Wie ich gesehen habe, möchtest Du in einem anderem Thema Buchvorschläge für Trainingsspiele/-formen haben. Sich zu informieren und zu entwickeln finde ich schon mal sehr gut. Wird Deiner Truppe zugute kommen. Abwechslung = hoher Spaßfaktor = hohe Eigenmotivation = hohe Aufnahmebereitschaft/Konzentration = großer Lerneffekt. Deswegen beschränke ich mich hier auf zwei Aspekte, die Dir vielleicht zusätzlich weiterhelfen werden.
„Ferndiagnosen“ haben aber die große potentielle Fehlerquelle, dass wichtige individuelle Faktoren nicht bekannt sind. Du kennst Deine Mannschaft und deren Umfeld am besten. Also durchaus möglich, dass das Folgende für Dich überhaupt nicht zutrifft. Ich teile es der Übersichtlichkeit in zwei Teile.
Mir fällt an Deiner Beschreibung etwas auf, was ich auch bei einigen anderen Themen anderer User als Ursache vermute. Ist dann immer so nach dem Motto: „Warum machen meine Spieler dies oder jenes im Spiel so und so? Im Training klappt das immer.“ oder „Wenn die doch mal so spielen würden wie sie trainieren!“
Ich lasse jetzt bewusst individuelle Faktoren weg !Ich glaube das dies in vielen Fällen eben auch und entscheidend an der Trainingsmethodik liegt. Wenn ich mir bei uns im Verein so die eine oder andere TE anschaue, sieht man als Ablauf, dass sich eine Übungsform an die andere reiht. Oft fehlt dann eine entsprechende Spielübung, die sich daran anschließt. Oder die Spielübung hat ganz andere Inhalte als die Übungsform. Die Übungsform hat den Vorteil der ständigen Wiederholung und als Trainer kann man sofort gezielt korrigieren. Hat aber auch den Nachteil, dass sie für die Spieler schnell eintönig werden. Bei der Spielübung wiederum ist es ganz wichtig, dass die Kinder diese ohne Korrektur absolvieren. Was sie sich selbst erarbeiten sitzt. Aus eigenen Fehlern lernen. Kreativ sein. Es ist Aufgabe des Trainers ihnen für das Spiel möglichst viele selbst entdeckte Lösungsmöglichkeiten zu zeigen.
Heißt: Abwechslungsreiche Übungsformen mit ständigen Wiederholungen zur Festigung. Dabei Korrektur. Dann Spielform, die daran anschließt. Ohne Korrektur !! Deutlich ausgedrückt: Klappe halten. Nur bei gewünschtem Verhalten ausflippen vor Freude (=Loben). Ich halte nichts vom Stoppen zur Korrektur. Machst Du dies vielleicht? Könnte sein, dass Deine Spieler auch im Spiel drauf warten, weil sie nicht gelernt haben, eigenständig zu handeln. Ich lasse die Übung laufen. Die Kunst ( und Schwierigkeit ) ist eben, die Übung so zu gestalten, dass die Kinder die zuvor angewandte Übungsform in der Spielform (= Spielsituation ) anwenden. Und zwar ohne Hilfe.
Für mich hört es sich zudem so an, dass Deine Spieler nach einer Aktion gedanklich abschalten. Egal ob nach vorne oder hinten. Gestalte also auch die Übungsformen als Mischform zur Spielübung. Einen dementsprechenden Tipp hast Du hier schon bekommen:
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Ich kenne solche Spiele unter den Namen "Burgangreifer", "Hase-Jäger Spiele", Bei diesen Spielen wird aus dem Angreifer nach einer Aktion (meistens Torschuss) der Verteidiger, der sofort den neuen Angreifer im 1 gegen 1 den Ball abnehmen soll. Hierbei wird die Kopfgeschwindigkeit extrem geschult. Als Nebeneffekt lernen die Kinder, dass ein Aktion erst beendet ist, wenn der Ball im Tor oder im Aus ist
Dazu noch das hier:
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Hier im Forum ist schon mehrfach das Buch "Spieltraining Fußball - 120 Programme für Angriff und Abwehr" von Rolf Mayer empfohlen worden. Das Buch ist ganz bestimmt nicht speziell für den Kinderfußball konzipiert. Mit etwas Phantasie kannst Du aber viele dieser Übungen so umgestalten, dass sie auch in einer E-Jugend passen. Diese Übungen haben den Vorteil, dass Du nichts isoliert trainierst, sondern alles in ein Spiel verpackst.
...und das hier als Praxistipp:
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indem bei einem Angriff der gegnerischene Mannschaft Tore doppelt zählen,
wenn nicht alle Spieler der verteidigenden Mannschaft in der eingenen Hälfte sind .......
Ich glaube da wirst Du relativ schnell feststellen, dass sie alle ( auch im Spiel ) geistig schneller umschalten werden. Und im Grunde ist es doch das was Du willst, oder? Gib in der Suchfunktion mal Begriffe wie Spielintelligenz oder Antizipieren ein.
Für mich mit Abstand die informativsten und interessantesten Diskussionen dieses Forums. Alt aber immer noch aktuell. Mich haben diese Diskussionen (damals als „nur“ Leser) sehr beeindruckt und beeinflusst als Trainer. Im Grunde hast Du also den Kern schon erkannt. Du musst auch die Schnelligkeit trainieren. Aber die im Kopf!
Um gleich eines zu sagen: Nein. Auch bei meinen klappt das nicht immer. Aber im Laufe der Zeit immer öfter. Und bei zwei Kandidaten erlebe ich oft einen Rückfall. Siehe Teil Zwei.