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    Stefan67
    Vielleicht habe ich mich etwas mißverständlich ausgedrückt. Die Kinder-Fussballregeln bezogen sich auf die Zeit des Straßenfussballs, die schon mehrere Jahrzehnte zurück liegt. Die DFB-Bolzplatzaktion liegt erst ca. 6 - 7 Jahre zurück. Zu Zeiten des Straßenfussballs gab es zur Freizeitgestaltung auch noch diese typischen Jugendheime mit Partykeller, normale Kneipen und natürlich die Disko. Manches gibt es heute so gar nicht mehr und anderes hat sich dahingehend verändert, als das der Jugendliche nicht mehr in der Rolle des Mitgestalters haben kann, sondern lediglich autonomer Konsument ist. Weil die Eventgastronomie so teuer geworden ist, wird heute "vorgeglüht" und manchmal am Rande eines Bolzplatzes. Heilige waren wir früher auch nicht, weshalb ich auch nicht auf die Idee käme, jede Dummheit von Jugendlichen an den Pranger zu stellen.


    Nun möchte ich noch etwas zum Übergang vom Strassen- in den Vereinsfussball sagen, wie ich ihn in Erinnerung habe. Der Vereinsfussball begann in der Regel mit der C-Jugend. Zum Training und den Spielen in die Nachbargemeinden gings mit dem Fahrrad. Wenn`s weiter weg war, fuhr man mit dem "Bulli"! Trainer waren seinerzeit im Regelfall Schullehrer. Meist waren das "Frisch-Fromm-Fröhlich-Heinis", die keine Ahnung vom Fussball hatten. Hatte man aber Glück und der Trainer war ein fussballverrückter Lehrer, dann konnte man viel bei ihm lernen. Aufgrund bereits mehrjähriger Erfahrungen aus dem Straßenfussball bekamen diese Lehrer-Trainer recht gute Einzelspieler, denen sie das Spiel 11 gegen 11 vermitteln mußten. Manches gab es damals nicht. So gab es keine Winterpause. Auch kein Aufwärmprogramm im heutigen Sinne. Der Tabellenstand wurde lediglich dann erwähnt, wenn es unmittelbar um Auf- oder Abstieg ging. Ansonsten gab es lediglich Hinweise zum aktuellen Spielgegner. Sein Tricot nahm man mit nach Hause. Wenn`s löcherig war, mußte Mutter es halt stopfen. Tricot-Taschen, Aufwärm-T-Shirts waren ebenso wenig vorhanden wie Regen- und Trainingsanzüge. Das Tricot hatte man auch schon an, wenns zum Punktspiel ging, denn Umkleidekabinen mit Warmwasserduschen gab es seinerzeit noch nicht! Richtig stolz war man, als es in der A-Jugend ein Tricot mit Rückennummer gab. Da kam man sich schon fast vor wie die Profis im Fernsehen.


    Wenn man das mit heute vergleicht, dann gibt es kaum noch Gemeinsamkeiten, außer das ab der C-Jugend auch schon 11 gegen 11 gespielt wird. Aus den Lehrer-Trainer sind Eltern-Trainer geworden. Die haben zwar meist mehr Fussballwissen, dafür fehlt ihnen häufig das Wissen über die Pädagogik. Von einer Talentförderung im heutigen Sinne war man seinerzeit weit entfernt, was sich allein schon aufgrund fehlender Mobiliät erklärt. Als ich meinem Vater sagte, das ein Trainer eines Regionalligavereins (war damals 2. höchste Klasse) mich gerne aufnehmen würde, lachte er mich aus und fragte: wie ich denn wohl zum Training und zu den Spielen kommen wollte. Das wäre ja viel zu weit weg. Damit war das Thema erledigt. Auch waren die Eltern seinerzeit viel zu beschäftigt, um uns bei den Punktspielen zuzuschauen. Da wurde auch nichts terminlich wegen Fussball verschoben. Denn das Vergnügen (Fussball) gab es erst, wenn die Arbeit zuhause ordentlich erledigt war. Mit 15 Jahren ging es dann in die A-Jugend, weil es keine B-Jugend gab. Da wurde dann nach dem Spiel mit den teilweise schon 18-jährigen in der Vereinsgaststätte Bier ohne Trainer aus Glasstiefeln getrunken. Wir Schüler brauchten allerdings nicht zu zahlen. Das machten die Lehrlinge. War man nicht schon vom Spiel kaputt, dann wurde einem von ein paar kräftigen Schlücken Bier schwindelig. So konnte die Heimfahrt mit dem Rad schon deshalb mal etwas länger als die Hinfahrt dauern. Zuhause angekommen hieß es dann tief Luftholen und anhalten, damit die Eltern die Fahne nicht rochen. Rauchen war allerdings verpöhnt. Wenn das der Lehrer-Trainer sah, dann gab es dermaßen Ärger und natürlich wurde man zunächst einmal von ihm nicht aufgestellt.


    blauerstuhl
    Es liegt aber ein Mißverständnis vor, das Kinder sich in der FPL nicht sportlich messen wollen! Es gibt aber unterschiedliche Interpretationen der Wahrnehmung von Fussball zwischen Kindern und Erwachsenen. Kinder erwerben im "Grundschul-Fussballalter" grundsätzliches Wissen und Verhaltensweisen, welches sie für ihr weiteres Leben prägt. Würde es nicht in zunehmenden Maße zu Ausschreitungen am Rande von Fussballspielen im Kinderfussball kommen, so hätte es die FPL nicht bedurft! Leider sind wir an diesem Punkt angekommen, das fast jeder, der schon ein paar Jahre dabei ist, Ausschreitungen von Eltern oder Trainern miterlebt hat, die er sich kein zweites mal wünscht! Wenn das schon so bei uns Erwachsenen ist, wie soll dann ein Kind solche Erfahrungen verarbeiten können? Die Fairplay-Liga für den Kinderfussball wird übrigens wissenschaftlich und pädagogisch betreut, weshalb jeweils eine Reflektion und Anpassung aufgrund der Erfahrungen stattfindet. Engagierte Trainer alleine wären sicherlich überfordert. Denn da hast du mit deiner Anmerkung recht! Was wissen wir denn schon, was Kinder wirklich wollen?

