Beiträge von TW-Trainer

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    Günter


    Wir stammen ja vom Affen ab, so dass die koordinativen Anlagen in unseren Genen stecken! Auch das Gebrüll auf und neben den Plätzen erinnert hin und wieder stark an eine wilde Affenhorde.


    In der Entwicklung unserer Kinder hat sich gegenüber früheren Zeiten in der Tat etwas verändert. Während auf unserer Wiese das Klettern mit an erster Stelle stand, sind es heute meist stumpfsinnige Animationsspiele auf den Spielekonsolen. Auch von Erzieherinnen und Grundschullehrer/innen wird nicht verlangt, das sie Sportarten auf Trainerlevel beherrschen. Dafür sollen sie die geistigen Fähigkeiten frühestmöglich fördern. Für die meisten Frauen in diesen Berufsgruppen steht Sport ziemlich weit unten in der Spaßrangliste und Fussball gehört sogar an Nr. 1 bei den Hass-Sportarten. Dies resultierte in erster Linie von den Leitbildern der damaligen Zeit. Nur die wenigsten jungen Frauen machten damals während ihrer Ausbildung parallel noch Sport! Mit er Einstellung "no sports" ging man in die Kindergärten und Grundschulen. Seit ein paar Jahren gibt es zaghafte Versuche von den Verbänden, diese Berufsgruppe mehr für den Sport (auch Fussball) zu begeistern.


    Welchen Vorwurf möchtest du der Gesellschaft machen, wenn sie ihre Kinder mehr für geistige als für körperliche Arbeit ausbildet? Letzeres wird doch immer weniger verlangt!


    Ebenfalls verändert hat sich das Freizeitverhalten. Wurde das eigene Heim früher nur bei schlechtem Wetter genutzt, so findet man heutzutage auch bei gutem Wetter immer weniger Kinder auf und abseits der Straßen. Manche scheinen gar das Spielen ganz verlernt zu haben und brauchen während der Ferien/Urlaubszeit dazu Animateure.


    Es es zu erwarten, das der Trainer ein Animateur wird oder ist er es schon? Können wir überhaupt das gesellschaftliche Verhalten ändern oder müssen wir uns daran anpassen?


    Jede Generation setzt ihre Prioritäten, die man je nach Blickwinkel unterschiedlich bewertet. In jeder Veränderung steckt aber auch eine Chance etwas fortschrittliicher zu verändern! Wichtig dabei ist die Bereitschaft, für alles Neue offen zu sein und neugierig neue Dinge begreifen zu wollen. Neugierig sind die jungen Menschen ebenfalls und wenn wir diese Begeisterung gemeinsam teilen können, dann sollte dabei fast immer etwas Gutes dabei herauskommen.

    Günter


    Ich hab`s mir fast schon gedacht, dass du dabei keine F-Jugend-Spieler gemeint hast. Die Selektionen für die Kreisauswahl und den DFB-Stützpunkt sind schon vor der C-Jugend. Die Aufnahme in die NLZ der Profivereine findet im Regelfall erst ab der C-Jugend statt. Die Experimente mit der Bündelung der Talente im D-Jugendbereich sind vielerorts wegen der noch zu geringen Erfolgsprognosse bereits zu den Akten gelegt. Auch ein Wechsel in der C-Jugend kann immer noch zu früh sein, wenn im Heimatverein ausreichende Förderung vorhanden und der Weg für Training und Spiele sehr weit ist. Belegen läßt sich dies an der hohen Fluktuation in dieser Altersgruppe in den NLZ. Man könnte sie auch als "Irrtumsfaktor" bezeichnen, wobei es keine so große Rolle spielt, ob sich das Talent, der Verein oder beide geirrt haben. Man arbeitet jedoch daran, weil man seine Eindrücke nicht mehr nach Saisonzielen bemißt, sondern schwankende Leistungen als etwas Normales im Jugendbereich ansieht!

    DSV


    Das war auch alles so ernst gemeint! :D
    Aber eine Anmerkung verstehe ich nicht! Du sagst: "leider ist es so, das die bürger für den staat da sind und nicht wie es sein sollte, umgekehrt ..." Der Kanzler, dieses unseres Landes hat euch seinerzeit nach der Wiedervereinigung blühende Wiesen versprochen. Die habt ihr dann ja auch bekommen (z.B. durch Schließung von Betrieben und Wegzug der ländlichen Bevölkerung) und ihn dafür sogar wiedergewählt! :thumbup: Wer weiß, wie das Ganze weitergegangen wäre, wenn Honni damals seinen Bausparvertrag früher ausbezahlt bekommen hätte? Da war "Birne" doch das kleinere Übel oder? Vermutlich habt ihr das seinerzeit noch nicht so genau gewußt, wie das mit den ganzen Wahlversprechen ist? Denn hättet wir gewußt, das die gewählte Partei nach der Wahl wählen kann, ob sie sich an die Wahlversprechen hält, währt ihr vermutlich vorsichtiger mit eurem Stimmrecht umgegangen? Aber, jetzt sollten wir wirklich Schluß mit der Legendenbildung machen. Sollen doch Andere die Geschichte täglich neu erfinden, was meinst du?


    Ich hoffe, ich kriege jetzt die Überleitung noch irgendwie hin? Der Staat, das sind nicht irgendwelche anonymen Personen, die in einer goldenen Glocke sitzen. Der Staat, das sind wir, also Jeder ohne Ausnahme! Genauso ist es im Verein, wo nicht nur Beschwerden über den Vorstand oder Vereinsmeier gebraucht werden! Man braucht dazu auch helfende Hände, damit die guten Ideen auch in die Tat umgesetzt werden können! Trainer zu sein, heißt Freude genießen, heißt aber ebenfalls Verantwortung zu übernehmen. Wenn du dich über schlechtes staatliches Management beklagst, dann schließt du in deiner Klage eigenes unzureichendes oder fehlerhaftes Handeln ein.

    "Wollen müssen ist ein schlechter Motivator", aber man "muß" auch "wollen"!


    Günter
    Du hast deine Anmerkungen zum Thema nach meiner Meinung sehr gut formuliert. Auch mir kommt es so vor, als ginge es nicht mehr um Kinder- und Jugendfussball, sondern primär darum, welche theoretischen Ansätze denn nun besser wären. Wenn das die Lösung sein sollte, dann braucht man glaube ich nicht weiterdiskutieren, weil sie im Ergebnis kaum eine Rolle spielen. Denn für Aussenstehende kommt es so vor, als wenn der Eine mit der Wünschelrute unterwegs ist, während der andere den Weg von einem Fettnäpfchen zum Nächsten zu messen versucht!


