil sie meist hinten stehen und sich nicht in das Spiel der Offensiven hinein versetzen können. Unsere Defensiven haben hingegen viele Erfahrungen im Offensivbereich und waren so viel wacher und handlungsschneller.
    Vor zwei Wochen haben wir uns erneut getrofffen und - siehe da - auf einmal wird dort auch rotiert und ein Offensiver taucht hinten auf. Der Gegner hat eine Anpassung an unsere Spiel vorgenommen. Hat mich auch gefreut.


    Gruß, Christoph

    Hallo,

    Zitat

    - Wie war Deine Herangehensweise beim Spiel in kleinen Gruppen? 3:3,
    2:2, 4:4, 3-2-1 von André, was ist die beste Vorgehensweise?

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Frage verstehe. Ich spiele im Training grundsätzlich in kleinen Gruppen beliebiger Anzahl. In der F kann man auch mal mit Überzahl oder freiem Spieler, der immer der Ballbesitzmannschaft gehört, spielen. Auch auf vier Tore solltest du regelmäßig spielen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Umso vielschichtiger, desto Spielintelligenz. Nur überfordern sollte man die Kinder nicht. Das sieht man aber schnell an ihrer Spielweise :D


    Zitat

    - Wie kann man Warteschlangen vermeiden und gleichzeitig den Kindern viele Ballkontakte ermöglichen?

    Einen Co-Trainer, so dass ihr die Übung an zwei Stellen anbieten könnt.
    Oder ein Parcour. Oder auf dem "Rückweg", z.B. nach dem Torschuss ein Dribbling. Oder eine spielnahe Anschlußaktion (nach gewonnen Zweikampf Torschuss etc.).
    Wir achten immer auf viel Speed, Wettkampf und vielseitige Bewegungen und Aktionen für alle. Dass man dabei nicht alles im Auge haben kann, liegt in der Natur der Sache.


    Zitat

    - Wie hast Du die Koordination trainiert? Kommt das von alleine oder kannst Du gezielt Übungen empfehlen? Ich baue jede Woche einen Rundparcours in der Halle auf (klettern, hüpfen, balancieren). Reicht das oder ist das unnütz?

    Isolierte Koordination mache ich nur in Wettkampfform. Sonst langweilen sich die Kids schnell. Oder integriert in eine Torschuss-, Dribbling- oder Passübung.
    Ein Rundparcour in der Halle finde ich super. Mache ich auch immer. Willst du noch ordentlich Speed in die Veranstaltung bekommen, baue ihn zweifach auf und lasse die Jungs gegeneinander antreten.
    Grundsätzlich bin ich aber auch der Meinung, dass Koordination nicht nur durch den Fussballtrainer geschult werden muss. Wir brauchen auch Zeit für die Fussballausbildung. Deswegen würde ich jede Parallelsportart immer gutheißen.


    Zitat

    - Wie trainiere ich heterogene Gruppen? Die Fortgeschrittenen gegen die
    Fortgeschritten spielen lassen und die Nachzügler gegen Nachzügler?

    Je nach Übung. Manchmal ist es gut, wenn Fortgeschrittene die Nachzügler fordern und anpushen.
    Meistens macht eine Trennung nach Leistungsvermögen aber schon Sinn, vor allem bei den Übungen, wo nur ein Ball im Spiel ist.


    Zitat

    Wie oder ab wann hast du Technik trainiert? (Thema Verwendung Innenseite, Außenseite)

    Isolierten technikübungen stehe ich eher skeptisch gegenüber. Klar, sie haben auch ihren Platz, aber meist nur ein paar Minuten. Zu schnell wird den Kids langweilig. Der Fun sollte an erster Stelle stehen.
    Die verschiedenen Passzonen des Fußes traineren wir meist in relaxter Atmosphäre wenn die Gruppe eher klein ist. Dann ist die Gruppe dafür sehr empfänglich und probiert viel aus. Das macht meist mein Trainerkollege, weil er ein bessere Fussballer ist.
    Verschiedene Dribbeltechniken (links, rechts, innen, außen, Hacke, Sohle, etc.) sollte man - wenn möglich - als Variante in jede Dribble/Aufwärmübung integrieren. Das habe ich in der Bambini leider zu selten gemacht. So früh wie möglich anfangen. Bei uns würde ich die Hälfte der Kids als beidfüßig einstufen (d.h. sie wählen auch im Wettkampf den anderen Fuß für einen Pass/Schuß). Hätte ich früher drauf geachtet, wären es bestimmt 2/3 oder mehr.


    Gruß, Christoph

    Hallo Andrè

    F Jugend, 40 Minuten wären bei uns zweimal 20 Minuten bis zu Abpfiff. Hast du dich hier verschrieben oder gibts das bei Euch so im Kreis...mal allgemein gefragt.

    Ja, 2x20 Minuten in der F-Jugend.


    Position zu halten....ist für mich eine Vorgabe in der F, die ich so ab der D fordern würde. Hinleiten dazu ja...aber abverlangen wäre für mich in der F ein Korsett für die Entwicklung von Spielintelligenz. Es hört sich so an, als würdest du eine erste Herren fachmännisch beschreiben. Du hast aber eine F, richtig?

    Meine Wortwahl klingt manchmal hochgestochen, richtig. Ich wähle die Worte der Anschaulichkeit wegen. Ich denke nicht, dass meine Jungs wie Erwachsene spielen ;)


    Pässe scharf und präzise....schön das er es macht, ...muß er aber nicht....F, genauso wenig muß er in diesem Spielalter abspielen. Wäre ich sein Trainer, dürfte er dribbeln bis er umfällt, wenn er es meint. Dazu würde ich sogar in die Diskussion mit selbstverständlich nörgelnden Eltern gehen. Diesen würde ich dann erklären, dass das was sie sehen wollen sich noch entwickeln wird und das ich dafür da bin, dass es sich entwickelt. Hier hätte ich entsprechend über Trainings versucht, ihm über die Spielerfahrung den Witz einzutanken, es selbst zu tun...und zwar ohne Vorgaben oder ähliches und das im Wissen, dass es geschehen wird...fragt sich halt nur wann? Ich habe hier nicht verstanden, wieso er das nun macht. Macht er es weil ihr vorgegeben habt oder wieso kommt er nun plötzlich dazu es zu tun?