    Den Kindern ihren Fussball zurückgeben bedeutet für mich, die Kinder absolut in den Mittelpunkt des Interesses stellen.


    Das hört sich viel einfacher an, als es ist! Denn stellen nicht auch die Bolzplatzkrähen, Joystick-Trainer, Dorfbundesliga-Vorsitzende alle die Kinder in den Mittelpunkt, indem sie so früh und intensiv wie möglich trainieren und keine Sekunde des Spiels auslassen, zum jedem einzelnen lautstark zu verkünden, worauf des beim erfolgreichen Fussball ankommt? Natürlich, aber nicht aus der Sicht der Kinder, sondern aus der der Erwachsenen! Dieser Unterschied führt dazu, das nicht Sport, Leidenschaft und Fairness, sondern Dominanz über und die Vernichtung des Gegners in den Fokus rückt!


    Wir können und wollen sicherlich die Zeit nicht zurückdrehen. Dennoch kann uns der frühere "Straßenfussball" helfen, die notwendigen Korrekturen herbei zu führen. Wie sah Strassenfussball aus?


    Nachfolgend einige Merkmale, bei denen es Abweichungen gab, weil die Kinder die Regeln selbst definierten


    1. Es gab keine Erwachsenen, die Regeln aufstellten oder ins Spiel eingriffen. Es wurde dort gespielt, wo man nicht weggejagt wurde
    2. Es wurde dort gespielt, wo es möglich war (Straße, Wiese, ect.) Anfangs dienten Jacken als Tore, später wurden, wenns erlaubt war, selbst Tore gebastelt
    3. Die beiden vermeintlich stärksten Spieler wählten in abwechselnder Reihenfolge ihre Teams. Es gab teilweise große Altersunterschiede bei den Teammitgliedern
    4. Es gab einen Spielanfang, aber das Spielende bestimmte sich, wenn der Ballbesitzer nach Hause mußte, zum Abendessen gerufen wurde oder es in den Ferien zu dunkel wurde
    5. Während der Spieldauer verließen Spieler den Bolzplatz, andere kamen hinzu und wurden je nach Spielstärke der gerade schwächeren Mannschaft zugeordnet
    6. Je nach Menge der anwesenden Spieler wurde auf 1 oder auf 2 Tore gespielt
    6.a. Regeln,
    6.a.1. wer gerade Bock hatte, stellte sich ins Tor. Dieser Keeper war neutral. Ein Abschlag erfolgte einfach ins Spielfeld.
    6.a.2. um möglichst viele Tore zu erzielen, gab es für 3 Ecken 1 Elfmeter
    6.a.3. Wurde auf 2 Tore gespielt, so gab es kein Abseits und wenn möglich auch kein Aus, mit Ausnahme vom Toraus. Dadurch gab es auch keine Diskussion über evl. strittige Situationen


    Die Vorteile dieser Spielformen:
    1. Wenn Kinder ihre Regeln selbst gestalten können, sind sie im Regelfall kindgerecht (kindliche Werte: z.B. was man gemeinsam gebaut und gestaltet hat, zerstört man nicht so einfach)
    2. Es gibt keinen Leistungsdruck von Erwachsenen nach Erwachsenenregeln, der die freie Entfaltung der Spielfreude hemmen könnte
    3. Üblicherweise kann das Kind selbst bestimmen, wie lange es Lust auf ein Spiel hat
    4. Die Spielformen orientieren sich in erster Linie auf das Erzielen von Toren
    5. Bei der Spielform auf 1 Tor gibt es zudem noch einen ständigen Wechsel zwischen Offensiv- (Ballbesitz des Teams) und Defensivaufgaben (Ballbesitz beim Gegner)
    6. Kinder lernen das Fussballspiel von Kindern (Rundenlaufen gibts also nicht, sondern es geht nach einem kurzen Schußspiel direkt zur Sache)


    Ich möchte den Straßenfussball nicht glorifizieren, denn auch Kinder können untereinander ungerecht und gemein sein. Im Unterschied zu den Erwachsen besitzen sie jedoch noch nicht im vollen Umfang die Einsicht, um ihr Handeln in jedem Fall reflektieren zu können. Auch aus diesem Grund regeln Kinder Streitigkeiten häufig sehr viel schneller, als die durch Unterstützung von Erwachsenen geschieht.


    Vor einigen Jahren gab es die DFB-Initiative: "1000 Bolzplätze". In dieser Aktion wollte der DFB Bolzplätze, die nach vorgegebenen Richtlinien gestaltet wurden, bezahlen bzw. sich an den Kosten beteiligen. Diese Aktion wurde zunächst von den Vereinen begrüßt, weil es als eine Art "Fussball-Schnuppern" angesehen wurden. Zunächst wurden solche Plätze sehr gut angenommen (wie fast alles, was neu ist). Ob es Kindergeburtstage waren, die dort bei gutem Wetter stattfanden oder ob es am Sonntagnachmittag ältere Jugendliche waren, die mal wieder ne runde Kugel zum Spaß schieben wollten.
    Dann aber wurden diese Plätze von älteren Jugendlichen zu Treffpunkte auserkoren, für die Fussball nur die Bedeutung von "Ultra"-Zuschauern hat. Leider artete es gelegentlich zu Trinkgelagen aus. Dabei wurden dann Tore zerstört, Glasflaschen auf dem Platz zerschlagen, das Gelände als Rennstrecke mißbraucht, ect. Freiwillige Helfer oder Gemeinde- und Stadtmitarbeiter hatten immer mehr Zeit damit tun, den Platz wieder herzurichten. Nach und nach blieben die Kinder und Jugendlichen den Bolzplätzen fern, weil schon wenige Tage nach dem Herrichten ein Spielen nicht mehr möglich war.


    Desahlb beibt festzuhalten, das die Kinder nicht mehr so wie früher kindgerecht Fussballspielen können, weil dies durch Regeln und Verhaltensweisen von Erwachsene oder fast Erwachsene stark eingeschränkt wird. Es bedarf also Korrekturen, die eine kindgerechte Form des Fussballs erlauben. Dabei möchte man die Erwachsenen nicht wegsperren. Sie gehören nach wie vor zum Fu, denn man braucht sie zur kindgerechten Unterstützung.