    Noch immer frage ich mich, warum es nur einen Weg des Mentaltrainers in den Breitensport geben kann, wenn doch genügend erfahrene Trainer erklären, dass es hierfür weder eine finanzielle Basis gibt, noch sonst eine Notwendigkeit dafür gesehen wird. Findet doch der meiste Streß aufgrund des Leistungsdrucks viel öfter in den Schulklassen als auf dem Fussballrasen statt. Mentaltraining wird als sinnvolle Ergänzung wahrgenommen, das sich in ihrem Nutzen aber erst noch einer breiteren Öffentlichkeit erschließen muß.


    Ich hoffe Mentala, du gibst nicht schon vorzeitig auf, nur weil es in der Wissenschaft leider üblich ist, das Wissen aus anderen Fachbereichen als nichts Besonderes zu deklassieren. Da kann man locker drüber stehen, wenn man vom seinen Fähigkeiten und dem Nutzen seines Wissens überzeugt ist!

    @Jenny
    Auf deine Frage, was ein armer Bub macht, der vom Talent her in der 60,- € Mannschaft spielen kann, würde ich ebenfalls sagen, das der woanders genauso gut spielen kann. Es handelt sich um Jungen im F-Jugend-Alter und nicht um ein hoffnungsvolles Talent mit guter Erfolgspronose aus dem älteren Jugendbereich!


    Günter
    Warum glaubst du, das Talente von Vereinen gedeckt werden? Ich bin schon viele Jahre im Leistungssport und muß mich immer wieder eines besseren belehren lassen. Das Schwierige dabei ist, zwischen von Heimattrainnern antrainierten Fähigkeiten und dem Talentpotenzial zu unterscheiden. Denn, wenn nicht die richtigen Impulse über gut ausgebildete Trainer kommen, dann kann sich ein Talent sehr schwer gegenüer seiner Konkurrenz, die bereits besser ausgebildet wurde, durchsetzen. Daraus wuchs meine Erkenntnis, dass der Maßstab für eine Talentbeurteilung nicht allein in einer einmaligen Sichtung liegt, sondern Talentpotenzial darin zu ergründen ist, wie schnell das Talent welche Fortschritte macht. Diese Lernfähigkeit erscheint mir neben den positiven Charaktereigenschaften, seinen Traum auch leben zu wollen, besonders entscheidend!


    @Alle
    Während in früheren Diskussionen sehr viele Trainer sagten, dass sie eigentlich viel zu wenig bekommen, hat hier endlich mal jemand die Courage zu sagen, das er außerordentlich viel bekommt. Vielleicht möchte er wissen, ab wann man als Trainer ein schlechtes Gewissen bekommen sollte? Schließlich handelt es sich beim Training von F-Jugendlichen lediglich um die Freizeitgestaltung. Dennoch ist die Frage schwer zu beantworten, weil man den Rahmen (z.B. die finananziellen Verhältnisse aus den örtlichen Verhältnissen) berücksichtigen muß. Ich habe mal vor Jahren ein privates Torwart-Einzeltraining, für das ich sehr viel Geld bekommen sollte abgelehnt, weil der Junge zu wirklichen sportlichen Leistungen weder körperlich in der Lage war, noch sportliche Ziele verfolgte. Die Eltern aber glaubten, sich mit Geld jeden Erfolg kaufen zu können. Ein Anderer hätte sich gesagt, es trifft keinen Armen und hätte die Kohle eingesackt! Deshalb komme ich zu dem Schluß, das niemand die Frage eines schlechten Gewissens besser beurteilen kann, als der Vorteilsempfänger selbst.

    Ich verstehe eure Entrüstung nicht? Manch einer outet sich auch hier, das ihn mehr das Geld als der Fussball interessiert! Und warum sollte ein Land wie Deutschland, indem vermutlich der meiste Umsatz zu machen ist, bitteschön außen vor liegen? Wir liegen weltweit bei der Anfälligkeit für Korruption im Spitzenfeld! Damit allerdings kein Verdacht auf uns fällt, weiß man rasch, das die Übeltäter und Drahtzieher kein deutsch sprechen!


    Jede Diskussion darüber erinnert mich an die Zirgaretten oder Benzinpreis-Diskussion. Daran verdienen zu viele, als das sich ein wenig Heuchelei nicht lohnen würde! Man bekommt fast immer auch das, was man verdient. Zumindest solange man sich nicht ausreichend für Veränderungen einsetzt!

    DSV


    Vielen Dank für die Beschreibung des Alltags aus der damaligen DDR-Jugend.


    Wir im Westen hatten ja gar keine Ahnung und haben gedacht, die müssen direkt nach der Schule entweder im Konsum für ein paar Bananen oder Apfelsinen anstehen, werden vom örtlichen SED-Vorstand zum Zwangstraining zur nächsten Kaderschmiede, dort gedopt und auf die Wessis losgehetzt! Alternativ gab es FDJ, wenn man zu blöd für die sportliche Ertüchtigung war.


    Aber so war das ja nicht, wie wir heute feststellen können. Trainer wurde für ihre Aufgaben von den Betrieben freigestellt und den Kindern gönnte man genügend Freizeit, deren Gestaltung sie selbst bestimmen durften. Wer etwas machen wollte, was im Sinne des Volkes lag, der fand auch ausreichende Unterstützung.


    Im Westen wurden damals viele Kinder nach der Schule von ihren Lehrern traininert. Die hatten ja nachmittags auch Zeit. Die Sportplätze wurden in Eigenarbeit erstellt. Jeder bekam sein Tricot mit nach Hause. Das wurde solange gewaschen und geflikt, bis es irgendwann man ein Neues gab.


    Vieles ist Nostalgie und läßt sich kaum noch mit heutigen Verhältnissen vergleichen. Deshalb schließe ich mich der Meinung an, dass jeder Verein sich nach seinen individuellen Rahmenbedingungen für die Zukunft fit machen muß. Eine staatliche Regelung wird es schon deshalb nicht geben, weil der Sport für die Politik nicht mehr gebraucht wird. Man ist sich sogar nicht einmal mehr sicher, ob man die Familien überhaupt braucht. Als Singles sind sie doch für den Konsum sehr viel besser geeignet!

