Tja, das ist immer so eine Sache mit dem Hineinrufen während des Spiels!
Dabei habe ich so einige Trainertypen festgestellt:
1. Der Sicherheitsrufer
Weil er von Hause aus ein Pessimist ist, ruft er pausenlos ins Spiel hinein, was seine Spieler alles nicht machen sollen.
2. Der Kommentator
Er kommentiert jede Aktion im Nachhinein. Besonders die, die schief gegangen sind!
3. Der Pusher
Wie ein Trommelfeuer prasseln seine Aufforderungen "sei als Erster am Ball", "schieß jetzt aufs Tor", "einer ran", "wo bleiben die Angebote" auf seine Spieler ein. Dabei können sich alle angesprochen fühlen. Solange man nicht hinten liegt, fällt ihm immer entwas ein und er hat ein gutes Gefühl. Danach wird er deutlich stiller, ist verärgert und schließlich frustriert, weil sich keiner angesprochen fühlt. Will ihm doch sein Team das gesamte Wochenende versauen?
4. Trainer mit Fernseh-Bundestraienrlizenz
Selbst die Anweisungen an sein G-Jugend-Team kommen ausschließlich aus der Erwachsenensprache des Profibereichs. Alle Floskeln, die er während seiner Studien aus der Bundesliga und der Championliga aufgeschnappt hat, muß er zum Besten geben. Wenn dann sein Team trotzdem verliert, dann ist zumindest klargestellt, dass das unmöglich am Trainer gelegen hat.
Natürlich gibts auch noch Mischformen!
Vielleicht wird es klar, warum ein Trainer entweder gar keine oder nur sehr kurze, einfache und gezielte Hinweise während des Spiels geben sollte, wenn man sich vor Augen hält, dass es relativ klare zeitliche wie inhaltliche Abgrenzungen gibt?
Das Training ist dazu da, um neue Fähigkeiten zu erwerben oder zu verfeinern
Das Spiel ist dazu da, um die im Training erworbenen oder verfeinerten Fähigkeiten auszuprobieren.
Wer im Spiel falsch coacht, gibt seinen Spielern weder das Vertrauen noch die dafür notwendige Zeit, die im Training erworbenen und verfeinerten Fähigkeiten auszuprobieren. Er vergibt sich aber selbst auch die Chance in einer realistischen Wettkampfsituation zu erkennen, was seine Spieler bereits relativ sicher vom Training ins Spiel umsetzen können und wo es noch weiteren Trainingsbedarf gibt!
Wer falsch coacht, der erzielt seine Spieler nicht zum selbständigen Erkennen und Handeln, sondern dazu, auf Trainerkommandos zu warten! Der Trainer wird jedoch irgendwann das Gefühl bekommen, seine Kids würden nichts lernen und behalten. Aber man kann nur etwas lernen, was man auch hinlänglich versteht. Ansonsten sind es eine wahrlose Aneinanderkettung von subjektiven Beobachtungen ohne Anwendungsorientierung
Wer glaubt, all das im Spiel nachzuholen, was er selbst im Training versäumt hat, der ist auf dem Holzweg! Dafür ist dann das nächste Training da. Wer nicht alles behalten kann, der nutze dazu Papier und Stift! Aber nur die wichtigen Sachen aufschreiben, sonst sieht man vom Spiel nichts mehr!