Hallo Marcel,
damit läßt sich schon etwas anfangen. Kleinere Kaspereien sind im E-Jugend-Alter normal. Du kannst es reduzieren, indem du auf folgende Punkte achtest:
1. kurze, klare und einfache Anweisungen für die nächste Übung/Spielform (keine lange Reden!) Sie können sich noch nicht so lange konzentrieren und signalisieren das durch Albereien und Geschupse
2. Übung/Spielform einfacher gestalten, wenn zu schwierig, bzw. Schwierigkeitsgrad erhöhen, wenn zu einfach
3. Übung/Spielform unterbrechen oder beenden, wenn Spieler ermüdet (erkennt man daran, dass Pässe, Schüsse, usw. nicht mehr präzise sind) dann Trinkpause zwecks Regeneration einlegen
Wenn du als Trainer allein bist, dann solltest du deine Trainngseinheiten mit möglichst wenig Trainingsmaterial planen. Denn dann kannst du die Hütchen/Stangen ect. in den Trinkpausen plazieren. Wenn du das alles vor dem Training machst, dann fliegen die Hütchen bereits durch die Gegend, bevor ihr zu dieser Übung kommt.
Nun zum Torwart:
Früher glaubte man, der Torwart würde automatisch vom falschen zum richtigen Bewegungsablauf gelangen, indem er seine Ergebnisse mit der jeweiligen Koordination abgleicht! Aber Kinder lernen auch nicht lesen und schreiben, in dem man ihnen einfach nur das Schreiben von Buchstaben und Zahlen beibringt!
Deshalb braucht dein Keeper konkrete Hinweise dafür, wie er einen Ball richtig fangen soll. Und damit er die Fangtechnik für einen besseren Ballkontakt einfacher lernt, sollte er zum Erlernen der Grundtechnik die Handschuhe ausziehen!
A. Verletzungsrisiko minimieren
Dazu soll der Torwart seine Finger niemals in Ballrichtung strecken. Denn dann besteht die Gefahr, dass er den Ball auf die Fingerkuppen bekommt und eine schmerzhafte Prellung davon zieht. Die korrekte Stellung der Hände lautet deshalb als Verlängerung der Arme nach unten, nach oben, nach links oder rechts ausstrecken!
B. Wo den Ball am einfachsten fangen
Flache, halbhohe oder hohe Bälle sollten vor dem Körper gefangen werden.
Grundsätzliche Beschreibung der Fangtechnik: Findet der Ballkontakt mit den Händen vor dem Körper (statt am oder über dem Körper) statt, so kann die Ballgeschwindigkeit durch das anschließende Heranziehen an den Körper entsprechend reduziert werden. (Du kannst es deinem Keeper ganz einfach zeigen. Lege ihm einen Ball in den Händen und sage ihm, er soll die Arme weit hochgerechen. Dann drückst du leicht von vorne gegen den Ball und er wird ihm über seine Hände nach hinten entgleiten. Dann gibts du ihm wieder den Ball. Diesmal sagst du ihm, er soll den Ball vor den Körper in Schulterhöhe halten. Dann versuchst du wieder, ihm durch Drücken mit einer Hand den Ball nach hinten hin aus den Händen wegzudrücken, was jedoch nicht gelingen wird)
Spezielle Beschreibungen:
1. Flachen Ball fangen: Beide Arme sollen vor dem Körper sein. die Hände sind nach unten gerichtet, Finger bis auf den Boden und die Daumen zeigen in gespreizter Form aufeinander. In der Beinstellung gibt es zwei Techniken.
Die parallele Beinstellung: der Vorteil besteht darin, dass sie leicht zu erlernen ist. Ein Nachteil ist, dass bei nicht korrekter Ausführung (z.B. Hände sind am Körper) der Ball zwischen den Beinen hindurch rollt.
Seitliche Bein-/Fussstellung: Dabei wird zu der Seite gekniet, vor man der Ball mit beiden Händen fangen will. Das hat den Vorteil, dass ein nicht gefangener Ball am Bein oder Fuss abprallt und im Nachfassen aufgenommen werden kann. Nachteil: es bedarf ein wenig Übung, bis der Keeper die Koordination zu beiden Seiten hin gleichmäßig gut hinbekommt.
2. Mittelhohe Bälle
Allgemeine Beschreibung: bei den mittelhohen Bällen gilt es zu unterscheiden, ob der Ball von oben fallend, frontal gerade aus oder von unten aufsteigend kommt. Davon abhängig sind unterschiedliche Fangtechniken anzuwenden.
