Andre,
Der DFB wird 2010 (Plan) ca. 17 Mio EUR für Nachwuchsmaßnahmen und sonstige Projekte, die überwiegend dem Nachwuchs zu gute kommen ausgeben. Das ist bei geplanten Einnahmen von ca. 17,5 Mio EUR sind das ungefähr 23% der Einnahmen die für Nachwuchsthemen ausgegeben werden. Die Online-DB, die Publikationen etc. - all das ist klasse, da kann jeder reinschauen, wenn er davon weiß und es will. Die Infoabende, das Mobil etc. - alles klasse. Ich kenne keinen Verband der ähnliche viel für die Nachwuchsförderung tut. Gar keine Frage. Außerdem kann man vom DFB halten was man will: Von Sturheit o. ä. zeugt so ein Ansatz sicher nicht. Das ist in der Verbandswelt nämlich so selbstverständlich nicht. Wer die Sport-/Verbandswelt verfolgt (auch innerhalb des DFB selbst), wird ne Menge Rechthaberei, Sturheit, Verkrustung, Überalterung, Politk, Geklüngel etc. vorfinden.
An den anderen Verbänden sollte sich der DFB aber nicht messen lassen. Der Verband ist reich und groß, die Ansprüche auf einen vierten Titel auch. Vor diesem Hintergrund muss man kritisch hinterfragen und viel, ja das Maximale fordern. "Das Bessere ist den Guten Tod" und vor allem ist beides wichtig: Quantität und Qualität! Und: Solange diesen Ausgaben aber auch Personal- und Sachkosten von 22,5 Mio und Zuwendungen an Dritte in Höhe von 6,7 Mio EUR gegenüberstehen und lediglich Ausgaben für die so wichtige Trainerausbildung in Höhe von nur(!) 0,4 Mio EUR, solange hat man das Gefühl: Hier ist Luft nach oben - insbesondere in dem Punkt was Effizienz und Zielrichtung der Maßnahmen betrifft.
Dieses Gefühl werde ich nicht los, wenn ich mich an den Spielfeldrand stelle: Die von Dir angeprangerten Joysticktrainer und Brüller, diejenigen, die in der F und E Mannschaftstaktik trainieren lassen, diejenigen, die nach den Schulterklopfern suchen, diejenigen, die sich was darauf einbilden F-Jugend-Meister geworden zu sein, weil die Kinder so schön zusammen spielen, diejenigen sind nach meiner ganz subjektiven Wahrnehmung immer noch deutlich(!) in der Überzahl. Jetzt, wo ziemlich genau 3 Jahre vergangen sind, nach der Veröffentlichung von "Der weite Weg zum Erfolg". Und es sind 7 Jahre vergangen seit der DFB das Talentförderprogramm gestartet hat und es sind 10 Jahre vergangen seit der DFB Talentförderung zur "Chefsache" gemacht hat. Es sind Vorstände von Unternehmen mit weniger "Umsatz" als der DFB schon nach deutlich kürzerer Zeit wegen Verfehlung von Zielen entlassen worden. Allein drei Jahre ist lang.
Sehen wir uns doch mal die Ziele an, die der DFB ausgibt:
Ziel 1: Spitzenposition im Weltfußball, vordere Platzierungen und Titelgewinne bei EM, WM und Olympia
1. eine internationale Leitfunktion für Trends in der Trainings- und Spielauffassung
2. eine hohe Spielqualität der Bundesliga im Vergleich zu anderen europäischen Ligen
3. Erfolge bei internationalen Club-Wettbewerben
4. Spieler von Weltklasse
5. angemessene Repräsentanz in Leitungsgremien von UEFA und FIFA
Ohne hier jetzt den großen Weltfußballsachverständigen (der ich nicht bin) geben zu müssen: So schlecht stehen wir bzgl. dieses leistungssportlichen Zieles nicht da. Einzig mit den Titeln ist's nicht so 100% und die BL im Bereich CL ist nicht so tolle. Aber ich würde sagen: Hier ist man auf einem guten Weg. Der DFB darf sich aber damit nicht zufrieden geben aber das ist ja klar.
Ziel 2. Faszination Fußball Freude am Fußballspiel — vom Anfänger bis zum Spitzenspieler
Die Begeisterung vieler Menschen für den Fußball ermöglicht
1. Die herausragende soziale und integrative Kraft unseres Spiels
2. eine breite Basis an Talenten als Grundlage für einen erfolgreichen Leistungsfußball
3. die Zukunft des traditionellen Vereinsfußballs und seines Wettspielbetriebs
4. eine „soziale Heimat“ in der Fußball-Familie
Ich tue mich schwer mit der objektiven Beurteilung des Erreichungsgrades dieser Ziele. Die sind ja allesamt recht "weich". Ebenso mit dem dritten ausgegebenen Ziel:
Ziel 3. Motivation zur Bewegung - Lebenslange Begeisterung für Sport und Gesundheitsvorsorge
Vielseitige Bewegungserfahrungen einschließlich Fußballspielen
1. sind elementare Mittel einer ganzheitlichen Förderung der Kinder/Jugendlichen
2. fördern nicht nur körperliche, sondern auch geistige, emotionale, soziale Eigenschaften
3. sind ein Rezept gegen die negativen Folgen einer bewegungsarmen Umwelt
4. sind ein probates Mittel der lebenslangen, individuellen Gesundheitsvorsorge
5. fördern die koordinativen Grundlagen für spätere fußballerische Spitzenleistungen
Wie also bewerten - vor allem die letzen beiden, denn da geht es nicht so eindeutig im Spitzen- und Leistungsfußball wie im ersten Ziel. Schauen wir uns also mal die Mitglieder im DFB bis 14 Jahren an. Die Kinder um die es uns in der ersten Stufe geht - bis zur C-Jugend (U15) also.
Der zweite Teil des Beitrags kommt unten - er ist insgesamt zu lang 