    Karl


    Das hast du vollkommen recht! Dieses Fachwissen kostet Geld, dessen Herkunft man kennen muß! Deshalb hatte ich Mentala auch einen anderen Weg vorgeschlagen. Nämlich den, sich direkt an die Verbände zu wenden. Denn denen kann es als Interessensvertreter der Vereine und Bindeglied zum DFB nicht egal sein, was aus seinem Nachwuchs wird. Und wenn aufgrund des demografischen Wandels immer weniger Menschen als Vereinsmitglieder infrage kommen, dann sollte man es sich nicht leisten, einen Teil wegen mangelnder mentaler Betreuung zu verlieren.


    Selbst, wenn man das Geld hätte, für jeden Verein einen Mentaltrainer zu engagieren, könnte man die Nachfrage nicht befriedigen, weil gar nicht genügend Personal vorhanden wäre. Also muß man sich über "kleinere Lösungen" unterhalten, indem man z.B. zur Methode: train the trainer übergeht, in der Mentala und andere ihr Wissen an die Vertrauensleute der Vereine (meist Jugendobleute) weitergeben, damit zunächst einmal die schlimmsten Brandnester gelöscht werden können. So groß die Gefahr auch sein möge, mit Halbwissen ebenfalls etwas kaputtmachen zu können, so wenig sehe ich in Anbetracht leerer Vereinskassen vieler Vereine gute Alternativen! Bei Jugendobleuten handelt es sich meist um längerfristig im Verein tätige Personen, sodass auf einen mittelfristigen Lerneffekt vertraut werden darf.


    DSV
    Ich gehe mit dir einig, das ein Diskutieren auf theoretischer Ebene in einer Sportart, wo sich alles Wichtige auf dem Platz abzuspielen scheint, zum Scheitern verurteilt zu sein scheint. Jedes Argument folgt ein Gegenargument und so dreht man sich schließlich im Kreise. Es bedarf also praktischer Erfahrung im Jugendbereich.

    Karl


    Im Gegensatz zu dir kann ich "Jenny`s" Skepsis schon verstehen! Denn es kommt immer auch auf das Ziel der besonderen finanziellen Unterstützung an. Deshalb muß man bei den Zielen dieser Fussballschulen unterscheiden. Da gibt es die Fussballcamps, in denen Kinder in den Ferien ein Animationsvergnügen miterleben dürfen, was als O.K. angesehen wird. Dann gibt es die Fussballschulen, die mit besten Kontakten zum Proficlub werden und meist ehemaligen Fussballstar als Werbeträger besitzen. Im letzten Fall wird ein Versprechen gegeben, was gar nicht eingehalten werden kann. Es soll lediglich Kasse mit den überehrgeizigen Eltern gemacht werden. Wenn nun Konflikte auf der Basis ausgetragen werden, das der gutbezahlte Fussballschul-Trainer über ein besseres Wissen verfügt als der Heimatvereintrainer oder aber aufgrund der gezahlten Stunden eine Spielgarantie gewährt werden soll, dann steht zu befürchten, das es Kinder erster und zweiter Klasse geben soll!


    Jenny weißt aber zurecht darauf hin, das Fussball eine Mannschaftssportart ist, in der alle gleiche Rechte und Pflichten akzeptieren müssen. Leider gehts im Fussballgeschäft nicht immer nur mit rechten Dingen zu! Klüngel gibts allen Orts. Wer kennt sie nicht, die Fälle, in denen selbst im Jugendleistungsbereich talentfreie Kinder dank Papas dicker Brieftasche durch die ersten Jugendmannschaften des Vereins geschleppt werden?


    Ich glaube, Jenny geht es überhaupt nicht daraum, dass ein guter Trainer die Chance zur Weiterentwicklung wahrnimmt, sondern eher darum, was Fussball den Kindern zeigen soll! Sich für Geld den Erfolg kaufen zu wollen, lehnen viele Trainer im Jugendbereich ab! Nichts wert zu sein, weil man das Kind eines Hartz 4 - Empfängers ist, deckt sich ebenfalls nicht mit den Moralvorstellungen der meisten Forumsteilnehmer. Stimmt`s Jenny?

    Mentala


    Ich habe das Gefühl, das jede Beschreibung des Mentaltrainings im Profibereich mit negativer Eignung für den Breitensport ausgelegt wird. Und sei es nur, um zu sagen: der Profi muß funktioniern, der Laie darf funktionieren! Immer wieder wird dabei die unbewußte Fremdsteuerung angesprochen, die seit den Erkenntnissen eines Sigmund Freuds gepaart mit den Erkenntnisse von Charles Darwin besonders in der Männerwelt tief verankert zu sein scheint. Schwierig ist es sicherlich in der Praxis eines Trainings im Jugendbreitensport auf den zusätzlichen Nutzen aufmerksam zu machen. Gerade in einer Phase, in der man sich gern darauf einigt, das die Mißerfolge mit der fehlenden Auswahl aufgrund des demografischen Wandels zurück zieht. Verschiedenlich habe ich auf das niederländische Fussballausbildungssystem verwiesen, wo es sich aufgrund der fehlenden Talentbreite gar nicht leisten kann, ein Talent zu übersehen oder ein Talent nicht ganzheitlich über den gesamten Jugendzeitraum bestmöglich auszubilden.


    Auch im Fussball bedarf es Vertrauenspersonen, die "ihr Handwerk" versehen! Diese Einsicht ist jedoch noch längst nicht überall vorhanden, weshalb du darauf hinweist, dass man bereits viel bei den Kindern kaputtmachen kann, wenn es an mentaler Coachingkompetenz im Verein fehlt! Irgendwie habe ich auch den Eindruck, als das bei einigen Trainern eine Art Konkurrenz in deiner Tätigkeit angesehen wird. Oder ist es nur die Angst davor, auf Fehler aufmerksam gemacht zu werden und dafür die Belege gleich mitgeliefert zu bekommen?

    Günter


    Die Diskussion um Spieler und Trainer ist ähnlich zu sehen wie die Frage nach dem Huhn oder dem Ei! Wenn du da etwas ältere Diskussion um den Mädchenfussball liest, dann gibt es sicherlich ein Teil der Mädchen, die wieder aufhören, weil es einfach nicht mit dem Trainer passte! Bei den Jungen gibt es zwar auch einen deutlichen Anstieg von "Abbrechern" im D-Jugendbereich, von denen die Ursache für einen Teil auf falschen Trainer liegt, mehrheitlich wird jedoch bei unzufriedener Situaion zunächst der Verein gewechselt. Erst zum Ende der Jugendzeit und Beginn des Seniorenbereichs kommen die Prioritäten zwischen Schule, Studium und Beruf in Konkurrenz zum Vereinssport hinzu.


