Günter
Du sprichst da eine Facette an, über die das o.g. Sprichwort zutrifft. Bei Jungen kommt das manchmal vor, bei den Mädchen etwas häufiger. Sie verstehen den Fussball so, das jeder kommen kann, wann er gerade Bock hat. Neben dem allgemeinen Lustfaktor gibt es noch die wetterbedingte Absage, die aber so niemals formuliert wird. Hat man gerade etwas besseres vor, so wird das Register der "Trainingsverhinderungs-Totschlageargumente" gezogen. Das fängt bei "Hausaufgaben machen" an und hört bei "Bauchschmerzen am kleinen Zeh" auf. Manchmal sieht man sie während des Trainings fröhlich pfeifend am Sportgelände vorbeiradeln in Richtung Freibad, manchmal bekommt man die ware Ursache per Zufall mit.
Man kann natürlich seinem Mannschaftskapitän das Handy in die Hand drücken, damit er der "faulen Socke" Beine macht, weil alle hier schon auf ihn warten! Der Käptn macht das in der Regel auch gerne, weil er seine besondere Bedeutung im Team für alle sichtbar demonstrieren kann.
Trainerfrust ist dann vorprogramiert, wenn man in seiner Freizeit spezielle Übungen und Spielformen fürs Training ausgearbeitet hat, für die eine Mindestanzahl bzw. genau diese Spieler erforderlich sind.
Ich habe mir das allerdings im Laufe der Jahre abgewöhnt. Wie ich an anderer Stelle bereits sagte, darf bei mir jeder kommen, es muss aber niemand kommen. Dadurch drehe ich den Spieß um. Nicht ich laufe hinter den Spielern her, sondern sie hinter mir. Denn wer der Beste auf dem Rasen ist, hat es selbst in der Hand, mir dies durch rege Trainingsteilnahme und die damit verbundenen Fortschritte zu zeigen. Auch hat es sich gezeigt, das die Jenigen, die freiwillig und gerne zum Training kommen, mit größerem Eifer konzentrierter bei der Sache sind. Denn häufig liegt es nicht am fehlenden Können, sondern am fehlenden Verständnis der Zusammenhänge und Wechselwirkungen.
So habe ich eines Tages sogar Kinder mitsamt ihren Eltern vor dem Training nach Hause geschickt, als mir Kinder auf meine Frage, ob sie gerne Fussballspielen, freimütig erklärten, sie hätten eigentlich gar nicht so richtig Bock darauf!
Ob es allein daran liegt, das die Zahl der Kinder, die das Fussballspiel dauerhaft zu ihrem Hobby machten oder die, die den Weg in den Leistungsfussball schafften, davon abhängig ist, weiß ich allerdings nicht.
Bei einigen Vereinen wäre ich vermutlich dafür entlassen worden, weil man dort auch gegen Mitgliedergebühren stillschweigend "Babysitterdienste" in Form von Fussballtraining anbietet, damit die Mamas und Pappas mal ihre Ruhe von ihren Gören haben.
Worauf ich Wert lege ist: ich verlange und erwarte nichts, will einfach nur mit ihnen Spaß an unserer gemeinsamen Leidenschaft, dem Fussball haben. Ohne diese Erwartungslast auf den Rücken der Kinder habe ich festgestellt, das die interaktive Ausbildung sehr viel einfacher in einer lockeren Athmosphäre geschieht. Bälleschleppen, Hütchen aufstellen machen wir übrigens gemeinsam, denn ich bin weder Herr noch Diener, sondern Teil dieser Mannschaft.
Günter: an dieser Stelle wirst du vermutlich wieder von irgendwelchen theoretischen Idealvorstellungen sprechen: Nein, ich praktiziere es, obwohl ich weiß, das es die Mehrheit im Leistungsfussball anders macht und besonders neue Kollegen zunächst mit der Nase rümpfen. Vermutlich läßt man mich solange gewähren, bis ein anderer mit seiner Methode mehr Erfolg hat.
Wir bereits in der Studie der FPL Liga aufgezeichnet, sollte der Trainer nicht nur Fachwissen, sondern auch pädagogische Kenntnisse mitbringen, um die sportlich gestetzen Impulse kindgerecht trainieren zu können. Leider beobachtete ich gerade bei den Trainern, die sich über die pädagogischen Auswirkungen zu wenig Gedanken machen, das sie durch das Hineinrufen von Anweisungen während des Spiels meinen, sie könnten das, was im Training versäumt wurde, im Spiel nachholen!
Der Anspruch, diese pädagogischen Aufgaben bei der Übernahme von Traineraufgaben zu integrieren, ist zu hoch angesetzt. Denn es bedarf einer weiteren Ausbildung, die teilweise im Rahmen der Fortbildung und Kurzseminare, teilweise durch Hospitation und Austausch mit erfahrenen Trainern geschehen kann.