Beiträge von TW-Trainer

Du bist noch kein Trainertalker? Registriere dich kostenlos und nehme an unserer Community teil!

Du bist Trainertalker? Zur Anmeldung

    @Björn


    Zunächst einmal möchte ich sagen, dass mir deine Antwort sehr gut gefällt. Denn einen guten, ja besseren Gegner zu loben, dass fällt doch sehr vielen Trainern schwer. Auch as ist ein Merkmal guter Trainer! Wie oft lesen wir hier, dass die Mannschaft sich nach Gegentor hängen läßt, der Schiri schlecht gepfiffen hat, die Eltern nerven, usw. Da ist eine ehrliche Analyse, dass der Gegner einfach einen Tick besser war doch besser, weil sie den Blick auf das Wesentliche freimacht, nämlich das Beste zu geben, um seine Mannschaft optimal weiterzubringen.


    Ich weiß ja auch, dass du deine Jungs sehr gut forderst und förderst und ihnen dabei alle Freiheiten läßt. Es ist ja auch schließlich einen U 8 und sie haben noch eine sehr lange Ausbildungszeit vor sich.


    Meine Infos waren vielmehr an all die Trainer gerichtet, die Ansichten herumschleppen, die schon viele Jahre alt sind, jedoch als Tabu-Themen nie wirklich hinterfragt wurden. Die Einen meinen, man dürfte nur kurze Abstöße bringen, während die Anderen davon überzeugt sind, dass der Ball so weit wie möglich nach vorn gedroschen werden sollte! Ich wollte deshalb den taktischen Unterschied aufzeigen, welche Varianten wann vorteilhaft sind.


    Einen Eckball in der U 8 als "kurze Ecke" zu bringen erachte ich ebenfalls als clevere und altersgerechte Lösung.

    Liebe Trainerkollegen,


    zum o.g. Satz ließ sich ein 2-Liga-Profi nach dem Feldverweis durch die einzige deutsche Schiedsrichterin im Senioren-Profifussball Bibiana Steinhaus hinreißen. Ich denke mal, wir müssen nicht lange darüber diskutieren, ob dieser Satz von einem deutschen oder ausländischen Spieler getätigt wurde, weil er m.E. die Ansichten einer breiten Maße der Anhänger des Fussballs widerspiegelt.


    Zwar haben wir uns daran gewöhnt, dass Frauen in vielen Sportarten "ihren Mann stehen" und selbst an "Mutti" als Kanzlerin haben wir uns gewöhnt, aber der Fussball ist für uns nach wie vor "die heilige Kuh", bei der eine dumme Kuh nichts zu suchen hat!


    Was ist eure Meinung dazu? Können Frauen gleich Schiedsrichterleistungen im Profi-Fussball vollbringen oder sind sie dabei überfordert?

    @Zodiak


    Das nächste mal schlägst du sie!


    Komm nochmal auf die beiden Tore durch "Fehler im Spielaufbau" zurück, bei der euer Keeper den (ruhenden) Ball flach zum Mitspieler passen wollte. Derlei Situationen kommen im unteren und mitleren Nachwuchsbereich realtiv häufig vor, weil:
    1. der Torwart sehr lange für eine Entscheidung braucht, wohin er den Ballspielen will
    2. der Gegner sehr viel Zeit hat, alle ballnahen Anspielstationen zuzustellen
    3. dem Keeper eingetrichtert wird, dass ein langer Abstoß als "Gepöhle" bezeichnet wird
    4. der Spielaufbau auch beim ruhenden Ball immer Vorrang hat, selbst dann, wenn es mit dem erhöhten Risiko eines Gegentores verbunden ist


    Problem dabei ist natürlich, dass fast alle Trainer das Spiel aus der Feldspielerperspektive betrachten und sich deshalb kaum in die Situation aus Torwartsicht hinein versetzen können. Aber der Torwart kann nur so gut sein, wie seine Vorderleute mit ihm gemeinsam kämpfen. Der Satz, der Torwart ist ein Einzelkämpfer gehört in die "Mottenkiste" des Torlinienartisten!


    Kommen wir also zu den einzelnen Punkten:


    zu 1. Torwart braucht sehr lange für Entscheidung
    - natürlich kann man ruhende Bälle auch dadurch vermeiden, indem man Bälle, die eigentlich neben das Tor gehen, sicher fängt und das Spiel danach zügig eröffnet
    - man kann die Entscheidungszeit verkürzen, wenn man dem Keeper vermittelt, dass er sich bereits auf den Weg zum Abstoß eine der 4 Abspielmöglichkeiten (2 x außen kurz, 2 x außen lang)
    (natürlich sollte er die Technik des langen Abstoß im Training vermitteln bekommen, damit der Ball die nötige Höhe, Länge und Präzsision hat - Grundtechnik ist O.K. Perfektion darf man aber nicht erwarten)


    zu 2. Gegner hat viel Zeit, um Anspielstationen zuzustellen
    - natürlich ist der Zeitraum auch von Pkt 1 abhängig und läßt sich dort bereits verkürzen
    - vermittle deinen Defensivspieler, dass sie sich erst dann freilaufen sollen, wenn der Keeper "startklar" zum Abstoß ist. trainiere verschiedene, Laufwege mit dem Ziel einer "offenen Position" ohne gleichzeitigen Gegnerdruck


    zu 3. Langer Abstoß als taktisches Mittel
    - vermittle deinem Keeper, dass er dann die Technik eines hohen, langen Abstoß wählt, wenn es keine kurze Anspielstation gibt, weil es sonst dem Gegner sehr leicht gemacht wird, ein Gegentor zu erzielen
    - vermittle deinem Keeper, dass er stets "nachlaufen" soll, wenn sein Abstoß nicht präzise und hart genug ist oder der zugepaßte Mitspieler wider Erwarten der Ball verspringt, so dass ein Rückpass das beste
    Mittel zum Spielaufbau ist
    - im mittleren Jugendbereich kann der weite Abstoß/Abschlag dann ein taktisches Mittel sein, wenn der Gegner sehr weit aufgerückt ist und man selbst schnelle Angreifer hat.
    (früher wurde der lange Abstoß als "pöhlen und wegschießen" verpönnt, weil er stets die Zielpräzision fehlte; durch die bessere TW-Ausbildung hat sie jedoch diesen schlechten Ruf früherer Tage nicht mehr verdient, sondern ist dort, wo die Technik gut beherrscht wird, zu einem taktischen Mittel gereift.)