    Über die ganzen Auswüchse im unteren Kinderbereich auf und neben den Sportplätzen wurde hier im Forum bereits ausführlich berichtet, weshalb ich darauf verzichte, hier noch einmal darauf einzugehen. Auch können wir nicht die Ursachen bekämpfen, wohl aber die Auswirkungen durch geänderte und kindgerechte Regeln angenehmer für die Kinder gestalten.


    Als ich die Ideen von Ralf Klohr hier im Forum zum ersten mal las, war ich total begeistert. Denn es ist das Beste, was ich seit vielen Jahren über den Kinderfussball gelesen habe! Es verdient nicht nur Lob und Anerkennung, sondern auch aktive Unterstützung, diesen Weg kontinuierlich weiterzugehen. Ohne engagierte Erwachsene wird es nichts werden. Die Kinder können sich nicht selbst helfen, weil die Zeit des "Straßenfussballs" vorbei ist und aller Vorraussicht nach nicht wiederkehren wird.

    Leider ist die Diskussion nicht so verlaufen, wie ich es mir gewünscht hätte. Das liegt m.E. daran, das immer wieder beliebte Vorurteile bedient und Diskussionsteilnehmer persönlich angegriffen werden! Soetwas ist man in diesem Forum, wo man sich normalerweise gegenseitig hilft, nicht gewohnt. Das macht es einfach keinen Spaß mehr!

    Danke Uwe, das du den guten Roland Loy aus dem Archiv hervorgekramt hast.


    Der er ist es, der allein aufgrund einer Unmenge von Daten das Wissen über Fussball auf den Prüfstand gestellt hat. Wenn denn schon die besten Trainer der Welt so häufig irren, um wieviel mehr irrt dann der Laie? Wichtg ist aber auch der Humor, den man braucht, um nicht nur über andere, sondern über die eigenen Irrtümer lachen zu können! Aber das "blinde Huhn" findet ja auch gelegentlich ein Korn, weshalb es immer lohnt zu suchen, auch wenn es mit dem Sehen nicht so klappt.

    @Kicker


    Über den 12-jährigen Bernd Schneider kann ich wirklich nichts sagen. Der spielte mit 12 Jahren noch in der DDR. Allerdings entwickelt sich die Grundschnelligkeit bei Jungen erst zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr. Ich könnte etwas über andere Talente sagen, die den Weg in den Profibereich geschafft haben oder als Junioren-Nationalspieler aussichtsreich auf dem Weg dorthin sind. Es ist aber sicherlich nicht im Sinne dieser Personen, wenn ich hier Internas ausplaudere. Da es auch nicht genügend Leute gibt, die das Gleiche machen wie ich, möchte ich gerne weiterhin anonym diskutieren können. Ich hoffe, du respektierst das.


    So, nun zu deinen gewünschten Informationen über die DFB-Eliteförderung. Die kannst du z.B. einen beim Bund Deutscher Fussballlehrer unter www.bdfl.de in der Rubrik News, als Einzelthemen in Sport-Diplomarbeiten im Internet finden. Ob dir der DFB, die Sporthochschulen oder die Ruhr-Uni-Bochum, Fachbereich: Trainingslehre thematisch weiterhelfen können, mußt du einfach mal probieren.


    Anregungen, wie man Kinder richtig trainiert, wirst du dort sicherlich finden. Ob und inwieweit man die Ideen in die Praxis umsetzen kann, hängt zunächst mal vom Trainer ab. Nützlich, aber nicht Voraussetzung ist sicherlich eine Trainer-Lizenzausbildung.

    Günter
    ich sehe den letzten Beitrag von Kicker ähnlich wie du. Da werden Behauptungen aufgestellt, die ich subjektiv in der Praxis ganz anders wahrgenommen habe. Bei der Grundschnelligkeit habe ich nicht von der Überwindung von Behinderungen oder Krankheiten gesprochen, sondern von einer nicht weit genug ausgeprägten Veranlagung, für die weder der Sportler noch seine Trainer etwas können. Das hat dann auch nichts mit Glauben zu tun, der manchmal Berge versetzen kann, sondern mit der nicht mehr steigerbaren Physis!


    @Kicker
    Ich gehöre zu den Menschen, die ihre Talente nicht so leicht aufgeben. Ich sehe sogar eine besondere Herausforderung für mich als Trainer darin, Talenten, deren Leistungen scheinbar stagnieren, weiterhelfen zu können. Andererseits halte ich nichts davon, Zeit zu vertrödeln, nur weil sich irgendwer sich mal ausgedacht hat, das man erst in irgendeinem "goldenen Alter" bestimmte Dinge trainieren soll. Für mich ist die gesamte Kindheit und Jugend ein goldenes Lernalter, die man nicht du unnütze Tabus blockieren sollte! Ich versuche den physischen und psychischen Leistungsstand des Talents zu erkennen und es dort "abzuholen" und gemeinsam weiterzuentwickeln. Ich sehe mich da weniger in der Rolle eines typischen Trainers, sondern eher als Fussballpädagoge, indem interaktiv mit den Talenten arbeite. Ich bilde mir ein, das der Sportler, der auch versteht, was er macht, irgendwann ein besserer Fussballer wird.


    Ich halte die aktuelle Fluktuation im Elitebereich des Fussballs für bedenklich, weil eine Leistungsschwankung zu frühzeitig und zu häufig zu einer Einstellung von Fördermaßnahmen führt. Angeführt hatte ich dazu, das zunächst einmal bereits bei der Talentauswahl Fehler gemacht werden. Dazu habe ich an diversen Beispielen aufgezeigt, wo das niederländische Fördermodell von Twente Enschede seine Vorteile hat. Ferner würde es meinen Vorstellungen von sportlicher Fairness widersprechen, wenn ich Talenten durch Geldzahlung ihrer reichen Eltern eine Sonderstellung einräumen würde. Desweiteren verlange ich von meinen Talenten eine hohe Risikobereitschaft statt blinden Gehorsam. Nur, wenn sie bereit sind, sich selbst zu fordern, kann ich sie fördern. Aber ein Mensch mit Fehlern und Schwächen bin ich dennoch. So habe ich es gemeint, das wir als Trainer wie "blinde Hühner" unterwegs sind. Wir glauben so viel zu wissen, aber immer, wenn wir uns darauf felsenfest verlassen wollen, geht es schief. Schon das allein genügt, um weiterhin neugierig zu bleiben und Veränderungen wahrzunehmen. Der Fussball verändert sich, wir Menschen auch!


