Manchmal kann es ganz schnell gehen, wenn z.b. ein Matthias Sammer Kraft seines Amtes meint, die Fussballjugend würde einen entscheidenden Fortschritt dadurch erzielen können, wenn man in der D-Jugend von einem 11er Team auf ein 9-er Team wechselt. Welche Auswirkungen das dann insgesamt und im Detail hat, kann man ja dann erst sehen, wenn es wirkt! Sammler ist sicherlich ein Mensch, der polarisiert. Aber einen Stillstand kann man sich nicht über einen längeren Zeitraum leisten, will man nicht den Anschluß verlieren.
Ich gebe zu, das in anfangs eine geteilte Meinung dazu hatte. Gatte ich doch starke 11-er D-Jugend-Teams gesehen, bei denen sich alle Spieler ordentlich entwickeln konnten. Aber ich sah auch schwache 11-er Teams gesehen, bei denen der Ball hinten nur einfach weggedroschen und im "kick and rush" hinterhergerannt wurde.
Gern hätte ich eine freiwillige 11-er bzw. 9-er Einteilung im D-Jugend-Bereich gesehen.
Andererseits gestaltete sich die Nachwuchsförderung in diesem Altersbereich seinerzeit sehr chaotisch, weil sich DFB-Nachwuchsförderung und Förderung in den Profi- und Leistungsvereinen nicht immer ergänzten. Jeder pries seine Fördermethoden den Eltern, Trainern und Talente als die Beste an, betrieb aber meist nur Propaganda, um der Konkurrenz keine Erfolge zu gönnen. Entsprechend hoch war die Quote der enttäuschten Talente, die nutzlos aus dem sozialen Umfeld ihres Heimatvereins heraus gerissen wurden.
Heute sehe ich keinen Grund, am 9-er Team in der D-Jugend etwas zu ändern. Es sei denn, man würde (wie z.B. in den Niederlanden) eine Art D-Jugend-Landesliga einführen, wo sich die Talent-Nachwuchsteams im Training und im Spielbetrieb auf Augenhöhe messen könnten.
Die "wilde D-Jugend-Liga" ohne Anerkennung des DFB und des NFV-Verbands hat es vor einigen Jahren in Niedersachsen gegeben. Die Motivation der Vereine war seinerzeit, die D-Jugendlichen besser auf die Anforderungen in der C-Jugend vorzubereiten. Es war ein Flop, denn diese D-Jugend-Spiele fanden nur dann statt, wenn während des Liga-, Pokal- und sonstigen Fördermaßnahmen ein günstiger Zeitpunkt gefunden werden konnte. Es fanden deshalb kaum Begegnungen statt. Auch waren die Leistungsunterschiede zwischen den Teams trotzdem sehr groß, weshalb wenig Erkenntnisse gewonnen werden konnten.
Im grenznachen Bereich der Niederlande mag man sich vor Vergnügen auf die Schenkel gekloppt haben. Ihnen wurden die deutschen Talente "in die Arme getrieben"! Denn je mehr fussballinteressierte Eltern das Versagen dieser deutschen Fördermethode erkannten, je größer wurde der Wunsch, ihre hochveranlagten Kinder nach der niederländischen Methode ausbilden zu lassen. Die Ergebnisse ihrer Entscheidungen lassen sich sehen:
1. es gibt kaum eine NFV-Verbandsauswahl, in der keine Talente spielen, die in den Niederlanden ausgebildet werden
2. es gibt zwischenzeitlich in mehreren Junioren-Nationalmannschaften Talente, die im Nachbarland spielen
3. es gibt die ersten Profis, die nach dieser Methode über den gesamten Jugendzeitraum in den Niederlanden gefördert wurden
Kinder, die durch diese "wilde Liga" gegangen und in den Vereinen verblieben sind, konnten sich in den meisten Fällen nicht so entwickeln, wie man es erhofft hatte.
Nähere Infos gerne über PN!