    zu 4. Spielaufbau unter erhöhtem Risiko
    - vermittle dem Keeper, dass der einfache, sichere Paß immer die beste Alternative ist; wenn der einfache Paß weit ist, weil alle kurzen Anspielstationen vom Gegner zugestellt sind, dann ist die weite Variante einfach die Beste


    Natürlich höre ich den "stillen Protest" vieler Mannschaftstrainer, die ihre Spieleröffnung aus der Tiefe des Raumes als gefährdet betrachten. Wer sich selbst jedoch TABUs setzt, darf sich nicht wundern, wenn sich der Gegner darüber kaputt lacht!

    @macflag


    Generell möchte ich dir sagen: "take it simple"! Sehr häufig erlebe ich, dass unerfahrene Trainer damit glänzen wollen, dass sie (zu) viel in ihre Präsentation hineinpacken und das Ganze schließlich kaum einen Lerneffekt aufweist.


    Gerade, wenn du ein für dich unbekanntes C-Jugend-Team coachen sollst, dann kommt es darauf an, deine Übung oder Spielform mit einfachen und klaren Hinweisen zum "laufen" zu bringen.


    Ob du zur Feldabgrenzung Stangen, Hütchen oder Pylonen benutzt, ist m.E. eher nebensächlich, weil die Jungs sicher seit Jahren gewöhntl sind, anhand von Markierungen Felder zu erkennen. Nur dann, wenn man via Pylonen oder Stangen zusätzliche Effekte erzielen möchte, macht es auch Sinn, diese gezielt einzusetzen.


    Zwar ist die Übung für die aufgezeichnete Anzahl von Spielern konzipiert, falls du sie jedoch wider Erwarten gar nicht zum "Laufen" bringen kannst, sind natürlich Veränderungen wie:
    - Spieler austauschen, damit die Teams gleich stark sind
    - Feldgröße verändern
    - Spieleranzahl verändern
    denkbar. Allerdings mußt du dabei immer auch die Frage im Hinterkopf behalten, ob das, was du den Jungs beibringen willst, für die Praxis nützlich ist. Wenn man also in der Praxis eher auf eine 4-er Kette trifft, dann wäre eine Veränderung auf 3 eher nicht zielführend. (Hab da letztens so einen Fall gehabt, bei der jemand eine Übung damit starten wollte, das er einen gezielten Pass auf den Gegner brachte. Auf meine Frage, warum er diesen Paß auf den Gegner für erforderlich hält, zuckte er nur mit den Achseln)


    Schließlich ist es wichtig, dass du die Präsentation als "Deine" verstehst! Denn falls dann Fragen dazu kommen, hast du kein Problem, sie auch gut zu beantworten.


    Ich hoffe, nunmehr deine Fragen umfassend beantwortet zu haben. Ansonsten gibts hier auch ein paar Leute, die das vielleicht sogar noch besser in Worte kleiden können als ich.

    O.K. Dann beschäftige dich mal mit den nachfolgenden Anregungen.
    (Hinführende Übungen ist in der Tat der falsche Begriff, weshalb Sir Alex vollkommen recht hat. Denn Hinführend wird im Zusammenhang mit dem Aufwärmen verwendet. Ist schon wichtig, dass man sich konsequent an Definitionen hält.)



    Angriffspressing – Gegenpressing



    Organisation


    22 Meter vor einem Tor mit Torhüter ein 30 x 70 Meter großes Feld errichten und in 3 Zonen unterteilen


    • Auf der Grundlinie gegenüber vom Tor 3 Hütchentore markieren
    • 2 Teams zu 8 bzw. 7 Spielern bilden


    Ablauf


    • Der Torhüter agiert zusammen mit dem Überzahlteam.
    • Der Torhüter startet jede Aktion, indem er zu einem Mitspieler ins Feld wirft.
    • Die Ballbesitzer versuchen, durch eines der gegenüberliegenden Hütchentore zu dribbeln.
    • Dabei dürfen sie nur in 2 benachbarten Zonen agieren (Mitte/rechts oder Mitte/links).
    • Gelingt es dem Unterzahlteam, den Ball zu erobern, so versuchen sie, über die Grundlinie des Feldes vor das Tor zu dribbeln.
    • Hier dürfen sie ungestört auf das Tor mit Torhüter abschließen.



    Variationen


    • Die Aufbauspieler dürfen nur mit Flachpässen agieren und nicht zum Torhüter zurückspielen.
    • Die Aufbauspieler dürfen mit maximal 3 Kontakten agieren.



    Tipps und Korrekturen


    • Ziel des Unterzahlteams ist, die Ballbesitzer auf dem engen Raum so unter Druck zu setzen, dass sie deren Ballverlust provozieren.
    • Hierbei als Angreifer die Passwege der Ballbesitzer konsequent zustellen.
    • Vor das Tor nachrückende Angreifer dürfen nicht mehr von Verteidigern behindert werden.
    • Darauf achten, dass die Belastung für das Unterzahlteam nicht zu hoch wird. Gegebenenfalls Korrektur- und Trinkpausen einrichten.


      Viel Erfolg!

    aber in den letzten Wochen kamen halt auch Gegner die nicht sofort geschlagen waren oder halt Pokalspiele, so war ein Wechsel jetzt paar mal nicht möglich.

