Ein großes Problem liegt in der Realität darin das der Begriff Talent keine empirische Größe ist.
Natürlich hast du Recht! Deshalb wurde schon vor Jahren das Prozedere in der Weise verändert, als dass man sich zunächst einen Kader von ca. 30 Kindern über eine noch größeren Anzahl von Sichern zusammen holte, um danach über 3 Sichtungstrainingseinheiten die ca. 15 Besten heraus zu suchen.
Das ist schon ein kleiner Schritt weg von einer Stichtagsbeurteilung (bei der unbewußt die Leistung des Heimatvereinstrainers mit beurteilt werden) hin zu einer systematischen Entwicklungsbeurteilung.
Ein größerer Schritt wäre sicherlich nach Möglichkeiten Ausschau zu halten, um über Masse zu Klasse zu gelangen. Wie wäre es, wenn:
1. alle Spieler eines Jahrgangs werden gesichtet (d.h. über die im Verband vorliegenden Spieleradresen ergehen Einladungen an die Eltern der Spieler)
Begründung der Sichtungspflicht:
- Jedes Kind hat eine Chance verdient zeigen zu dürfen, wie gut es Fussballspielen kann.
- Eine Leistungsbeurteilung sollte Fachleuten übertragen werden.
- Vorselektion (Sohn des Trainers plus Freund/e) unterbleiben
- Fehlende Information der Eltern (durch Fehlinteresse oder fehlende Infos über Jugendleiter) nicht mehr möglich
2. Verringerung der Teilnehmerzahl erst nach Prüfung in den Entwicklungsphasen (1. Phase nach 3 x Traininng, 2. Phase nach 3 weiteren Training, usw.)
Begründung:
- Erst die Aufnahme von neuen Impulse durch gut ausgebildete, qualifizierte Trainer gibt Aufschluß darüber, inwieweit die Neugier zu überdurchschnittlichen Fähigkeiten geweckt werden kann
- Erst durch die Beobachtung einer Entwicklung kann die Lerngeschwindigkeit ermiitelt werden (dies ist insfern wichtig, um eine vom Heimattrainer/verein unabhängige Leistungsbeurteilung zu finden.
3. Nachsichtung von Spielern mit Leistungsschwankungen in den Entwicklungsgsphasen
Begründung:
- Leistungsschwankungen sind schon deshalb normal, weil die Kinder im unteren Jugendbereich teilweise große Veränderungen im privaten Umfeld erleben (z.B. führt Schulwechsel häufig zu Wechsel des Freundeskreises)
Es wird sicherlich hierfür mehr Fachpersonal für die Talentförderung benötigt. Sie wird nicht nur gründlicher, sondern auch teurer werden. Aber das sollte uns unser Nachwuchs wert sein! Denn es gibt keine Alterative dazu. Allerdings wird es dann auch zu einem aktiveren Gedankenaustausch zu den wichtigen Ansprechpartnern in den Vereinen geben. Dieser Gedankenaustausch ist unabdingbar, um sensible Antennen für die Veränderungen an der Basis zu bekommen.
Leider ist unser Förderkonzept noch so aufgebaut, als das in einem "Elfenbeinturm" weit ab von der Basis alle wichtigen Entscheidungen für die Basis getroffen werden! Die dafür erforderlichen Entscheidungshilfen fehlen, weshalb leider auch die statistischen Daten nur einen Teil der Realität abbilden. Denn die, die gar nicht die Chance hatten, ihr Talent zu zeigen, die kommen erst gar nicht darin vor! Ich sehe darin auch eine Möglichkeit, sehr viel mehr Wissen über unererklärbare Phänomene der vielen individuell unterschiedlichen Etnwicklungsstufen besser beschreiben zu können, um evl. hier zuverlässigere Entscheidungshilfen zu finden.