@Jugendbetreuer
Mit der Schilderung eurer Situation triffst du sicherlich den Nerv vieler Trainer im unteren Jugendbereich, die vor ähnlichen Problemen stehen. Auch denen wird häufig nicht klar, dass es sich lediglich um einen "Momentaufnahme" handelt. Wer meint, er könne allein aus dem Tabellenstand die Zukunft ablesen, der wird irgendwann feststellen, dass er doch viel mehr Einfluß als Trainer hat(te), als er zunächst glaubte.
Auch das Thema: welchen Spieler lasse ich warum wielange spielen bzw. auf der Reservebank wird heiß diskutiert. Mag man einerseits die Auswahlspieler als Bestätigung seiner Trainerarbeit sehen, so gelangen darüber weitere Interessen (z.B. Liga) ins Team, wodurch Entscheidungen erschwert werden.
Aber mit dem Fussball ist es wie in der Schule. Bekommst du viel Lob (oder in der Schule Lob und gute Noten), so steigert sich dein Interesse daran und du wirst von selbst besser! Umgekehrt ist es natürlich genauso. Bekommst du überwiegend negative Kritik (oder in der Schule schlechte Noten), stagnierst du oder wirst sogar schlechter. Deine Interessen werden sich verlagern. In der Schule gibt es bereits vereinzelt Projekte, in denen bei Grundschulkindern nicht mehr die Benotungsansätze der älteren Klassen übernommen werden, sondern die Kinder präziser in ihrer Entwicklung beschrieben werden sollen, um sie besser begleiten und fördern zu können.
Dies könnte auch ein Lösungsansatz für deine Entscheidungen sein, bei denen du dich zunächst einmal ein stückweit von Liga und Tabellenplatz entfernst, um dich besser auf die Spieler deines Teams konzentrieren zu können. Danach könntest du dir die Fragen stellen: was sind die Defizite, was die Stärken deiner Mannschaft? Spätestens an dieser Stelle wirst du einen anderen Blick aufs Team bekommen, bei dem dir alle Spieler gleichermaßen wichtig sind. Den Typ "Reservespieler" gibts dann nicht mehr, weil jeder Spieler trainiert, um zu spielen und deshalb Chancengleichheit dein neues Entscheidungsmaß sein könnte. Durch die Steuerung von Lob könntest du die heutigen, schwächeren Spieler dahin führen, sich stärker zu engagieren, um dadurch näher an die Leistungen der Anderen zu gelangen. Dass es nicht immer so klappt, wie man es sich gerne wünscht, ist selbstverständlich. Aber der Unterschied liegt darin, dass du ihnen den Mut gegeben hast, das im Training Erlernte im Spiel auszuprobieren. Kinder haben ein sensibles Gespür für Gerechtigkeit. Das wird sie mehr zusammenschweißen, als wenn sie durch "Erwachsenen-Leistungsmaßstäbe" gemaßregelt werden, in der ihre Fähigkeiten aufs Rennen und Tore schießen reduziert wird.
Der Unterschied liegt hier darin, allen Spielern deines Teams gleichermaßen den Spaß am Fussball zu geben und sie dadurch mit auf eine Abenteuerreise zu nehmen, dessen Ende ihr noch gar nicht kennt, statt lediglich mit Kalkül wöchentlich auf die Tabelle zu starren und seine Mansnchaftsaufstellung nach der Stärke des nächsten Gegners zu gestalten. Ein weiterer Unterschied wird sich durch die Homogenität der Mannschaft einstellen, wenn allen Spielern, die sich engagieren Spielanteile gegönnt werden. Je breiter dein Team aufgestellt ist, je einfacher sind Ausfälle von Leistungsträgern zu kompensieren. Je mehr jedoch nach Leistung aufgestellt wird, je größer werden die Leistungsunterschiede zwischen Stärkeren und Schwächeren werden, sodass man schließlich im Nachhihnein glaubt, man hätte richtig gehandelt, weil ja ohnehin aus Denen nichts geworden wäre. Du wirst u.a. hier im Forum einen etwas längeren Diskusionsbeitrag über den RAE-Effekt (Real Age Effect) finden, in der die Nachteile von jüngeren Spielern in der Talentförderung heraus gearbeitet wurden.
Leistungsträger können nicht nur das Niveau einer Mannschaft deutlich anheben, sie könne auch einen "langen Schatten ziehen", weil sich andere Spieler im Team deshalb nicht so gut entwickeln, weil sie vernachlässigt werden. Denk mal drüber nach - denn ein guter Trainer ist nur deshalb auch ein guter Entertainer, weil er für alle (nicht nur für die Leistungstrager) ein lohnender Partner ist.