    Haben dich unsere Beiträge so schockiert, dass du jetzt sprachlos geworden bist?


    Aber vielleicht lesen ja noch Andere mit ähnlichen Problemen mit und können hier auch was für sich mitnehmen.
    Aus diesem Grund hab ich noch einen deiner Sätze zitiert, der besonders im emothionalen Umfeld von Frauenmannschaften, manchmal aber auch unter den "Fussballmuttis" im unteren Jugendbereich heißes Diskussionsthema ist. Inwieweit steht der Ligaerfolg vor dem gemeinsamen Interesse nach dem Spaß im Fussball unabhängig vom individuellen Leistungspotenzial?


    Hier gibt es eine sehr große Breite an Handlungsmöglichkeiten. Ich sage bewußt: Handlung und nicht Theorie. Denn solange es nur um die theoretische Behandlung des Themas Gleichberechtigter Spieleinsatz, stimmen fast alle Trainer zu, nur an der praktischen Umsetzung habert es häufig.


    1. Trainer-Typ: alle Spieler, die da sind, spielen auch
    Auf den ersten Blick vollkommen unabhängig von sportlichen Belangen, gibt dieser Trainertyp jeden Spieler unabhängig vom dessen Leistungspotenzial Einsatzzeiten. Er lobt viel, äußert jedoch via Korrektorhinweisen hin und wieder Kritik, weil er sich auf die Fahne geschrieben hat, der gesamten Mannschaft sportlich weiterzuhelfen. Er zeichnet sich gleichermaßen für die Starken und Schwachen in der Mannschaft verantwortlich. Seine Wirkungsweise ist mittelfristig und deshalb nachhaltig zu messen. Deshalb fällt dieser Trainertyp nur auf den zweiten Blick auf.


    2. Trainer-Typ: die Starken fördern, die Schwächen müssen sich im Training beweisen
    Hierbei handelt es sich um den klassischen , ergebnisorientierten Erfolgstrainer, wie wir ihn alle kennen. Seine Mannschaftsaufstellung orientiert sich ausschließlich nach den für ihn sichtbaren Leistungspotenzial. Der Positionskampf findet im Training statt. Wer auf der Bank sitzt, der darf sich nur dann auf eine Einwechselung freuen, wenn der Gegner mal deutlich schwächer ist. Weil die unterschiedlichen Zeiten der Spielpraxis die Leistungsschere immer größer werden lassen, sieht dieser Trainertyp sich in seinen Entscheidungen auch im nachhinein bestätigt. Was sportlich mit der Mannschaft möglich gewesen wäre, wenn sich alle Spieler hätten individuell bestmöglich entwickeln können, ist für ihn lediglich ein theoretisches Thema.


    3. Andere Trainertypen
    Zwischen diesen Extrem-Beispielen gibt es eine Reihe von Trainern, die mehr zum einen oder zum anderen Typ tendieren. Je nach dem wie gut ihre soziale Kompetenz ausgeprägt ist und welche sportliche Karriere sie mit ihrem momentanen Traineramt verbinden. Es ist jedoch erst einmal hilfreich, wenn man sich zu dem bekennt, was man denkt. Denn nur dann kann man sich mit Anderen austauschen und ggf. seine Sicht und seine Meinung zu bestimmten Punkten verändern.

    Mir fehlen da z.B. Fragen, wie der Befürworter und der Ablehner eines Strafenkatalogs argumentiert. Ohne diese Punkte hast du nur ein quantitives Ergebnis (a. wieviel Prozent der Trainer haben einen Strafenkatalog, b. in welchen Altersklassen werden sie eingesetzt, was für ein Geschlecht hat der Trainer und wie alt ist er), aber du kannst es nicht qualifizieren, weil du nicht die Begründungen dafür und dagegen kennst.


    Desweiteren fehlen mir folgende Fragen:


    1. Herkunft von Trainer und Verein (gibt Aussagekraft darüber, ob es evl. ein Nord-Süd-Gefälle in der Anwendung des Strafenkatalog als pädagogisches Mittel gibt)
    2. Mitgliederanzahl des Vereins (man erhält Auskunft, ob es signivikante Unterschiede beim Einsatz des Strafenkatalogs nach Vereinsgröße gibt)
    3. Differenzierung der Liga-Zugehörigkeit nach Mädchen-/Jungenligen (Hintergrund ist die unterschiedliche Professionalität des Umfelds incl. Trainer)


    Aber natürlich wäre es auch interessant zu wissen, welche Untersuchungsziele deine in deiner Bachelorarbeit verfolgst?

    @Fab lan Schmidts


    Dein Fragebogen ist ja ein bißchen "dünn"! Würde vorschlagen, du machst noch einen Strafenkatalog für Trainer, wenn sie Bockmist bauen! (z.B. einen Strafenkatalog für Kinder wollen!)

    @Ingedion


    In der Damen-Kreisliga ist die Zielvereinbarung Meistertitel nur für den Moment etwas wert, an den sich schon beim nächsten Training kaum noch jemand erinnern kann. Erst recht nicht diejenigen, die durch Abwesenheit glänzen. Anders sieht es jedoch bei den Spieleinsätzen und manchmal sogar auch bei den Einsatzzeiten aus. Daran können sich die Mädels bei "Bedarf" sogar noch Monate später erinnern! Anders formuliert: wenn du die Mädels, die regelmäßig zum Training kommen, nicht auch regelmäßig spielen läßt, dann wird sich früher oder später eine Spirale mit negativer Sogwirkung in Gang setzen. Denn dann wird es ohne deine Beteiligung und Kenntnisnahme ein Mannschaftsmeeting stattfinden, in der die Mädels ihre eigenen Regeln aufstellen. Daraus können sich einige Konsequenzen ergeben, wie:
    1. die Mädels suchen sich heimlich einen neuen Trainer (weil es beim Jetzigen ja immer nur ums Gewinnen geht)
    2. die Mädels ohne Spieleinsätze und deren Freundinnen fehlne plötzlich und ohne Ankündigung beim Training und den Spielen
    3. einige Mädels kündigen die Absicht eines Vereinswechsels an


    Fazit: Es kann Jahre an Arbeit kosten, ein großes und gutes Damenfussballteam zu formen. Aber so mühsam der sportliche Weg nach oben war, so schnell kann alles in kürzester Zeit zusammen brechen. Diese Beobachtungen ziehen sich nahezu durch sämtliche Ligen. Selbst im Profibereich, wo es ja eigentlich nur nach Leistung gehen sollte, spielen soziale Beziehungen eine Rolle. Allerdings gibt es dort meist einen guten sportlichen Unterbau, wodurch solche Schwankungen aufgefangen werden können.