    Er hat das gemacht, weil wir das von ihm gefordert haben - ganz bewusst. Er sollte sich selbst mal zurücknehmen und Raum für die anderen Kinder lassen. Das haben wir ihm auch genauso gesagt. Er hat genickt und das auch fantastisch umgesetzt. Für mich gehört das zum Mannschaftssport dazu und ist Teil der Perönlichkeitsentwicklung. Der Junge steht so oft im Fokus und hat so viele Freiheiten, da wird ihn diese "Auflage" nicht umwerfen, eher im Gegenteil, weil er erkennt, dass er auch so einen umheimlichen Wert für die Mannschaft hat und dabei die anderen zufrieden stellt.


    Wie gesagt...F....und....wir haben sie erinnert die Positionen zu halten = Vorgabe. Ich weiss das machen so gut wie alle Trainer und ich habe es damals auch in dieser Altersgruppe getan. HEUTE würde ich es halt anders probieren und es reizt mich direkt das zu versuchen. Sie würden -wie Dirk C. es mal deklarierte- nur ein "WIr wollen Tore schießen und Tore verhindern" als "Vorgabe" erhalten und dann man los. Den "Rest" sehe ich als trainerische Geduldsprobe und Charakterfrage in dieser Sache. Sie müßten sich nicht an die Position in dieser Altersklasse halten...heute bei mir nicht mehr. Ich würde sie versuchen dazu anzuleiten selber zu erkennen, dass das Vorteile haben könnte, würde aber in der F akzeptieren, wenn es so noch nicht klappt. Das Thema ist eigentlich...wie der Spieler hier um seinen Mann mit dem Ball am Fuß kommt und auch, wie er dem Gegner die Pille abluxt und sonst eigentlich nichts weiter. Wenn die paar Prozent für einen in dieser Altersgruppe immer noch unwichtigen Spielentscheid wichtig wären, sind die Spieler wohl noch nicht so weit es über ihr Können zu entscheiden oder wie? Diese Frage sollte jeder Trainer für sich entscheiden und über sein "Trainerich" mit Leben füllen! In der F hat man eigentlich dafür die Möglichkeit sie wirklich einfach spielen zu lassen, statt das Korsett des Erwachsenenfußballs überzustülpen. Für mich ist es Vorgabe und damit ein Korsett und damit Ausbildungsverhinderung.


    Auch wenn`s hart klingt: Aber ich kann deine dogmatische Leier vom frei spielen lassen nicht mehr lesen. Du dürftest meine Entwicklung der letzten Jahre doch eingermaßen auf dem Schirm haben, oder? Sie wurde doch auch von dir geprägt, aber so langsam solltest du mich doch so gut kennen und wissen, dass ich das nicht zum drölfsten Mal lesen muss (oder schreibst du das eher für einige stille Mitleser?).


    Manchmal wünschte ich dir auch ein paar Praxiserfahrungen im Grundschulkinderfussballbereich. So einfach wie du es dir vorstellst, ist es bestimmt nicht. So nach dem Motto: Ich lasse alle frei spielen wie auf der Strasse und das gibt dann Spielintelligenz im Überfluß. Es gibt ja nicht wenige Threads und Posts hier im Forum von mir, wo ich Probleme aus der Praxis umschreibe. Schon zur Bambini-Zeiten.


    Der obige Junge ist physisch locker ein E-Jugend-Spieler - Schuhgröße 35. Sehr kräftig, dazu technisch stark, einsatzfreudig und antizipert das Spiel des Gegner sehr schnell. Wenn ich den ständig frei laufen lasse, erstickt er die anderen Kinder. Er reisst alles an sich. Kann das im Sinne des KiFu sein? Wohl kaum. Irgendwann stehe ich nämlich alleine mit dem Jungen auf dem Feld. Es kann nicht sein, dass einer seine Spielintelligenz im Überfluss trainert (wobei die Frage erlaubt ist, ob er das überhaupt tut, wenn er sich immer durchtankt?) und die anderen in die Röhre schauen.


    Kennst du das, wenn Erwachsene (Trainer und Väter) bei den Bambini im Abschlußspiel mitspielen und den Jungs mal richtig zeigen, wie Fussball geht? Ich finde diese Anblicke immer extrem peinlich, weil die Kinder davon gar nix haben. Würdest du das gutheißen? Wie kannst du dann gutheißen, dass ein Kind ein Spiel auf ähnliche Weise dominiert?


    Das hat auch an dieser Stelle nix mit Ergebnisdenken zu tun. Der Junge hat, kann und wird mit seiner Art viele Spiele im KiFu-Bereich entscheiden. Wenn ich gewinnen will, lasse ich ihn machen. Darum geht es mir aber gar nicht. Mir geht es um die Entwicklung aller Kinder und der Mannschaft. Dazu gehört auch, sich mal zurückzunehmen.


    Unterschied MSV = E Jugend statt F Jugend oder vertue ich mich hier. Wäre es ein F...hätten die es auch noch nicht verstanden...sehe ich so für diesen Fall.

    Gleicher Jahrgang - habe ich doch geschrieben. Sie haben nur auf dem größeren Feld gespielt. Bilder
    Den Vergleich habe ich nicht angestellt, weil ich die Arbeit der NLZ nacheifern will, sondern weil ich wissen will, was die talentiertesten Kinder in diesem Alter zu leisten im Stande sind.


    Sehr schön...nur füllt Horst Wein seine Philosophie mit Leben. Er macht es gem. seinen Erläuterungen in seinem Buch "Entwicklung der Spielintelligenz" nicht durch Vorgaben wie ihr, sondern er stimuliert (führt hin und läßt die Kinder sich entwickeln und sie die Lösungen finden) statt zu instruieren (statt vorzugeben...Quadranten...Position halten...standen auf einer Linie usw....was Kinder diesen Alters doch niemals freiwillig tun würden ;). Zudem verlangt er nichts ab. Das alles kann er auf Grund seiner Einstellung und der Erkenntnis darauf, was Kinder einer bestimmten Altergruppe halt vom derzeitigen Entwicklungsstand zu tun in der Lage sind.

