Zunächst einmal muss ich den Günter über seine praktischen Tipps loben. Denn alles andere hilft nicht weiter. Aber auch eine etwas andere Gestaltung des Trainings kann helfen. Du sagst, die Mädels bringen keinen Pass zustande, wollen aber laufen (ich nehme mal an im Joggertempo gemeinsam quatschen). Gib ihnen zum Aufwärmen einen Ball am Fuss und lass sie 50 m mit dem rechten Fuss den Ball führen, danach mit dem Linken und danach nach jedem Ballkontakt abwechselnd. Und zum krönenden Schluß wird ein Sprint eingelegt, wobei es Punkte für die Reihenfolge und den Torerfolg gibt. Natürlich kann man auch zum "ersten Abreagieren" Spiele ohne Ball machen (z.B. Partnerspiel, bei dem einer versucht, dem anderen das Leibchen, was er in der Hand hält, abzujagen. Die Stürmerin hat das Leibchen und versucht sich in Finten und die Verteidigerin übt, Finten zu erkennen und darauf richtig zu reagieren). Bring einfach mehr Abwechslung und Farbe in dein Training. Denn genauso, wie sich jedes Spiel anders entwickelt, sollen die Mädels mit Training andere, weitere Möglichkeiten kennenlernen, die ihre Fähigkeiten im Leistungsvergleich verbessern können. Eine Übung so lange zu machen, bis sie von Jedem beherrscht wird, führt bei denen, die sie können zu Langeweile und bei denen, die es nicht hinbekommen, zu Frust!
Beim Spiel möchtest du gerne gewinnen! Wer will das nicht? Wenn du aber alles diesem Ziel unterordnest, bringt das die Mädchen insgesamt nicht deutlich weiter.Es lauern gerade im Mädchenfussball sogar Gefahren darin! Dauerndes Gewinnen ist genauso langweilig, wie stetiges Verlieren. Meistertitel ist für die Mädels abstrakt und vielleicht noch durch ein hübsches T-Shirt mit entsprechendem Aufdruck als Anreiz vermittelbar. Wie du aus eigener Erfahrung weißt, ist die Kinder- und Jugendzeit eine Ausbildungszeit. Da sollen alle Positionen erlernt werden. Mache deine starken Spielerinnen ab und an zu Trainerassistenten. Sie sollen in den nächsten Trainingseinheiten und Spielen ihre schwächeren Kolleginnen eine Zeit lang choachen. Besprich mit ihnen die Trainingsschwerpunkte und gib Tipps für die Übungen und Spiele. Greif während dieser Phase nur dann ein, wenn du siehst, es klappt gar nicht. Lobe sie viel. Das hat 2 Vorteile. Die schwächeren Spielerinnen müssen jetzt mehr leisten, können sich nicht auf die starken Mitspielerinnen verlassen. Die stärkeren Spielerinnen hast du jetzt "im Boot". Sie begreifen jetzt, warum sie besser sind als die Anderen. Natürlich kann das dazu führen, dass die schwächeren Spielerinnen jetzt keinen Bock mehr haben, weil das Siegen jetzt plötzlich von der eigenen sportlichen Leistung abhängt. Aber die würden ohnehin irgendwann aufhören, wenn sie andere Freundinnen mit anderen Hobbies kennenlernen.