    Du tust also gut daran, die Signale deiner Mädels sorgfältig zu prüfen, statt dich zu intensiv mit dem Meisterschaftsziel auseinander zu setzen. Wenn du erst 7 Monate dabei bist, dann wirst du in der Rückrunde feststellen, dass plötzlich ganz andere Teams oben mitmischen und dafür andere rapide sinken. Auch wirst du feststellen, dass einige neue Trainer begegnen. Denn gerade die Trainerneulinge im Damenfussball haben die Signale nicht vernommen, verstehen das Verhalten nicht oder wollen mit dem Frauenfussball nichts mehr zu tun haben, weil es in ihren Augen eine Saisonplanung kaum möglich macht.


    Also frag am besten regelmäßig deine Mädels, was sie wollen und höre auch "zwischen den Zeilen" gut zu! Wenn dann am Ende der Meistertitel dabei herauskommt, dann Ist`s ja auch O.K.!

    @tobn


    Du hast Recht mit der Abseitsregel. Allerdings und das habe ich leider vergessen zu erwähnen, wurde sie früher lediglich im Seniorenbereich und noch nicht im "Schülerfussball" gespielt. Dort wurde sie meines Wissens erst in den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts nach und nach eingeführt. Die "Abseitsfalle" wurde erst in den 70-er Jahren trainiert. Das "passive" Abseits kam erst Anfang dieses Jahrhunderts.


    Der/die Libero/Libera, um die es hier eigentlich ging hat teilweise noch Fortbestand in Mannschaften während der Umstellungsphase. Hier agiert er/sie meist hinter der "Kette" als letzter Feldspieler, manchmal aber auch davor als "Vorstopper". Seine Funktionen sind jedoch hier nicht mehr vollständig identisch mit denen des früheren Libero. Er hat jedoch, anders wie seine Kollegen die weitgehende Freiheit in der Defensive den Raum zu besetzen, den er in der jeweiligen Situation für sich am besten sieht. Das diese Entscheidung nicht gänzlich von denen seiner Mitspieler unabhängig ist, läßt sich denken, jedoch ist sein taktisches Korsett nicht so eng gesetzt wie bei den Anderen.


    Ich würde jedoch davon abraten, bei einer Umstellung aufs ballorientierte Spiel weiterhin mit ener Libera spielen zu wollen, weil das schnelle Umschalten von Offensive in die Defensive schwieriger ist. Denn es verlassen sich da alle auf die Libera, die es im Zweifelsfall schon richten wird. Auch die Keeperin wird sich schwer tun und es kann immer wieder zu Mißverständnissen (nimmst du den Ball oder soll ich hingehen?) mit der Libera kommen. Dann lieber Anfängerfehler machen, erkennen was noch nicht O.K. ist und anschließend daran arbeiten.


    Ein weiteres Problem im Frauenfussball ist die gegenüber dem Männerfussball geringere Trainingsbeteiligung. Während bei den Männern selbst beim Fussball auf Kreisebene ein Positionskampf via Trainingsfleiß möglich ist, geht dieser Schuß bei den Mädels nach hinten los, weil die sich gar nicht in so eine Wettbewerbsrolle zwingen lassen wollen. Aufgrund der geringeren Eigenmotivation können Frauentrainer auf Kreisebene häufig mit 2/3 bis 1/2 der Mannschaftsstärke trainieren, sodass etwas komplexere Übungen und Spielformen (z.B. ein 6 : 6) gar nicht möglich ist! Wenn dann versucht wird, während des Spiels zu korrigeren, wird dies ignoriert, weil der Sinn gar nicht verstanden wird. Da ist dann sehr viel Fingerspitzengefühl gefragt, was den Mädels zumutbar ist.

    @Grätsche


    Im wörtlichen Sinne hast du mit der Beschreibung des/der Libero/Libera sicher recht. Seine Bedeutung als letzter Feldspieler ging jedoch mit der Einführung des Abseits ein wenig verloren. Seine Hauptaufgabe, das Ablaufen langer Flanken wurde auf den Torwart übertragen.


    Man würde das ballorientierte Spiel falsch interpretieren, wenn man es rein statisch betrachtet, in dem einzelne Spieler in ihrer Gruppe auf einer Linie reagieren, sobald der Ball in ihre Nähe gelangt. Auch im ballorientierten Spiel bilden sich häufig genug Pärchen. Allerdings ist die Interpretation wo welche Räume besetzt oder freigelassen werden unterschiedlich und in Taktik bzw. Spielphilosophie gebündelt.


    Darüber hinaus gibt es eine Reihe von weiteren Elementen des Fussballs, die vom gegner- in die ballorientierte Taktik übernommen wurden. Vieles aus gutem Grund, manches jedoch auch, ohne es weiter zu hinterfragen. (Hatte letztens mal eine Diskussion über die Funktion von TW-Handschuhen. Dort halten sich nach wie vor die Gerüchte, dass man durch das Polster an der Innenseite bzw. durch das Nässen den Ball besser festhalten könnte. Das ist natürlich Unfug. Nur durch die richtige Technik fangen die Hände (nicht die Handschuhe) den Ball. Und Nässen braucht man die Handschuhe auch nicht oder macht jemand seine Autoreifen im Sommer nass, damit sie besser haften?)