    Doch, er verlangt genau das ab. Da hast du nicht aufmerksam gelesen. Die Kinder sollen über Spielformen die Vorteile gewisser Rahmenbedingungen selbst erfahren und reflektieren. Diese konkrete Vorgehensweise findet man zwar erst in der zweiten Entwicklungsstufe, aber es ist nicht so, dass Horst Wein am laufenden Band das freie Spiel propagiert.


    Das Vorgeben ist bei vielen "ein in die Lage bringen" und man sieht einen Vorteil. Ich sehe es so, dass man einen Vorteil erwirkt, den noch wenige bringen können weil sie die berühmten Ausnahmen sind, man im Gegenteil dazu aber besonders eine Entwicklung da hin abschneidet, da man genau diese zum richtigen Zeitpunkt nicht zuläßt (halt durch diese Vorgaben/Instruktionen/Anweisungen/das Korsett aus dem Erwachsenenfußball usw.). Würde man als Trainer -sicherlich gut gemeint- dahin verfallen...würde vermutlich viel mehr oben herrauskommen können....denke ich fest.

    Sorry, das sind doch nur die üblichen Schwarz-Weiß-Floskeln. Die ganze Angelegenheit ist doch extrem vielschichtig. Wäre es so einfach, bräuchte ich die Diskussionen hier im Forum doch nicht zu suchen.
    Ich will bestimmt nicht irgendwelchen Erwachsenenfussball nachäffen. Ich messe die Kinder an dem, was sie leisten können. Ich fordere auch nicht Dinge, die sie noch gar nicht umsetzen können. Ich will das Beste für die Kids, aber auch für die Mannschaft. Dazu gehört nach meinem Dafürhalten neben der individuellen Förderung auch etwas Orientierung an den Mannschaftskollegen und Diziplin. Das, was man in dem Alter halt verlangen kann. In der Schule müssen sie sich auch an Regeln halten, damit das gemeinsame Lernen funktioniert. Da kann auch nicht einer machen was er will. Aus dem Alter, wo rechts und links egal ist, sind sie längst raus. Wer so ein Verhalten in der F-Jugend fördert ist ein schlechter Trainer.


    Ich möchte nochmals betonen, dass mein Statement kein Angriff sein soll. Ich möchte einfach nur offen und ehrlich benennen, was ich in Sachen Kifu so gedacht habe, als ich das so las. Gruß Andre

    Das glaube ich dir gerne. Aber dein reflexartiges Predigen der KiFu-Dogmen macht nicht den Eindruck, als wenn du dich mit meinen Problemen wirklich ernsthaft auseinander gesetzt hast.


    Gruß, Christoph

    Nabend,

    Ich empfehle Euch allerdings dringend, die Spieler in Zukunft nicht nur auf ihren Lieblingspositionen einzusetzen, ich würde diejenigen, die dazu in der Lage sind, wirklich auch munter rotieren lassen, für ihre Zukunft ist das, so meine ich, eine gute Sache -- mein Sohn kommt als einziger in seinem D-Jugendteam, das in der höchsten Spielklasse unterwegs ist, in Pflichtspielen regelmäßig auf Einsätze auf drei verschiedenen Positionen: Außenverteidiger, zentrales Mittelfeld (offensiv wie defensiv) und Mittelfeldaußen/Flügelstürmer (seine Mannschaft spielt 3:2:3), links wie rechts.

    Wir haben schon immer rotiert und zwar exzessiv. Letztens auf einem sehr stark besetzten Turnier sogar im Volleyball-Modus, also kreisförmig rückt jeder nach drei Minuten eine Position auf. Die wenigstens Kindermannschaften werden das ohne große Schwächung hinbekommen. Da könnte ich drauf wetten. Wir haben dadurch auch zwei Spiele knapp verloren, die wir vielleicht hätten gewinnen können. Aber für uns war an dem Tag die Ausbildung wichtiger.


    Wir haben die Rotation jetzt in dem einen Spiel etwas eingedämmt, weil die Kinder unserer Beobachtung nach etwas Stabilität und Sicherheit brauchten - auch und gerade für ihr eigenes Glück. Wir haben z.B. zwei, drei eher linear spielende Kinder, die sich hauptsächlich über das eigene Dribbling und den Torschuss definieren. In Sachen Freilaufen, Richtungswechsel, Kreativität und Spielverständnis sind sie den anderen Kindern etwas unterlegen, aber trotzdem keine schlechten Fussballer. Einer von beiden hat am Samstag eines seiner besten Spiele gespielt, weil ihm alle Gegebenheiten voll in die Karten gespielt haben. Er blühte dadurch richtig auf. Meine Aufgabe als KiFu-Trainer ist nicht nur auszubilden, sondern auch die Freude an dem Sport zu vermittlen. Die geht bei zu viel Rotation auch mal verloren. Das Gleichgewicht muss stimmen. Grundsätzlich kenne ich keine Mannschaft in meinem Umfeld, die auch nur annähernd so viel rotiert wie wir. Eher das Gegenteil ist der Fall.


    Das Spiel am Samstag hätten wir übrigens auch mit Rotation gewonnen. Mir geht es auch gar nicht um Ergebnisse, sondern um die Entwicklung der Mannschaft. Ich versuche das immer klar zu trennen, was man auch in meinen Spielberichten nachlesen kann.


