Mir geht es um Eure Einschätzung, wie flexibel man mit den Ausbildungszielen umgehen sollte.
Die Ziele sind so wie sie sind. Ich denke sie sind ganzheitlich und gut. Sind am Ende der A-Jugend alle Ziele erreicht, sieht man im Senioren Bereich sicher gut ausgebildete Fußballer. Insofern sehe ich keine Notwendigkeit Ziele zu ändern, wegzulassen oder hinzuzufügen. Im Zweifel die Ziele anzupassen ist denke ich auch nicht Aufgabe der Vereine.
Die Frage die es präzise zu formulieren gilt ist doch: "In welcher Altersklasse bilde ich wie aus, um die vom DFB zur Altersklasse zugeordneten Ziele zu erreichen?" Für Teile dieser Frage gibt der DFB Dinge vor. Er gibt Inhaltsbausteine vor und er gibt sogar Leitlinien für Trainer vor und alles bezogen auf Altersklassen (quasi eine Zeitschiene). Das ist schon recht gut.
Der DFB bietet quasi ne komplette Grobplanung für den langfristigen Leistungsaufbau an. Zunächst - und das ist hervorragend im Sinne einer Top-Dow-Planung - einen Langfristplan von der G bis hin (und einschließlich) zur A indem er inhaltlich nach Altersklassen aufgliedert.
Der Frosch hat aber IMMER die Locken da, wo es um die konkrete Umsetzung von Plänen mit real existierenden Sportlern geht.
Das weiß auch der DFB, und deshalb erklärt er z.B. wie lange man mit E oder F-Junioren trainieren soll - das hat was mit Aufmerksamkeitsspannen zu tun usw. Er erklärt auch, dass man keine Medizinballeinheiten am Berg mit F-Jun. machen muss usw. Das macht er natürlich nicht aus Willkür, sondern weil das pädagogische, methodische und sportwissenschaftliche Erkenntnisse sind.
Ganz hat der DFB das Probelm aber immer noch nicht gelöst, denn der Trainer da draussen hat ein Problem, wenn er sich überlegt, welche Trainingseinheit mit welchem Inhalt er nun konkret anbietet. Der DFB unterstützt nun so gut er kann und bietet ne Datenbank an mit Trainingseinheiten. Das diese natürlich ebenso abgestimmt sein müssen auf das reale Alter der real existierenden Sportler weiß auch der DFB und gliedert die Einheiten deshalb nach Altersklassen.
Vielen von uns ist dabei schon aufgefallen, dass da z. B. nun F und E Jun. "in einen Topf" geworfen werden. Woran liegt das? Sicher nicht daran, weil der DFB oder seine Berater zu doof waren das auseinander zu dividieren. Nein, es liegt schlicht und einfach daran, dass Du in dem Alter verschiedene Entwicklungsstufen im Team hast und die Spanne im Extremfall gut und gerne mal über diese 4 Jahre gehen kann.
Beispiel: Ich selbst hab einen 2002er im Team, der kommt also nächstes Jahr in die E. Der ist dermaßen schwach koordinativ, dass der in der E völlig untergehen wird. Die anderen sind alle 2003er und recht ähnlich von dem was die können. Ich bin Stand heute aber nicht in der Lage ein Training anzubieten, das dem einen 2002er und den anderen 2003er gleichermaßen gerecht wird.
Was macht also der Paule? Ich habe mich um den 2002er gerade jetzt in der vergangenen Hallensaison intensiv gekümmert, habe sogar Einzelstunden mit dem gemacht. Er ist deutlich besser geworden, ja - er ist aber immer noch unter dem Level des Schwächsten 2003er im Team. Ich persönlich kann aber in dem Fall mehr nicht mehr leisten. Da ist bei mir sowohl zeitlich als auch kompetenzmäßig das Limit erreicht. Beim Kind evtl. auch zum aktuellen Zeitpunkt auch die Grenze der motorischen Fähigkeit.
Wie auch immer: Es gilt es also UNBEDINGT flexibel zu sein: Es ist enorm wichtig, die richtigen Trainingseinheiten anzubieten damit möglichst viele tatsächlich die "Klassenziele" zu erreichen. Hier ist der Trainer gefordert. Jeder der hier NICHT flexibel reagiert, der macht einen schlechten Job. Es ist überdies genauso wichtig, nur solche Trainingseinheiten anzubieten, die eine stringente Entwicklung im Sinne der aufeinander aufbauenden Ziele erlauben.
Dabei spielt es auch keine Rolle, ob man etwas schneller ist als der DFB im Rahmen vorgibt oder nicht. Das Tempo - und das ist wichtig - bestimmt aber nicht der Trainer, sondern die Kinder. Im Grunde ist das alles problemlos. Hinsichtlich der Integration in einem Verein - selbst in einem, der die Zuordnung Ausbildungsziele zu Altersklassen wie vom DFB vorgegeben komplett von A-G an seine Trainer vorgibt - gibt eine "zu schnelle Gruppe" irgendwann ein "Problem". Eliteförderung ist die Konsequenz. Weil Vereine (bis auf ein paar BuLi Vereine vielleicht) das nicht selbst können, macht der DFB das ab der D-Jun. selbst in den Stützpunkten und NLZ.
Das größere Problem ist wohl eher, dass viele einfach einer Fehleinschätzung der Kinder und eine Fehleinschätzung ihrer eigenen Arbeit unterliegen (sei es aus Ehrgeiz, Dummheit oder Unerfahrenheit o.ä. - egal) oder schlicht schlecht qualifiziert sind. Das gilt sowohl für die Vereine als auch für die Stützpunkte. Unabhängig davon, dass eine Lizenz im Zweifel nix über die Qualifikation aussagt, sind mir persönlich in den Stützpunkten immer noch zu viele C-Schein Inhaber (2009/2010: 36%) dort tätig. Manchmal frage ich mich nämlich schon, woher die all die Halbwahrheiten haben, die sie ab und an zum Besten geben.
Naja ... aber da kommen wir vom 100ten ind 1000de ...
Just my 5 Cents.