@Callahan
Nach deiner Beschreibung steht zu vermuten, dass der Ball in Schulterhöhe des Torwarts ankam. Der Keeper hatte zum Zeitpunkt des Ballkontakts seine/n Arm/e vollständig und frontal nach vorn ausgestreckt. Die Hand/Hände ist/sind stark nach oben angewinkelt. Durch diese Körperhaltung wird die Handwurzel besonders stark belastet und es kann zu Verletzungen kommen.
@Fussballbaron
Vielen Dank für deine Gedanken zum Thema. Weil ich nun schon so viele Jahre mit Torleuten arbeite, vergesse ich manchmal Dinge, weil sie für mich selbstverständlich sind, für euch Trainerkollegen aber vielleicht nicht!
Hier nun die Tipps und Hinweise zu deinen Anmerkungen:
1. Dick gefüllterte Handschuhe
In einem anderen Beitrag hatte ich bereits beschrieben, dass der einzige Grund, warum Fussball-Torhüter Handschuhe tragen, rutschige Bälle sind. (So ist beim Handball die Ballgeschwindigkeit genauso groß, wenn auch der Ball etwas leichter ist.) Natürlich gibt es eine "Knautschzone" mit dicken Torwarthandschuhen. Die aber ist so gering, als das man sie vernachlässigen kann. Deshalb könnte es selbst bei dick gefüllterten Handschuhen zu einer Handwurzel- oder Fingerkuppenverletzung kommen, wenn der Keeper den Ball technisch falsch abzuwehren versucht.
2. Stabilisierung der Handwurzel über Klettverschluß und/oder breiterem Band
Dies wirkt sich ein wenig aus, weil dann das Handgelenk nicht so stark angewinkelt werden kann. Es besteht jedoch auch die Gefahr einer zu starken Fixierung, weshalb widerum beim Landen nach dem Hechten die Arme und Hände nicht optimal zwecks Abfedern eingesetzt werden können. Man sollte als Laie auch nicht tapen, weshalb von einer besonders starken Handgelenksfixierung abzuraten ist.
3. Fingerübungen
In der Tat machen erwachsene Torleute Fingerübungen, um die Fingerkraft etwas zu erhöhen. (Das machen Handballtorleute übrigens ebenfalls. Jedoch ist die Auswirkung zur Verringerung von Verletzungen sehr gering.) Überdies ist bei Kindern in der Wachstumsphase die Wirkung gering, weil hier Knochen, Knorpel und Sehnen nicht immer gleichmäßig stark wachsen.
Fazit:
Wenn das Alles nicht so richtig wirkt, was kann man dann machen? TW-Training ist die einzige Möglichkeit, wieTorleute die korrekte Technik und die Reduzierung des Verletzungsrisikos erlernen! Wie sieht sie denn nun aus, die einfachste Form der Fangtechnik eines (schulterhohen) Balles?
Vorab einige Grundregeln für Torwart-Neulinge und TW-Trainer-Neulinge:
1. Demonstration der Hand- und Fingertechnik beim Fangen, Lenken und Fausten
Beim Fangen und Lenken dürfen die Finger niemals frontal zum Ball ausgerichtet werden, sondern nach oben, zur Seite oder nach unten. Beim Fausten soll die Hand die Verlängerung des Armes sein. Die Trefferfläche beim Fausten ist der obere Handflächenbereich (nicht die Knöchel und auch nicht der untere Fingerbereich). Der Arm/ die Arme werden angewinkelt. Der Ballkontakt findet nicht bei vollständiger, sondern noch leicht angewinkelter Armstreckung statt.
Demonstration der Körperhaltung bei der Torwartgrundstellung
Die Demonstration der Torwartgrundstellung ist erst dann erforderlich, wenn aus der Bewegung heraus Bälle sicher gefangen, gelenkt oder gefaustet werden können. Die Grundstellung ist ein vorgelagerter Bewegungsablauf, aus dem heraus die unterschiedlichsten Techniken (später auch Abtauchen, Kippen, Hechten) besonders günstig realisiert werden können. Deshalb heben wir uns das für etwas später auf, wenn wir das Thema: Vermeidung von TW-Verletzungen gut abgearbeitet haben.
2. Bälle werfen, statt schießen
(beim Wurf läßt sich der Balldruck und die Präzisision besser regulieren als beim Schuß; der Balldruck darf erst erhöht werden, wenn die Technik sicher beherrscht wird, sonst besteht Verletzungsgefahr)
3. Keine Torwarthandschuhe anziehen
( Beim Erlernnen von Fang-, Lenk- und Fausttechniken ist die Ballkontaktphase besonders wichtig. Diese sensible Phase der Reaktion nimmt der Keeper am besten wahr, wenn es einen direkten Kontakt
zwischen Ball und Fingern gibt! Wer die richtigen Techniken erlernt hat, kann einen Ball ohne Handschuhe fangen kann. Wer sie nicht kennt, kann es auch mit Handschuhen nicht!)
Übungsbeispiel für das Erlernen des beid- und einhändigen Fangens
TW-Trainer oder Torwart-Neuling positionieren sich ca. 5 m voneinander entfernt und werfen sich Bälle hoch zu!
1. Der TW-Trainer bittet den Keeper ihm einen Ball von unten in einem Bogen hoch zuzuwerfen. Weil bei dieser Wurftechnik der Ball besonders lange in der Luft ist, kann der TW-Trainer seinem Keeper-Neuling
besonders gut die einzelnen Phasen demonstrieren, die da lauten:
- zum Ball gehen bzw. richtig zum Ball positionieren
- Ballkontakt vor dem Körper
- Arme schräg nach oben fast ganz ausstrecken
- Hände zu einem Dreieck formen
- nach Ballkontakt den Ball an die Brust heranziehen und vollständig umfassen
2. die einzelnen Phasen nach der Kontaktphase verlangsamt dem TW-Neuling zeigen
3. Übungen zunächst zum beidhändigen Fangen wiederholen
4. Wenn 3. vom TW-Neuling sicher durchgeführt wird, Fangübung mit einer Hand demonstrieren. Dazu läßt sich der TW-Trainer wieder einen hohen Ball von seinem TW-Neuling zuwerfen und demonstriert die folgenden Phasen:
- zum Ball gehen bzw. richtig zum Ball positionieren
- Ballkontakt vor dem Körper
- Arm schräg nach oben fast ganz ausstrecken
- Finger spreizen und Hand zum Ball führen
- nach Ballkontakt den Ball in kreisförmiger Bewegung von oben nach unten führen und wieder zurück werfen.
Anmerkung: Der Eine oder Andere wird sich fragen, wozu denn der Keeper die Technik des einarmigen Fangens erlernen soll? Man könnte jetzt antworten: wer den Ball mit einer Hand fangen kann, der kann es auch mit Beiden. Daran ist in der Tat einiges! Denn das Ballgefühl und die Koordination zu beiden Seiten hin werden durch die einarmigen übungen besonders geschult.
So, das sollte es zunächst gewesen sein, sonst wird es zu lang und es interessiert keinen mehr!