    Ich schalte nun rüber zum Fußball, wo die Manndeckung in den letzten Jahrzehnten ja ziemlich in Misskredit geraten ist. Und wahrscheinlich ernten nicht nur bei uns Trainer, die ihre Kinder in Manndeckung spielen lassen, zumindest dafür eher abfällige Blicke. Ich habe auch, als ich Anfang der D-Jugend neue Spieler hinzu bekam, etwas erschreckt reagiert, als sie defensiv deutlich mannorientiert spielten und so manche absurde Situation entstand. Ihnen die Mannorientierung abzugewöhnen war ganz schön mühsam. Andererseits wurde bei ihnen auch bis zu dem Zeitpunkt nicht rotiert, so dass eine augeprägte Spezialisierung vorlag, und nur wenig für das Spielverständnis getan.

    Ich denke die Kinder sollten beides beherrschen. Im modernen Fussball verschwimmen die Grenzen ja wieder mehr und in 15 Jahren wird ein guter Fussballer in Sekundenbruchteilen switchen und sehr anpassungsfähig reagieren müssen. Ich habe von meinen Jungs noch nie Mannorientierung gefordert. Es wird aber demnächst bestimmt mal probiert ;)


    Unterscheidet Ihr zwischen Offensive und Defensive? D.h. sollen Eure Spieler stets in ihren Feldregionen bleiben oder ist das nur für die Offensive gedacht? Wie haben das MSV und VfL gemacht?

    Wir haben im 3-2-1 immer wieder den defensiven Außen gesagt, dass sie situativ aufrücken dürfen. Das haben die Jungs auch sehr gut gemacht und immer wieder Überzahlsituationen kreiert und freie Räume bespielt. Das war ja auch ein Vorteil des 3-2-1. Es gab vor den defensiven Außen keinen Mitspieler, der den Raum besetzt. Die Jungs hatten freie Bahn.
    Beim MSV und VfL und auch bei uns am Samstag gab es schon klare Trennungen zwischen der offensive und der defensive Reihen. Ich habe versuchsweise zwei spielintelligenten Außenspieler gesagt, sie sollten sich selbst abstimmen, wer vorne und wer hinten ist. Sie haben dann aber doch eher selten getauscht. Beim MSV und VfL kam natürlich das längere E-Jugend-Feld hinzu. Da war ein Tausch einfach durch die langen Wege nicht möglich.


    Trotzdem - und da bin ich wohl bei dem Punkt, auf den du hinaus willst - haben sowohl wir als auch der MSV und VfL im Mannschaftverbund ballorientiert verschoben. Kinder, die hinten versauern, während der Ball vorne ist oder Stürmer, die nicht nach hinten rücken, wird es bei mir nicht geben. Das haben wir schon in der Bambini immer wieder eingefordert und bei erfolgreicher Umsetzung gelobt..


    Gruß, Christoph

    Hallo zusammen,


    ich wollte euch mal kurz etwas Feedback geben. Wir haben am letzten Wochenende gegen eine mittelstarke Mannschaft gespielt und einige Anpassungen vorgenommen.


    - Unser "Durchtanker" spielte 40 Minuten die zentrale Abwehrposition und bekam auch die Aufgabe die Position zu halten und die Mitspieler einzusetzen. Das hat er wirklich überraschend gut gemacht. Gerade auch seine Pässe sind so scharf und präzise, dass es einfach schade ist, wenn er dieses Talent durch seine Dribblings und mangels Anspielstationen verschenkt.


    - Wir haben 3-3 Grundaufstellung gespielt und die Kinder auch einige Male daran erinnert, die Positionen zu halten. Die Folgen waren sofort offensichtlich. Der Ball lief einfach viel besser. Gegen den Ball büßten wir zwar etwas Kompaktheit ein (gerade wenn der zentrale Mann der vorderen Reihe sehr hoch stand), wir konnten das aber durch individuelle Klasse gut kompensieren. Es gab genügend 1:1-Situationen, die Kinder zeigten ihre gewohnte Spielfreude und Unbefangenheit.


    - Zudem haben wir relativ wenig rotiert und die Kinder auf ihren Lieblingspositionen spielen lassen. Das tat den meisten Jungs auch richtig gut. Die sieben Tore haben sich auf sechs verschiedene Kinder verteilt.


    Danach habe mich mir das Spiel MSV Duisburg gegen Borussia Mönchengladbach angeschaut, U9 wohl gemerkt, also unsere Altersklasse. Auch hier habe ich ein 3-3-Aufteilung mit klarer Struktur gesehen, zu Beginn mit extremer Mannorientierung, die im Laufe des Spiels aber immer mehr aufgegeben wurde. Die Mannorientierung ist wohl die Antwort auf die Quadrantenstaffelung, die nicht nur beim Fussballbaron, sondern auch in anderen NLZ von den Kindern gefordert wird.
    Unterm Strich gab es deswegen dann doch extrem viele 1:1-Situationen, also passend zum Ausbildungsschwerpunkt in dieser Altersklasse. Der Unterschied zu "unserem Spiel" zwei Stunden vorher war nicht gravierend. Das Tempo und die Laufbereitschaft waren höher (im Reviercup wird von der U9 bis zu U11 auf einem E-Jugend-Feld gespielt) und die Kinder haben sich schneller vom Ball getrennt, wobei auch viele Bälle nicht ankamen. Viele Tore sind durch individuelle Momente gefallen. Insgesamt sind unsere Jungs nicht sooo weit weg, vor allem in Sachen Zusammenspiel.


    Unterm Strich bin ich mit meiner KiFu-Welt wieder im Reinen. Ein paar kleine Anpassungen haben gereicht. Danke nochmal an Steini fürs Kopfwaschen und an tobn für die Ergänzungen.
    Horst Wein hat in seinem Buch übrigens einige Mini-Fussball-Varianten (z.B. mit tiefem Abwehrspieler oder vertikal geteiltem Feld) im Repertoire, die darauf abzielen Staffelung und Raumaufteilung zu verbessern. Das haben wir in dieser Woche schon im Training praktiziert. Auch hier überzeugten mich die Ansätze.


    Gruß, Christoph

    Wow. danke für die netten Worte und das Feedback!


    Ich möchte auch nicht auf alles konkret eingehen, weil es vielleicht nach Rechtfertigung klingt, ich mich wiederhole oder der Nährwert fürs Forum überschaubar ist.
    Deswegen picke ich mir nur ein paar Zeilen raus.