    Ich finde deinen Versuch einer Zusammenfassung, wie man Kinder trainieren sollte, gar nicht so schlecht. Zwar gibt es eine Reihe von Büchern darüber, aber da gibt es sicherlich noch sehr viel Verbesserungspotential.

    @Kicker
    Deine Beiträge werden immer besser. Ich möchte aber nicht, das du wegen uns Uni-Vorlesungen versäumst.


    Ich finde es schon richtig, das du die Seite der Wissenschaft kritisch hinterfragst. Es ist auch nicht neu, das sie sich in ihren Ergebnissen hin und wieder beeinflussen läßt, um an Geld, Macht und Ruhm zu gelangen. Dennoch verdanken wir ihnen viel. Selbst die Alten Griechen könnten noch heute mit ihren philosophischen Denkrichtungen der Stoa und Epikür manchmal für etwas mehr Klarheit sorgen. Wenn aber selbst das Recht trotz Prüfung der Kausa dennoch Einzelentscheidungen benötigt, dann sieht man, wie verzwickt die Lage von wirklichen Aussagen und Einschätzungen ist.


    Gerade, wenn es um Fakten geht, wird`s schwierig, weshalb man generell nur solchen statistischen Aussagen Glauben schenken sollte, die man selbst gefälscht hat! Gerade, weil ich schon viele Jahre im Talentförderbereich aktiv bin, habe ich eine andere subjektive Wahrnehmung als die von die aufgestellte These, nach der 10 % Veranlagung und 90 % Training wäre. Es mag in der Startphase noch so ausschauen, als das man mit besonders gut ausgebildeten Trainern große Fortschritte zu erzielen sind. Schließlich stoßen aber auch diese an die "Schallgrenzen" in Richtung Profifussball, wenn die erforderliche Grundschnelligkeit nicht erreicht wird. Was nützen Technik, Spielintelligenz und all die weiteren Faktoren, wenn es an der Schnelligkeit habert? Klar, ist die Arbeit nicht umsonst gewesen, die Frage ist jedoch, wenn der Anspruch der Eliteförderung der Profifussball sein soll, dann steht und fällt er mit der Frage einer vom Trainer nur bedingt beeinflußbaren Größe der indiviudellen Grundschnelligkeit. Und hat uns nicht der "olle Einstein" gelehrt, das es keine absoluten, sondern realitive Wahrheiten gibt, die immer nur solange gültig sind, bis man Bedingungen festgestellt hat, für die wiederum andere Wahrheiten zutreffen. Ein Ende der Gültigkeit von Aussagen über die Wahrheit ist also nicht abzusehen.


    Als "Teildeutscher" habe ich mich schon desöfteren gefragt, warum wir Deutschen in bestimmten olympischen Disziplinen, wie das Reiten, Dressieren und das Schießen besonders erfolgreich sind. Da mag wohl die preussische Vergangenheit, wonach man mit dem Automatisieren von gewünschten Verhaltensweisen gar nicht früh genug anfangen kann. (Auch das wöchentliche Gejohle am Spielfeldrand oder das Abrichten der Kinder zu Klassenbesten ist ja nichts anderes als eine Form von Dressur. Erziehung ist etwas anderes als Dressur. Sie fördert den Entwicklungsprozess in dem sie Hilfestellung leistet, aber auch Risiken inkauf nimmt. Dressur will absolute Macht und Kontrolle. Auch ein goldener Käfig ist ein Käfig!


    Ich finde es immer wichtig, das bei der Betrachtung der Gegenwart und Zukunft die Vergangenheit berücksichtigt wird. Denn häufig liegt hier der Schlüssel, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, Steine aus dem Weg zu räumen und es den Günstlingen zu zeigen! Mitleid und besonders Selbstmitleid ist ein schlechter Ratgeber, weil er den Spaß und die Neugierde unterdrückt.


    Noch ein Wort zur kontraproduktiven Leistungsforderung: egal ob Breiten- oder Leistungssport! Wer Leistung fordert, aber keinen Weg (Training) beschreiben kann, ist ein törichter Hornochse, denn er möchte Dinge von anderen, von denen er selbst nicht die geringste Ahnung hat. Wer sich mit Trainingslehre beschäftigt, der kann Zusammenhänge erkennen, zwischen methodischen Maßnahmen und deren positive Auswirkungen. In der praktischen Trainingslehre wird das Coching als ganzheitliche Methode zur Bildung von eigenständigen Persönlichkeiten personifiziert, in dem der (junge) Mensch gemeinsam mit seiner Umwelt ins Kalkül gezogen wird. Ob und wie weit es gelingt, hängt von allen Beteiligten und letzendlich vom ausdrücklichen Willen des Talents ab. Statistische Aussagen lassen immer nur Aussagen über gemeinsame Merkmale zu. Hier gibt es jedoch soviele Determinanden, das es kaum Rückschlüsse auf den Einzelnen gibt. Als man Tschernobyl und Fokoschima baute, ging man auch davon aus, das der Fall einer Reaktorkatastrophe nur alle 10.000 Jahre vorkommen kann. Leider war es die trügerische Sicherheit, das das dann auch erst in 10.000 Jahren passiert und nicht schon morgen!


    Wenn man dann also als Trainer wie ein "blindes Huhn" unterwegs ist, warum sollte man dann nicht den Spaß aller Beteiligten in den Mittelpunkt stellen, denn der Erfolg ist sowieso immer relativ!

    Ja, schön wärs! Aber soweit ist man hierzulande noch nicht. Dennoch gibt es erste Ansätze dahin.
    Unter dem Link:


    http://www.youtube.com/watch?v=TnECx_-WTFA


    kann man sich ein typisches D-Jugend-Spiel anschauen, bei dem Eltern alles mögliche hineinrufen. Dazu gibt dann auch der NFV-Verantwortliche ein Interview und fordert die Einführung einer Fanzone. Auch Eltern und Kinder werden zum Thema befragt.