    ---------------------------------------------------------------------
    Die "Kette" läßt sich bei Frauenteams sehr viel leichter trainieren als bei den Männern. Das mag sicher einige Gründe haben, wie:
    - Männer fangen meist früher an mit dem Fussball, weshalb sie das "gegnerorientierte Spiel" bereits tief verinnerlicht haben und sich schwer tun, etwas Neues zu erlernen
    - das Fussballspiel der Männer ist deutlich schneller, dynamischer und beinhaltet in der Regel mehr Zweikämpfe, während bei den Frauen mehr Zeit für Lauf- und Paßwege nach gewünschter Taktik bleibt


    Schon nach 1 - 2 Monaten lassen sich bei einer Frauenmannscharft deutliche, taktische Fortschritte erkennen. Allerdings stagnieren die Fortschritte gegenüber den Männerteams auch früher. Denn wo mehr Zeit zur Verfügung steht, da besteht auch die größere Gefahr, dass einzelne, ballferne Spieler gelegentlich auf "Zuschauermodus" umschalten, in der sich nicht mehr Akteure, sondern einen Beobachterstatus einnehmen. Man kann das leicht testen, indem man bei einer Spielform die Provokationsregel ausgibt: wer länger als 1 Sekunde steht, erstarrt auf Trainerkommando als Salzsäule und muß solange dort verharren, bis die aktuelle Ballaktion abgeschlossen ist. Selbst, wenn sich alle Spielerinnen nach ca. 4 - 5 "Salzsäulen-Aktionen nunmehr permanent bewegen, wird man die ballfernen Spielerinnen, die ihre Position nicht zum Ball hin verschieben, weiterhin beobachten können. Erst im Profibereich, wo mit deutlich mehr Eigenmotivation gespielt wird, kann man diesen Effekt kaum noch beobachten.


    Ich habe die Kette mit Libera gibt es im Frauen-Leistungsfussball überall dort beobachtet, wo es den Trainern an umfangreichen Wissen im ballorientierten Spielsystem gefehlt hat. Denn wer kann es sich erlauben, eine Spielerin fast komplett aus dem Spiel zu nehmen? Und wie soll die Keeperin dabei lernen, sich von der Torlinien- zur Torraumspielerin weiter zu entwickeln?


    Diese Trainer leben von dem Erfolg, immer das ihren Mädels zu sagen, was sie gerne hören wollen. Dabei nehmen sie billigend inkauf, dass sich das Team sportlich weniger weiterentwickelt. Denn wer gelobt werden will, der sollte sich auch mal Korrekturhinweise anhören! Sonst lügt man sich selbst nur in die Tasche und versteht gar nicht, warum die Gegner immer wieder die Schwächen rasch herausfinden.


    @teenay
    Deine Beobachtung, dass Frauen lieber nach vorn rennen als zurück kann durchaus bestätigt werden. Es gibt zwar auch einige Akteure, die bei Ballverlust sofort nachsetzen, aber die Meisten sehen den Ballverlust eher als "himmelschreihende Ungerechtigkeit" an, gegen die man sowieso nichts machen kann, weshalb man sofort stehen bleibt. Auch ein Angriffs- oder Mittelfeldpressing läßt sich häufig nur über einen kurzen Moment erzielen. Hat man den zweiten Paß nicht erlaufen können, gibt man auf und macht nur widerwillig durch Traineraufforderung weiter.


    Der Frauenfussball ist bei genauerer Betrachtung in vielen Dingen anders als im Männerbereich. Deshalb sollte man ihn auch nicht miteinander vergleichen. Insbesondere bei der Suche nach weiteren Optimierungsmöglichkeiten helfen Modelle aus dem Männerbereich meist wenig! Die individuellen Fähigkeiten mit den Wünschen in einer stark emotional geprägten Umgebung zu verbinden, das ist eine eigene und ganz besondere Herausforderung. Sie anhand von Siegen oder Niederlagen beschreiben zu wollen, würde nicht annähernd den Kern des Frauenfussballs beschreiben.

    Also ich finde deine Spielform gar nicht so schlecht. Allerdings würde ich die beiden 6-er davor weg lassen, damit die Sache einfach bleibt.



    1. "Kette"
    Positioniere ca. 6 m vor dem 16-er im gleichen Abstand 4 Hütchen, die äußeren Hütchen sollten mit der 16-er Kante abschließen Stelle zu jedem Hütchen einen Abwehrspieler.
    Dahinter gibst du dem Keeper den Hinweis, sich an der 5-er Linie zu positionieren.



    2. "Angreifer"
    Der Rest deiner Gruppe positioniert sich mit dem Ball an der Mittellinie


    Aufgaben:
    - Angreifer passen sich Ball in Richtung 16-er zu
    - sobald ballführender Angreifer ca. 5 m von "Kette" entfernt ist, wird er von ballnahme AV oder IV angelaufen und nach außen abgedrängt, der Rest der Abwehr rückt zum Ball ein
    - geht der Angreifer ins Dribbling, wird der AV oder IV gedoppelt und attackiert
    - nach Balleroberung erfolgt Abspiel auf die Außenbahn zu einem der beiden Kontertore (das sollte jedoch nicht übertrieben werden, weils ja in erster Linie um die Defensivaufgaben geht)


    Zunächst übernimmst du als Trainer die Aufgabe des Abwehrcoaching (denn es ist zu erwarten, dass AV oder IV zu früh/spät anläuft, hinterher laufen will, der Rest nicht einrückt, usw.) Nach ca. 5 Min. überträgst du dem Keeper diese Coachingaufgaben.


