Hallo,
in der F-Jugend haben wir oft 3-2-1 gespielt.
Vorteil ist die Kompaktheit im Zentrum, gerade gegen Lang-Abschlag-Teams, die es ja leider zu Hauf gibt. Ein weiterer Vorteil ist die Dynamik auf den Außenbahnen, weil vor den Verteidigern immer Raum ist, der bespielt werden kann. So wurden die Außenspieler anmiert, offensiv aktiv zu werden. Das kommt dem kindlichen Drang nach Dribbling und Tore schießen entgegen. Auch der einzige Stürmer hat viel Raum um kreativ zu werden.
Nachteil ist die fehlende Breite durch die nicht besetzten offensiven Außen. Wenn, dann werden die Außen nur dynamisch und situativ besetzt.
Zudem finde ich die Staffellung nach Ballgewinnen im Mittelfeld suboptimal, da die Mittelfeldspieler nominell auf einer Höhe spielen und man nur eine Anspielstation in der Tiefe hat. Das Dreieck aus Stürmer und Mittelfeld ist "falsch" herum.
Die logische Konsequenz daraus, ist in meinen Augen ein 3-1-2. So hat man vorne mehr Breite und das Dreieck ist "richtig" herum. Im Aufbau kann sich der mittlere Verteidiger auch fallen lassen, dann hat man ein 1-2-1-2, also sehr viele Dreiecke und eine schöne Basis für Zusammenspiel. Gegen Mannschaften die stark ballorientiert verschieben, ist man im Mittelfeld aber oft in Unterzahl und es kann passieren, dass die Verbindungen zwischen den Mannschaftsteilen fehlen, gerade wenn man in der E-Jugend 15 Meter mehr Spielfeldtiefe bekommt.
Wegen der größeren Spielfeldtiefe in der E-Jugend bin ich eigentlich auch kein Freund vom 3-3 (zumindest bei Ballbesitz), weil man nur zwei Linien hat und in der Tiefe die Staffelung fehlt. Aber ich habe festgestellt, dass das 3-3 gerade in hektischen Spielen mit vielen 1:1-Duellen und Ballbesitzwechseln dem Spiel etwas Struktur gibt.
Hinten mit drei Kindern zu spielen finde ich zumindest in der F-Jugend immer sinnvoll, damit man so auch mal flach von hinten aufbauen kann und die ganze Spielfeldbreite genutzt wird. Für mich ist der Versuch das Spiel flach von hinten aufzubauen ein wettkampfbezogenes Lernziel in diesem Alter. Deswegen sollten hinten auch immer drei Spieler anspielbar sein. Wenn da nur zwei spielen, sind sie halt meist doch nur Ausputzer, was für mich im Kinderfussball tabu ist.
In der E-Jugend kann man dann anfangen, den Torhüter als zentralen Abwehrspieler im Aufbau mit einzubeziehen und 2-1-3 oder 2-3-1 zu spielen. Einmal haben wir ein 2-1-3 auf einem Turnier gespielt. Ich fand´s relativ statisch, weil vorne zu wenig Bewegung im Spiel war und weil man hinten gerade gegen Lang-Abschlag-Teams zu offen stand und sich spielerisch schlecht befreien konnte. Das 2-3-1 haben wir noch nicht probiert, erscheint aber reizvoll.
Na ja, die optimale Formation gibt es mit Sicherheit nicht. Vieles steht und fällt mit der Spielweise des Gegners und den Qualitäten der eigenen Spieler. Zudem sollte man die im Kinderfussball kein zu großes Dogma auf der Formation machen. Trotzdem gibt es diverse, nicht zu leugnende Effekte in den verschiedenen Anordungen und die kann man sich als Trainer zu Nutze machen, sei es im Sinne des Ergebnisses oder als Ausbildungsinhalt.
Gruß, Christoph
P.S.: Lesenswert!