    Doch nun zum angesprochenen Mädchen-Trainerbereich. Auch der DFB hat festgestellt, das es etwas anderes ist, ob man ein Jungen- oder ein Mädchenteam trainiert. Deshalb bietet er seit ein paar Jahren spezielle Fortbildungsseminare für Trainer des Mädchenfussballs an. Als Zielgruppe sollen bereits erfolgreiche Fussballerinnen angesprochen werden, die man zum Ende ihrer aktiven Karriere gerne als Trainerinnen für die Mädchenteams gewinnen möchte. Leider bis jetzt noch mit geringem Erfolg, weshalb man weiterhin auf männliches Personal angewiesen ist. In der Männerwelt ist die Begeisterung fürs Traineramt einer Mädchenmannschaft noch gering. Teilweise gibt man offen zu, nicht zu wissen, wie man Mädchen erfolgreich im Fussball ausbilden kann. Andere fühlen sich einer Umgebung nicht gewachsen, in der jedes Wort und jede Gestik und Mimik eine Bedeutung auf die Mädchen ausstrahlt. Hinzu kommt, das besonders hier sehr leicht die Gerüchtewelle in Gang gesetzt wird, wenn Trainer und Verantwortliche sich nicht an klare Regeln des gegenseitigen Umgangs halten. Dies gilt insbesondere für das Trainer-Tabu zum Betreten der Umkleidekabinen und Duschräume. Natürlich sollte man auch wissen, wie hoch die Toleranzgrenze ist. Auf Trainerstreß reagieren die Mädchen "mit den Füssen", weil sie dann ganz einfach nicht mehr zum Training und den Spielen kommen. Wer also unvorbereitet zum Training kommt oder trotz Unwillen der Mädchen für eine bestimmte Übung gnadenlos daran festhält, darf sich nicht wundern, wenn beim nächsten Training nur noch die halbe Mannschaft erscheint. Anders ist allerdings die Abhängigkeit der Trainingsteilnahme-Entscheidung vom sportlichen Erfolg. Wenn man gewonnen und/ioder selbst gut gespielt hat, läßt man das Training schon mal ausfallen, weil man`s dem Trainer ja bewiesen hat. Hat man verloren oder selbst schlecht gespielt, kommt man zum nächsten Training, weil man nicht beim nächsten Spiel auf der Reservebank sitzen will. Ein Trainerneuling mag deshalb total überrascht sein, wenn ein Mädchen, welches spät ins Spiel eingewechselt werden soll, dann einfach boykottiert, weil es sich nicht als Ersatz für eine andere Spielerin sieht! Nichts kann wichtig sein, als das man es nicht schon am anderen Tag anders sieht. Aber nichts ist so unwichtig, als das man es nicht mit einer vor Monaten getroffenen, unbedachte Äußerung konfrontiert wird. Mädchen wollen aber nicht vom Training einfach nur müde werden, sondern Spaß haben. Wenn man ihre Neugier für alles Unbekannte in Neugier für den Fussball umwandelt, ihnen ein abwechselungsreiches Training anbietet, dann werden sie es durch ausserordentliche Leistungssteigerungen dankbar zurückzahlen.


    Mädchen kamen früher zum Vereinsfussball, weil ihre Freundin dort spielen. Das ist wohl heute auch noch so. Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch darin, das die Mädchen heutzutage bereits über den Schulsport erste Erfahrungen im Fussball gesammelt. D.h. kein Mädchen, das den Fussball für sich als Hobby abgelehnt hat, wird ihrer Freundin zuliebe dem Fussballverein beitreten.


    Trainer, die offen an dieser besonderen Herausforderung umgehen, bleiben dem weiblichen Fussball sehr lange treu! Sie haben erkannt, dass es für fast Alles im weiblichen Fussball einfache Regeln gibt und die Skepsis teilweise auf Vorurteile beruhte. Eine gute Trainerklientel sind beim Mädchenfussball die Spielerväter, deren Töchter ohne Vaters Mithilfe ihr Hobby nicht ausüben könnten. Dass auch erfolgreiche Mädchentrainer "etwas drauf haben", zeigt sich spätestens dann, wenn sie mal eine Jungenmannschaft übernehmen.


    Väter machen in der Erziehung ihrer Söhne und Töchter heutzutage kaum noch Unterschiede. Warum sollen sie nicht auch gute Fussballtrainer bei einer Mädchenmannschaft sein? Kurioserweise habe ich öfter von unzufriedenen Mädchen gehört, die von Trainerinnen gecocht wurden. Ein guter Grund, sich in der kommenden Saison mal als Trainer für ein Mädchenteam zu versuchen, als immer nur im gleichen Trott ein Jungenteam zu trainieren!

    Stefan70


    Das sehe ich genauso! Bei den Jungen ist das Potential ziemlich erschöpft. Da geht es um einen reinen "Verdrängungswettbewerb", wo man bei besser strukturierten Freizeitangeboten im Verein nur noch ein paar Prozentpunkte gewinnen kann.


    Das Rollenverständnis bei den Mädchen hat sich jedoch gegenüber dem Zeitraum, in denen viele Vereine gegründet wurden und heute grundlegend verändert. Dies zeigt sich im Verhältnis von Jungen und Mädchen auf höheren Schulen von früher und heute. Auch in der Wahl der Berufe gibt es kaum noch "Männerdomänen"! Schließlich gibt es kaum eine Sportart, bei der nicht auch Mädchen und Frauen mit wachsendem Erfolg an den Start gehen.


    Leider scheint die Emanzipation im Sport noch immer vor den Toren viele Fussballstadien halt zu machen. Hier wird nach wie vor geglaubt, das Mädchen und Frauen nicht wirklich Fussballspielen können. Gemeint ist insbesondere die fehlende Spielhärte! Weil die Vereinsverantwortlichen im Regelfall "einige Jahre älter" sind als die am Fussball interessierten Neulinge, gibt es deutliche Unterschiede in den gegenseitigen Erwartungen.