    Wenn`s gut läuft, dann sehen die Trainerkollegen und Prüfer in den 10 Minuten deiner Lehrprobe, wie einfach man mit "Kette" das torgefährliche Zentrum verteidigen kann. Würdest du noch zwei 6-er vor der Kette positionieren, dann würden die Beiden ja bereits vor der Kette einige Angriffe abfangen bzw. Rückpässe erlaufen. Aber du willst ja, dass dein Abwehrzentrum was zu tun bekommt und das "Haha-Erlebnis" dadurch sehr viel nachhaltiger wirkt?!?


    Viel Erfolg!

    @Ingedion


    Ich denke mal, man sollte 2 Dinge trennen. Wenn du in der Damenkreisliga mit "Kette" spielst, dann werden die meisten Gegner mit deinen 4 Abwehrspielerinnen, die gemeinsam verteidigen und sich dabei gegenseitig unterstützen, nicht klarkommen. Wie du sicherlich festgestellt hast, wird selbst in 1 - 2 Ligen höher noch "gegnerorientiert" gespielt, wodurch dein Team ihre Vorteile hat. D.h. wer hinten gut steht, der muß vorne nicht so viele Tore schießen.


    Tja, das wars dann aber auch an Erkenntnissen. Denn egal, wieviel du dort an der Tafel malst, die Interessen der meisten Mädels in deinem Team sind anders gelagert. D.h., die wollen ein bißchen Spaß, aber keine Lehrstunden in Sachen Fussball. Ein typisches Kreisliga-Damenteam läßt sich in 3 Kategorien gliedern. Ein Drittel möchte sich im Training und Spiel verbessern, ein weiteres Drittel kommt zum Training, wenn ihre Freundinnen auch kommen und ein letztes Drittel kommt nur, wenn sonst nichts Besseres läuft. Wie willst du da irgendwas planen oder vielleicht sogar noch verbessern? Da mangelt es ja nicht nur am Verständnis, sondern auch am Willen bzw. der Kondition zur Laufarbeit!


    Deshalb mein Tipp: vereinfache dein System auf ein 4 : 4 : 2. Die kannst du zusammen trainieren, hast nicht das Problem mit den beiden 6-ern oder dem Offensivspiel der AV! Andererseits kann ich dir den Wechsel in eine höhere Liga nahelegen, wo deine Arbeit gewürdigt wird. In der Kreisliga ist es vermutlich wie "Perlen vor die Säue" werfen, da dir kaum jemand zuhört oder das machen möchte, was du ihnen versuchst zu erklären.


    Falls du dir Gewissheit bezüglich deines Engagements verschaffen möchtest, dann frag ganz einfach mal beim Training in die Runde, auf welchen Tabellenplatz ihr gerade steht? Das werden die Meisten gar nicht wissen und es ist ihnen auch egal!

    @Taktiker_95


    Willst nen ehrlichen Rat! Lizenz machen ist sicher O.K.! Aber für einen Verein, der seinen Nachwuchs jahrlang an Fussabtreter behandelt hat, tätig zu werden, das kann nur auf persönlichen Frust oder Krawall mit Nachbarvereinen hinaus laufen. Du hast doch quasi gar keine Unterstützung im eigenen Verein, dem du gerade den kleinen Finger hingehalten hast, die dir aber danach als Trainer beide Arme abreißen wollen. Nicht nur um Mannschaftsmitglieder, auch um Tricots, Bälle, Trainngsequipment, um alles wirst du dich kümmern müssen. Selbst und gerade, weil die Senioren nur noch 2. Kreisklasse kicken, wird dir bei der Tagesarbeit kaum jemand von den Vereinsverantwortlichen unter die Arme greifen. Wie viele Mitglieder hat denn dieser Verein überhaupt noch, bzw. wer läßt sich ausser den paar Vereinsmeiern, die kein Zuhause haben, überhaupt noch regelmäßig dort blicken? Es scheint doch eher so, als das dieser Verein läßt im Koma-Zustand ist und nur noch künstlich am Leben erhalten wird!


    Die potenziellen Spieler aus diesem Ort wurden längst alle verjagt. Selbst, wenn du ein paar Bankdrückern aus den Nachbarvereinen bekommst, werden die einen vernünftigen Rahmen erwarten. Da genügend nicht nur ein Trainingsgelände. Glaubst du, dass man den Jugendlichen mit schlauen Sprüchen und einem feuchten Händedruck irgendwie imponieren kann?


    Vergiß es! Du solltest die als Trainerneuling einen Verein suchen, bei dem du entsprechende Rahmenbedingungen vorfindest! Hier aber wirst du nicht ins kalte Wasser, sondern in Eiswasser gestürzt!

    @Constantin


    Eine Vereinsmitgliedschaft ist Pflicht, wird jedoch nicht in jedem Fall überprüft. Dennoch macht es Sinn den Heimatverein darüber zu informieren, weil die meist die Lizenzgebühren zahlen.


    Die C-Lizenz kann dezentral oder in der Verbandszentrale erworben werden.


    Die sportliche Tauglichkeit wird unterschiedlich interpretiert. Da bei der C-Lizenz das Eigenkönnen kein Prüfungsthema ist, wird lediglich die allgemeine Bereitschaft zur Teilnahme an Übungen und Spielformen gewünscht. Es kann jedoch bei entsprechenden Erfahrungen als Spieler-/Trainer ein Dispenz erlangt werden. Selbst im Leistungsfussball gibt es teilweise diese Regelungen, um so auch Sportlinvaliden die Chance zu einer Trainerkarriere einzuräumen.


    Weil ca. 1/3 der C und B-Lizenz (Theorie) identisch sind, sollte man sich vorher überlegen, für welche Zielgruppe man eine Lizenz erwerben möchte?

    @loi


    Ich möchte die sogar dazu ermutigen, dich zu äußern, statt zu kuschen! Zwar sagt man: "steter Tropfen höhlt den Stein", aber leider ist derzeit noch keine Einsicht zu erkennen, dass man es nicht nur mit Talenten, sondern mit jungen Menschen zu tun hat. Begriffe wie "Spielermaterial" stehen für eine Versachlichung und sollen das Individuum auf seine fussballerische Fähigkeiten reduzieren.


