Erst mal finde ich es toll, das es einige Interessierte fürs TW-Training gibt!
Torwartübungen für die ganze Mannschaft
1. Fangübungen
Für den unteren Bereich ist es ein guter Einstieg, wenn man einfache TW-Übungen mit der gesamten Mannschaft macht. Das kann z.B. so aussehen, das man eine Gasse (ca. 5 m Abstand) bildet und den Spielerpaaren die Aufgaben gibt, sich gegenseitig den Ball fach zuzurollen, danach halbhoch zuzuwerfen und schließlich hoch zuzuwerfen. Neben dem Spaß können natürlich auch ein paar kurze schmerzhafte Momente auftreten, wenn z.B. mal einer einen Ball auf die Fingerspitzen bekommt oder man beim Versuch einen sehr hohen Ball zu fangen, rücklings hinfällt. Die ganz Kleinen (G - F) können noch keine hohen Bälle zuverlässig fangen. Deshalb genügt es zunächst die Hände hinter den Ball zu bringen, um ihn "abzuwehren". Bei den Bambinies sollte man demonstrieren, das die Hände nicht nach vorne ausgestreckt werden, weil sonst ein Teil der Bälle auf die Fingerkuppen prallen, was besonders schmerzhaft ist. Also Hände seitlich, nach unten oder nach oben paralell zu Körper strecken! Das Fangen von mittelhohen Bällen sollte ebenfalls in Schritten als "Trockenübung" demonstriert werden. Wichtig dabei ist die Armhaltung vor dem Körper und das gleichzeitig Hochklappen der Unterarme und Hände bei Ballkontakt, so das der Ball sicher gefangen werden kann. Wichtig dabei ist es sehr viel Lob zu verteilen und den Kids Mut zu machen, damit der Einstieg gleich mit Spaß beginnt.
Je nach dem, wie gut die Gruppe die Trainerübungen umgesetzt hat, kann man auch eine einfache Übung, bei der 2 Bälle gleichzeitig flach, halbhoch oder hoch gerollt oder geworfen werden machen. Dabei ist der Gruppe kurz zu erklären, das sich Partner vorher einig werden müssen, wer links, bzw. rechts oder darüber bzw. darüber wirft. Denn sonst prallen die gleichzeitig geworfenen Bälle meist in Mitte zusammen.
2. Abstoß- und Abschlagübungen
Die Knirpse haben bereits Freistöße getreten, so das ihnen die generelle Technik einen ruhenden Ball zu treten bekannt ist. Wenn aber ein Ball mit etwas mehr Druck gezielt zum Mitspieler geschossen werden soll, kann man dies bei den Kleinen ein wenig durch die Veränderung des Anlaufwinkels (mehr hin zum Ziel) und den Punkt, an dem der Ball getroffen werden soll, verbessern. Große Schwierigkeiten machen hingegen Abschläge. Da ist es zunächst einmal wichtig, den Kleinen die beidhändige Ballvorlage zu zeigen, so das der Ball auch mit dem Fuß und nicht mit der Wade getroffen wird. In der F-Jugend kann mans dann auch schon mit der Demonstration des Dropkicks (Ball wird in der aufsteigenden Phase getroffen, unmittelbar nach dem er den Boden berührt hat).
Einzelübungen
Kaum ein Spieler ist von Natur aus beidfüssig. Um aber eine nach beiden Seiten gute Koordination hinzubekommen, ist die Erlangung der Beidfüssigkeit von großem Vorteil. Der Einstieg sollte so gewählt werden, das man seinen Keeper den Ball abwechselnd links und rechts zurollt und dieser den Ball auch links bzw. rechts stoppen und zurück schießen soll. Wenn das klappt, wird das Tempo dadurch erhöht, als das ein zweiter Ball ins Spiel kommt. D.h. beide schießen sich gleichzeitig Bälle zu, wobei der Ball abwechselnd links und rechts zurück gepaßt wird. Weitere Übungen gibt es auch als Wurfübungen. Allerdings verlangt dies auch ein wenig Routine für den TW-Trainer. Ausgebildete Keeper können das und Neulinge können das lernen. Es wäre allerdings an dieser Stelle etwas zu ausführlich, wie man sich diese Dinge autodidaktisch beibringen kann.
Nun zur Frage nach Literatur fürs TW-Training. Zu empfehlen wäre das Buch "Gehalten". Da sind zwar noch keine Übungen für die ganz Kleinen drin. Dafür stehen dort sehr viele nützliche Informationen, aus denen man sich ein wenig Phantasie auch leicht Übungen für unsere Jüngsten ableiten kann. Natürlich sollen auch die Videoclips mit der "blaue Wand" nicht unerwähnt bleiben. Je nach dem, wie hoch die Ziele sind, besteht hier lediglich das Risiko, das der kleine Keeper eine Übungen erstaunlich gut hinbekommt, aber mein anderen so seine Schwierigkeiten hat. Der Laie kann die Qualität aber schwer einschätzen, weshalb manchmal die Unterstützung durch einen erfahrenen Keeper nötig ist. Denn der Laie weiß meist zwar, wie es richtig aussehen müßte, kennt aber nicht die Wege, wie man über Korrekturen von fehlerhaftem zum fehlerfreien Bewegungsablauf gelangt.