    Ich glaube das Du auf der Schwelle bist, den Fokus in die falsche Richtung zu legen. Du betrachtest hier das Spiel Deiner Mannschaft im Gesamtbild.

    Wer kann sich davon schon freimachen?
    90% der Mannschaft kicken seit über drei Jahren zusammen, haben es in der Vergangenheit schon mal besser gemacht und ich merke, dass bei einigen Kids derzeit etwas der Spaß verloren geht.
    Nichtsdestotrotz muss ich zugeben, dass ich in den letzten Wochen etwas Kontakt zu U9s aus dem NLZ-Bereich gehabt habe. Auch wenn ich deren Philosophie und Umgang mit den Kindern zu großen Teilen ablehne, nimmt man davon trotzdem etwas mit.


    Ich glaube auch nicht, dass die Unterschiede zwischen unserem Spiel und dem Quadrantenspiel so groß sind. Bei uns halten die Kinder gerade im hinteren Bereich auch die Ordnung und im Quadrantenspiel kommt es auch mal zu Ausbrüchen. Für mich sind es nur Nuancen. Wir würden jetzt auch nicht hingehen und die Kinder anschreien oder auswechseln, wenn sie ihre Position nicht halten.


    Im Gegenteil ist es eher als Hilfe und Unterstützung gedacht, da sie die mannschafttaktischen Abläufe und vor allem deren Folgen noch nicht allumfassend erfassen können. Sieben Kinder sind halt selbst in der F noch zu viel. Ein bekanntes Problem :rolleyes:


    Aha. Das wäre dann aber ein gänzlich anders gelagertes Problem, oder ? Dem willst Du mit Quadranten beikommen ? Also eine Maßnahme für ( oder gegen ) alle ? Oder eher individualtaktisch im Bezug auf den Durchtanker ? Wie spielen sie denn mit ihm im Tor oder wenn er Auszeit hat ?

    Interessanterweise geht der Junge auch gerne ins Tor und ist dort sehr gut. Wir haben ihn schon im ersten F-Jugendjahr einige Male ins Tor gestellt, um den anderen Kindern mehr Raum zu Entfaltung zu geben.
    Der Junge kann auch sehr gute Pässe spielen und ist charakterlich top. Also kein typischer Egoshooter. Richtig problematisch ist es erst die letzten Wochen geworden.
    Gerade auch weil er viele Spielzüge des Gegner antizipiert und abfängt, hat er oft den Ball. Dort ist es dann verständlicherweise oft eng (der Gegner verschiebt ja auch in Ballnähe). Er kann die Bälle gut behaupten, weil er den Ball auch eng führen kann. Wirkliche Passoptionen hat er nicht oft (auch weil die ballfernen Räume von den Kindern zu selten besetzt -> Problem der schlechten Staffelung). Deswegen kein Vorwurf an den Jungen.
    Unsere Idee war halt ihn durch die Quadranten den Jungen etwas einzubremsen und den anderen die Chance zu geben, das Spiel zu prägen. Mit Auswechslungen und der Abstellung ins Tor erreicht man natürlich etwas ähnliches, aber wir wollen auf den Jungen gegen starke Gegner ungern verzichten. Eine bessere Integretation ins Mannschaftgefüge fänd ich da passender. In mir steckt halt auch nur ein erfolgsgeiler Ergebnistrainer ;)



    Klar, mit drei Mann im Zentrum plus zwei seitlichen Verteidigern steht man sehr stabil. Ich würde dennoch das Spiel in zwei Dreierreihen bevorzugen...

    Das ist auch unser Ansatz fürs Wochenende. Die Quadrantenidee ist - auch dank eurer Wortmeldungen - erstmal zu den Akten gelegt.
    Wir haben das 3-3 auch schon zeitweise gespielt. Manchmal fehlte mir Präsenz im Zentrum (sollte mittlerweile kein Problem mehr sein), oder - wenn das Spiel sehr hektisch war - die Verbindungen, weil man nur zwei Linien in der Vertikalen hat.



    Mich würde jetzt echt mal interessieren, ob du im Training Minifußball spielen lässt.

    Ich dachte eigentlich, dass du mich besser kennst ;) Natürlich spielen wir viel Minifussball und auf vier Tore.
    Leider habe ich das Horst Wein-Buch derzeit verliehen, weil ich mich erinnere, dass er auch Mini-Fussball-Varianten mit Linien und Zonen im Angebot hat. Hintergund wird wohl auch die sauber Staffelung und die Ordnung sein.
    Ich habe mir diese Kapitel bis jetzt nicht durchgelesen, weil ich es für die F-Jugend unpasssend fand. Es könnte für uns aber trotzdem langsam interessant werden...



    Nein, das sehe ich nicht so. Sicher, bei älteren Spielern oder Erwachsenen würde man mehr Struktur sehen. Bei weniger guten Teams auch mehr Ordnung im Sinne von relativ starren Positionen. Bei richtig guten Teams allerdings käme die Struktur dadurch, dass sämtliche Spieler sich intelligent dorthin bewegen, wo sie am ehesten gebraucht werden. Sprich, ich meine, man sollte nun ganz besonders die Spielintelligenz deiner Spieler fördern. Mehr Ordnung im Sinne von klarer umrissenen Aufgaben für die verschiedenen Positionen wären da, meiner Ansicht nach, eher kontraproduktiv.

    Kann sein. Entscheidend war für mich eigentlich immer der Umschaltmoment. Das habe ich individualtaktisch schon in der Bambini geschult und viele Übungsformen darauf ausgelegt (defensive und offensive Aktion direkt im Anschluß).
    Bei Ballverlust muss man schnell die Räume in Ballnähe verengen und bei Ballbesitz auffächern. Eigentlich muss man für jeden Zustand zwei Grundordnungen den Kindern vorgeben. Diese Überlegungen habe ich aber verworfen, da unsere Spiel derzeit zu hektisch ist.



