Ich bin eigentlich ein Trainertyp der sehr nah an der Mannschaft ist - was sicher auch durch mein junges Alter kommt - erstaunlicher Weise hat das bei meinem Herrenteam (ich war 25 - kein Spielertrainer bei Übernahme) besser funktioniert als bei den Jugendteams - alles bezogen auf den Bereich außerhalb des Nachwuchsleistungszentrums.
In meinem ersten Jahr als U16 Trainer habe ich eben auch diesen Stil gepflegt - dabei bin ich nett, freundlich fair und habe immer ein offenes Ohr - aber und das war ein Unterschied - ich habe sehr leistungsorientiert aufgestellt, gewechselt aber vor allem gecoacht. Ich habe dabei eine sehr offene, direkte - ehrliche Kommunikation mit Spielern und Eltern betrieben. Ich habe mich dabei zu sehr auf Diskussionen eingelassen und wurde schlussendlich gandenlos manipuliert - als ich das gemerkt habe war es schon zu spät den durch meine eingängliche Kompromissbereitschaft habe ich falsche Entscheidungen getroffen - beispielsweise habe ich einen Spieler der es definitiv verdient hatte nicht aus dem NLZ geworfen. Er war aber der Unruheherd im gesamten Team und hat das Mannschaftsgefüge zerstört und meine Arbeit immer weiter untergraben - seine Eltern haben das nötige dazu beigetragen. Auch habe ich zu viel mit den Eltern kommuniziert, nach dem Training, beim Spiel bzw. danach und dadurch meine Sicht trüben lassen.
Das also zu dem wie ich es versucht habe und kläglich gescheitert bin. Jetzt agiere ich relativ strikt und klar. Jetzt gibt es sehr strenge klare Regeln und davon auch keine Ausnahmen. Die Kommunikation beschränkt sich auf 3 Ampelgespräche die wir im Trainerteam mit Eltern und Spieler führen. Nach dem Training werden allgemeine Organisatorische Themen natürlich besprochen aber weder Leistung noch Engagement werden eingeordnet und bewertet. Am Spieltag selbst wird zu keiner Zeit mit den Eltern kommuniziert - abgesehen der üblichen Höfflchkeitsfloskeln bei Begrüßung und Verabschiedung.
Dazu kommen pro Spielzeit 4 Elternabende in denen generelle Informationen verteilt werden.
Gemecker und Gejammer über Aufstellung, Einsatzzeiten etc. werden abgesehen von den Ampelgesprächen nicht mehr thematisiert und gänzlich geblockt. Gespräche werden protokolliert und nur noch im Team geführt.
Auch gibt es keine großen "Entscheidungsmöglichkeiten" für die Eltern. Das was ich/wir sagen wird exakt so und ohne Abweichung umgesetzt - wem das nicht passt, der spielt nicht bzw. kann sein Kind am Saisonende zu einem neuen Verein bringen. Abmeldungen wegen Schule/Lernen akzeptiere ich bedingt - soll heißen, wer absagt weil er lernen muss kann am Wochenende nicht spielen - egal bei welchem Spieler - auch wenn die Schule vorrang hat ist die Bewertung sehr einfach - ich habe einen 20 Mann Kader im Großfeld - ein Spieler fehlt eine von drei oder vier einheiten und min. 16 Spieler sind bei allen Einheiten anwesend - es wäre also unfair gegenüber den Spieler, die immer da waren, jemanden einzusetzen der weniger trainiert hat. Fehlt ein Spieler im Abschlusstraining wird er generell nicht für den Kader berücksichtigt - alles sehr streng - aber die Eltern akzeptieren es - oder verlassen den Verein. Eine klare Linie ist schwer einzuführen erleichtert die Arbeit auf Dauer ungemein - gerade wenn sich diese gerade, faire Linie rumspricht - den egal ob Stammtorwart, Kapitän oder Ersatzspieler diese Regeln gelten für alle gleichermaßen.
Grüße
Zodiak