    So kommen die Mädchen mit den Erwartungen aus der Schule, in allem gleich behandelt zu werden wie die Jungen. In den Vereinen treffen sie jedoch vielerorts auf verkrustete Ansichten, nachdenen Mädchen allenfalls das Recht haben das Vereinsgelände zu benuten, wenn gerade keine Jungen spielen! Das aktuelle Beispiel des Hamburger SV, der seine Frauenmannschaft aus der 1. Bundesliga abmeldete, um Budgetfreiraum für einen weiteren Spieler auf der Ersatzbank zu haben, spricht schon "Bände"!


    Wer jedoch seinen Verein zukunftsfähig machen will, mit einer wachsenden oder zumindest gleichbleibenden Mitgliederzahl kalkulieren möchte, der kommt um das Anwerben von fussballinteressierten Mädchen und Frauen nicht herum. Ob die Mädchen zunächst im unteren Jugendbereich mit den Jungen gemeinsam kicken oder sich eigenen Mädchenteams bilden, hängt ganz vom Engagement der Vereinsverantwortlichen ab. Den unsäglichen Vergleich zwischen der Leistungsfähigkeit von Mädchen und Jungen, Männern und Frauen wurde bereits in vielen Sportarten abgeschafft. Es wird deshalb Zeit, das hier auch mit den Vorurteilen in der "deutschen Sportart Nummer 1" aufgeräumt wird!

    Wenn ich es recht sehe, ging es bei der Eingangsfrage darum, die Vergütung eines lizensierten Trainers (C-Lizenz) zu beleuchten.


    Während einige auf den Wert (Kosten-Nutzen) der Trainerarbeit verweisen, wollen Andere eine soziale Mitverantwortung für ihre Klientel darin wiederfinden? Damit kommt man zur Frage: was kann ich verlangen und was darf ich verlangen? In der Argumentation für höhere wie für niedrigere Trainervergütungen werden die Einkommensschichten in der Bevölkerung bemüht. Schließlich kommt man zur Moral. Der des Geldes, wo manche sich mit den Kosten für alternative Freizeitaktivitäten (z.B. 18,- € Eintritt fürs Spaßbad) betäuben, während andere die Mutter mit den 3 Kindern sehen. Weil Fussball eine Volkssportart ist, die für Jeden auch finanziell zugänglich sein muß.


    Muß sich einem guten Mittel zu nähern, bedarf es auch den Erkenntnisgewinn aus Extremen, wie das Beispiel der F-Jugend-Mannschaft zeigen kann. Sollen doch die Reichen zahlen, wenn ihre Kinder wie Prinzen oder Prinzessinnen behandelt werden wollen! Damit ist man wieder bei der Frage: wie betäube ich mein schlechtes Gewissen (über eine sehr hohe Trainervergütung) am Besten? Natürlich darf dabei der Seniorentrainer einer Kreisklassemannschaft nicht fehlen, dessen schmerzverzerrtes Gesicht beim Betrachten seiner weitgehend talentfreien Bolzertruppe fürstlich entlohnt wird.


    So kommt man zur Frage: wieviel darf ich unter der Voraussicht, eine Mannschaft nach besten Wissen und Gewissen fördern zu wollen, verlangen? Sicherlich mag die Antwort auch in den finanziellen Verhältnissen des Vereins und seiner Mitglieder begründet liegen. Selbstverständlich aber ist auch die Qualität der Ausbildung (und damit auch die der Trainerausbildung) ein Faktor für die Trainervergütung. Man kommt aber auch um die Frage nicht herum: ist ein sportlich erfolgreicher Trainer ohne Lizenz genauso viel oder mehr wert, wie ein nicht sportlich erfolgreicher Trainer mit Lizenz? Oder ist der sportliche Erfolg für einen Jugendtrainer vielleicht gar kein geeigneter Maßstab zur Bewertung seiner Vergütung?


    Für alle Trainer (mit und ohne Lizenz) im Nachwuchsbereich, die außer einem "feuchten Händedruck" gar nichts bekommen, erübrigt sich die Frage nach einer gerechten Vergütung! Ansonsten habe ich aber den Verdacht, das es bei der Frage um ein gerechtes System er Vergütung letzendlich keine befriedigende Antwort geben wird!


    Dennoch, interessant ist dieses Thema allemal, wirft es doch ein Licht ins deutsche Vereinsleben!

    Germancoach


    Taktik interessant zu erklären ist gar nicht so einfach, weil man sehr schnell Gefahr läuft zu sehr ins Theoretische zu verfallen.


    Deshalb habe ich ein paar Fragen an dich:


    1. Wer ist deine Zielgruppe?
    - was wissen sie schon über Fussball und was interessiert sie besonders?


    Wenn Grundwissen über Taktik gering, würde ich kurz:


    - den Unterschied zwischen gegner- und ballorientiertem Spiel
    - die Gliederung des Systems in Reihen


    damit der Sinn einer Mannschaftsspieltaktik verstanden wird.


    2. Wie lange soll dein Vortrag dauern?
    - wenn sehr kurz würde ich mich auf 4 : 2 : 3 : 1 und 4 : 4 : 2 beschränken, weil sehr häufig zu sehen und ggf. die im Jugendzeitraum gern verwandte Variante des 4 : 3 : 3 noch hinzunehmen


    wenn etwas mehr Zeit zur Verfügung steht, kann man tpyische Angriffsspielzüge und typisches Abwehrverhalten beschreiben. Die Folien von "Ralf Peter" eignen sich sehr gut dafür. Noch besser sind "lebende Bilder" aus aktuellen Bundesliga-Spielen. Im Rahmen der Taktik-Erläuterungen kann man auch auf den Unterschied von flachen und hohen Linien aufmerksam machen und von mir aus auch die "Werder-Raute" beschreiben.


    Bei den Vor- und Nachteilen läuft man leicht Gefahr ins eigene Verständnis von Spielphilosphopie zu verfallen, weshalb es einfacher ist, neutral auf die eher defensiv ausregrichtete Mannschaftstaktik, neutrales und schließlich offensiv ausgerichtete Mannschaftstaktik einzugehen.


    Das Thema abrunden kann man mit der Beschreibung der 3 Pressingformen (Angriffs-, Mittelfeld- und Abwehrpressing), mit der der Blick aufs Rasenschach geschärft werden kann und die Zuhörer dazu ermutigen kann, beim nächsten Spiel doch einmal auf die neu gewonnenen Erkenntnisse in der Taktik zu achten, um für sich den Nutzen (den Fussball ein bißchen mehr zu verstehen) zu erkennen.

    Stefan70


    ich denke, über die wirtschaftliche Entwicklung sollten wir uns, wenn gewünscht, lieber per PN unterhalten.


