Da muss nachgebessert werden. Das System von quasi "Zwangfreundschaftsspielen" ist mMn nicht zielführend!
Da sprichst du vermutlich vielen Trainern/Eltern aus der Seele, die die Fairplay-Liga ebenso nur als ein Baustein und nicht als ein neues System für den Start in den Kinderfussball wahrnehmen?
Zunächst einmal möchte ich die Motive zur Einführung der Fairplay-Liga in Erinnerung rufen:
1. Weil ausgebildetete Schiedsrichter für die F-Jugend-Spiele nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind, greifen Eltern/Trainer als Schiedsrichter zur Pfeife. An deren laienhaften und evl. nicht neutralen Enscheidungen entzündeten sich die Gemüter, sodass es teilweise zu Ausschreitungen unter den Zuschauern im Rahmen dieser Punktspiele gab.
2. Die hier größtenteils tätigen Trainer besitzen meist keine Ausbildung, kennen häufig nicht einmal die Fussball-Regeln in ausreichendem Maße, müssen noch ihre Aufgaben in der Mannschaftsführung erlernen, weshalb ihnen der Einsatz in Staffeln ohne Punktspiel-Wertung entgegen kommt.
3. Auch Eltern von Teams, die fast alle Spiele verlieren, befürworten den Wettbewerb ohne Tabellle, weil hier sichergestellt ist, dass auch beim Verlieren der Spaß im Mittelpunkt steht.
4. Kinder sollten eigenverantwortlich in ihrem Spiel agieren. Eltern sollten durch Sicherheitsabstand (Zuschauerzone) nicht mehr ins Spiel der Kinder eingreifen. Trainer sollten nur dann in der gemeinsam nebeneinander (Coachingzone) ins Spiel eingreifen, wenn sich die Kinder mal nicht einig werden können.
Soweit zur Theorie! Schon zur Zeitpunkt der Einführung wurde bemängelt, dass es keine ausreichende Unterstützung bei der Einführung der FPL-Liga gab. Dadurch gab es schon sehr früh unterschiedliche Regelungen, sodass kaum festgestellt werden konnte, ob das gewünschte Ziel ("den Kindern ihren Fussball zurück geben") erreicht wurde bzw. werden konnte.
Von Seiten des DFB und der Verbände verhielt man sich eher neutral und wollte die Veränderungen beobachten. Doch wie wenig diese Medienabteilungen damit anfangen können zeigt die nach wie vor nach traditionellen Wertmaßstäben Berichterstattung, in denen man sich bewußt oder unbewußt auf die eingetretenen Veränderungen hinwegsetzt. So mancher unerfahrene Trainer mag deshalb sehnsüchtig nach den alten Regeln rufen, wo man noch sehr viel klarer "Freund und Feind" ausmachen konnte, anstatt diesem "Weichspüler-Fussball" für in Watte eingepackten Spielern zuzuschauen, die in der Halbzeitpause von Mutti noch den Schnuller in den Mund gesteckt kriegen!
Wer ein harter Kerl werden will, der geht also ins Zeltlager! die haben dem Fussball schon lang den Rang abgelaufen, weil hier noch nach Herzenslust gerauft und herum gebalgt werden darf! In der Menge schaut eh nicht so genau einer hin, wer jetzt gerade verprügelt wird!
Zu Siegern gehören eben auch Verlierer. So ähnlich ist es dann auch in der Schule, nur das heute die Lehrer nicht mehr die potenziellen Sitzenbleiber mit "schlagenden" Argumenten pädagogisch wertvoll nachhelfen dürfen. Wer die besondere Ehre einer "großen Urkunde" bei den Bundesjugendspielen über sich ergehen lassen durfe, war natürlich anschließend automatisch der Mannschaftsführer und bestimmte, wer den Ball aufpumpen und wiederholen wurde.
Naja, nun denkt man darüber nach, während der Grundschulzeit die Zensuren abzuschaffen und durch Beurteilungen zu individualisieren! Fragt sich dann ebenfalls, ob ein Pauker das besser kann oder ob der Schaden für die Zukunft des Kindes dadurch etwas geringer wird?
Ein Schwerpunkt der FPL ist sicher das Spektrum, in dem noch nicht ausreichend verstanden wird, was Kinder wollen und wie sie sich dabei wohl fühlen. Denn in unserer auf Leistung beruhenden Gesellschaft ist es schwierig, sie in ihrer Kreativität in einer angstfreien Umgebung entwickeln zu lassen! Hierin hat man eine Chance gesehen, sich im Kinderfussball zu wandeln. Denn man steht als Freizeitgestaltung längst nicht mehr konkurrenzlos auf einem Elfenbeinturm.
Kinder sind jedoch die einzige Zukunft für die Vereine, die Verbände und dem DFB! Es sind sogar die kleinen Dorfvereinen, die die Nationalspieler von morgen und übermorgen machen. Denn wer bereits dort auf Menschen trifft, die sie wie kleine Erwachsene, statt heranwachsende Kleine behandeln, dann werden sie sich schon früh abwenden. Dieser Prozess des Dropout im Kinderfussball ist bereits im Gange und er nimmt jährlich zu!
Zeit innezuhalten und unsere Ziele mit denen unserer Kinder zu vergleichen? Denn jede Veränderung fängt im Kopf an!