Nach einem Jahr als Co-Trainer bei C-Juniorinnen gehe ich nun in meine vierte Saison mit derselben Mannschaft (2tes Jahr D-Juniorinnen). Das Leistungsspektrum geht von Landesauswahlspielerin bis Ballphobikerin, da wir in der nächsten Saison über 30 Mädels (und auch genug Trainerunterstützung) können wir nächstes Jahr 2 Mannschaften stellen, von denen eine die Leistungsorientierte und eine die Breitensportorientierte Schiene fährt.
Hallo Patrick!
Vermutlich wirst du schon auf ein weitaus größeres Problem gestoßen sein, als das Dehnen während der Warmmach-Phase? Denn C-Juniorinnen leistungsorientiert spielen zu lassen, dass ist gar nicht so einfach! Noch bis vor wenigen Jahren gab es selbst bei den B-Juniorinnen in weiten Gebieten Deutschlands nur eine Bezirksliga, für die man sich nicht mal sportlich qualifizieren mußte, sondern lediglich an- oder abmelden. Zum Glück gibt`s dort jetzt einen durchgängigen guten Unterbau bis zur B-Juniorinnen-Bundesliga.
Was machen also die Mädchen-Abteilungen von Frauen-Bundesliga-Vereinen, um ihre C-Juniorinnen auf Leistungsniveau zu fördern:
1. Sie melden ihre besonders starken C-Juniorinnen-Teams in der Liga der gleichaltrigen Jungen an.
Dort ist das Liga-Leistungsniveau garantiert und man muß nicht so weit fahren. Zur Hinserie gewinnen die Mädchen fast alle Spiele, zur Rückserie (Pubertät der Jungen setzt jetzt ein), werden es deutlich weniger Siege.
2. Zusätzliches Auswahltraining im Bereich, Verband und den DFB-Stützpunkten für Mädchen
Letzteres gibt es noch nicht so lange und auch noch kein dichtes Netz. Da mußt du dich erkundigen, wo bei euch der nächste DFB-Stützpunkt ist.
3. Hochtalentierte Mädchen im Jungenteam mitspielen lassen
Falls es keine der vorgenannten Möglichkeiten gibt, kann man besonders begabte Mädchen (sofern sie es selbst wollen) in Jungenteams spielen lassen. Insbesondere die dortige Dynamik, Technik und Kreativität fördern ihre Spielweise. Wann es zu schwierig fürs Mädchen wird und ein Wechsel besser wäre, ist sehr unterschiedlich. Manche Mädchen spielen sogar komplett durch.
So, nun kommen wir zum Dehnen! Will man sich nicht nur darüber unterhalten, dass es nicht schadet, sondern welchen Nutzen dies hat, dann gelangen viele zu der Erkenntnis, dass man in diesem Zeitraum kein einziges Tor erzielt oder verhindert, weil der Ball gar nicht im Spiel ist. Glaubt man den Erkenntnissen aus dem Leistungs- und Profibereich des Fussballs, so ist eine Verletzungsprävention durch das Dehnen nicht gegeben. Hier rät man: wenn überhaupt Dehnen, dann die dynamische (statt der statischen) Form. Ein regelmäßig und gut trainierter Körper braucht jedoch lediglich eine Pulserhöhung zur Anreicherung des Körpers mit zusätzlichem Sauerstoff. Das Warmmachen hat hier eher die Funktion, vom Alltag abzuschalten und Körper und Geist auf die kommenden Aufgaben im Training vorzubereiten. Nach besonders anstrengenem Training, Spiel oder Turnier kann ein anschließendes Auslaufen (am besten barfuß) nicht schaden, um die hohe Belastung der Muskeln und Sehnen bei der Kontraktion wieder langsam zu entlasten.
Anders als die Jungen, die gleich wie die Feuerwehr loslegen, gehen die Mädchen das Training und Spiel ein wenig bedachter an, bevor aus sie "Gas geben"! Jedoch hat man das Gefühl, dass sie ihren Körper und Geist besser unter Kontrolle haben als die gleichaltrigen Jungen, sodass sie rechtzeitig Bescheid geben, wenn "die Puste" ausgeht! Dennoch gibt es typische Veletzungen bei den Mädchen, weil viele von ihnen bereits mit 14 Jahren ihre endgültige Körperlänge erreicht haben. Aufgrund der geringeren Muskelunterstützung sowie anatomischen Merkmalen kommt es zu Bänderverletzungen im Fussbereich (häufig Umknicken nach Außen, seltener nach innen) sowie Kreuzbandverletzungen. Während kleine, technisch versierte Mädchen eher seltener davon betroffen sind, kommen diese Verletzungen bei besondere großen oder schweren Mädchen in dieser Altersgruppe ein wenig öfter vor.
Neben den biologischen Merkmalen, die bestimmte Verletzungen hervor rufen, ist eine weitere Ursache in der unregelmäßigen Teilnahme am Trainings- und Spielbetrieb eine weitere Ursache. Ist man in der Saisonvorbereitung und den ersten Spielen noch voller Euphorie dabei, kann schon ein kalter Regenguss dazu führen, dass man den inneren Schweinehund, der das Mädchen mit Gewalt am Fernsehsessel festhält, dazu führen, das Trainng saußen zu lassen. Selbstverständlich beruhigt man Andere und sich damit, dass ja eine wichtige Klassenarbeit anstand oder der Nachbarshund Welpen bekam. Hat man sich erstmal an diesen Schlendrian gewöhnt, hat schon mal die Oma zum 3. Mal Geburtstag oder so.
Die Mannschaftsführung einer Mädchen- und Frauenmannschaft sollte als besondere Herausforderung verstanden werden, sonst macht sei keinen Spaß. Denn keines der Mädchen denkt auch nur im Traum daran, den Trainer zu ärgern. Außer, er hat was gesagt, wofür er später bei geeignetem Zeitpunkt noch büßen soll. Völlig harmlos ist dann die "Trainer-App", wo man sich über den Typen auslassen kann, von dem die Jana, Lisa und besonders Jasmin ja so schwärmen.
Aber du wirst es sicher schon gemerkt haben, langweilig wirds da nie!
