Ich glaube, ich habe mich vor einiger Zeit schon mal relativ ausführlich zum Thema Spieleröffnung ausgelassen, finde es aber jetzt nicht.
Deshalb nochmal ein paar Zeilen über meine Meinung.
Vorweg, finde ich, dass das Thema Spieleröffnung einen (zu) gewaltigen Teil in der Ausbildung der Kinder einnimmt, gerade da, wo mit Mittellinienregel gespielt wird. Nun mag es ohne diese Regel vielfach zu vielen weiten nicht zielgerichteten Schlägen kommen, aber durch diese Regel wird diese Spielsituation extrem stark in den Fokus gerückt.
Das nimmt das viel zu viel Raum in einem Spiel ein.
Und, wenn Teams (und in der U11 können das genug ) diese Situation nutzten und stark pressen, dann entstehen daraus viele, viele Tore. (Und ja, auch meine Teams erzielen so Unmengen an Toren). Denn gegen pressende Gegner ist das wirklich schwer. Gegen wirklich gut pressende Teams - und in U11 ist das möglich - extrem schwer.
Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Teams genau eine "Lösung" haben. Meist entweder nur kurz die Verteidiger anspielen oder auch "entgegenkommen- direkt klatschen- langer Ball".
Mal unabhängig davon, dass ich bei solchen stigmatisierten und auf eine einzige Handlung ausgerichteten Handlungsweisen (die noch dazu nur Teile des Teams einbindet) nicht für optimal im Sinne der Ausbildung halte, passieren da viele Fehler, die Akteure sind nur auf Fehlervermeidung (nicht die Schuld zu bekommen) aus.
Und es ist undankbar: Man nehme nur die Torhüter, die einen halbhohen Ball bei anlaufendem Stürmer verarbeiten müssen, da es sonst ein Gegentor gibt und idR sie der Buhmann sind. Das sind oft "Schweinebälle" man nennt sie auch Anscheißerbälle. Die will kein Männerspieler "zugespielt" bekommen. Was ist da in der gesamten Aktion gut, was wird da so geübt, dass man besseer wird? Egal, ob TW oder "Klatscher".
Das ist "Wegspielen", nicht abspielen. Ballan- und mitnahme schon gar nicht.
Nun konstruktiv zur Spieleröffnung.
1) Erstes Ziel ist es, den Ball möglichst weit vorne und möglichst in Spielrichtung zu bekommen. Dazu möglichst leicht zu verarbeiten, also im besten Fall flach. Das wäre die beste Option, geht aber nicht immer auf direktem Wege.
2) Dazu muss das Team Räume schaffen, damit der Ballempfänger erstens möglichst wenig Zeit-/Gegnerdruck hat und zweitens Räume entstehen, die man bespielen kann.
3) Ich bin ein absoluter Verfechter von einer Dreierreihe im Kleinfeld hinten. Davor geht vieles, egal ob 7er oder 8er Teams. Nur eine statische zweite offensive 3er Reihe will ich nicht. Außenstürmer gibt es bei mir bei Ballbesitz nicht, die nehmen nur den AV den Raum.
4) Es ist nicht verboten, selbst in der gegnerischen Hälfte zu stehen, wenn der eigene TW Abwurf hat. Auch, bei der Mittellinienregel. Egal, ob Halle oder Feld. (das fehlt zB. völlig bei der MFS.) Da, wo es kein Abseits gibt, schaffe ich so Raum für alle. Auch den Raum, in den der Angreifer kommen kann.
5) Meine AV stehen also wirklich sehr breit und tief. DH wirklich auf der Grundlinie und (fast) an der Seitenlinie. In der Halle wirklich in der Ecke. Jetzt muss der Gegner entscheiden, deckt er diese eng, dann entsteht hinter ihnen ein riesiger Raum, in den mein TW einfach einen flachen Ball spielen kann und den meine AVs dann erlaufen können und dann direkt in Vorwärtsrichtung den Ball bekommen, dazu sind die gegnerischen Angreifer schon ausgespielt. Im Idealfall sogar zentral, also mit einem Lauf ins zenrale Mittelfeld, nicht nur die Linie lag. (Deshalb dürfen da auch keine eigenen Außenstürmer an der Mittelinie stehen, denn deren Gegenspieler könnte diese Bälle sonst leicht(er) bekommen.)
Deckt der Gegner nicht eng, dann sind die AVs anspielbar. Und zwar so, dass sie den Ball in offener Stellung bekommen. Werden sie dann angelaufen, dann haben sie verschiedene Optionen, auch den TW anzuspielen und so eine Überzahl herzustellen. Ich will aber kein direktes "Klatschen" zum TW, ich will Ballverarbeitung und aktives Handeln, kein Wegspielen. Den Pass zum TW kann man auch antäuschen, dann selbst vorbei dribbeln. Auch in die offene Räume vorne spielen, zu den Angreifern, ist eine Option. Etc.
Dann hat man die Überzahl mit Hilfe der TWs.