Zum Schluß noch ein paar Informationen zu den TW-Sichtungsmerkmalen. In der Tat ist die Kritik berechtigt, nach dem der DFB im unteren Jugendbereich TW-Talente für die Stützpunkt-Auswahlen klassifiziert. Auch, wenn immer wieder behauptet wird, die Stützpunkte seien "durchlässig", so das jederzeit ein Talentaustausch stattfinden könnte, stellt sich in der Praxis eher eine Talentverwaltung heraus. Dies kann auch aufgrund der jetzigen Situation, nach denen die Stützpunkttrainer in den meisten Fällen auch noch Aufgaben im Heimatverein haben, gar nicht anders sein. Es fehlt ihnen einfach die Zeit, neben dem Montagstraining, Sichtungsvergleichsspielen und den Traineraufgaben im Heimatverein weitere Talente in ihrem Zuständigkeitsbereich zu sichten! Dies ist jedoch ein allgemeines Problem, das sich derzeit nicht lösen läßt, weil zu wenig qualifizierte Trainer zur Verfügung stehen, die ausschließlich als Stützpunkttrainer arbeiten wollen. Doch kommen wir nun zu den Selektionsmerkmalen für junge TW-Talente. Sie sollten generell aktiv am Spiel beteiligt sein und ihr Team unterstützen. Es wird geschaut, ob der Keeper schon mal seinen Kasten verläßt, um eine Flanke abzufangen oder die Torfläche beim 1 : 1 Duell zu verkleinern. Die Fangtechniken müssen noch nicht vollständig beherrscht werden. Hier wird lediglich die Geschicklichkeit geprüft. Desweiteren wird danach geschaut, wie sich der Keeper bei den kognitiven TW-Aufgaben verhält.
Für den Laien scheinen diese Merkmale nachvollziehbar. Weil die Stützpunkttrainer in aller Regel gut ausgebildet sind, wissen sie auch, ob der TW im Einzelfall eine gute oder weniger gute Aktion hatte. Weil sie jedoch keine explizite TW-Trainerausbildung genossen haben, fällt es ihnen schwer, Merkmale für TW-Talentpotential zu entdecken. Leider gibt es auf den Stützpunkten auch kein Extra-TW-Training, weshalb der Stützpunkttrainer auch keine zusätzlichen Praxiserfahrungen sammeln kann. Wenn dann die beiderseitigen Erwartungen (TW hofft auf Extra-TW-Training und DFB-Trainer hofft auf rasche TW-Weiterentwicklung) nicht erfüllt werden, ist das Dilemma vorprogramiert. So kommt es vor, das Vergleichsspiele ohne TW-Talente ausgetragen werden müssen, weil die einfach keinen Bock mehr auf den Stützpunkt ohne TW-Training haben.
Man hat zwar die neue B-Lizenz etwas mehr für den Jugend-Bereich angepaßt und auch ein TW-Trainer referiert und demonstriert. Das ist aber leider viel zu wenig, um einen jungen Keeper 4 Jahre lang auf dem Stützpunkt sinnvoll und ausreichend zu unterstützen. Man darf deshalb nicht den Stützpunkttrainern die Versäumnise des DFB anlasten! Es untersucht leider auch niemand die tatsächliche TW-Fluktuation auf den Stützpunkten. Das wäre aufgrund der Anwesenheitslisten leicht möglich!
Aufgrund des fehlenden Stützpunkt-TW-Trainings hat sich in den vergangenen Jahren eine 2-Klassengesellschaft (Talente aus den Dorfvereinen ohne Extra-Training auf dem Stützpunkt und dem Verein, Talente aus den Profi- u. Leistungsnachwuchs mit Extra Training im Verein) gebildet. So bieten die Nachwuchsabteilungen der Proficlubs für die ganz Kleinen ein TW-Training für alle Spieler, die Bock dazu haben, an. Ab der E-Jugend gibts dann vielfach schon 2 x wöchentlich ein kurzes TW-Training in kleinen Gruppen.
Fazit: Wenn es ein goldenes Lernalter gibt, dann bezieht sich dies auf den gesamten Jugendzeitraum. Es muß von Anfang an jeder Spieler vielseitig gefördert werden. (Man lehrt den Kindern ja auch nicht in der 1. Klasse das Lesen und ab der 3. Klasse das Rechnen). Es gibt auch keine Zeit zu vertrödeln, wenn man die Aufgabe einer vollständigen Fussballausbildung ernst nehmen will. Dazu zählt auch die kontinuierliche Ausbildung in den Torwart-Aufgaben ab dem Einstieg in den Vereinsfussball.