Sorry, habe gerade gemerkt, die Geschichte wird jetzt echt zu lang und interessiert vermutlich längst nicht alle! Wenn du gestattest, werde ich entweder dir per PN darauf antworten!
3. Mal werfen sie sich hin und mal nicht
Vermutlich haben viele Trainer mit diesem Phänomen ihrer Torleute "zu kämpfen". Mal wirft sich ein Keeper hin und mal läßt er es! Die meisten Keeper sind "einbeinig"! D.h. sie bekommen die Koordination zur einen Seite deutlich besser hin als zur Anderen. Man erkennt dies daran, dass sie auf der schwächeren Seite auf den Bauch fallen, statt seitlich hinab zu gleiten. Fast immer ist der Bodenkontakt schmerzhaft. Mal hat sich der Keeper das Knie in den Bauch gerammt, mal hat er den Ball in die Magengrube bekommen und mal knallt er mit dem Gesicht auf die Erde.
Generell kann man den Rat geben, alle Übungen mit rechts, wie mit links machen zu lassen. Der Bewegungsablauf führt über des seitliche Abgleichen aus der Sitz-, zwei- und einbeinigen Knieposition, über das Abkippen hin zur Hechtparade. Spezielle Probleme wieder per PN!
4. Stellungsspiel
Ein nicht korrektes Stellungsspiel beobachtet man häufig in dieser, aber auch späteren Altersklassen in 2 Situationen.
A. Der Keeper unterläuft den Ball
Korrektur: Hier gibt es einen kleinen Trick! Man setzt dem Keeper ein Hütchen auf den Kopf und gibt ihm die Aufgabe, das Hütchen während der Übung immer auf dem Kopf zu balancieren. Zunächst wirft man ihm einen hohen Ball zu, bei dem er stehen bleiben kann. Nach 2 - 3 Wiederholungen wird das Hütchen nicht mehr vom Kopf fallen. Dann wirft man ihm einen kürzeren, hohen Ball zu. Jetzt muß er einige Schritte nach vorne machen, um den Ball zu fangen. Dabei wird ihm das Hütchen nach vorne vom Kopf fallen. Nach 2 - 3 Wiederholungen wird er jedoch bemerken, dass er bei aufrechtem Oberkörper und gerade ausgerichtetem Kopf auch diesen Ball gut fangen kann, ohne das ihm das Hütchen vom Kopf fällt. Zum Schluß wirft man ihm einen langen, hohen Ball zu, bei dem er einige Schritte rückwärts machen muß, um den Ball zu fangen. Nun wird ihm das Hütchen nach hinten vom Kopf fallen, weil er in eine Rückwärtsbewegung gelangt. Weil der Bewegungsablauf dafür etwas komplexer ist, wird er mehr Versuche benötigen, bevor es ihm gelingt, das Hütchen auf dem Kopf zu ballancieren. In der Bewegungsstartphase hilft ihm das Hütchen. Denn sobald der Keeper den Ball nicht mehr unter dem Hütchenrand sehen kann, wird er automatisch mit der Rückwärtsbewegung starten. Damit das Hütchen auf dem Kopf bleibt, wird er die Distanz in kleinen Rückwärtsschritten zurücklegen. Um nicht in Rücklage zu geraten und das Hütchen zu verlieren, wird der Oberkörper und Kopf gerade oder sogar leicht vorwärts orientiert ausrichten. Ist die Distanz gut zurück gelegt, wird der Keeper einen Ball, den er vorher nur zufällig mal gefangen und nicht unterlaufen hat, durch Korrektur des Bewegungsablaufs unter Zurhilfenahme eines kleinen Tricks (Hütchen) leichter Fangen erlernen können.
Der eine Keeper braucht mehr, der andere weniger Zeit! Wichtig ist jedoch, dem Torwart viel Mut zu geben und zu Loben. Falls etwas nicht sofort klappt, sollte man an der Stelle unterbrechen, eine Pause einlegen und ggf. andere Übungen machen. Wenn man das Gefühl hat, der Keeper hat jetzt in anderen Übungen gute Fortschritte gemacht, dann gibt das dem jungen Kerl auch den nötigen Mut und das Selbstvertrauen, wieder an einer für ihn schwierigen Aufgabe weiter zu üben!