    Körperlänge als Merkmal für eine Leistungsentwicklung? Was ist denn das für ein Unfug? Wenn ich als Trainer die Körperlänge beieinflussen könnte, wäre es ja ein Faktor. Wenn mich unbedingt wissen will, wie groß Einer mal wird, dann brauche ich mir doch nur seine Eltern anschauen und ein paar Zentimeter draufrechnen. Aber in ein paar Zentimetern Körperlänge läßt sich doch keine Gesamtaussage über die zu erwartende Qualität eines Nachwuchsspielers erkennen?


    Wenn der Spieler gut genug ist, dann ist es mir egal, ob er groß oder klein ist!

    @Stannis74


    In der Tat ein sehr mutiges und deshalb gutes Interview. Gerade, weil Host Wein in einer anderen Sportart großgeworden ist, gelingt es ihm immer wieder, sich einen klaren Blick auf den Fussball zu verschaffen.
    Hier ein paar Zitate, die in einfacher Weise auf unsere Kernprobleme im Kinderfussball aufmerksam machen:



    Erst dann, wenn ein Trainer, der viel weiß, wenig preisgibt, kommt es zu einem aktiven Lernen des jun­gen Spielers.


    Das Land der Welt­meister mit rund 6,8 Millionen Spie­lern hat noch immer nicht den Weg gefunden, die hohe „Drop-out“-Quote von etwa 70 Prozent bei jugendlichen Fußballspielern in den Griff zu bekom­men. Alles orientiert sich am Profifuß­ball, und unsere Kinder dürfen im Fußball leider nicht mehr Kinder sein

    Das Land der Welt­meister mit rund 6,8 Millionen Spie­lern hat noch immer nicht den Weg gefunden, die hohe „Drop-out“-Quote von etwa 70 Prozent bei jugendlichen Fußballspielern in den Griff zu bekom­men. Alles orientiert sich am Profifuß­ball, und unsere Kinder dürfen im Fußball leider nicht mehr Kinder sein


    Es gab übrigens Anfang 2006 einen Versuch, mit Bernhard Peters einen Hockey-Bundestrainer als Sportdirektor beim DFB zu verpflichten. Hier ein paar Kommentare dazu:


    Ex-Bundestrainer Berti Vogts im „Kicker“:
    „Das ist ein Karnevalsscherz. Hockey kann man nicht mit Fußball vergleichen. Die Hockeyspieler haben alle zwei Jahre
    eine WM, Fußballer müssen alle drei Tage fit sein.“


    Hannover-Trainer Peter Neururer:
    „Ich kenne noch einen guten Volleyball-Trainer, der könnte das Lauf-Training machen. Fitness-Trainer aus den USA, Scouting-Chef aus der Schweiz – langsam ist es gut.
    Wenn Klinsmann nach der WM weg sein sollte, bleibt der DFB auf den ganzen Leuten sitzen.“


    Walter Hellmich (Präsident MSV Duisburg):
    „Es kommt überall auf Kompetenz und Persönlichkeit an. Wenn es das im Bereich des DFB nicht gibt – ein Armutszeugnis für den deutschen Fußball.“


    Jürgen Klopp (Trainer 1. FSV Mainz 05):
    „Ich kann mir das sehr gut vorstellen. Er soll beim DFB ja keine Fußballmannschaft trainieren, sondern Strukturen verbessern und aufbauen. Im Hockey hat er aus wenig Nachwuchs eine
    unheimlich erfolgreiche Mannschaft gemacht. Ich begrüße den Ansatz, da mal einen Betriebsfremden ranzulassen, der vielleicht viele Dinge anders angeht. Ein toller Trainer, der sich für alles interessiert.“


    Jürgen Kohler (Trainer MSV Duisburg):
    „Der Hockey-Bundestrainer soll DFB-Sportdirektor werden? Das ist unvorstellbar. Für mich ist das eine Schnapsidee.“


    Uli Hoeneß (Manager FC Bayern):
    „Diese Wahl ist mutig und nicht schlecht. Ich finde sie einen Versuch wert.“


    Karl-Heinz Rummenigge, (Vorstandsvor-sitzender Bayern München):
    „Das ist ein Mann, der im Hockey wohl sehr gute Arbeit geleistet hat. Im Hockey sind wir Weltspitze, im Fußball sind wir es aktuell nicht.“


    Bert van Marwijk (Trainer Borussia Dortmund):
    „In Holland hat es das schon gegeben, dass Hockeytrainer später für Fußball-Mannschaften gearbeitet haben. Die Sportarten können doch voneinander lernen.“


    Heribert Bruchhagen (Vorstandsboss von Eintracht Frankfurt):
    „Am Anfang war ich schon überrascht, aber je länger ich darüber nachdenke, halte ich die Überlegung für in Ordnung. In der Position sind vor allem Management- und Teamfähigkeit gefragt. Außerdem muss nicht jeder, der von Fußball Ahnung hat, Fußball gespielt haben.



    Die Meinungen spiegeln nicht nur den damaligen Zeitgeist wieder, sondern man erkennt, dass die struktuellen Probleme ganz oben einen "Nachhall" nach unten hin haben. Schon damals brauchten wir Leute, die unvoreingenommen die Strukturreform anpassen und begleiten. Und was haben wir stattdessen bekommen ...?

    @loi


    Ich kann deinen Frust durchaus verstehen. Aber glaubst du ernsthaft, dass sich dadurch irgendetwas ändern wird? Denn wenn selbst wissenschaftliche Arbeiten an der Sporthochschule Köln es nicht geschafft haben, durch methodische Untersuchungen, in der Theorie und Praxis miteinander abgeglichen wurde, sodass es kaum Argumente gab, um da noch irgendwas schön zu reden, wie soll sich dann bei der Beschwerde einer Einzelperson etwas ändern?


