Wenn die Eltern dir sagen, dass die Kinder dein Training langweilig finden, dann ist es schon der richtige Weg, sich darüber Gedanken zu machen. Hier im Forum gibts genügend Trainer mit entsprechender Erfahrung. Da kannst du dir gute Ratschläge holen, aber wie du es dann umsetzt, das ist allein dein Ding.
1. Details über einfache Fragen erfahren
Frag mal deine Trainingsgruppe, was sie am liebsten machen? Vermutlich wird sich eine andere Gewichtung (weniger Übungszeit, dafür längeres Abschlußspiel) ergeben. Leider wird nach dem Verschwinden des "Straßenfussballs" häufig vergessen, dass der Kinderfussball nicht eine Fortsetzung des Schulunterrichts sein sollte, sondern in erster Linie eine spielende Freizeitgestaltung.
2. Erste Veränderungen probieren - sich dabei selbst disziplinieren
Deshalb soll der Trainer auch kein Lehrer sein, der via Frontalunterricht jedes Detail erklärt, sondern er soll lediglich Impulse geben und nur dort helfen, wo die Kinder allein nicht weiterkommen. Also nicht minutenlange Vorträge, worauf es ankommt, sondern nur 2 - 3 Hinweise und dann soll sich deine Trainngsgruppe daran ausprobieren. Statt selbst zu präsentieren, wähle Spieler dazu aus bzw. frag, wer es zeigen möchte. Statt eine Übung zu unterbrechen und einen Spieler, der sie nicht hinbekommt, vor der Trainingsgruppe zu blamieren, lieber einen präsentieren lassen, der es sehr gut kann. Also statt zu kritisieren, durch dosiertes Lob zu führen. Je nach dem, in welcher Rolle man sich am wohlsten fühlt, bedarf es auch einer Selbstdiziplinierung, den Fussball nicht als Lehrstoff, sondern als Freizeitgestaltung ohne Leistungsdruck und -anspruch zu verstehen. Wenn die Kinder den Spaß am Fussball entdecken, dann kommt die Leistung sowieso von ganz allen.
3. Trainingseinheit nach den Wünschen und dem Bedarf gestalten
Versuch bitte mal die Trainingseinheit so zu planen, dass mindestens in der Hälfte der Zeit gespielt (Spielformen, Abschlußspiel) wird.
4. Abweichungen bei der Trainingseinheit zulassen, wo es sinnvoll erscheint
Häufig gibt der Trainer ein Feedback, ohne jedoch nach dem zu fragen, wie es die Kinder gesehen haben. Es wird ihm nicht nur deren Sichtweise verborgen bleiben, sondern er wird keine Gewissheit darüber erlangen, was die Kinder zufällig richtig oder falsch gemacht haben, weil er sie gar nicht sagen läßt, was sie schon verstanden haben und wo sie weitere Hilfe benötigen.
Leider gibt es beim DFB nur Schwerpunkt-Trainingseinheiten. Eine Abweichung ist dabei nicht vorgesehen. Das heißt aber nicht, dass ihr alles so machen müßt, wie es darin beschrieben steht. Es soll lediglich dazu anregen. Ihr könnt es durchaus mischen. Aber achtet bitte darauf, dass der Schwierigkeitsgrad zu eurem Team paßt.
5. Kinder wollen sofort Antworten
Im Dialog über das letzte Punktspiel ergeben sich Fragen der Kinder. Sie wollen darauf sofort für sie verständliche Antworten. Die Chance im Training besteht darin, ihnen nach der kurzen Bespreichung durch praktische Übungen und Spielformen den Unterschied von: "das kann man noch besser" - zu - "das machen wir jetzt schon besser" zu zeigen. Denn Kinder brauchen einen wesentlich kürzeren Vergleichszeitraum, um die Unterschiede zu verinnerlichen als wir Erwachsene, die wir durch komplexe Zusammenhäng gewohnt sind, uns an Theman länger heran zu tasten.
5.1. Trainingseinheit als "Roten Faden" führen und Zeit für spezielle Übungen/Spielformen einplanen
Sofort nach dem Feedback in Form von Übungen/Spielformen den Kindern neue Lösungen zu geben, dass kommt nicht nur gut an, sondern das macht allen sehr viel Spaß. Selbst, wenn beim nächsten Punktspiel noch nicht alles Neue klappt, erkennen Kinder, Eltern und Trainer doch die Fortschritte. Die führen zu mehr Spaß und selbstverständlich führt jede Antwort wieder zu mindestens 2 neuen Fragen.
6. Trainingsplan ergibt sich von ganz allein
Statt seine Arbeit mit der von Kollegen zu vergleichen, ergibt sich durch einen aktiven Dialog mit der Mannschaft von ganz allein ein Trainngsplan. Denn der orientiert sich nun an den Bedürfnissen der Kinder.
Ja, ich weiß, was sich jetzt im Hinterstübchen einiger Kollegen abspielt? Vor dem Training den Ball aufs Spielfeld werfen und danach wieder abholen? Das ist das Gegenteil von "Runden laufen und Drilltraining"!
Also mitten zwischen diesen Extremen werden die Wünsche der Kinder liegen.
7. Für sich eine Antwort auf eine wichtige Frage finden?
Glaubt ihr, dass die Kinder wegen euch zum Training/Spiel kommen oder glaubt ihr, dass ihr wegen den Kindern zum Training/Spiel kommt?
Viel Spaß bei der Antwort und den dabei gewonnenen Erkenntnissen!
