Warum also neigen wir immer dazu dem SR die Schuld zu geben?
Dazu sollte man sich vielleicht einmal ein stückweit Distanz zum eigentlichen Wettkampf finden, um sich über die unterschiedlichen, teiis vielleicht widerstrebenden Motiven auseinander setzen.
1. Trainer
Wollen tolle Leistungen ihrer Mannschaft sehen und gewinnen.
2. Spieler
Wollen Spaß beim Fussball und Lob vom Trainer und den Eltern
3. Eltern
Wollen ein spannendes Spiel sehen und stolz auf ihr Kind sein, weshalb es an den spielentscheidenden Aktion beteiligt sein soll
4. Schiedsrichter
Wollen ein interessantes Spiel begleiten, auf Regeleinhaltung achten, Lob von den Trainern als Feedback für ihre Leistungen bekommen.
5. Verein
Wollen, dass ihre Mannschaft überall "oben" mitspielen und sich über Titel und Pokale für Sponsoren und Gönner möglichst oft ins Gespräch bringen.
6. Medien
Wollen mit schlagzeilenreifen Berichten u.a. aus dem Regionalsport eine große Anzahl an Lesern in ihren Stimmungen und Wertigkeiten erreichen.
Eskalationspotenzial
zu 1.
- der siegreiche Trainer feiert, das der Verlierer sportlich unfaires Verhalten (Sieg = Vernichtung des Gegners) empfindet
- der Traner des Verlierer brüllt seinen Unmut lauthals heraus und beleidigt ggf. sogar noch den Gegner aufgrund seines harten, unfairen Spiels
(im Falle einer drohenden Niederlage wird bereits während des Spiels der Schiedsrichter als Alleinschuldigen ausgemacht und beschimpft)
zu 2.
- Spieler feiern feiern überschwänglich und einige beileidigen gegnersiche Spieler
- Spieler geraten in Rage über die Niederlage, beleidigen zunächst Gegner, dann auch Mitspieler
(sofern Trainer, Eltern sich negativ über den Schiedsrichter ausgelassen haben, stimmen die Spieler durch Negativaussagen überein)
zu 3.
- Eltern feiern ihre Mannschaft sehr laut, überschütten ihr Kind mit Lob, während die Gegner die Häme über Fehlleistungen zu spüren bekommen
- Eltern beschimpfen andere Beteilitgte (Spieler, Trainer, Schiedsrichter, gegnerische Zuschauer) und drohen ihnen Schläge an
zu 4.
- freut sich über eine gutes Spiel und faire Beteiligte
- ist wütend oder in großer Angst, schließlich traurig, wenn das Spiel durch Ereignisse, die er größtenteils gar nicht beeinflussen kann, aus dem Ruder gerät
zu 5.
- freut sich über die gute Jugendarbeit und Trainer, für die man auch im Umkreis großes Lob erntet
- schraubt jenseits jeglicher Realität Pläne, die weder Trainer, Spieler noch Eltern erfüllen können oder wollen
Weil es weitaus mehr als die zuvor dargestellten Szenarien in der Kontakt- und Mannschafts-Kampfsportart Fussball gibt, lassen sich 1000 und 1 Möglichkeiten finden, in denen man in emothional gelandener Athmospäre der Schiedsrichter als "gemeinsamer äußerer Feind" gefunden wird. Denn beleidigt man Kinder des eigenen Teams oder gar den Trainer des Kindes, dann kann das eigen Image darunter leiden und das Ego einen Kratzer bekommen.
Doch mancher "schlechten Verlierer" verliert schon kurz nach Spielbeginn seine gute Kinderstube zu vergessen und jeden Pfiff, der nicht fürs eine Team ist, mit gemeinen Kommentaren gegen den Schiedsrichter zu begleiten. Zwar sind die Kinder fast nie die Ersten, die gegen den Schiedsrichter lamentieren, jedoch lassen sie sich leicht vom Trainer oder den Eltern anstecken. Nicht besonders überrascht es allerdings, dass die Spieler und Trainer, die sich auf den Schiedsrichter "eingeschossen haben" immer weniger aufs Spiel konzentrieren können.
Ein guter Trainer sollte sich aufs Spiel konzentrieren! Damit hilft er auch dem Schiedsrichter, es fair zu leiten.