    Von einer Einführung der FPL ist man noch ein gutes Stück entfernt. Dazu passt dann auch der lakonische Schlußkommentar: "Wenn die Eltern etwas weiter vom Geschehen verbannt werden, müssen sie eben etwas lauter schreien!"


    Aber immerhin ist ein erster Schritt in diese Richtung gemacht, so dass selbst NFV-Funktionäre dieses Thema jetzt erst nehmen. Allerdings müssen vermutlich leider erst noch einige Eltern-Trainer-Ausschreitungen publiziert werden, bevor man sich zu verbindlichen Maßnahmen durchringen kann.

    Günter
    Von mir bekommst du nichts um die Ohren, denn deine Beschreibung von "4-er Kette" und "4-er Reihe" trifft es eigentlich sehr gut. Das war auch das, was ich in diesem A-Jugend-Kreisliga-Spiel beobachtet habe.


    Der Zeitraum der Umstellung vom gegner- ins ballorientierte Spiel ist unterschiedlich groß. Es hängt vom Ausbildungs-, Leistungsstand und dem Alter ab. Ob es sinnvoll ist oder die individuelle Ausbildung noch weiter vorangetrieben werden sollte, kann man generell nicht sagen. Sagen kann man allerdings, das es zusätzliche Zeit kostet, will man andere Dinge nicht vernachlässigen.


    Es geht auch nicht darum, das es nicht perfekt sein muß. Das wird es auch nie sein, sonst bräuchte man nicht üben. Es geht um das Verstehen und Umsetzen von Grundprinzipien des ballorientierten Spiels. Denn Taktik ist nichts anderes, als einen Plan zu haben, erfolgreich Fussball zu spielen. Und das hat nichts damit zu tun, das man 4 Spieler in der Abwehr in einer Reihe aufstellt.


    Wer schaut sich von euch die Video-Analysen montags am späten Abend an? Da geht es meist um taktische Fehler im ballorientierten Spiel in der 1. Bundesliga! Wenn die Analyse dort schon so lange braucht, dann bräuchte die Analyse dieser A-Jugend-Kreisliga-Mannschaft länger als die 90 Minuten Spielzeit. Da frage ich euch: bringt das was?


    TRPietro
    Ich vermute mal, damit ist nicht der klassische Libero gemeint, der als letzter Mann die Fehler seiner Vorderleute ausbügelt. Es ist der freie Mann im Spiel. Je nach den Stärken und Schwächen des Gegners und der Eigenen entscheidet der Trainer, wo er seinen "freien Mann" am besten (Defensive, Mittelfeld oder Offensive) plaziert. Auch und gerate im Jugendleistungsfussball gibt es trotz des höheren Tempos häufig genug Situationen der Pärchenbildung in Ballnähe. Da braucht es einen freien Mann, um die gewünschte Überzahlsituation herzustellen und das Spiel wieder zu öffnen.

    Toto2
    Wenn ich mir deinen Beitrag dazu durchlese und meinen nach verstrichener Zeit, so verstehe ich im Nachhin deinen besser!


    Übrigens habe ich mir unlängst ein A-Jugend-Spiel in der 1. Kreisliga angeschaut. Die eine Mannschaft spielte einen guten Kombinationsfussball mit gegnerorientierter Taktik. Bei der anderen wurde versucht eine "4-Kette zu spielen". Das Ergebnis lautete 11 : 0 für die individuell besser ausgebildeten Kombinationsspieler. Nahezu alle Tore wurden durch einfache Pässe bzw. Doppelpässe zwischen die beiden Innenverteidiger bzw. Innen- und Außenverteidiger vorbereitet, um danach freie Bahn im 1 : 1 Duell den gegnerischen Keeper zu überlisten. Der war übrigens ein Guter, sonst sonst wäre auch ein 20 : 0 drin gewesen. Der Trainer der "gerupften Mannschaft" verstand die Welt nicht mehr. Auf das Achselzucken seiner Spieler entgegnete er mit Durchhalteparolen.


    Man konnte auch eine Reihe taktischer Fehler erkennen, die selbst ein Gegner ohne taktisches Wissen des ballorientierten Spiels leicht für sich nutzen kann, wie:


    1. die Spieler standen situationsabhängig immer auf einer Linie
    (Üblicheweise wird bei gegnerischem Ballgesitz nach hinten trichterförmig verdichtet, d.h. die Abstände untereinander werden geringer. Dadurch wird eine überlappende Deckung bzw. das Doppeln ermöglicht, ohne dem Gegner größere Löcher im Deckungsschatten für "tötliche Pässe" zu ermöglichen.)


    2. die Abstände der 4 - Kette waren immer gleich (so waren Pässe zwischen den den Innenverteidigern bzw. Innen- und Außenverteidiger leicht möglich und ohne Libero war der Weg zum Tor frei)


    3. die Kette stand bei gegnerischem Ballbesitz auch ohne Druck auf den Ball an der Mittellinie (erfolgreiche Pässe in die Tiefe des Raums kann dann nicht verhindert werden)



    4. die Kette stand bei Abschlägen immer an der Mittellinie (bei weiten Abschlägen muß die Defensive mit dem Gesicht zum Tor verteidigen, was weitaus schwieriger ist, als gegen den Ball zu arbeiten)



    Irgendwer hatte hier was gesagt: egal, wenn ich 2 Tore mehr kassiere und dafür 3 Tore mehr schieße? Tja, wenn es denn so wäre!?!



    Ich habe nach dem Spiel beschlossen, solche Spiele nicht mit nach den Aspekten eines "ballorientierten Spiels" zu beobachten, sondern nur mal so zum Spaß!


    Die ballorientierte Spiel kostet Zeit, die man bei 1 - 2 mal wöchentlichem Training in der Regel nicht hat. Selbst bei Teams, die 3 x wöchentlich trainieren ist der Übergang schwierig und erfordert viel Geduld von allen Beteiligten. Auch, wenn das ballorientierte Spiel sicherlich kein Teufelswerk ist, sollte die Priorität deshalb in der individuellen Ausbildung der Spieler gelegt werden.


    Gerne möchte ich noch ein Wort zur C-Breitensportausbildung verlieren, in der meist noch unerfahrene Trainer von meist vereinsunerfahrenen Ausbildern dazu aufgefordert werden, mal eben auf "Kette" umzustellen.