    Dennoch finde ich es sehr wichtig, dass ihr auch mal andere Erfahrungen geschildert werden. Denn die meisten scheuen und schämen vor gar.


    Leider hilft da eine Zertifizierung auch nicht weiter, wenn der Unterschied zwischen Theorie und Praxis zu groß ist. Denn überall gibt es Lücken und Schlupflöcher, mit denen man Regeln geschickt umlaufen kann.


    Unser deutsches Trainer-Ausbildungssystem sieht keine Mannschaftsführung vor, weil sie auch im "Echtbetrieb" gar nicht Inhalt einer Lizenzentscheidung ist. Es hat einen Test gegeben, bei dem Trainer vor Ort von Ausbildern im Punktspielbetrieb unterstützt wurden. Die Ergebnisse waren positiv. Trotzdem hat man sich gegen eine bundesweite Einführung ausgesprochen. Die seinerzeitigen Argumente waren: zu wenig Personal und zu teuer! Aber sollte man nicht wenigstens bei den lizensierten NLZ nur solche Trainer wirken lassen, die in der Ausbildung eine ausreichende soziale Kompetenz nachweisen konnten? Damit wäre doch schon mal ein Anfang gemacht. Die Frage, was das bringen soll, läßt sich rasch erklären: Fussball wird vom Kopf in den Fuss gespielt! Wenn aber der Kopf nicht frei für den Fussball ist, dann wird schließlich die innere Blockade zu eienr Hemmung führen, die eine weitere Entwicklung schwierig macht. Dies ist auch ein wesentlicher Grund, warum Talente, die im Verein X nicht klar kamen, später im Verein Y sich hervorragend entwickeln konnten.


    Ich habe aber auch, wie es Sir Alex geschildert hat, hervorragend arbeitende NLZ miterleben dürfen. Das Problem ist jedoch vielfach, dass es zu sehr auf Personen, statt auf Funktionen fixiert ist. D.h. verläßt eine Person eine Funktion, dann können sich vorher gut geregelte Prozesse binnen kürzester Zeit ins Negative verkehren. Bei unseren niederländischen Nachbarn ist da insofern eine etwas größere Sicherheit vorhanden, weil hier mehrere Vereine das Personal und die Kosten für das Nachwuchsleistungszentrum teilen und insofern etwas mehr aufgepaßt wird.


    Gerade in der Jugendarbeit muß es um die Nachhaltigkeit gehen, die in den Zielen fest verankert sein müssen. Die richtige Kadergröße je Altersgruppe ist da nur ein Faktor. Aber sie läßt sich, wie Sir Alex schon beschrieb, leicht umgehen! Die Dauer der Förderung ist ebenfalls von großer Bedeutung. Denn kaum ein Talent hat eine lineare Entwicklung, wofür es zig Gründe geben kann. Deshalb macht es nach meiner Meinung keinen Sinn, Spieler ins NLZ zu holen, die nach einem statischen Talentsichtungsprinzip (Stichtagssichtung), sondern nach einem dynamischen Prinzip (Feststellung der Fortschritte innerhalb eines definierten Zeitraumes) auszuwählen.


    Wenn wir das gemeinsame Ziel haben, unseren Nachwuchsbereich kontinuierlich zu verbessern, dann wird man m.E. nie einen großen Wurf machen können, sondern lediglich in kleinen Schritten eine unumkehrbare Verbesserung erzielen können. Das bisherige System ist in die Jahre gekommen. Sie entspricht in Teilen nicht mehr der Vorstellung von den Talenten und deren Eltern. Sie wollen mehr Zuverlässigkeit, mehr Fairness und weniger Unruhe durch den zu häufigen Austausch von Talenten.


    Derzeit kann ich nur in Einzelfällen den Rat geben, sein Kind vor der C-Jugend in ein NLZ zu schicken, wenn es im Heimatverein gar nichts geht. Dann aber sollte man sich nicht einem zeitlichen Druck unterwerfen, sondern in Ruhe prüfen, ob die gemachten Angaben der Realität entsprechen. Der Besuch beim Training oder einem Punktspiel kann da schon sehr viel Aufschluß bringen.

    ich bin regelrecht schockiert!

    Als ich vor ca. 2 Jahren darauf aufmerksam machte, wollte mir niemand glauben! Läßt sich sicher darüber diskutieren, wie extrem dabei mit den Erwartungen von Kindern/Eltern umgegangen wird und wie sich Kinder/Eltern selbst ihre Erwartungen hochschaukeln. Denn die meisten bieten ihre Kinder ja wie "sauber Bier" an. Aber die Wahrheit, dass fast alle irgendwann gehen dürfen, die erzählt ihnen wohl niemand. Das "first in - first out" wurde bereits wissenschaftlich bearbeitet und der Unterschied zwischen Theorie und Realität auch beschrieben. Es gab mal Vereine, die die komplette Jugend-Vita ihrer Spieler präsentierte. Dass ein U 19 Spieler bereits 10 Vereine hinter sich hatte, kam durchaus vor.


    Problem dabei ist natürlich, wie mit den Meisten, die irgendwann aussortiert werden, umgegangen wird? Denn es kommt vor, dass Spieler beim einen Verein aussortiert und bei einem Anderen ganz groß rauskommen. Je nach dem, wie schnell in einem NLZ der nervöse Daumen der Entscheidung runterzeigt.


    @GrätscheSelbst, wenn man Zertifizierungsergebnisse veröffentlichen müßte, was würden die wohl für den Laien für eine Aussagekraft haben.


    Es wird solange ein Problem bleiben, wie wir es uns noch leisten können, Talente zu verschwenden bzw. unsere Erfolgsprognose eher dem Suchen einer Stecknadel im Heuhaufen gleicht!