Ich habe gerade die Beiträge in der "Zeit" gelesen und bin ehrlich gesagt etwas schockiert, weil hier Themen miteinander vermischt werden!
Denn der RAE-Effekt hat nun wirklich nichts mit einer modernen Nachwuchs-Talentausbildung zu tun.
Der RAE-Effekt verhindert in erster Linie, dass Talente mit hohem Potenzial, die jedoch aufgrund ihres späten Geburtsdatums leichte physische Nachteile haben, gar nicht in die Talentförderung aufgenommen werden!!!! Ca. jedes 8. Talent wird deshalb von den Fördermaßnahmen im Verein, den Verbänden und dem DFB ausgeschlossen, weil ihre Trainer und Funktionäre es als oberstes Ziel ansehen, zu jedem Zeitpunkt Siege einzufahren, statt zu jedem Zeitpunkt die systematische Ausbildung "im Griff" zu haben!
Wenn jedoch die deutsche U 21 bei der EM schlecht abschneidet, dann werden hier bestimmte Dinge wissentlich unterschlagen. So sind die Spanier, wie auch die Holländer in der inhaltlichen Gestaltung (insbesondere taktischen Ausbildung) einer systematischen Ausbildung ein Stück weiter als wir Deutschen!
Gewinnen dürfen ist O.K.! Um jeden Preis gewinnen müssen, das hat mit Jugendförderung jedoch wenig zu tun!
Junge Menschen ohne Leistungsdruck (d.h. bestimmte Ziele zu bestimmten Zeitpunkten erreichen zu müssen) zu fördern, das muß das Ziel sein. Sie bringen doch schon ein hohes Maß an Eigenmotivation und Neugier mit. Diese gilt es durch geeignete Trainerimpulse zu stärken. Mut zu geben, statt zu verbieten, Loben statt nur zu kritiiseren, dass es eher Erfolgsgaranten, als permanent mit dem nervösen Daumen rauf und runter zu zeigen. Es gilt zu erkennen, dass es sich um dynamischen Entwicklungsprozess junger Menschen, die durch natürliche Leistungsschwankungen unterliegen, handelt. Statische Ist-Zustandsbeschreibungen an Stichtagen ergeben hierbei immer nur Teilaussagen, denn es gilt den jungen Menschen als Ganzes zu beschreiben. Ein wesentlicher Faktor ist dabei die Persönlichkeitsentwicklung, denn bildet die Voraussetzung, freiwillig und gerne die gewünschten Leistungen abzurufen. Trainer, Funktionäre sollten begreifen, dass sie nicht nur Beobachter sind, sondern in Interaktionen mit den Ausbildenden eingehen. Die jungen Menschen haben einen Lernanspruch! Es lohnt sich in jedem Falle, ihnen gut zu zuhören, statt lediglich in Oberlehrermannier über das, was im Fussball in der Vergangenheit und in Zukunft immer schon richtig war zu predigen. Denn wenn man den jungen Menschen die Mut und die Freiheit zum Experimentieren läßt, dann kann man das seltene Glück erleben, ganz besondere Ausnahmetalenten zuzuschauen, die ihre eigene Spielphilosophie als Gewinn ins Mannschaftsspiel hinein bringen.
