Auch von mir ein herzliches Willkommen!
Zunächst einmal muß nicht jede "Auflockerung" des aus dem Erwachsenen-Fussballs auf den Kinderfussball übertragenen Mannschaftsdenkens allein negativ betrachtet werden.
In der Freizeit verbringen durchaus Gruppen von Kindern unterschiedlichen Alters Stunden miteinander, solange die Altersunterschiede nicht zu groß sind. Auch auf dem Bolzplatz gibt es keine Regel, welche Altersstufen zusammen spielen können, sollen und dürfen.
Kinder sind es gewohnt, sich rasch an neue Umgebungen zu gewöhnen und fühlen sich dann rasch heimisch, wenn sie eine angstfreie Umgebung feststellen. Fussballcamps können diese Situation, in der die Kinder das Mannschaftsdenken des Vereins überwinden, um festzustellen, dass es auch woanders nette Kinder gibt, meistens sehr gut vermitteln.
Die Zusammenlegung unterschiedlicher Jahrgangsgruppen beim Training kann auch ganz pragmatische Gründe haben. So können sich mehrere Trainer die Arbeit teilen und dabei gegenseitig voneinander lernen.
Natürlich könnte man bereits in diesem Altersbereich nach Leistungen selektieren. Doch ich möchte deshalb davor warnen, weil bereits in der Phase der Selektion umfangreiches Fachwissen vorhanden sein sollte, Es macht auch keinen Sinn bereits in dieser frühen Phase, in der Grundfähigkeiten erworben werden sollen, schon allzusehr nach Lerngeschwindigkeit zu selektieren. Denn hier gibt es doch sehr große Schwankungen, wodurch man diesem Prinzip folgend immer wieder andere Gruppen zusammen stellen würde.
Lasst die Kinder ihre Freunde selbst suchen und wenn sie sie gefunden haben, mit ihnen gemeinsam spielen. Aber gebt ihnen auch immer wieder die Chance neue Freunde kennenzulernen, damit ihre kleine Welt immer größer wird.
Wenn man Fussball als Abenteuer begreifen will, dann bedeutet das auch, dass es mehr als ein 1 : 0 sein muß! Die Abkehr vom ergebnisorientierten Fussball kann durch die Erfahrungen, die ihr aus gut organisierten Fusscamps mit Abenteuercharakter gewonnen werden. Denn die Zusammenstellung einer Mannschaft nach dem Geburtsjahr ist ja nur deshalb erfolgt, weil man kein besseres Merkmal gefunden hat.
Wie wenig das Alter eine aktuelle Aussage zuläßt, möchte ich am nachfolgenden Beispiel erläutern: Da sind 2 hochtalentierte 17-jährige Fussballer. Sie spielen in der selben Jahrgangs-Nationalmannschaft. Jedoch spielt der Eine gerade in der U 16, weil er sich von einer Verletzung erholt und der Andere in der U 19, weil er seine guten Leistungen in dieser Phase kontinuierlich steigert. Möglich, dass beide Jungs bald wieder im selben Team spielen. Denn hier ist es allein die Leistung im Vergleich zur jeweiligen Altersstufe, was als Merkmal herangezogen wird.
Aber ihr seit weder ein NLZ, noch eine Nationalmannschaft, sondern ihr beschäftigt euch mit dem Breitensport im unteren Jugendbereich. Deshalb solltest ihr die für eure Kinder geeigneten Maßstäbe heranziehen, statt nur deshalb etwas so weiterzumachen, was irgendwie schon immer so war, aber keiner ganz genau sagen kann, warum das so richtig sein soll?
Probiert es einfach aus, kontrolliert die Veränderungen und korrigiert dort, wo es notwendig ist!
