Stefan67
Es ist ein durchaus menschliches Bedürfnis besonders Erschreckendes erklären zu wollen, um die Phänomene greifbar zu machen und um sich einigermaßen davor schützen zu können.
Nun bin ich vermutlich ein wenig älter als du, fand es seinerzeit nicht so prickelnd, von einem Polizisten nach dem Führerschein gefragt zu werden, während sein Kollege das Mündungsfeuer seiner Maschinenpistole direkt auf meinen Kopf richtete und nur ca. 2 mm Zeigerfingerweg mich davor schützte, tödlich getroffen zu werden. Es war eine schwierige Zeit, in der man den Eltern nicht glauben konnte, weil man nicht wußte, welche Rolle sie wirklich in der Nazizeit gespielt hatten. Man konnte der Obrigkeit nicht glauben, weil auch viele von ihnen eine Braune Vergangenheit hatten und uns per Gesetz befohlen, was sie nicht erklären konnte. Auch gab es keine spürbare Opposition, die dafür sorgte, das ausgewogene Entscheidungen getroffen wurden.
Über dieses Mißtrauen gelanten viele jungen Leute zu der Ansicht, man müsse nun seine Zukunft selbst in die Hand nehmen. Spätestens mit den Live-Fernsehbilder über den Vietnam-Krieg gelangte die Polititk in die Wohnzimmer. Hier sah man mit eigenen Augen und es wurde klar, das man dagegen etwas unternehmen mußte. Die einen glaubten mit friedlichem Protest (z.B. Ostermärsche), die anderen an die "Ausschaltung" die Verantwortlichen (RAF) in unserem Land.
Nun sind wir 30 Jahre älter, glaubt noch immer an unsere Werte und Errungenschaften aus dieser Zeit. Aber auch wir haben uns angepaßt. Sei es durch den gewonnenen Wohlstand, sei es durch einen Ermüdungsprozeß, denn diese Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. Nur noch manchmal ärgern wir uns über die Gleichgültigkeit der jüngeren Generation, deren Aufgabe es jetzt wäre, sich jetzt gegen die Anfänge der Gewält mit friedlichen und gesetzlichen Mitteln zur Wehr zu setzen. Zum Teil tragen wir selbst schuld daran, das wir versucht haben, unsere Kinder vor allem zu beschützen, statt das sie sich selbst ihrer Hörner abstoßen zu lassen, damit sie erkennen, wofür es sich lohnt zu kämpfen?
Schon vor 30 Jahren war die Justiz in unserem Land "auf dem rechten Auge" blind. Dies lag daran, dass zur Aufrechterhaltung von "Recht und Ordnung" westlichen Besatzungsmächte meinten, zunächst einmal die Richter und Staatsanwälte aus der NS-Zeit wieder einsetzen zu müssen, weil man kurzfristig keinen Ersatz hatte. Während man die Rechtssprechung immer weniger kontrollieren, vergaß man die Vergangenheit der in derJustiz schon wieder zu Karriere gelangen Anwälte des Staats zu prüfen. Wen wundere es aus heutiger Sicht, das die noch junge Bundesrepublik ein Berufsverbot zur Tätigkeit in staatlichen Ämtern für politisch linksorientierte Bürger aussprach, weil von dort am lautesten nach einem Amnestieverbot für Politiker, Nazi-Richter und Staatsanwälte gerufen wurde? Zwischenzeitlich waren die Alliierten von deutscher Tüchtigkeit überzeugt worden. Deutsche Raketenbauer, Atomphysiker, selbst Geheimdienstler sorgten für ein rasches Gleichgewicht gegenseitiger Bedrohung. Mit dem Geld aus dem Marschall-Plan sollten sich die Deutschen ihre zerbombten Städte wieder aufbauen, die Bevölkerung ernähren und ihre Wirtschaftskraft zum Nutzen aller einsetzen.
Doch wie entwickelte sich die deutsche "Rechts"-Sprechung? Weil auch bei der "juristischen Talentsichtung" nur die Gleichgesinnten in der Karriereleiter rasch emphor steigen sollten, gab es weiterhin tendenziöse Urteile, bei denen man eine rechte Gesinnung vermuten mag. Wenn jedoch Recht gebeugt wird, gibt dies Raum zur käuflichen Beeinflussung. Latente Veran, dass wir weltweit auf dem 9. Rang der Korruptionsanfälligkeit liegen, wenn Gleichgesinnte über Jahrzehnte ungestört von der Öffentlichkeit unrechtmäßig handeln dürfen?
Jedoch handelt es sich bei den unteren Sportgerichten eher um "Laienveranstaltungen", in deren Urteilsvermögen sich der Querschnitt der Bevölkerung spiegelt. D.h. die Quote der bewußten wie unbewußten Fehlurteile hält sich in Grenzen. Wer allerdings bereits im unteren Jugendbereich einen Urteilsspruch benötigt, weil er sich nicht mit der gegnerischen Mannschaft oder dem Schiedsrichter einigen kann, gerät leicht in den Verdacht ein schlechter Verlierer zu sein. Denn selten gelingt es Schiedsrichtern, den Kindern den Spaß zu verderben, wohl aber den von Ehrgeiz zerfressenen Trainern und/oder Eltern. Korrekturen über die Einführung von KIFU-Regeln im unteren Jugendbereich zeigen die Dringlichkeit.
Gewaltverbrechen wie das in Amsterdam bedarf jeoch einer differenzierten Betrachtung, denn jede Pauschalisierung würde zu falschen Schlüssen führen? Nun hat der Verein in einem ersten Schritt die Jugendmannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet. Doch müssen weitere, auf Prävention gezielte Maßnahmen ergriffen werden, damit die Gewalt aus den Fussballstadien verbannt wird.