    Es ist etwas anderes, ob ich 1 x wöchentlich mit ausgesuchten Talenten und einer sehr hohen Trainingsbeteiligung in Übungs- und Spielformen als Stützpunkttrainer die Einführung ins ballorientierte Spiel mit relativ guten Erfolgen trainieren kann, ob ob ich das "Alltagschaos" eines Dorftrainers die Realität eines Vereinstrainers darstellt.


    In den vergangenen Jahren haben eine Reihe von Stützpunkttrainern die B-Lizenz "nachzumacht"! Die Inhalte sind speziell auf den Jugendleistungsbereich zugeschnitten und für ihre Stützpunkt-Förderaufgaben hervorragend geeignet. Für manche Trainer, deren Ausbildung schon viele Jahre zurücklag, war die ballorientierte Taktik noch nicht so bekannt. Selbstverständlich waren sie begeistert davon. Manche haben dabei nicht verinnerlich, das es dafür eine Zielgruppe für diese Taktik gibt. Sie deshalb als Allheilmittel für alle Basistrainer mit "breiten Strahl" zu verkünden, halte ich für bedenklich.

    Ranwie
    Ich habe mir erlaubt, eure Beiträge und die der anderen zusammenzufassen:


    Aus Sicht der Kinder und des "etwas neutraleren" Ehepartners sollte man die Kinder nicht gegen ihren Willen zwingen, statt mit ihrer Mannschaft in einer anderen zu spielen. Nur weil die nicht absteigen will! (und für deren Ursachen die E-Jungs und Trainer nicht verantwortlich sind)


    Der Hinweis: "Blöde, wenn ...." sollte lediglich auszeigen, das häufiger anders kommt, als geplant. Z.B., kann es einen Klassenerhalt geben, wenn eine andere Mannschaft freiwillig zurückzieht. Auch ist ein sportlicher Abstieg keine Kathastrophe, sondern eine neue Chance.


    In einigen Beiträgen gab es kannte Floskeln und Redewendungen aus dem Vereinsleben, die ich durch das Mittel der starken Übertreibung ihrer Inhalte auf den Prüfstand unserer engagierten Trainergemeinde stellen wollte.

    Ich sehe es zwar schon so, das man Begrifflichkeiten wie Freiheit oder Zwang nicht einfach so durcheinander oder "weichkochen" kann. Auch, wenn ich das Handeln für wichtiger halte als die Worte, führt es sonst zu Mißverständnissen. Andererseite möchte ich keine Belehrungen, sondern nur Erfahrungen mitteilen und dazu aufmuntern, seine Ansichten, die im Laufe der Jahre immer weniger hinterfragt wurden, mal auf den Prüfstand zu stellen. Wenn man dann zu dem Ergebnis kommt, das es alles so O.K. für mich, dann sollte man auch nichts ändern.


    Ohnehin ist die Situation bei jedem Trainer und jeder Mannschaften wieder ein wenig anders, weshalb es allgemeingültige Rezepte nicht gibt.


    Wann dieses Thema beendet ist, vermag ich nicht zu entscheiden. Das überlasse ich gern den interessierten Diskussionspartnern.

    guenter
    Die Trainingsplanung läuft ganz normal, nur mit dem Unterschied, das meine Beteiligungsquote gegenüber früher, wo ich noch meinte, die Zwangsteilnahme verkünden zu müssen, höher ist und es weniger Störenfriede gibt, weil die Eigenmotivation höher ist.


    Das mal 1/3 des Teams fehlt, weil eine schulische oder kirchliche Veranstaltung höhere Prioriät hat oder eine Grippewelle im Anmarsch ist, läßt sich auch nicht ändern.


    Es ist für mich als Trainer ein einfacheres Arbeiten, wovon auch die Spieler profitieren. Hinzu kommt, das ich früher häufig im besten Wissen und Gewissen mehr korrigiert habe. Heute lasse ich mehr laufen, was die Eigeninitiative anspornt. Die wollen dann das, was sie im Fernsehen gesehen haben, auch mal ausprobieren. Wo sonst, wenn nicht auf dem Sportplatz, haben sie Gelegenheit dazu. Es entsteht dabei eine Eigendynamik, bei der sich die, für die dieser Sport alles bedeutet, gegenseitig hochpuschen. Die anderen, die es eher als Zeitvertreib ansehen, werden animiert, mitzumachen, was mal gelingt und mal gegen sie verhaltener damit um. Es ist eine Form des Teambuildings, bei der die Kinder langsam mehr Selbstverantwortung übernehmen. Ich bin eigentlich nur noch der Schatten, der dann eingreift, wenn man mich braucht. So hat sich mein Selbstverständnis dahin gehend verändert, das ein guter Trainer einer sein sollte, den man möglichst wenig braucht! Das ist nun das genaue Gegenteil von der "Bolzplatzkrähe", dem "Joystick-Trainer" oder "Trainer mit Bundestrainer-Fernsehlizenz". HIer ist es die (Fussball-)Welt, wie wir sich gerne sehen wollen, dort wo wir die wandelbare Anpassung an die Gegebenheit suchen.


    Aber, was erzähle ich von mir? Ich sollt euren eigenen Weg finden!


    Der stille, introvertierte Trainer wird nicht zur Stimmungskanone und zum Entertainer. Der Trainer, der häufig redet, bevor er nachdenkt, wird nicht zum zitierfähigen Übungsleiter werden.Es wird in unserem Bereich häufig von Herausforderungen gesprochen. Eine Mannschaft weiterzuentwickeln, heißt auch sich selbst dabei weiterzuentwickeln.


    Eine Entwicklungsmöglichkeit sollte sich jeder Trainer gönnen.

    Wenn Fussballprofis und Profitrainer Werbung machen, dann wissen sie genau, das trotzdem morgen schon ihre Karriere beendet sein kann.


    Mal ein aktuelles Beispiel:
    "Lukas, wo bist du?" Poldi antwortet brav: "Ich mache unseren Strom" und schaut auf sein Solardach. Nun wird Jurgi Löv vor dem Mikro stehend eingeblendet. Er blickt zur Seite (zum Haus von Poldi) und quescht sich mit leicht schmerzverzerrtem Gesicht ein "Ooach" heraus. Im nächsten Bild das Bedauern von Jurgi klar, weil Arbeiter damit beschäftigt sind, die Solarzellen wieder von Poldi`s Dach zu montieren und das Autohaus das E-Mobil abholt, weil die Solarförderung durch den Bundestag gestrichen wurde.


