Fang noch früher an!
Benutze "Multi-Tasking-Übungen" zunächst als Einzelübung und erst später als Gruppenübung.
Das Besondere beim Multi-Tasking ist, dass die einzelnen Bestandteile zunächst in die richtige Reihenfolge gebracht werden müssen. Sollen sie gut funktionieren, so bedarf es zunächst für jeden Teil einer ausreichenden Konzentration.
In der Anfangsstufe geht es zunächst einmal darum, einzelne Körperteile in der richtigen Reihenfolge und gewünschten Geschwindigkeit zu bewegen. In der späteren Stufe sind es mehrere Körperteile (z.B. Beine, Arme), die gleichzeitig unterschiedliche Aufgaben erfüllen sollen.
Wendet man Multitasking lediglich als Gruppenform an, so erzielen lediglich die Spieler Fortschritte, die (auch) im maximalen Tempo ihre Einzelaufgaben im Team erfüllen können.
Für jeden Spielzug braucht es das Multitasking:
- erahnen des Passes vom Mitspieler (bzw. vom Gegner)
- antizipieren, wohin der Ball gespielt wird
- rechtzeitig (also nicht zu früh und nicht zu spät) in den Laufweg starten
- Vor der Ballannahme die ballnahe Umgebung scannen
- entscheiden, ob der Ball mitgenommen oder direkt weitergespielt werden soll
- gepassten Ball mit dem "richtigen" Fuß mitnehmen (bze. weiterleiten)
- entscheiden, in welche Richtung/Weg man als Anspielpartner weiterhin bereit sein will
- ggf. Entscheidung selbst den Torabschluß zu suchen oder den den besser postierten Mitspieler mit dem richtigen Fuss, Balldruck und Präzisien anzuspielen
Der typische "Bodenscanner" sieht lediglich den Ball, seine Füße und ein Stückchen Rasen drumherum. Was sonst noch so im ballnahen und erst recht im ballfernen Bereich abspielt, dass bekommt er nur dann mit, wenn er fürs Spiel inaktiv auf den "Zuschauermodus" umgeschaltet hat.
Der 180 Grad - Scanner fühlt sich an der Außenbahn oder wenn er das gesamte Spiel vor sich hat, am Wohlsten. Aufgrund seines "Tunnelblickes" kann er nur einen Teil der Aktivitäen von ballnahen Mit- und Gegenspielern einschätzen.
Der 360 Grad-Scanner hat großen Spaß daran, seine Umgebung neugierig wahrzunehmen und sehr schnell zu entscheiden, aus welchen Optionen er die scheinbar am Besten geeignete auswählt.
Die Frage, ob man aus dem "Bodenscanner" und dem 180 - Grad-Scanner einen 360 Grad-Scanner machen kann, ist schwer zu beantworten. Es kommt jeweils auf die Altersstufe an und den Grad der Eigenmotivation. So hat es ein besonders ängstlicher Spieler schwer, ein höheres Risiko einzugehen, weshalb er sich an der Außenbahn vermutlich am wohlsten fühlt. Andererseits kann es jedoch auch Spieler geben, die ihre Leistungen überschätzten und in zentralen Aufgaben (bei der 360 Grad-Scannen notwendig ist) immer wieder die gleichen Fehler machen, den Ball dabei schon bei der Annahme verlieren oder einen Fehlpass verurschen, weil sie einfach noch nicht so weit sind!
Wer ganz unten beim Multitasking anfängt, der wird sich bei den nächsten Schritten, in denen innerhalb der Gruppe leichter haben, in der richtigen Reihenfolge Aufgaben zu erkennen und auszuführen.
Mache zwar schon viele Jahre "Multitasking"-Übungen, habe jedoch erst vor nicht allzulanger Zeit erfahren, warum sie besonders geeignet sind, jedoch immer auch altersbedingt ihre Grenzen finden. So entwickelt sich der Teil des Gehirns (vordere Stirnlappen), der für den Entscheidungsprozess für die richtige Wahl von Bildern aus dem Lang- und dem Kurzzeitgedächtnis zuständig ist, erst im Alter zwischen 15 und 20 Jahren auf seine volle (doppelte) Größe. Wie dieses biologische Handycap auch Entwicklungsgrenzen setzt, ist eine Überforderung wie Unterforderung im Zeitraum davor jederzeit möglich. Der Trainer braucht zum Erkennen Fachwissen, wie Erfahrung. Dann nahezu alles, was sich positiv kann sich auch negativ auswirken. Habe deshalb in der Anfangsphase auch Fehler gemacht, aus denen ich lernen mußte. Es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen!
