Hallo Thomas!
Du hast schon mal den großen Vorteil, dass du die Fehler siehst! Das ist doch schon mal was!
Ein wesentliches Problem bei der Vermittlung der ballorieniterten Mannschaftstaktik ist, dass man nicht genug Spieler im Training hat, um dort mannschaftstaktische Übungen zu machen. Aber zum Erlernen einiger Elemente braucht es das gar nicht!
Hier mal die Beschreibung einer Übung: Angriff gegen Abwehr
1. Positioniere 4 Hütchen ca. 6 m vor dem 16-er so, dass untereinander gleiche Breitenabstände und die äußeren Hütchen in Höhe der äußeren 16-er Linie liegen.
2. positioniere nun deine 4 Abwehrspieler an je einem Hütchen
3. die Angreifer und Mittelfeldspiler positionieren sich an der Mittellinie
Stell dich nun hinter deine Kette und lass die am Mittelfeld positionierten Spieler die Übung starten, indem sie mit dem Ball der 4-er Kette entgegen gehen. Nun dirigierst du die Kette, in dem du richtige Aktionen lobst und falsche korrigierst.
Häufige "Anfängerfehler sind":
Ballnaher Abwehrspieler
1. löst sich zu früh aus der Kette
2. löst sich gar nicht aus der Kette
3. attackiert frontal, statt nach außen abzudrängen
Ballferne Abwehrspieler
1. bleiben stehen, statt Position zum Ball hin zu verschieben
2. lösen sich zu früh, attackieren
Die Abwehr wird nach ca. 10 - 15 Minuten die einfachen Dinge so gut beherrschen, dass der Torwart Langeweile bekommt, weil er kaum etwas auf den Kasten kriegt. Deshalb bittest du ihn, nunmehr verstärkt darauf zu achten, ob seine Vorderleute alles richtig machen und ggf. zu korrigieren. So kannst du gleichzeitig kontrollieren, ob auch er das taktische Stellungspiel seiner Vorderleute verstanden hat.
Irgendwann brauchen auch die Angreifer deine Unterstützung. Denn wenn sie nicht erkennen, dass man eine Kette nur mit entsprechendem Tempo überwinden kann, wird sich dort irgendwann die Verzweiflung breit machen.
Also den Schwierigkeitsgrad immer abwechselnd erhöhen, damit auch die Herausforderungen für jede Position angepaßt wird.
Es macht keinen Sinn, alle möglichen Fehler vorher zu erklären, sondern zunächst nur dort korrigierend einzugreifen, wo etwas grundsätzlich noch nicht verstanden wurde. Außerdem hört dir sowieso nach dem 3. Satz kaum noch jemand aufmerksam zu.
Diese Übungen: Angriff gegen Abwehr kannst du variieren. Denn sobald die Angreifer ein paar Lösungen für erfolgreiche Paßstaffetten gefunden haben, stellst du noch zwei 6-er davor.
Nun kannst du daraus Spielformen gestalten. z.B. indem du an den Außenbahnen 2 kleine Kontertore aufstellst. Weile die Kontertore ja außen stehen, soll dorthin der eroberte Ball gepaßt werden, wo ein Mitspieler diesen Paß erläuft und mit Torerfolg abschließt.
Achte auch hierbei nur erst einmal auf die grundsätzlichen Dinge und korrigere erst, wenn du dir sicher bist, dass sie es noch nicht verstehen. Sonst bringst du die Jungs nur durcheinander.
Natürlich braucht es auch seine Zeit, bevor du die im Training vermittelten Individual- und Gruppentaktiken auch im Spiel siehst. Denn es ist schon eine sehr radikale Umstellung, nicht mehr sofort den ballführenden Gegner überall auf dem Feld zu attackieren, sondern sich zunächst einmal fallen zu lassen und erst im eigenen Drittel Fehlpässe zu provozieren.
Natürlich sollten die technischen Defizite mittrainiert werden. Ein abwechselungsreicher Mix mit aus Einzel-, Partner- und Gruppenübungen, Spielformen und Abschlußspielen mit Provokationsregeln deines Schwerpunktthemas können das Spiel deiner Jungs bereichern.
Dennoch wird es eine ganze Zeit dauern, bis ausreichendes Verständnis vorhanden ist. Ob und wie gut sie es denn auf den Rasen zaubern können, dass ist dann eine andere Sache. Denn hier spielt ja immer auch die Gegnerstärke eine entscheidende Rolle.