    Wer mit seinen Kameraden unter Dusche beim steht, der sollte kein fremdes Vereinswappen auf seinem Allerwertesten tätowiert haben. Wer als Profi kickt ,sollte sich nicht über die Tore seines Gegners freuen, nur weil er ein Fan dieses Vereins ist. Trotzdem passieren solche Dinge!


    Werbung will keine Vorbildfunktion haben, sonst würde man damit (fast) kein Geld machen! Man sollte sich darüber im klaren sein!

    Aus den Situationsbeschreibungen von "Ranwie" und "Günter" entnehme ich, das jeweils die Kinder bereits "mit den Füßen" abgestimmt haben.


    Wer an diesen Entscheidungen etwas ändern will, der muß "mit der Faust auf den Tisch" schlagen!


    Es den frechen Rotzgören zeigen, wer hier der Herr im Verein das Sagen hat! Mit dem Finger auf die Vereinsfahne tippen und den Eltern verdeutlichen, das davon die Zukunft des Vereins abhängt, wenn nicht augenblicklich die Manschaftsinteressen vor die der eigenen KInder gestellt werden. Als Trainer ist es meine Aufgabe, die Kinder zu erzielen, notfalls deren Eltern gleich mit! Wenn dann ein paar Tränen beim Meinungsgegner rollen, Sorry läßt sich eben nicht vermeiden! Es ist für den Trainer stets wichtig die Kontrolle nicht zu verlieren. Wer das nicht will, der kann sich einen neuen Verein suchen. Natürlich unter Berücksichtigung der längstmöglichen Spielersperre. Woll`n doch mal sehen, wer den längeren Arm hat!


    Blöd nur, wenn die D1 mit den beiden E 1 Spielern absteigt und die E1 auch ohne die beiden E-Spieler trotzdem Meister wird!


    Aber das ist dann eh Geschichte und interessiert keinen mehr! Man hat ja nur das Beste gewollt! Ich wollte meinen Grundschullehrern immer noch mal für die ganzen Backpfeifen, die ich von ihnen bekommen habe, danken. Die hatten nur das Beste gewollt und wäre sonst etwas aus mir geworden?


    Man muß aber hin und wieder einen Grund haben, um über sich selbst herzhaft lachen zu können.

    guenter


    Den Kindern ihren Fussball, den sie mit dem Verschwinden der Straßenfussballmöglichkeiten (ohne Trainer und Schiedsrichter) verloren haben, zurück zu geben, heißt sie dauerhaft in den Mittelpunkt zu stellen. Ihnen ihre Nachteile (wenn du nicht regelmäßig zum Training kommst, dann spielst du nicht) positiv zu verkaufen, hat nichts mit Straßenfussball zu tun, sondern mit einer vereinfachten organisatorischen Verwaltung der Kinder. Aber selbst bei der Einhaltung kommen Zweifel auf. Der eine Junge wird regelmäßig von seinen Eltern zum Training gezwungen und spielt sonst überhaupt keinen Fussball. Das andere Kind nutzt jede Minute seiner Freizeit, um Fussball zu spielen, hat aber keine Unterstützung im Elternhaus und verschwitzt deshalb die Trainingstermine auf dem Sportplatz desöfteren. Willst du jetzt das Kind bestrafen, dem Fussball alles bedeutet, aber keine Unterstützung aus dem Elternhaus bekommt? Selbst der erhöhte Spieleinsatz des anderen Kindes, das regelmäßgi zum Training gezwungen wird, ist keine Belohnung für ihn, weil es vermutlich gar keinen Spaß am Fussball hat!


    Der freiwillige Verzicht auf einen Abmeldungsanruf zielt auch darauf hin, den Druck aus dem Kinderfussball herauszunehmen. Kinder müssen schon der früh Verpflichtungen übernehmen. Das muß nicht noch in der Freizeit erweitert werden.


    Was das Sportliche anbelangt, so kann ich versichern, das es mich selbst überrascht hat, wieviele dieser Kinder, die ohne Druck später den Weg in den Leistungs- und teilweise in den Profibereich wählten. Für andere, die nach bewährtem Drill zu diesen Leistungen getrieben wurden, ist meistens dann Schluß, wenn sie aufgrund eines Formtiefs oder einer Verletzung von diesen Drillmarschalls fallen gelassen werden wie eine heiße Kartoffel. Denn bei denen gibt es fast keine Eigenmotivation!


    Vielleicht ist es die Angst vieler fürsorglicher Erwachsener, das sich Kinder mit solchen Freiheiten für das Falsche entscheiden könnten? Doch diese Sorge scheint unbegründet. Stehen sie doch für eine zeitlang im ständigen Vergleich mit solchen Kindern, die weniger Glück in ihrer Entscheidungsfreiheit hatten.


    Ich möchte ja nur ein wenig Mut machen, Dinge einfach mal auszuprobieren, anstatt sie mit "das war schon immer so" einfach abzutun!

    Steini


    Wenn du einem G-Kinder versuchst, einen Übersteiger beizubringen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, das der Kleine dabei ins Stolpern gerät und unverrichteter Dinge die Mutter Erde küßt. Ob er nun das Beinchen noch nicht so hoch bekommt oder aus dem Gleichgewicht gerät, spielt dabei zunächst nicht die große Rolle.


    Dennoch ist es wichtig, das Trainer altersgerecht zu gestalten. Dazu gibt es grobe Empfehlungen vom DFB (siehe DFB-Training-Online, ect.)


    Aber man kann je nach Leistungsstand der Trainingsgruppe und Anzahl vorhandener und qualifizierter Trainer Techniken vorziehen oder auch nachholen. Allerdings bin ich kein Freund von: "wir machen das jetzt solange, bis es jeder kann"!" Dann langweilst du den Einen und überforderst den Anderen. Deshalb ist es weitaus wichtiger, deine Trainingsinhalte so zu gestalten, das in der Abwechselung von Übungen und Spielformen Techniken erlernt und vertieft werden können.