    Ich sehe bei der Definition von verschiedenen Positionen mit dedizierten Aufgaben im F- und E-Bereich die große Gefahr, dass die Kinder sich spezialisieren bzw. sich zu starr an die Position halten. Dadurch sinkt langfristig die Flexibilität erheblich.

    Das ist auch meine Grundauffassung. Ich bin aber auch der Meinung, dass Spielerfahrung durch nichts zu ersetzen ist. Dessen Nährwert ist im Moment aber überschaubar. Viel können die Kinder aus unserem Spiel im Moment nicht mitnehmen. So zumindest mein Eindruck.


    Gruß, Christoph


    P.S. Das Spiel morgen werden wir einmalig von einem Papa filmen lassen. Ich möchte mir das Verhalten der Kinder mal in Ruhe anschauen.

    Danke für deine Antwort, tobn. Ich denke der Vergleich zum Handball ist passend. Eine Mami, deren größerer Sohn Handball spielt, hat mir schon zu Bambini-Zeiten von den kindgerechten Ansätzen im Kinderhandball berichtet. Sie scheinen da etwas weiter als im Fussball zu sein...


    Heute habe ich selber mit einer erwachsenen Hobbytruppe Fussball auf dem Kleinfeld gespielt und wir waren passenderweise genau mit 14 Mann. Ich habe ganz bewusst auf die Staffelung geacht und manchmal auch ein wenig gecoacht (zwei Dreierreihen). Immer wenn wir geordnet standen, haben wir es dem Gegner sehr schwer gemacht. Auch im Umschaltmoment liefen die Angriffe meist sehr gut, da das Feld gleichmäßig besetzt war. Probleme haben wir dann bekommen, wenn wir die Ordnung verloren haben, auch weil teilweise unstrukturiert "draufgegangen" wurde. Die Probleme kamen mir bekannt vor.


    Zurück zu den Kindern: Wir haben im ersten F-Jugend-Jahr oft 3-2-1 gespielt und den offensiven Spielern alle Freiheiten gegeben. Diese Grundaufstellung war im Zentrum sehr präsent und wir erzeugen eine große Kompaktheit gegen den Ball. Die Räume auf den offensiven Flügel sollten situativ von den defensiven Außen und dem Stürmer bespielt werden. Dadurch haben wir den Kindern immer die Möglichkeit gegeben kreativ zu werden. Ich war sehr überzeugt, von den spielerischen Ansätzen, die sich daraus ergeben haben. Egal ob wir breit von hinten aufgebaut oder schnell umgeschaltet haben, die Kinder spielten ohne viel Coaching schon attraktiven, mannschaftsdienlichen und flexiblen Fussball.


    Mittlerweile covern die Kinder und die Gegner aber so schnell große Räume, dass diese Grundaufstellung und die ballorientierte, instinktive Spielweise nicht mehr funktioniert. Gegen schwächere Gegner drücken wir den Gegner in die eigene Hälfte und stehen uns fast auf den Füßen. Selbst die Abwehrspieler zieht es in diese Räume, so dass Kombinationen kaum möglich sind.


    Gegen gleichstarke Gegner werden die Spiele meist sehr hektisch und zerfahren. Der Ballbesitz wechselt oft sekündlich, weil in Ballnähe sehr viele Spieler sind.
    Wenn der Ball im Spielaufbau flach auf die defensiven Außen gespielt wird, fehlen die Verbindungen und Kombinationspartner, weil die drei offensiven Spieler zu schnell die hohen Räume anvisieren und auf lange Pässe, Abschläge und Zufallsbälle zocken. Wenn der Ball durchs Zentrum gespielt oder dort gewonnen wird, fehlen die breiten Anspielstationen.


    Kurzum: Es fehlt an Struktur und Ordnung. Es gibt zu viel Freiheiten. Ein ähnliches Problem hatten wir übrigens auch zum Ende der Bambini-Zeit. Damals haben wir vom freien Spiel aufs Positionspiel umgestellt und einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Auch jetzt habe ich das Gefühl, dass die Jungs ein wenig "eingefangen" werden müssen, vor allem auch um selber wieder besser zur Entfaltung kommen zu können. Wir müssen einfach dazu kommen, das Spielfeld in all seinen Dimensionen konsequent zu nutzen, gerade auch weil wir langsam aus dem F-Jugend-Feld "rauswachsen".


    Man zieht durch eine weit aufgefächerte Formation ja auch Gegenspieler mit und schafft sich so selbst Räume zum Kombinieren und Dribbeln. Die Nachteile in der Kompaktheit gegen den Ball beim defensiven Umschalten müssen wir einfach hinnehmen.
    Am Samstag werden wir entgegen der gestrigen Überlegungen trotzdem erstmal kleine Schritte gehen und die Kinder im 3-3 spielen lassen und ihnen sagen, dass sie die Positionen besser halten sollen und ggf. auch ein wenig von Außen coachen. Ich bin gespannt auf die Entwicklung und werde berichten.


    Für Feedback bin ich natürlich trotzdem weiter offen...


    Gruß, Christoph

    Moin,


    ich muss den Thread mal wieder hoch holen.


    Ich muss zugeben, dass ich derzeit sehr empfänglich für Fussballbarons "Quadrantenidee" bin, obwohl ich sie vor einem halben Jahr noch vehement abgelehnt habe. Unsere spielerische Entwicklung (unabhängig von der Ergebnissen) stagniert derzeit etwas bzw. ist in Sachen Zusammenspiel sogar rückläufig, obwohl wir sehr viele Spielformen im Training machen und immer zu den spielstärksten Mannschaften des Kreises gehört haben bzw. noch gehören.


    Ich versuche das Problem mal zu umschreiben: Das Spielfeld ist jetzt Mitte des zweiten F-Jugendjahres so klein geworden (bzw. die Kinder so groß/schnell), dass das ballorientierte, freie Spiel nicht selten dazu führt, dass wir uns in Ballnähe oft gegenseitig auf den Füßen stehen. Auch durch das Verschieben des ganzen Mannschaftsverbundes erzeugen wir oft großen Engen, die dazu führen, dass die Spiele sehr hektisch werden und viele Spiele eher durch physische Wucht und Zweikampfstärke als durch Zusammenspiel entschieden werden.


