Zunächst einmal noch ein Rat zu den 3 Torhüterinnen: ja, ich würde sie rotieren lassen und die jeweils anderen Keeper auf dem Feld spielen lassen. Dafür gibt weitaus mehr gute Gründe, als die jeweils gerade beste Keeperin ins Tor zu stellen. Eine Reihe davon wurden bereits genannt. Der Hinweis zur Freundin, Duschen und weiteren Dingen, die in den Privatbereich gehen, sollte ein eigene Thema (Umgang mit Lespen, Schwulen im Sport) wert sein. Nur soviel: Mädchen, Frauen gehen damit weitaus lockerer um, als es Jungen, Männer dies tun!
Allerdings schätze ich Dobrin ein wenig intelligenter ein, als das er eine Frau hinter den Herd stellen will. Denn er weiß, das die Bedienelemente eines Herdes allesamt an der Vorderseite sind. Deshalb möchte ich ganz gerne einmal etwas näher darauf eingehen, weil ganz offensichtlich der Leistungsbereich gemeint wird. Es wird behauptet, Frauenfussball sei etwas Überflüssiges, was nicht über den puren Spaßfaktor hinaus ginge. Als Mann sollte man deshalb nur hin und wieder zuschauen, ob die Frauen jetzt endlich auch nach dem Spiel einen Tricotwechsel machen! Dies und allerlei andere Vorurteile hört man besonders gerne von geschwätzigen, schon etwas betagteren Fussballexperten, die sich primär darüber Gedanken machen, ob da denn wohl "richtige Frauen" auf dem Platz stehen? Es ist noch gar nicht so lange her, da bekamen die Fussballweltmeisterinnen vom DFB statt Siegprämien ein Kaffeeserivice!!!
Weil der Mädchen- und Frauenfussball noch so jung ist, gibt es vieles, was in der Öffentlichkeit so gut wie gar nicht wahrgenommen wird. Wie ich an anderer Stelle bereits sagte, habe ich nicht so viel Ahnung vom Breitensport. Als ich zum ersten Mal (eher zufällig und unvermittelt) Kontakt mit Frauenfussball hatte, bin ich natürlich mit den Maßstäben von Männerfussball herangegangen. Das Ergebnis war, das die Mädels sich mit schweren Beinen zum nächsten Training geschleppt haben. Einige meinten, sie hätten am Tag darauf gar nicht gewußt, ob sie kriechen oder gehen sollen. Kommentare wie: ich wußte gar nicht, wo ich überall Muskeln habe, drangen an mein Ohr. Nachdem ich gelernt hatte, die Intensität zu verändern (mehr kürzere Pausen einzulegen), das Konditionstraining nicht als Block in die Vorbereitung, sondern als Fix-Element ins normale Training einzubinden, war mir rasch klar, das die Beobachtungsgabe und damit die Lerngeschwinidigkeit der Mädchen und Frauen phantastisch gut war. Jungen, Männer machen einfach erst mal, ohne zu fragen. Mädchen, Frauen wollen auch wissen, warum! Das kann man als Trainer nutzen, sich im Training den Mund fusselig zu reden, um den Mädels dann im Spiel selbständig und nur durch gelegentliches Lob unterbrochen Fussballspielen zu lassen. Wie gut sie das mittlerweile können, zeigen auch die Vergleiche in Testspielen gegen Juniorenmannschaften. Mittlerweile sind auch die ersten weiblichen Talente in der männlichen B-Jugend angekommen. Die spielen dort, weil sie besser sind als ihre männlichen Kollegen, nicht weil sie Mädchen sind!
Mittlerweile sind die besten Jungs im Tor des obersten C-Jugendbereich im hiesigen Bereich Mädchen! Das mag auf den ersten Blick erstaunen, ist aber deshalb so, weil die Mädchen in dem Alter weiter in ihrer Pubertätsphase und auch geistig aufnahmefähiger sind als die Jungen. Bei geeigneter Förderung lernen sie deshalb schneller als die Jungen. HInzu kommt, das durch die sehr häufig zu frühe Positionsfixierung bei den Jungen Falsches vermittelt wird, was wieder "abgewöhnt" werden muß. Eine Änderung zur bisherigen Ausbildung ist z.B. eine stärkerer athletischer Anteil. Die US-amerikanische Torhüterin Hope Solo zeigte bei der letzten WM, das die Förderung der athletischen Elemente unumgänglich ist. Die Dynamik und Explosivität im Strafraumspiel und darüber hinaus wurde seitdem verbessert. Vom Torwart zwischen den Pfosten entwickel sich mehr und mehr ein mitspielende Torspielerin. Trotzdem müssen die Talente schon ab der C-Jugend ein umfangreiches Stellungsspiel erlernen, denn das Hechten kann aufgrund geringerer Reichweite und Sprungkraft nur ein letztes Mittel zur Torverhinderung sein. Es kommt aber im Ergebnis nicht darauf an, ob ein Ball erlaufen oder erhechtet wird. Auch unser aktueller Nationalkeeper Manuel Neuer zeigt, das man einen Angriff schneller einleiten kann, wenn man den Ball erlaufen hat und nicht erst nach einem Hechtsprung wieder aufstehen muß.
Mit der Einführung der B-Juniorinnen Regionalligen fand eine Konzentration der weiblichen Talente statt, die auch nach der Einführung der B-Juniorinnen-Bundesliga im kommenden Jahr eine neue Qualität des Frauenfussballs hervorbringen wird.
Nun noch ein Hinweis zum Schluß! Wenn man den Männer- mit dem Frauenfussball vergleicht, dann schneidet im Punkte Ehrlichkeit der Frauenfussball deutlich besser ab. Wer Lust hat, sollte mal eine Stoppuhr mitbringen und die Unterbrechungszeit festhalten, die wegen Schwalben, ect. draufgehen, weil man gerne einen Frei- oder Strafstoß, eine gelbe Karte oder gar einen Platzverweis herausholen will? Bei Mädchen- oder Frauenfussball finden Schwalben und Foulreklamieren kaum statt, was für den Zuschauer deutlich angenehmer ist.
Ich gebe zu, zum Anfang meiner Tätigkeit im Mädchen- und Frauenleistungsbereich sehr skeptisch gewesen zu sein. Es gibt hier für einen leidenschaftlichen TW-Trainer sehr viel zu tun. Man kann beim weiblichen Leistungsfussball mit weitaus mehr Ruhe arbeiten als es bei den Männern der Fall ist. Bei den Männern laufen zu viele Leute mit gefährlichem Halbwissen herum, irritieren Funktionäre und Sponsoren. Beim männlichen Fussball entscheidet nicht immer nur die Leistung, sondern leider auch die Macht es Geldes!
Es kommt es auch nicht von ungefähr, das der an anderer Stelle schon genannten DFB-Cheftaktiker Ralf Peter ein besonderes Interesse am Frauenleistungsfussball hat. Es gilt mehr und mehr: was taktisch für den Männerfussball richtig ist, paßt auch beim Frauenfussball. Das liegt in erster Linie auch daran, das sie die Fähigkeiten verbessern.
Leider hört man noch zuviel überholtes Wissen aus früheren Tagen, der mit dem heutigen weiblichen Leistungsfussball-Nachwuchs nichts mehr zu tun hat. Deshalb wollte ich, obwohl es mit dem eigentlichen Thema nicht zu tun hat, gerne mal Position beziehen.