    Nur soviel: leider sagen die unter dem Link angegebenen finanziellen Mittel wenig über deren Verwendung aus. Denn während wir in der Bundesrepublik mit gezielter finanzieller Unterstützung die Binnenlandnachfrage gestärkt und über wachsende Exportüberschüsse in den 60-er Jahren ein "Wirtschaftswunder" erlebte, ist bei den Niederländern dieses Wirtschaftswunder ausgeblieben. Es blühte seinerzeit der Schmuggel von Kaffee, Tee und Tabakwaren. In den letzten 10 - 15 Jahren holte die niederländische Wirtschaft jedoch mächtig auf, weshalb heute mehr Niederländer zum Einkaufen nach Deutschland fahren als umgekehrt!


    Das war jedoch nicht das Thema, sondern wie sich das niederländische Fussballvereinsleben entwickelt hat. Da spielen die private Umstände eine Rolle. Selbstverständlich kann dies regional unterschiedlich sein. Ich beschreibe hier die Umstände im Norden der Niederlande. Während bei uns schon die ersten Spanier und Italiener als Gastarbeiter geholt wurden, weil mehr Arbeit als Arbeiter da waren, gab es zur selben Zeit in den Niederlanden längst noch nicht für alle Menschen Arbeit. Diese finanzielle Unsicherheit spiegelte sich in der Entwicklung des gesellschaftlichen Lebens wieder. Bei den Holländern baute man weiterhin auf Nachbarschaftshilfe, hier begann man sich selbst zu organisieren.


    Wie ich bereits sagte, können wir das Rad der Zeit nicht zurück drehen. Jedoch wird es nicht ohne mehr Initiative der Vereinsmitglieder gehen, wenn man sich im Verein für die Zukunft rüsten will. Wer etwas zum Positiven verändern will, der muß auch bereit sein, die nötige Zeit darin zu investieren. Ansonsten kann man nur noch das konsumieren, was angeboten wird!

    Günter


    Niemand bestreitet positive Beispiele einer Vereinsentwicklung. Es wäre nur schade um die Vereine, die diese Entwicklung verschlafen und nicht erkennen (wollen), dass sie schon bald die Stadiontore abschließen können, weil ihnen die aktiven Mitglieder und/oder finanziellen Mittel fehlen!


    Nehmen wir als Beispiel einmal die Entwicklung der niederländischen Dorfvereine. Dort gab es ebenfalls einen Boom der Vereinsgründungen in den 60-er und 70-er Jahren. Doch anders als in Deutschland fehlten dort finanzstarke Sponsoren. Weil sich die Anlagen aber nicht mit den kurzfristigen Einnahmen aus den Mitgliederbeiträgen finanzieren ließen, nahm der Verein Bank-Kredite auf. Um den Kreditrahmen so gering wie möglich zu halten, waren sich die Mitglieder darüber einig, dass sie durch privat geleistete Arbeit ihren Beitrag dazu leisten wollten. Weil man nach getaner Arbeit noch gerne ein Heineken-Pils oder einen Bessen-Genever in gemütlicher Runde trank, wurden die Vereinsgebäude gleich mit Aufenthaltsraum (Erwachsene: Tische, Bänke, Theke und Kinder- und Jugendbereich mit Kicker, usw.) erstellt. Weil die Anlagen aus Arbeitsschweiß und über einen längeren Zeitraum abgezahlten Mitteln hergestellt wurden, gab es eine deutlich engere Bindung der Familien mit ihrem Sportverein. Mag man sich auf dem Rasen auch um Punkte und Tabellenränge streiten, so dass es hin und wieder hoch her geht, so fühlt man sich in den Vereinsgebäuden als Gast in familiärer Runde. Manchmal sind es kleine Zeichen der Gastfreundschaft, wenn z.B. bei kaltem Wetter der Gegner zur Halbzeitpause heißen Tee in die Kabine bringt - auch kann es auch ein geschenktes Eis sein, wofür der Junge nun gerade mal kein Geld dabei hat.


    Ihr Deutschen, so wird gesagt, versteht nicht viel von Geschäften! Ihr fallt immer gleich mit der Tür ins Haus, weil ihr sofort übers Geld beim Geschäft sprecht. Bei uns unterhält man sich erst mal über Privates und kommt dann zum Geschäftlichen! Zwar entspricht der heutige Lebensstandard in den Niederlanden in etwa denen in Deutschland, die Mentalität der Menschen auf dem Lande hat sich jedoch nicht signifikant verändert. Der Sport gehört nach wie vor Allen, selbst dann, wenn an den Stadionbanden längst auch Namen deutscher Sponoren stehen, weil dort ein Teil ihrer Geschäftspartner wohnt.


    Natürlich darf man jetzt nicht daraus folgern, das die Niederländer viel vernünftiger sind als die Deutschen. Die wirtschaftliche Entwicklung verlief dort nach dem 2. Weltkrieg anders als hier. Während die Deutschen Geld aus dem "Marschallplan" erhielten, um ihre Wirtschaft rasch wieder aufzubauen, bekamen die Niederländer kein Geld aus dem Ausland. Selbst für die teilweise von den Deutschen zum Ende der Besatzungszeit gefluteten Landstriche bekamen sie keinen Cent der Entschädigung. Aus der Not, zunächst einmal alles mit den selbst zur Verfügung stehenden Mitteln aufzubauen, wuchs die Erkenntnis, das es etwas Schönes ist, für Persönliches zu sparen. Wer genau hinschaut, findet in jeder Sportanlage diese persönliche Note. Während die deutschen Stadionanlagen nach praktischen Gesichtspunkten gebaut wurden, möchte der Niederländer sich in "seinem Stadion" wohlfühlen und er möchte auch, dass sich seine Gäste darin wohlfühlen!


    Niemand möchte das Rad der Geschichte zurückdrehen! Wenn man jedoch mit dem gebotenen Abstand einen vorsichtigen Vergleich startet, so ist in Deutschland der Vereinsfussball den Menschen ein Stück entrückt. Man definiert sich über das Fassungsvermögen der Tribüne, die Flutlichtanlage, die Lautsprecherboxen, die Anzahl der Umkleidekabinden und selbstverständlich übre das "Aushängeschild des Vereins"! Man sieht aber nicht, dass sich immer weniger Menschen darin verlieren. Damit die Kritik nicht Sponsoren vergrault und das Leben der "Vereinsmeier" nicht gestört wird, wurden die Gästebücher der Vereinshomepage entweder abgeschafft oder unterliegen strengen Zensur!