    Das alleine wäre ja noch kein Grund sich groß Sorgen zu machen. Problematisch wird es dann, wenn Kinder darunter leiden. Wir haben einen physisch und technisch sehr präsenten Jungen, der dazu neigt, dass Spiel an sich zu reißen. Wir haben das oft gut geheißen, weil er auch gegen den Ball sehr wertvoll ist. Im Moment habe wir aber das Gefühl, dass die anderen Kinder darunter leiden und unter ihren Möglichkeiten spielen. Wir haben sogar schon die Befürchtung, dass sie etwas resignieren, weil sie unter der Präsenz des "Durchtankers" ersticken und sich zurücknehmen.


    In den letzten Wochen ist immer auffälliger geworden, dass der "Durchtanker" das ganze Feld unabhängig von seiner Position beackert. Die passstarken Kinder kommen weniger zur Entfaltung, andere Kinder zocken unkoordiniert in freien Räumen auf zufällige Bälle. Auf dem Feld entstehen große Lücken. Die Staffelung ist einfach schlecht und ungleichmäßig. Zusammenspiel ist nur noch sporadisch vorhanden. Hinzu kommt noch die Rotation, die den Kindern weitere Sicherheit raubt.


    Eigentlich soll das freie Spiel die Kreativität der Kinder fördern, derzeit ziehen sie für mein Empfinden aber die falschen Schlüsse, zumindest perspektivisch gesehen. Was mir an der Quadrantenidee so gut gefällt, ist die Ordnung auf dem Platz, die den Kindern auch wieder Sicherheit gibt. Spieler X weiß, dass Spieler Y links neben ihm steht und umgekehrt. Das ist eine gute Basis für Zusammenspiel, die wir derzeit einfach nicht haben.


    Unser Plan ist jetzt, das Spielfeld in fünf Zonen aufzuteilen. Abwehr, Mittelfeld und Sturm, sowie zwei Außenspieler. In diesen Zonen sollen sich die Kinder relativ starr, aber eigenverantwortlich bewegen. Der sechste Spieler bekommt eine Freirolle und soll der Mannschaft da helfen, wo er meint. Diese Rolle wird der "Durchtanker" natürlich nicht bekommen, sondern eher ein spielintelligenter Spieler, der schon ein Blick für Räume und die Mannschaftbalance hat. Je nach Gegner werden diese Rolle aber alle Kinder mal bekommen.


    Eure Meinung würde mich interessieren...


    Gruß, Christoph


    Edit: Kennt jemand eine schöne Spielform, die die Idee des "hintenrum" spielen vermittelt und fördert? Wir haben vielleicht ein, maximal zwei Kinder, die im Spiel auf die Idee kommen, eine aussichtlose Spielsituation damit zu lösen, nicht ins Dribbling zu gehen, sondern umzudrehen und einen tiefer stehenden Mitspieler anzuspielen, um im Ballbesitz zu bleiben. Kopf heben beim Dribbling und einen sauberen Innenseitstoß können sie mittlerweile alle. Es fehlen eher die Vorraussetzung im Spielintellekt.

    Nabend,


    ich weiß zwar nicht, ob ich das als meinen/unseren größten Erfolg bezeichnen würde, aber es hat mich/uns schon sehr stolz auf meine/unsere Arbeit gemacht:


    Heute war ein sehr talentierter Jungs zum Probetraining, der beim direkten Nachbarn spielt und wo eigentlich bessere Bedingungen herrschen (KuRa-Platz, finanzstarker Sponsor). Er und sein Vater möchten aber trotzdem die Mannschaft wechseln, weil das Leistungsniveau bei uns homogener ist und er sich dadurch eine besser Förderung des Jungen verspricht. Er hat uns schon einge Male spielen sehen und unsere Spielweise und der Umgang mit den Kindern hat ihm wohl gefallen.


    Interessant dabei: Dieser direkte Konkurrent hat vor zwei Jahren noch "Bambini-Meisterschaften" gefeiert (Bolz- und Schrei-Taktik), während wir die KiFu-Ideale hoch gehalten haben. Mittlerweile ist der Trainer getauscht und die Mannschaft bis auf wenige Ausnahmen zerbrochen.


    Andrè hat mich schon vor Jahren prognostiziert, dass sich unsere Arbeit rumsprechen wird. Heute musste ich daran denken ;)


    Gruß, Christoph

    Das stimmt, Dirk, aber gerade im Kinderfussball sollte man darauf achten, das kein Kind eine Sonderrolle bekommt und einfordert. Dann klappt`s irgendwann auch mit dem Abspielen. Hier scheint doch bei dem Mädchen einges im Argen zu liegen.


    Unsere Mannschaft ist jetzt über drei Jahre gewachsen. Alle Kinder wurden immer annähernd gleich behandelt (Spielzeit, Positionen, Ein- und Auswechslungen), Passspiel haben wir so gut wie nie eingefordert und die Kinder immer machen lassen. Zudem haben wir im Training immer auf viele Spielformen und kleine Gruppen geachtet. In meinen Augen gehören wir zu den kombinationsstärksten Mannschaften in unserem Kreis. Trotzdem gibt es bei uns auch viele Dribblings. Die Balance macht uns sehr stolz weil die Jungs sich oft viel spielintelligenter und kreativer als die Gegner zeigen, auch wenn sich das im KiFu nicht zwangsläufig aufs Ergebnis niederschlägt.


    Letztens hat ein Kind von uns bei einer befreundeten Mannschaft mittrainiert. Im Abschlußspiel gab es von den anderen Eltern ein paar blöde Sprüche, weil er angeblich nicht abspielt. Dabei hat er die Dribblings in diesem Moment nur gewählt, weil ihm ein Pass nicht zielführend erschien. Er hat den Pass dann nach dem Dribbling gesetzt und damit mehrfach Riesenräume aufgerissen. Aber das haben selbst die Erwachsenen nicht verstanden. Wie sollen das deren Kinder dann lernen :rolleyes:
    Wenn das jetzt arrogant klingt, dann muss ich damit leben. Ich wollte es trotzdem mal los werden, hat mich halt stolz gemacht...


