@MichaelW98
Klar helfen wir dir gern!
Deshalb nachfolgend ein paar Tipps für die Trainingssteuerung.
1. Trainingsschwerpunkt
Für deine Altersgruppe ist das Erlernen einfacher Techniken wichtig. Groß läßt es sich in Dribbling und Paßspiel gliedern. Zwar mag es auf den ersten Blick logisch sein, wenn du jedes Thema so gliederst, das danach eine deutliche Verbesserung eintritt. Aber du mußt es auch aus Sicht der Kinder betrachten, deren Neugier über die Abwechselung in den Trainingsinhalten zusätzlich angespornt werden kann. Hinzu kommt, dass nicht alles (mit der gewünschten Geschwindigkeit) klappen wird. Man unterrichtet die Kinder ja auch nicht wochenlang ausschließlich in Mathe, damit sie z.B. die Grundrechenarten beherrschen, sondern gleichermaßen auch in anderen Fächern. Dennoch erfolgt hier die Ausbildung systematisch. Denn weiß sich jede noch so komplizierte Berechung auf eine einfache Addition reduzieren läßt, startet man mit der Addition und nicht mit der Differenzialrechnung.)
2. Trainngsinhalt als "roter Faden"
Es macht Sinn, sich jeweils einen Zeitrahmen zu setzen, wie lang was dauern sollte und kurze Regenerationspausen einzulegen. Aber es sollte nicht "stur" nach dem Trainingsplan durchgezogen werden, sondern je nach Beobachtung kleine Zwischenübungen oder auch mal eine zum festgestellten Defizit sinnvolle Spielform spontan eingefügt werden. Klar, am Anfang wird dir noch viel auf-, aber noch wenig (Improvisation) einfallen. Je länger du dich damit beschäftigst, je großer wird dein Repertoire für ein gutes Training werden.
2.1. Trainng in kleinen Gruppen
Zwar werden nicht automatisch aus vielen Ballkontakten auch gute Ballkontakte, aber es ist durchaus förderlich, den Kindern die Chance auf Wiederholbarkeit und damit auch Festigung ihrer Fähigkeiten zu geben. Gerade in den Spielformen sind 3 : 3 oder 4 : 4 Spiele für Kinder dieser Altersgruppe förderlich. Denn weil die Spieleranzahl überschaubar ist, werden sie sehr häufig in aktiver Rolle gefordert. Ist jedoch die Übungsgruppe und der Übungsraum zu groß, so ist bereits nach kurzer Zeit zu beobachten, das einige Kinder in den "Zuschauermodus" wechseln, indem sie passiv den Anderen zuschauen.
3. Coaching
Durch das Coaching können Übungen, Spielformen gesteuert werden. Denn je nach Trainingsschwerpunkt möchtest du bestimmte technische oder taktische Abläufe verbessern. Achte jedoch zunächst nur auf das grundsätzliche Verständnis und gib deinen Spielern die Zeit, die sie benötigen. Hektik und Ungeduld lösen dabei zunächst Konfussion und schließlich Angst vor Fehlern aus. Man sollte erst dann eine Szene "einfrieren" (und alle Spieler bitten, auf ihre ursprüngliche Position zurück zu kehren), wenn man davon überzeugt ist, dass die Kinder durch geschickte Fragestellungen signifikante neue Erkenntnisse fürs Spiel gewinnen können.
Durch gesteuertes Lob können beim Coaching weiter Anreize geschaffen werden. Eine Übermotivation kann dazu führen natürliche Ängste derart abzubauen, als dass sie unkalkulierbare Risiken im Zweikampf eingehen. Eine Untermotivation ("Scheißegal") wird dazu führen, als das die Kinder ohne das Feedback des Trainers das Gefühl haben, die machen es so schlecht, dass ihr Trainer sich lieber auf andere Dinge freut.
4. Intensitätssteuerung
Das "Warmmachen" von Muskeln und Sehnen ist für deine Altersgruppe aufgrund des natürlichen Bewegungsdrangs gar nicht erforderlich. (Deine Jungs rennen sowieso los, soball sie den ersten Schritt auf den Rasen, bzw. in die Halle gemacht haben.) Einerseits kannst du die Warmmachübung/en bereits für deinen Trainngschwerpunkt nutzen. Andererseits dient er den Kindern, sich gedanklich vom Alltag zu lösen und sich auf die kommenden Aufgaben zu freuen.
4.1. Übungen, die besondere Konzentration erfordern, direkt nach dem Warmmachen
In dieser Phase sind deine Jungs körperlich und insbesondere geistig fit, weshalb sie sich besonders für Neues eignet. Beobachte, wie sie es umsetzen und hilf nur dort, wo es gar nicht klappt. Meist haben kleine Veränderungen schon große Wirkungen.
Natürlich gibt es noch sehr viel mehr übers Training zu sagen, aber fürs Erste sollte es reichen. Denn wenn man sich all zu sehr ins Training vertieft besteht die Gefahr, dass man darüber den Zweck des Trainings vergißt.
5. Training und Spiel
Das Training ist eine Vorbereitung aufs Spiel. Es ist dazu da, um neue Fähigkeiten zu erwerben oder bestehende Fähigkeiten zu verfeinern. Das Spiel ist dazu da, um die im vorbereitenden Training erworbenen Fähigkeiten unter Wettkampfbedingungen auszuprobieren. Ausprobieren heißt nicht, dass etwas bereits perfekt funktionieren muß, sondern lediglich eine kontinuierliche Verbesserung. Der Grad der Perfektion hat zum einen etwas mit günstigen Anlagen, aber zum wesentlichen etwas mit dem Grad der Eigenmotivation zu tun. Der Trainer hilft nur dort, wo das Kind allein nicht weiter kommt und den Wunsch zur Unterstützung äußert.
Wenn man sich über die grundsätzliche Bedeutung von Training und Spiel im Klaren ist, dann wird die gegenseitige Abhängigkeit deutlich. Man wird sich eigentlich nie die Frage stellen müssen, was und wie man trainieren sollte. Denn das Spiel selbst schreibt die besten Trainngsübungen.