@solohope
Du hast in der Tat eine außergewöhnliche Frauenmannschaft mit dem Luxusproblem, dass deine Mädels gerne viel trainieren und spielen. Andernorts gibts eher das Problem, dass die Studentinnen nur freitags mittrainieren können, während gleichzeitig der andere Teil der Mannschaft sich für diesen Abend "aufbräzelt" und das Schminken solange dauert, dass sie nicht zum Training kommen können.
Nachfolgend versuche ich mal zu beschreiben, was Trainerkollegen so über Frauenfussball im unteren Ligabereich erzählen. Natürlich ist auch das nicht repräsentativ. Aber es gibt eben auch die andere Seite, die nicht verschwiegen werden sollte. Denn es lesen hier sicher interessierte, potenzielle Frauentrainer mit, die sich ein Bild machen wollen.
Trainingsbeteiligung von 30 % ist im Breitensportbereich des Frauenfussballs nichts außergewöhnliches. Im unteren Ligabereich kann von regelmäßigem Training nicht generell die Rede sein. Dabei wohnten die Nationalspielerinnen nebenan, sodass man einen Vergleich hat, wie schnell es von unten nach oben im Frauenfussball gehen kann, wenn man nur will!
Benehmen im Umgang mit dem Trainer ist eine andere Sache! Der soll bloß nicht ankommen und von uns irgendwas verlangen! Dann heißt es "Fresse halten" und schon wieder muß nach einen neuen Coach gesucht werden. Weil es schon schwer genug ist, dafür jemannd zu finden, wird die Suche schwierig. Am besten man nimmt den Freund einer Stammspielerin. Der läßt sich vielleicht mehr gefallen? Was die da auf und neben dem Platz machen interessiert sowieso kein Schwein im Verein.
Kommen wir zum Auswärtsspiel: Ca. 1 Stunde vor dem Spiel beginnt das Handy in immer kürzeren Abständen zu klingeln. "Ich kann nicht kommen, wegen einer Sehenscheidenentzündung am Arm"! Na toll, aber fürs Kellern letzte Nacht hat es gereicht! "Ich hatte mit meinem Freund Streß und bin nicht in der Lage aufzustehen!"
Das Heimspiel:
Man kennt ja schon seine Pappenheimer, die sowieso erst in der letzten Minute antanzen und dann noch unschuldig fragen, wozu man früher da sein soll? Andere wollen wissen, ob sie in der Startaufstellung sind und lassen bei negativer Info wissen, dass sie zur 2. Halbzeit einen wichtigen Termin haben. Hurra, man hat mal wieder eine Mannschaft zusammen bekommen! Das Warmmachen findet in Grüppchen statt, wo die neuesten Neuigkeiten (wer mit wem und wo ist gerade Schluß) werden hastig ausgetauscht. Fussball: Nebensache?1?
In der Kabine
Nach Bekanntgabe der Mannschaftsaufstellung gibt eine Spielerin bekannt, dass sie nur bis zur Halbzeitpause bleiben können (weil nicht im Startkader). Spätestens nach dem 2. Satz des Trainers wandert der Blick in die Gesichter der Anderen. Gedankenpost via Blickkontakt! Fussball, wen interessiert das? Das wird doch erst draußen gespielt.
Das Spiel startet. Schon beim ersten Ballkontakt erkennt der Trainer, wer in der Kabine zugehört hat und wer noch sich noch im "Zuschauermodus" befindet und die "Pupillen" auf "unendlich gestellt hat. So nach ca. 15 Minuten wird es dem Trainer zu viel und er glaubt und ein paar einfache Hinweise das Team sportlich wieder in Fahrt zu bringen. Da rauscht schon eine der älteren Spielerinnen auf ihn zu und brüllt ihn an, was ihm denn einfalle die Mädchen so durcheinander zu bringen. Er winkt ab, setzt sich auf die Bank und schaut sich das Treiben in der Hoffnung an, der Schiedsrichter möge ein Einsehen haben, und die Partie pünktlich zum Pausentee abpfeifen.
In der Halbzeitpause wird alles wach! Der Phonpegel nimmt auch nicht ab, wenn der Trainer die Kabine betritt. Einige sind sogar ins Schwitzen gekommen. Ob das vom Laufen kommt oder der Angstschweiß für die bevorstehende Traineransprache ist? Wer weiß das schon so genau! Aber der weiß eigentlich, was sich gehört und so redet er selbst das grottenschlechte Spiel gut. Lobt alles, was nicht zum Selbsttor geführt hat und man ist sich schließlich einig: jetzt kann der Gegner was erleben! In einem kurzen Moment der Ruhe meldet sich die durchgepeilte Susi! So eine hat fast jede Mannschaft. Sie will einfach nur dabei sein. "Wann startet noch mal die Mannschaftsfete", will sie jetzt vor allen Leuten vom Trainer wissen?. Alles dreht sich zu ihr, manche schütteln den Kopf. Scheiße denkt sich Susi! Ihre Gesichtsfarbe wechselt in Rötliche. Wieder mal nix geworden mit meinem Auftritt!
Die zweite Halbzeit beginnt! "Trainer, wann komm ich rein" will Susi wissen! "Mach dich schon mal warm", antwortet der. Susi schaut sich um, aber kein Ball in der Nähe. Also schön langsam hinters Tor und fleissig mit den Armen rudern. Den Blick auf den Trainer gerichtet: der soll merken, dass ich will, wartet man auf das entscheidende Zeichen zur beovrstehenden Einwechselung. Noch kurz die Anja abklatschen und dann gehts los. Mist, die Gegenspielerin ist viel zu schnell für mich, denkt sich Susi beim ersten Laufduell. Den einen Zweikampf noch! Da wird sie doch von der doofen Kuh, die viel zu schnell läuft, agebrüllt. "Was willst du Schlam...von mir? Mit so einer ist man schließlich per Du! Strahlend blickt sie um sich, um den verdienten Beifall für die Verbal-Attacke zu ernten. Doch dann rennt die Alte wieder viel zu schnell. Da bleibt nur noch die Einleitung eines theatralischen Abgangs. Ein Fall, ein Aufschrei und langanhaltendes Schluchzen dringt dem Trainer ins Nervenkostüm. Die hat doch wieder nichts, denkt er sich. Aber da muß man jetzt hin, sonst gibts Ärger mit der Mannschaft. Erst, wenn der mit Eiswasser gekühlte Lappen an der vermeintlichen Schmerzstelle plaziert ist, kann man sich aufrappeln und beidseitig gestützt, als hätte man noch den Steckschuß einer Gewehrkugel in derr Wade vom Platz schleppen. Aber Susi ist hart im nehmen! Anja hätte damit mindestens 6 Wochen gefehlt. Die hat das "Prinzessinnen-Gen" und will erst mal ausreichend bedauert werden.
Natürlich ist alles erfunden und Ähnlichkeiten eher zufällig!