    Schlecht ist weissgott nicht alles in den Dorfvereinen! Man darf es nur nicht "Fremden" überlassen. Denn denen fehlt oft der Sinn für die Gemeinnützigkeit! Dort, wo der Verein seiner Funktion als Ort der sportlichen Begegnung von Gleichgesinnten entglitten ist, gilt es das verlorene Terrain zurück zu gewinnen. Dazu ist aber aktive Teilnahme aller Mitglieder wichtig, denn nichts bekommt man ganz geschenkt!

    Günter


    Prima Beitrag, aus dem ersichtlich wird, das immer 2 dazugehören: der eine (mit dicker Brieftasche), der einen Spieler einkauft, den sich der Verein mangels Geld nicht leisten kann und der Andere, der dieses Angebot annimmt, ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu haben, das seine Leistung dieses Geld bei weitem nicht wert ist! Angebot und Nachfrage regulieren die Preise. Wenn aber die Nachfrage steigt, die Angebotsmenge an Spielern jedoch nicht größer wird, dann steigt der Preis solange, bis irgendwann nichts mehr geht. "Geldverbrennen" könnte man diese inflationäre Dimension der finanziellen Abhängigkeit im Breitensport nennen.


    Ich denke, die Trainerklientel, die sowohl im Jugend- als auch im Seniorenbereich trainiert hat, weiß wovon ich spreche. Nicht umsonst finden bei den Senioren soviele Einzelgespräche statt! Die Geld-Argumentation funktioniert fast immer. Solange ständig Geld fleißt, wird nicht darüber geredet. Damit meine ich nicht die Bierzeche eines Fussballgesprächs an der Theke. Nur, wenn sich jemand benachteiligt fühlt und so verärgert ist, das er dem Finanzamt einen Tipp wegen Verteilung geldwerter Vorteile gibt, geht es mal kurzfristig den Bach hinunter!


    Uwe hatte vor etwas längerer Zeit mal darüber geschrieben, das als Motiv der Vereinsbosse die Befriedigung persönlicher Eitelkeiten gesehen wird. Die sind dann nichts besser als die Zocker. Die Zocker haben im Jugendbereich eine ordentliche Ausbildung bekommen, jedoch war ihnen der Aufwand für den Senioren-Leistungsbereich zu hoch. Für den Breitensport brauchen sie sich nicht sonderlich anzustrengen. Sie treten auch nur dann gegen den Ball, solange daran ein paar Scheinchen haften. Tankkarten sind durch die hohen Spritpreise auch in Mode gekommen.


    Eine andere Sache ist es im Leistungsbereich (ab Bezirksliga), wo sinnvolle finanzielle Unterstützungen (z.B. Fahrtkostenzuschuß für Studenten zum Training und den Spielen), sofern eine Bindung zum Heimatverein bestand und besteht.


    Weil Geld in jedem Verein fließt, sollte deshalb Klarheit darüber herrschen, wofür es sinnvollerweise ausgegeben wird! Dies ist stets zu überprüfen. Denn es besteht immer die Gefahr der Verführbarkeit auf beiden Seiten!

    @Nina
    ich glaube, wir verstehen dich nicht gut und du hast ebenfalls Verständnisprobleme?


    So habe ich nicht gemeint, das ihr euer Training auf Fussballspielen innerhalb der Trainingsgruppe reduzieren sollt, sondern statt Training Freundschaftsspiele gegen andere Mannschaften aus anderen Vereinen! Scheinbar gibt es grundlegende Probleme zwischen dir und der Mannschaft, wodurch aus den eng befreundeten Grüppchen keine Mannschaft wird. Auch die Übertragung der Kompetenz auf Spieler durch einen immer länger werdenden Strafenkatalog mag zwar kurzfristig im ein oder anderen Fall helfen, eine dauerhafte Lösung ist das jedoch nicht!


    Es genügt allein nicht, Herzblut in die Sache zu stecken. Wenn man nicht genügend darüber weiß, dann wird der Dank als Lohn der Mühen ausbleiben. Deshalb von mir nochmals der Rat, melde dich zu Kurzlehrgängen oder der Lizenztrainer-Ausbildung des DFB an und lass dich im Verein von erfahrenen Trainern beraten, die die Situation vor Ort detailierter kennen, als du sie hier im Forum beschreiben kannst.
    Es kommt ja auch nicht so sehr darauf an, das du kurzfristig mal ein Problem löst, sondern dauerhaft Spaß an der Aufgabe findest. Momentan haben die Jungs noch Erwartungen, die du so noch nicht erfüllen kannst. (Das meinte "Günter" mit dem "Verheizen von jungen Trainern"!) Es besteht schon ein deutlicher Unterschied darin, ob man selbst Fussball spielt oder ob man anderen das Fussballspiel vermitteln soll.


    Ich hoffe, es ist jetzt ein bißchen deutlicher geworden, dass unsere Ratschläge nicht mal soeben in 10 Minuten umzusetzen sind?

    Günter


    Richtig ist, das auch private Gelder für die 1. Herrenmannschaft fließen. Allerdings bedeutet das fast immer gleichzeitig, dass mit diesem Geld fremde Spieler (Söldner) für Herrenteam verpflichtet werden und die Jugendförderung im gleichen Zuge weiter zurückgefahren wird, weil der Bedarf durch auswärtige Spieler gedeckt wird. Geht es sportlich bergab oder fließt die Zahlung nicht pünktlich, verlassen die Söldner den Verein wieder, können jedoch nicht mehr durch einheimische Talente kurzfristig kompensiert werden. Es ist ein Teufelskreis, aus dem man nur mit aller Kraft wieder herauskommt.


    Leider sprechen wir hier nicht von Profis, die auf dieses Einkommen angewiesen sind, sondern von Zockern, die die Gunst der Stunde für sich zu nutzen wissen. Ob der Jugendtrainer aus seiner privaten Tasche eine Mannschaftsveranstaltung organisiert, ist dem völlig egal. Eine Mannschaftsveranstaltung bei den Senioren findet jedoch im feinsten Rahmen und Anwesenheit ausgewählter Sponsoren statt!