    Gruß, Christoph

    Ich muss gestehen, dass ich Handballspiele nur mal in der Bambini probiert habe. Letzte Woche habe ich aber eine F- und eine Landesligamannschaft dabei beobachtet und fand den Nährwert in beiden Fällen überschaubar. Ich vermute, man muss die Rahmenbedingungen als Trainer geschickt anpassen, um die erhofften Lernerfolge zu erzielen. Ich wäre über ein paar Hinweise dankbar ;)


    Gruß, Christoph

    Ich denke, man sollte schon die Spieldynamik im Auge behalten, schließlich hat Leverkusen 1:0 geführt. Ein Wiederholungsspiel wäre bei 0:0 los gegangen. Deswegen fände ich ein Torgeschenk im Rückspiel auch unpassend.
    Einzige Möglichkeit: Leverkusen führt erneut 1:0, Kießling hat eine Großchance zum 2:0 und schiesst absichtlich daneben.

    Was ich recht Interessant finde ist der Trend zurück zur Manndeckung. Gerade im Profibereich wieder häufiger zu erkennen. Ich könnte mir vorstellen das es über kurz oder lang auch im Ausbildungsbereich Anpassungen geben wird.

    Ja, sehe ich auch so.
    Interessant finde ich dabei vor allem, wie sich die angreifende Mannschaft die Manndeckung zu nutze machen kann. Durch die enge Bindung kann man als manngedeckter Angreifer Gegenspieler wegziehen und damit Räume für die ballführenden Mitspieler öffnen. Diese Bewegungen werden Spiele entscheiden, gerade weil sie dem Instinkt vieler Fussballer widersprechen. Deswegen dürfte der Schwerpunkt in der Ausbildung vor allem auf diesen Bewegungen liegen (passende Spielformen).
    Bei der Ausbildung der Verteidiger sollte vor allem die Entscheidung geschult werden, wann er sich mann- und wann ballorientiert verhält. Auch dafür sollten Spielformen entwickelt werden.

    Das hängt dann meißt davon ab ob ich in Ballbesitz bin oder nicht.

    Für mich ein entscheidener Punkt. Im Umschaltmoment steckt noch sehr viel Potential, gerade auch im Breitensport. Ich habe C- und D-Jugenden beobachtet, deren Grundordung sich bei Ballbesitzwechsel kaum ändert.
    Das wäre für mich der wichtigste Ansatz- und Ausbildungspunkt für die nächsten Jahre. Nicht das System entscheidet, sondern dessen Variabilität...


    Gruß, Christoph

    Ein allgemein anerkanntes (und soweit ich es überblicken kann) auch weit verbreitetes Problem (sportartübergreifend) ist doch, dass die Kinder und Jugendlichen zwar technisch nicht schlecht ausgebildet sind, aber erhebliche Probleme haben das Ganze unter Belastung, Gegner-/Zeitdruck oder im fortgeschrittenen Erschöpfungsstadium umzusetzen. Das sind meiner Meinung nach Symptome eines zu stark auf isolierte Übungsformen ausgerichteten Trainings.

    Deswegen Technikübungen immer wieder in Wettkampfform, also unter Zeitdruck, anbieten. Macht den Kindern auch mehr Spaß und man bekommt ordentlich Zug ins Training :D
    Wir üben den Ablauf oft erst ohne Wettkampf ein und steigern dann Druck und Tempo, indem wir die Kinder gegeneinander antreten lassen.

    Hallo,

    Wir sollten alle viel mehr nach den Motto verfahren:
    Fußballspielen lernt man durchs Fußballspielen.

    Zwei Sachen, die mir dazu einfallen:


    - Leider kann beim Fussballspielen nur einer den Ball haben. Ansonsten würde ich auch nur Spielformen und Trainingsspiele anbieten. Trotzdem mache ich im Zweifel lieber mehr Spielformen als isolierte Übungen und setzte meinen persönlichen Schwerpunkt dort auch stärker als der DFB. Coerver setzt auch mehr auf Ballkontakte, richtig?
    - Unsere Bambini trainert ein ehemaliger Bundesliga- und Nationalspieler, mittlerweile fast 60 Jahre, also zum einen weit weg von den modernen Methoden des Jugendfussballs und zum anderen nicht so überehrgeizig wie viele Vatertrainer, aber durch seine Karriere doch mit der Ahnung, worauf es letzendlich ankommt. Er lässt seine Jungs fast nur spielen, steht relaxt am Spielfeldrand und lässt die Jungs einfach machen. Irgendwie beneidenswert.


    Interessant ist noch ein anderer Ansatz von Horst Wein: Er beginnt das Training mit einer Spielform (z.B. 1:1 auf vier Tore). Dann trainiert er Elemente dieser Spielform isoliert (z.B. Abkappen), wiederholt die Spielform am Ende des Training und erhofft sich durch den direkten Bezug zwischen isolierter Übung und Spielform sofortige Lernerfolge.


    Gruß, Christoph

    Gegen uns hat noch in über drei Jahren noch nie eine Mannschaft mit Manndeckung gespielt. Das hätte ich gemerkt. Die Rufe von der Seitenlinie kenne ich auch. Sie sind für mich aber kein Zeichen von Manndeckung, sondern eher ne typische Floskel bei Standards, die - spätestens wenn der Ball rollt - nicht mehr wiederholt wird. Davon abgesehen, sind situative(!) Manndeckung durchaus modern und logisch. Ein intelligenter Spieler kann und sollte in Sekundenbruchteil zwischen ball- und mannorientierter Verteidigung switchen. Kommen die Kinder auch selbst drauf, wenn man ihnen die Entfaltungsmöglichkeiten nicht nimmt und die richtigen Spielformen anbietet. Aber wir kommen irgendwie vom Thema ab...