Hallo, da sind ja viel Interessante Meinungen, Klischees und Standpunkte vertreten.
Diese 3 Typen finde ich auch viel zu pauschal und undifferenziert.
Ich finde auch immer die Beispiele interessant, wobei sie auf mich immer den Anschein erwecken,
dass sich nur auf die Extreme beziehen um seinen Standpunkt zu untermauern.
Die Aussagen hier haben mir aber auch gezeigt, wie wir hier viele Begriffe verwenden und jeder versteht,
zwar was ähnliches aber nicht unbedingt das Gleiche darunter.
In diesen Zusammenhang wäre auch der Begriff „Joysticktrainer“ interessant, wo fängt der Joysticktrainer
an und wo nimmt er nur unterstützend am Spiel teil. Muss ein Joysticktrainer schreien oder ist er auch
ein Joysticktrainer, wenn er alle 3-5 Minuten mal eine normal laute Anweisung ausgibt.
Jetzt aber zurück zum Thema:
Anstatt hier über fiktive Trainer oder andere Trainer die ich beobachten konnte zu reden, schreibe ich mal
über mich, den Vatertrainer und meinen Sohn.
Ich selbst habe mit den Vereinsfußball erst als älterer Jahrgang C begonnen, von daher habe ich immer viel
über den Willen und Einsatz machen müssen, weil mir gerade in den ersten Jahren die ganzen Ballfertigkeiten gefehlt haben.
Ich bin jetzt Anfang 40 und spiele immer noch Aktiv. Ich war nie ein großartiger Spieler und mir war klar, dass ich nie wirklich
hochklassig spielen werde und hatte auch nie solche Wünsche und Träume. Der untere Bezirk bzw. obere Kreis war meine
passende Umgebung. Heute in der „Alten Herren“ spiele ich in der höchsten klasse und halte noch ganz gut mit.
Heute spiele ich gegen Spieler für die ich vor ein 15 Jahren noch Eintritt bezahlt hätte um denen zuschauen zu dürfen 
In der A-Jugend habe ich, warum auch immer, schon gedacht eine Jugendmannschaft würde ich später auch gerne
mal trainieren und den Fußball was zurück zu geben. Auch als Herrenspieler fand ich die Idee immer wieder Interessant
und habe mich damit ein wenig beschäftigt und mir war da schon klar, dass KiFu nicht Erwachenenfußball ist und man
auch je nach Altersklasse anders trainiert müsste.
Letztendlich bin ich dann erst Co-Trainer geworden als mein Sohn mit ca. 4-5 Jahren angefangen hat.
Nach Vereinswechsel in der G-Jugend musste ich dann mangels vernünftigen Alternativen den Trainerposten übernehmen.
Ich stellte dann fest, dass es mir auch sehr großen Spaß machte und deshalb viel Zeit investierte um mich über diverse
Quellen fortzubilden und kindgerechtes Training, dass aber auch Spaß macht zu geben. Ob ich nun ein guter oder schlechter
Trainer bin, Joystick oder nicht müssen andere endscheiden.
Ich versuche es aber nach besten Wissen und Gewissen.
Seit gestern nehme ich am C-Trainer Breitensport im Nachbarkreis teil.
Nun zu meinen Sohn und unser fußballerisches Verhältnis. Er ist vor ein paar Tagen 10 Jahre alt geworden.
Mein Sohn hatte von Anfang an motorische Probleme ein Grund ist sicherlich, das ein Speziallist im Alter
von 6 Jahren entdeckt hat, dass er seit der Geburt mit einen ausgerenkten Halswirbel lebte. Als ihn der
Wirbel eingerenkt wurde heulte er ganz kurz, fing an mit tränen zu lachen und sagte die Schmerzen wären weg.
Er hatte als Baby gelernt mit den Schmerzen zu leben.
Außerdem ist er recht Steif, verkürzte Sehnen sind da wohl der Grund.
Ich würde sagen ich habe eine gute Mannschaft, mit normalen Leistungsgefälle und einer Altersstruktur, von
bis zu 1,5 Jahren unterschied. (10x 2001, 5x 2002)
Mein Sohn ist bemüht, schafft aber vieles nicht so wie er es möchte.
Er ist der zweitälteste, in der Leistung steht er aber im unteren Drittel, wenn nicht sogar auf Platz 14 oder 15.
Er spielt aber wirklich gerne, ich habe ihn schon oft gefragt ob er nicht nur wegen mir Fußball spielt und lieber
aufhören möchte aber das verneint er vehement.
Ich bin total Stolz auf ihn, wie er sich immer wieder durchbeißt und er macht auch immer wieder kleine Fortschritte.
Viele Trainer hätten den Eltern wohl schon gesagt, dass ist nicht der richtige Sport für ihren Sohn.
Sicherlich hilft mir aber diese Situation die Bodenhaftung nie zu verlieren und nur die besten spielen zu lassen
oder zu ehrgeizig zu werden.
Verlange ich mehr von ihm als von anderen? Nein bestimmt nicht.
Bevorzuge ich ihn?
Vielleicht, aber auch nur in der Situation, dass ich versuche auch die 2. Garde immer wieder spielen zu lassen
und ihnen ihre Einsatzzeit zu geben, wie es hier auch viele propagieren.
Wenn wir uns über Spiel unterhalten, versuche ich immer die Punkte zu finden, die er heute mal gut gemacht
hat und sage ihn im Nebensatz, wie er andere Sachen beim nächsten Mal besser machen kann.
Der Tenor ist aber immer, du bist toll aber du musst immer weiter an dir arbeiten.
Mit 8 hat er von 10 Bällen 7 nicht getroffen, heute sind es nur noch 1-2. Da bin ich super Stolz!!!
Dadurch ist auch mein Training sehr auf Koordination und Technik ausgelegt.
Der Trainer der ich bin, ist sicherlich auch sehr von meinen persönlichen Umständen geprägt,
viele der heutigen Ansichten waren bei mir aber auch schon vor 15 Jahren in Grundzügen so vorhanden.
Trotzdem fördere ich auch sehr meine stärksten Spieler und das offenbar auch recht erfolgreich.
Für mich als Trainer ist es das schwierigste alle Interessen untere ein Hut zu bekommen.
Einmal die „zweitbesten“ zu fördern und anderseits die stärksten auch ihre Erfolgsergebnisse zukommen zu lassen.
Ich hoffe und glaube, das ist mir bisher ganz gut gelungen.
Meine zukünftigen Planungen sind sehr vage. Ich bin mir aber sicher, wenn ich die Mannschaft mal in gute Hände
abgeben sollte, werde ich als nicht „Vatertrainer“ eine andere Mannschaft übernehmen und eventuell fange ich nochmal ganz unten an.
Oliver