@betreuerin72
Leider hast du recht, dass die DFB-Stützpunkttrainer auch nur Menschen sind, die sich allzuoft und besonders in ihren Anfangsjahren leiten lassen. Man kann es daran feststellen, dass nach dem Wechsel eines Stützpunkttrainers plötzlich auch die Talente aus anderen Vereinen stammen. Es lohnt sich also immer, sich von einer Ablehnung nicht allzusehr beeindrucken zu lassen. Insbesondere deshalb, weil das Niveau eines normalen Jahrgangs eine deutliche Leistungsstreuung besitzt!
Erschwerend hinzu kommt die Sichtungsmethode! Da stehen ein paar DFB-Stützpunkttrainer und einige "Laien-Helfer", um von manchmal über hundert Kindern in ein paar Situationen zu erkennen, wer Talent besitzt und wer nur zum besseren Durchschnitt gehört.
Dabei ist es schon schwierig genug ein Verständnis von Talent zu erreichen. Der eine versteht darunter ein Bewegungstalent, während dem Anderen die Kreativität in den Aktionen wichtiger erscheint und der Dritte glaubt an den Erfolg als Abschluß einer Aktion. Nicht ohne Grund werden weitaus mehr Angreifer pro Jahrgang gesichtet, weil das Toreschießen nach einem schnellen Dribbling als ein besonderes Merkmal angesehen wird.
Aber wie soll man ein Talent überhaupt bewerten, hat doch das eine Kind besonders Glück auf einen guten und erfahrenen Trainer zu treffen, während das Andere beim unerfahrenen Brüllaffen das Fussball ABC erlernen soll?
Wenn es bei der Talentbeurteilung um die Begabung geht, wie soll man es in so jungen Jahren bereits zuverlässig treffen können?
Mit den derzeitigen Methoden ist man da hoffnungslos überfordert, denn es ist nicht mehr als die Stecknadel im Heuhaufen zu suchen.
Aber wie müßte man es verändern?
Talententwicklung durch Stichtagsmessung ersetzen
1. Talentscouting (statt Mitteilung der Heimatverein-Trainer an die Stützpunkttrainer)
Beim Scouting würde der Stützpunkttrainer die Kinder in der gewohnten Umgebung ihres Heimatvereins eine grobe Vorauswahl treffen. Der Vorteil: das Talentraster ist in etwa gleich und gleich Unkenntnis oder andere Motive (fast immer sind Trainersöhne/Töchter unter den angemeldeten Talenten) aus!
2. Einheitliche Talentmessmethode (statt diverse Talentinterpretationsansätze
Ein Formular mit definierten Bewertungskriterien sollte die einheitliche Beurteilung von Talenten erstetzen. Dieses Basisformular sollte im weiteren Entwicklungsprozess als einheitliches Messinstrument geführt werden.
2. Erste Talentverdichtung (statt zu frühe Absage oder Aufnahme)
Die im Scouting gesichteten Kinder werden zum ersten Vergleich eingeladen. Anhand des Bewertungsformulars wird nun kontrolliert, ob es Veränderungen gegeben hat. Wenn ja, wie groß diese Entwicklung war! Eine förderungwürdige Talentunterstützung darf nicht auf Basis einer statischen Talentfeststellung erfolgen, sondern anhand neutralisierbarer Bewertungskritieren den dynamischen Prozess einer Talentförderung begleiten.
3. Talent-Entscheidung auf Datenbasis (statt Auswahl der 1 - 3 hochveranlagten Jahrgangstalente plus Auffüllen auf Mannschaftsstärke)
Das Niveau einer Trainingsgruppe ist stark abhängig von der Streuung. Bis heute füllt man selbst dann auf Mannschaftsstärke auf. Darunter auch Kinder als Statisten auf, die dort überfordert werden.
4. Weniger, aber bessere Talente fördern
Durch das heutige System wird Personal bzw. Personalkosten für eine hohe Zahl von Kindern, die sich nicht für höhere Anforderungen qualifizieren können, gebunden. Zwar gäbe es aufgrund des frühen Kindesalters keine Methode einer 100 % Erfolgsprognose, jedoch sollte das Wort "Eliteförderung" insofern enger definiert werden, als dass die aufgenommenen Talente mindestens den festgelegten Bewertungsmaßstab (der natürlich jährlich kontrolliert und ggf. geringfügig angepaßt werden muß) entsprechen. Auch den vielen Kindern und deren Eltern würden Enttäuschungen erspart, da ihnen im Regelfall ein Leistungsvergleich in einem größeren Umfeld fehlt!
5. Veränderung der Logistik
Heutzutage kann nur Derjenige auf dem Stützpunkt gefördert werden, dessen Eltern einen Fahrdienst gewährleisten können. Weil die Talentförderung jedoch unabhängig von den persönlichen Rahmenbedingungen zu erfolgen hat, sollten die DFB-Mobile für die logistische Unterstützung eingesetzt werden.
6. Verringerung der Stützpunktanzahl und Verbesserung der Stützpunkt-Trainer-Situation
Unter der Gewährleistung, dass kein Kind länger als 60 Min. für die Fahrt zum Stützpunkt im Auto sitzen sollte, sollten die geografischen Mittelpunkte für DFB-Stützpunkte neu festgelegt werden. Für eine bessere Unterstützung, insbesondere beim Kleingruppentraining, die sich in diesen Altersstufen bereits in der Vereinsarbeit besonders bewährt haben, sollten weitere, geeignete Trainer eingestellt werden.
7. Trainerqualifizierungsmaßstäbe
Leider orientiert sich die heutige Trainersuche generell nur am Lizenzgrad! Wie jedoch die Vereinsarbeit zeigt, ist dies nicht immer auch die Gewähr dafür, das die Kinder die Besten bekommen. Denn die "Naturtalente", die neben Erfahrung, Fachwissen und Kommunikationstalent aus privaten wie beruflichen Gründen keine Lizenz machen können, fallen leider durch Anforderungsprofil des DFB. Wie jedoch gerade im Bereich der TW-Trainer (davon haben selbst die Profi-TW-Trainer nur in Ausnahmefällen eine Mannschaftstrainerlizenz) werden seit vielen Jahren Torleute mit Weltklasseformat ausgebildet, obwohl diese Trainer nicht dem DFB-Anforderungsprofil entsprechen. Wenn sogar die Wissenschaft das "Meisterstudium" für sich entdeckt hat, dann sollte auch der DFB die Flexibilität besitzen, andere Wege bei der Suche nach geeignetem Personal zu beschreiten.
Fazit: Die "Eliteförderung" nach dem heutigen Konzept ist eher eine Talentverwaltung,statt eine Talentförderung. Denn nur 0,5 % er Stützpunktspieler können sich später für höchste Aufgaben empfehlen. Zwar darf nicht der Umkehrschluß erfolgen, dasss man bei 99,5 % aller Talente versagt hat, jedoch lassen sie Gründe erkennen, durch die man das heutige Niveau erhöhen kann. Wer zukünftig ganz oben im europäsichen oder weltweiten Fußball mitspielen will, der sollte die eigene Optimierung im Sinn haben.