Danke für eure Beiträge! Ganz richtig und wichtig ist die Bewegungsdynamik. Egal in welche Richtung es geht, ist es besonders wichtig, als Erster am Ball zu sein, denn nur dann hat man die aktivere Entscheidungsoption. Doch widerum ist der erste Schritt entscheidend. Wie lange braucht der Keeper für seine Entscheidung zum Sprint oder zum Sprung und kann er ihn mit beiden Beinen gleichermaßen gut starten bzw. abspringen? Ist er lediglich mit dem stärkeren Bein in der Lage, so dauert es auf der schwächeren Seite länger und leider manchmal zu lange, bzw. gerät der Sprung zu kurz. Früher sagte man: "der Torwart hat eine schwache Ecke", heute bemüht man sich dieses Defizit zu minimieren. (gibt übrigens einen schönen Test, womit man die unterschiedliche Stärken beider Seiten messen kann) Ein Torwart braucht gleichstarke Beine, weil sich Fehler beim Absprung nach vorn bzw. nach oben hin fortpflanzen. Er sollte gleichstarke Körperhälften haben, denn nur dann ist er in der Lage einen günstigen Schwerpunkt einzunehmen, um genügend Dynamik ist seinen Absprung zum Sprint oder in die Höhe zu besitzen.
Nein, ich sehe keine Rückentwicklung darin, wenn man die Ausbildung der Torleute aufs moderne Spiel anpasst. Eine andere Frage stellt sich jedoch schon: was hat das Ganze noch mit der Körperlänge zu tun? Wenn andere Faktoren sehr viel wichtiger sind? Es ist die unterschiedliche Gewichtung! Wenn ein Keeper über ein verfeinertes Stellungsspiel verfügt, dann genügt es, wenn er sich rechtzeitig dort positioniert, wo er bei einer hohen Flanke stehen sollte. Aber nicht nur er, sondern die gesamte Defensive hat die Aufgabe, den torgefährlichen Raum abzusichern.
Die größtere Veränderung liegt m.E. darin, das zunehmend offensive Aufgaben (Libero-Funktion) hinzu kommen. Darin enthalten sind weitaus weniger Situationen, in denen der ideale Platz des Keepers auf der Torlinie ist. Denn dort ist die Torfläche für ihn am größten und dort ist die Chance im Nachfassen erfolgreich zu sein, am geringsten, weil ihm der Raum nach hinten hin fehlt.
Wie sich die Aufgaben des Keepers weiterhin entwickeln werden, ist schwierig zu sagen. Denn wer hätte schon gedacht, dass sie sich in den letzten 10 Jahren im Leistungs- und Profifussball so deutlich veränderten. Allerdings glaube ich nicht, dass Muskelmasse und Körperlänge, sondern die Geschwindigkeit, zu den jeweils besten Situationsentscheidungen zu gelangen, sich weiterhin zur Schlüsselkompetenz entwickeln wird. Der dumme Torwart, der sich trotz größter Verletzungsgefahr in den Tumult stürzt, wird durch den intelligenten Keeper, der sich den Ball schon gegriffen hat, bevor er in den Tumult gelangt, ersetzt werden. Denn Fussball wird immer mehr vom Kopf in den Fuss gespielt werden! Ein Messi, ein Ronaldo, ein Neuer haben nicht nur ihre Positionen neu erfunden, sie haben auch dazu beigetragen, dass ihre Kollegen von den Veränderungen im Fussball profitieren.
Weil der Breitensport weiterhin versuchen wird, Teile des Leistungs- und Profifussballs zu imitieren, werden sich auch dort die Anforderungen verändern. Was ebenfalls nichts mit einer Rückentwicklung zu tun hat, sondern mit verändertem Anforderungsprofil.
Aber natürlich kann ich mich irren und wir werden in 10 Jahren Torleute mit min. 2 Meter Länge haben, die mit ihrer enormen Sprunggewalt und Dynamik auf der Torlinie nahezu perfekt sind, sodass sie keinen Schritt mehr nach vorn wagen müssen, weil ihre Kollegen diesen Job besser machen.
