Stefan70
Zunächst einmal zu Nordkorea: dort scheint man noch wie in einigen anderen Staaten fest zu glauben, sportliche und politische Leistungen gleichsetzen zu können. Wenn dann beim einen systematisch durch Pfusch nachgeholfen wird, darf man sich nicht wundern, dass das auch in anderen Dingen der Fall ist.
Generell ergänzen sich viele Sportarten. Deshalb würde ich keinen Unterschied im Nutzen einer weiteren Sportart sehen. Egal, ob er von einem Mädchen oder Jungen betrieben wird.
Gerne verwende ich Trainingselemente, die aus anderen Sportarten kommen. Aber hast du dir schon mal die Frage gestellt, warum Handball-Torhüter keine Handschuhe tragen?
Untersuchen wir mal die Argumente!
1. Die Handschuhe müssen dick gefüttert sein, sonst kann ein harter Schuß schmerzen?
Das ist natürlich absoluter Blödsinn, denn die Ballgeschwindigkeit wird nach dem Kontakt mit fast ausgestreckten Armen vor dem Körper über das Heranziehen des Balles genommen. Würde man die Arme ganz ausstrecken und versteifen bzw. die Hände direkt am Körper halten, sodass die Schußgeschwindigkeit nicht genommen wird, spielt die Stärke der Handschuhfütterung keine Rolle. Auch wird man so kaum mal einen Ball festhalten können.
2. Die Handschuhe müsen dick gefüttert sein, um den Ball besser festhalten zu können?
Ähnlicher Unsinn, denn über die dicke Fütterung wird es für den Keeper schwieriger, den Ballkontaktpunkt zu fixieren. Der ist aber wichtig für den anschließenden Bewegungsablauf (Ball an den Körper heransaugen)
Es gibt 2 Gründe, warum der Handballtorwart keine Handschuhe braucht:
1. Weil der Ball nicht nass und rutschig ist
Weil Handball in der Regel heutzutage in der Halle ausgetragen wird, bleiben die Bälle trocken und sind deshalb auch nicht rutschig. Dem Fussball-Torwart hilft der bessere Grip durch die Handschuhe auch nasse Bälle noch einigermaßen gut fangen zu können.
2. Weil der Ball selten gefangen werden kann
Der Handball-Keeper bekommt sehr viele Bälle direkt vom Kreisrand aufs Tor. Aufgrund der geringen Distanz und Geschwindigkeit kann er meist nur eine Hand, einen Arm oder Bein hinter den Ball bringen. Auch darf ihm kein gegnerischer Spieler auf die Pelle rücken, so dass er einen neben oder unmittelbar vor sich abtropfenden Ball durch Nachfassen aufnehmen kann.
Aber nur, weil der Handballkeeper keine Handschuhe braucht, ist sein Einsatz nicht generell anders als die eines Fussballkeepers. Gerade, weil das moderne Spiel immer rasanter wird, kommen die Elemente des ebenfalls schnellen Handballsports zum tragen. Auch der Handballkeeper muß seine Position permanent anpassen und beim Wurf ein sicheres Auge und schnelle Reflexe besitzen.
Weil dem so ist, lasse ich meinen Probanden zunächst einmal ihre Handschuhe ausziehen. Wenn sie gelernt haben, das nicht nur der Kontaktpunkt, sondern der gesamte Bewegungsablauf wichtig ist, dann dürfen sie in der Phase der Verfeinerung die Handschuhe wieder anziehen, um das Risiko des Ballverlusts durch einen rutschigen Ball zu eliminieren.
So, nun aber zurück zu den Spielfeld- und Torgrößen. Genau, wie man für den Kinderfussball kleinere Felder und Tore eingeführt hat, um das Spiel spannender zu machen, sollte es in Anlehnung der anatomischen Unterschiede im Breitensport zwischen Mädchen und Jungen ab der C-Jugend andere, günstigere Spielfeld- und Torabmessungen wählen. Weil Mädchen- und Frauen nicht so schnell rennen können, sollte die Spielfläche geringer sein und weil Mädchen und Frauen kleiner und nicht so muskulös sind, sollten auch die Torabmessungen geringer sind. Ein Frauentor von 6 x 2,2 m halte ich für günstiger als das Herrentor von 7,32 x 2,44 m. Eine Torhüterin, die nur deshalb auf der Linie klebt, weil sie sonst keine Chance hätte, an den Ball zu gelangen, kann sich kaum als mitspielende Torfrau weiterentwickeln.
Nicht jede Mädchen- oder Frauenmannschaft besitzt einen Torwarttrainer, der ihnen ein entsprechend umfangreiches Stellungsspiel sowie spezielle Bewegungs- und Sprungtechniken (z.B. die vorwärtsorientierte Rückwärtsbewegung) vermitteln kann.
Angepasste Größen könnten helfen, den Mädchen- und Frauenfussball schneller und damit auch für die Zuschauer attraktiver zu gestalten. Denn man wird auch nicht durch noch so intensives Training dem Mädchen- und Frauenfussball identische Eigenschaften wie dem Jungen- und Männerfussball verleihen können. Bei dieser Betrachtung sollte immer der Breiten- und nicht der Leistungssport die Maßstäbe setzen!
Heute findet man auf den Plätzen transportable Groß- und Kleinfeldtore. Warum nicht aus beiden Varianten ein in Breite und Höhe variabel veränderbares Tor machen (das sollte die deutsche Ingenieurskunst hinbekommen), um es ohne Hin- und Herschlepperei rasch auf die gewünschte Größe anzupassen?
Bei den Spielfeldabgrenzungen gibts ohnehin keine Probleme mehr, seitdem man bei den Kindern altersabhängige Spielfeldgrößen eingeführt hat.
Weil immer mehr Mädchen und Frauen den Fussball für sich entdecken, wäre eine Anpassung der Spielfeld- und Torabmessungen diesen Sport noch weiblicher machen und für noch mehr Leben in den Vereinen sorgen!
Gerne würde ich dazu nicht nur die Freunde des weiblichen Fussballs, sondern auch deren Gegner hören. Insbesondere, ob sie der Ansicht sind, ob sie sich vorstellen können, dass diese Veränderungen auch eine Wandlung der Sichtweise bewirken könnte?