Der zentrale Verteidiger ist der Spieler, der als einziger kaum die Position mit einem Sprint verlässt, um sich zu lösen oder einen Raum für Mitspieler zu schaffen. Er steht ein bißchen versetzt so, dass er die Passwege in die Halbzonen nicht zustellt. So kann der TW mit flachen Pässen agieren. Halboffene Stellung, falls der Gegenspieler ihm die Möglichkeit gibt anspielbar in Vorwärtsrichtung zu sein.
Die offensiven bewegen sich am besten alle in das Zentrum, die Stürmer auch tief in die gegnerische Hälfte. (In der Halle beide in den Strafraum des Gegners).
Es ist ein großer, teilweise riesiger Raum zwischen den eigenen tiefen Abwehrspielern und den eigenen Angreifern entstanden.
Und diesen können jetzt auch meine Angreifer anlaufen, gerade, wenn sie sehen, dass die AVs gut zu gestellt werden, auch nicht in den Lauf angespielt werden können oder das nicht anbieten.
Dadurch, dass es keine Position rechte Stürmer oder linke Stürmer gibt und alle aus der Mitte starten, können sie sich mittels Lauffinte und/oder Überraschungsmoment leichter lösen, um dann mit einem Lauf (eben nicht nur 2-3 Meter) den Ball so angespielt zu bekommen, dass sie den Ball schon in offene Stellung verarbeiten können.
Im Fortgeschrittenenstadium können diese auch den Ball, wenn nicht wirklich offene Stellung, dann zu einem AVS leicht abspielen, der dann in der Vorwärtsbewegung ist. Durch den großen Raum und die mit der Zeit erworbenen Handlungsoptionen sind da viele Möglichkeiten.
6) Vorteile über die grundsätzlichen Ziele der Spieleröffnung (siehe oben) hinaus, sehe ich folgene:
Alle Spieler nehmen wirklich aktiv an der Spieleröffnung teil. Maximal der zentrale IV ist ein wenig weniger aktiv, da er weniger Möglichkeiten hat.
Wenn ein Spieler den Ball beim ersten Kontakt nicht gut verarbeitet, läuft dennoch idR der Gegner nicht alleine auf den Torwart zu. Maximal von der Grundlinie aus, bei den AVs. Das gibt jedem Selbstvertrauen auch wirklich den Ball haben zu wollen und mit diesem aktiv werden zu wollen.
Ballan- und mitnahme wird geschult.
Basale Individualtaktik wird automatisiert, offene Stellung.
Irgendwann wird es vllt Gegner geben, die versuchen, alle Spieler in die gegnerische Hälfte zu stellen, den eigenen Angreifern also beim Abstoß nicht mehr vor das eigene Tor folgen, wenn es die Mittelinienregel gibt.
Dann wird der Raum wesentlich enger und in der U11 und bei guten Gegnern (und womöglich kleinem Feld) wird es dann selbst für richtig gute Teams nicht einfach das Spiel zu eröffnen.
Aber, dann kann ein langer Schlag vom AV oder meinetwegen vom Torwart nach Rückpass zu einer leichten und riesigen Chance führen. Das ist das auch kein blindes Bolzen.
Und dann hat man entweder diese Option, oder der Gegner steht schnell wieder anders.
Grundsätzlich halte ich mittlerweile auch nichts davon, dass man den Torwart zu einem Ball zwingt, mit dem er sich nicht wohl fühlt, nur weil man nicht lang und/oder unkontrolliert spielen will. SO lange es nicht die Regel ist.
Wenn er sich mal in einer Situation mit allen Optionen unwohl fühlt und den Ball dann (nicht wirklich zielgerichtet) in einen vorderen Raum wirft, dann ist das auch ok. Grundsätzlich soll er aber nicht unkontrolliert agieren, er soll Mut haben.
Diese facettenreiche Spieleröffnung (ich habe mal nur die basalen, wichtigsten Optionen kurz dargestellt), ist natürlich nicht von einem Tag auf den anderen bei den Spielern „drin“.
Aber das Schaffen von großen Räumen, durch die extreme Aufstellung, das aktive Coachen der offenen Spielstellung und Ballan- und mitnahme geben den Spielern ja schon Raum und Zeit, um angstfrei(er) zu agieren, selbst aktiv zu handeln. Mit der Zeit vergrößert sich durch Erfahrung und Coaching das Portfolio der Spieler immer mehr.
Ich hoffe, ich konnte das ohne Zeichnungen halbwegs rüberbringen und habe auch nichts Elementares vergessen.
Edit:
Und weil es gerade angesprochen wurde:
Einen gezielten FLugball zu spielen, ist weit schwerer, als einen flachen Pass. Warum soll man das den Kindern untersagen? Wie sollen sie es lernen? Es macht das Spiel für alle Spieler schwerer, die Räume enger, wenn der Gegner erkennt, dass dieser Ball nie kommen wird, weil es nicht gewollt7erwünscht ist, weil immer kurz gespielt wird. Einmal ein langer Ball, und man kann wesentlich einfacher kurz agieren. Und wenn vorne Spieler völlig frei sind, dann ist der Ball zu eben diesem, die absolut beste Option, warum also nicht spielen? Und zielgerichtet ist der Flugball dann eben auch. Das ist dann kein Bolzen. Das ist wesentlich überlegter, aktiver, als das automatisierte "Klatschen" zum Torwart.