    Ich gönne es ja jedem, wenn alles gerecht zu geht! Aber wir sprechen hier von mehr oder weniger talentfreie Bolzern aus der Kreisklasse oder Kreisliga, die Woche für Woche zum Vergnügen des Vorstands und privater Sponsoren den Rasen zertreten! Es wird hier schon schwierig, noch einen Zusammenhang mit der Gemeinnützigkeit herzustellen, wenn mit privaten Geldern eine fast private Sportveranstaltung stattfindet.


    Leider muß auch ich über viele Jahre Erfahrungen über Situationen berichten, die mich irgendwie daran erinnern, unter einer eiskalten Dusche zu stehen und dabei 100,- € Scheine zu zerreissen! Wenn es jedoch immer so gewesen wäre, dann hätten wir heute keine gemeinnützigen Vereine mehr, sondern Konsumtempel nach dem Motto: wer mir Geld gibt, für den mache ich etwas und wer mir noch mehr Geld gibt, für den kaufe ich auch richtige Trainer und spendiere ihm obendrein eine richtige Mannschaft drumherum! Wo aber bleibt dann der ach so gepriesene Sportsgeist von Auf- und Abstiegen, wenn alles nur noch den Schein erweckt, weil fast alles gekauft ist. Wer nicht erkennt, das die Zeit "Dorfbundesliga" zu spielen, endgültig vorbei ist, weil nicht bezahlbar und auch nicht gewollt, der hat den letzten Schuß nicht gehört!


    Wenn es keine Kompromisse gibt, weil der Weg nur nach links oder rechts weiter gehen kann, dann ist es besser eine klare Position zu beziehen, damit jegliche Irrtümer ausgeschlossen werden. Auf dem Land ist ein Überleben von Vereinen nur dann möglich, wenn man wieder wie früher auf den eigenen Nachwuchs besinnt und die Gelder nach gemeinnützigen Prioritäten verteilt werden.


    Wer Fortschritte will, sollte allerdings nicht nur kritisieren, sondern auch Vorschläge haben und nach seinen Möglichkeiten aktiv an der Umgestaltung mitwirken!

    Schön, das dieses Thema sehr breit diskutiert wird! Denn treffen die Veränderungen wirklich nur Fussballvereine? Ich glaube nicht! Durch den Boom der Vereinsgründungen in den 60-er und 70-er Jahren gibt es gerade im ländlichen Raum kaum noch Leute, die nicht irgendeinem Verein angehören. Wenn neben dem zahlenmäßigen Rückgang der Gemeindemitglieder durch Stadtflucht und der rückläufigen Fertilitätsrate (Anzahl der Geburten pro Gebiet) festzustellen ist, dann kloppen sich immer mehr Vereine um immer weniger potenzielle Mitglieder. Mußte man sich vor Jahren noch damit befassen, das sich die Fussballvereine untereinander Mitglieder aus sportlichen Gründe klauen, gibt es eine wachsende Konkurrenz aller registrierten Vereine im ländlichen Raum. Deshalb wird man seinen Lieblingsverein nur durch eine Vielzahl von Veränderungen für die Zukunft fitmachen können.


    1. Notwendigkeit der Veränderung erkennen!
    Zunächst einmal ist es wichtig, das die Vereinsverantwortlichen die Notwendigkeit von drastischen Veränderungen erkennen. Es nützt nichts allein in gloreiche Vergangenheit zu schwelgen, wenn es darum geht, alte Zöpfe, die einfach nicht mehr in einen modernen Verein gehören, abzuschneiden. Es ist in jedem Unternehmen normal, das man sich von zeit zu zeit die Frage stellt, ob man noch in allen Bereichen wettbwerbsfähig ist. Das sollte auch in einem Verein selbstverständlich sein.


    2. Ist-Analyse-Methoden
    Wie bereits festgestellt wird, gehört dazu auch die Kommunikation mit den (manchmal auch unliebsamen) Kompetenzpartnern, um durch Zuhören herauszufinden, wo der Schuh drückt. Leider haben sich bestimmte Bereiche, mehr durch Bequemlichkeit als durch Kalkül automatisiert, wodurch sie nicht mehr aktuellen Ansprüchen genügen. Wir diskutieren hier meistens nur einen Ausschnitt (Jugendfussballbereich) des Vereinslebens. Es gibt jedoch sehr viele Vereine, in denen das Angebot nicht nur aus Fussball besteht und wachsenden Zulauf von nicht mehr lebensfähigen Vereinen aus anderen Sportarten bekommen, die nicht mehr "trendy" sind und als Abteilungen im Verein aufgenommen werden. Auch deren Wünsche müssen erkannt und berücksichtigt werden! Es wäre für die Vielfalt des Sports schlimm, wenn als Ergebnis der Entscheidungen nur noch 2 - 3 Sportarten überleben dürfen.


    3. Beratungsbedarf für neue Wege nutzen
    Schließlich sollte Beratungsbedarf durch Fachleute in Anspruch genommen werden, um nicht mit der Gießkanne über Jahrzehnte hinweg gewachsene Strukturen binnen kürzester Zeit zu zerstören. Ein Verein, egal wie alt er ist, ist ein fragiles Konstrukt. Gerade bei den Insolvenzfällen wird deutlich, wie schnell Fehlentscheidungen die über lange Jahre erfolgreiche Arbeit binnen kurzer Zeit zunichte machen können.
    Hier wurde die neue Kompetenz des DFB genannt. Aber auch Vereine mit nachweislich vorbildlicher Arbeit können gute Gesprächspartner sein.


    4. Ziele planen und Wirksamkeit überprüfen
    Was 10 Jahre gebraucht hat, muß nicht von heute auf morgen radikal geändert werden. Denn nicht alle Wechselwirkungen stehen bei der Entscheidung bereits fest. Deshalb gilt es die Maßnahmen zeitlich zu planen und behutsam umzusetzen. Es können gelegentlich Kleinigkeiten sein (z.B. es wurde vergessen, eine Person in die Projektgruppe einzuladen), die sich als Hemmschuh herausstellen. Denn wichtig für eine spätere praktische Umsetzung ist, das man von Anfang an alle Personen, die es später in die Praxis umsetzen sollen, ins Boot (Projektgruppe) holt. denn autokratische Entscheidungsmechanismen, wie sie zum Zeitpunkt der Vereinsgründung getroffen wurden, treffen im modernen Verein rasch auf Wiederstände mündiger Mitglieder. Die Wirksamkeit eingeleiteter Maßnahmen ist ein weiterer Punkt. Wer sich da etwas in die Tasche lügt, weil er die Dinge gern so sehen will, wie sie (leider nicht) sind, der wird früh scheitern.