    Wenn du nach dem Schema: vom einfachen zum schweren, bzw. später vom bekannten zum unbekannten trainierst, ergibt sich auch die Reihenfolge aus dem Schwierigkeitsgrad des zu Erlernenden!

    Zunächst einmal möchte ich noch kurz auf "Kicker" eingehen. Klar gibt es Vollpfosten mit Trainerlizenz, aber sie werden nicht als solche vom DFB ausgebildet. Es ist dem DFB durchaus bewußt, das die Möglichkeit besteht, das Trainer später wieder in alte Gewohnheiten verfallen.
    Derzeit gibt es ein Modell, nach der die Trainerausbildung im Breitensport teilweise vor Ort, d.h. mit den Heimatmannschaften stattfindet. Dort wird der angehende Trainer in echten Stresssituationen vom Ausbilder betreut. Es gibt sehr gute Erfahrungen damit. Leider ist es aber so, das die Ausbildung teurer wird und auch nicht flächendeckend angeboten werden kann, weil es nicht genügend Ausbilder gibt.


    Nun zu den Brüllaffen mit/ohne Lizenz! Da gebe ich "Kicker" recht! Diese zu maßregeln bringt meist gar nichts.


    Wer sich als Trainer selbst den Druck auferlegt, gewinnen zu müssen, für den bricht die Welt zusammen, wenn trotz permanenter, energischer Anweisungen von außen an seine Spieler, eine Niederlage eingefahren wird. So einer trägt die Niederlage mit ins Familienleben ein und nervt andere damit. Dort bekommt er dann schon sein Fett weg.


    Häufig erledigt sich das mit solchen Trainern von alleine, sobald kein Spieler mehr zum Training oder Spiel erscheint. Auch die Eltern dürfte dieser Trainerton nerven. Spätestens, wenn es Niederlagen hagelt, bricht der fragile "Burgfrieden". Denn dann meint der Trainer, die Mannschaft sei schuld und die Eltern meinen, der Trainers sei der Hauptschuldige.


    Man kann sich dennoch das Leben ein wenig dadurch leichter machen, indem man vor dem Spiel den/die gegnerischen Trainer freundlich begrüßt und ein paar nette Worte austauscht. Auch nach dem Spaß kann es nicht schaden, unabhängig vom Ergebnis Worte des sportlichen Respekts zu finden. Man kann ja durchaus die gegnerischen Kinder loben! Dann werden die "großen Ars...l..." zumindest zu etwas "Kleineren". Dann sieht man weiteren Treffen etwas gelassener entgegen.


    Vielleicht hast du ja auch das Glück, das es bald auch bei euch die Fairplay Regeln für den Kinderfussball eingeführt werden. Denn diese "Joystick-Trainer" müssen dann befürchten, den Kindern zuliebe in Schranken gewiesen zu werden. Das dürfte dann auch eher nach deinem Geschmack sein oder?

    Es sind es ja deine Regeln, für die du die Eltern überzeugen möchtest, damit du deine Ziele bestmöglich erreichen kannst! Oder bekommst du sie vorgeschrieben?
    Für mich hat der Umgang mit egozentrischen Kindern auch nichts mit der allgemeinen Regel zur freiwilligen Trainingsteilnahme zu tun, weil es nur den einen Spieler betrifft und die Ursachen mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts mit deiner Fussballmannschaft zu tun haben.


    Deine Regeln wären nur dann kein Zwang, wenn Alle mit den gleichen Konsequenzen zu rechnen hätten. D.h. dir würde bei unregelmäßiger Trainingsqualität und Trainerleistung bei den Spielen während der Spiele ähnliches widerfahren, wie du den Kindern androhst! Mit dieser Konsequenz mußt du aber gar nicht rechnen, weil es weitaus schwieriger ist, einen neuen Trainer zu finden, als den Spieler B für den Spieler A im Spiel einzusetzen. Hinzu kommt, das du als Erwachsener dein Handeln weitaus besser einschätzen kannst, als es die weitaus mehr nach emotionaler Verfassung gelagerten Interessen von Kindern im unteren Jugendbereich. Für sie sind diese Regeln deshalb viel komplizierter als für dich! Dafür willst du sie bestrafen? So sind es ungleiche Positionen von Macht!


    Durch langjährige Erfahrungen bin ich für mich zu dem Ergebnis gekommen, das eine auf freiwilliger Basis gebildete Trainings- und Spielgemeinschaft erfolgreicher ist, als eine, in der Zwänge hin und wieder den Blick auf das Wesentliche, den gemeinsamen Spaß am Fussball versperren. Ich habe zu Beginn meiner Trainertätigkeit auch anders gedacht, müssige Diskussionen mit Eltern und Trainerkollegen geführt und manchmal daran aufgerieben. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr, nach irgendwelchen Trainingsbeteiligungsstrichlisten die Mannschaftsaufstellung zu gestalten. Ohnehin gibts meist sehr rasch Ausnahmen, weil einer krank oder verletzt ist, auf einem Schulausflug unterwegs ist oder aus sonst einem Grund fehlt. Doof sind die Kinder ja auch nicht, sie wagen nur nicht immer etwas zu sagen, weil sie dann selbst Sanktionen fürchten (müssen)!

    Wir drifften etwas vom Thema ab, weil es ursprünglich um den unteren Jugendbereich ging und jetzt so langsam in den mittleren und oberen Bereich wechselt.


    Dennoch sollst du eine Antwort darauf haben: Genauso, wie du eine Wahl bei der Mannschaftsaufstellung und Spiel-Einwechselung haben möchtest, will auch jeder einzelne Spieler eine Wahl haben, wie intensiv er sein Hobby betreiben möchte. Je mehr die gegenseitigen Erwartungen übereinstimmen, je erfolgreicher seit ihr. Werden die Erwartungen aus dem gegenseitigen, freiwilligen Geben und Nehmen sogar übertroffen, dann kann es zu Überraschungen kommen, die deinen Traineralltag bereichern werden.


    Fast immer hat man eine Wahl im Leben! Das ist ja so neu nicht und sollte er recht eine Selbstverständlichkeit bei der Ausübung eines Hobbies sein. Probiert es doch einfach mal aus und macht eure eigenen Erfahrungen.