Günter und Anna
Natürlich ist jedes Schicksal individuell zu betrachten, weshalb vor Pauschalisierungen gewarnt werden sollte.
Jedoch geht es mir um die vielfältig nachweisbare Benachteiligung von später geborenen Kindern beim Fussball. Wir dürfen diese Form der Unfairness im Fussball nicht als Kavaliersdelikt sehen, welches nun einmal dem kurzfristigen Erfolg in kauf genommen werden müsse.
Gerade in dem von Anna geschilderten Beispiel wird klar, welche Auswirkungen diese unfaire Leistungsbeurteilung von später geborenen Kindern zur Folge hat. Mit Aussagen: die setzen sich später schon irgendwie durch, ist einem heute 14-jährigen nicht geholfen! Auch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er aufgrund des "Zwergenmobbings" frühzeitig trotz hohem Talentpotenzial aussteigt und dem Fussball verloren geht.
Nach den Schilderungen über die Benachteiligungen beim DFB-Förderkonzept (Wer zu spät kommt, den bestraft der DFB) möchte ich gerne ein paar Worte über die Benachteiligung der vom RAE-Effekt betroffenen Kindern im Jugendleistungsbereich der Vereine verlieren.
Die heutige Kadergröße von Jugendleistungsteams orientiert sich vielfach nicht mehr am Ausbildungsgedanken, sondern an kurzfristigen Saisonzielen! Wie bei dem Erwachsenen-Fussball wird positionsbezogen gedacht. Jede Position soll möglichst doppelt besetzt sein, damit im Verletzungsfall oder einer Formschwankung ein anderer, auf dieser Position geschulter Spieler eingesetzt werden kann. D.h. es gibt einen Stammkader und einen Reservekader.
Im Laufe der Saisonvorbereitung teilt der Trainer die auserwählten Talente in die Stamm-Mannschaft und den erweiterten Kader auf! Letztere bestehen meist aus Spielern, die aufgrund ihrer späteren Geburt physisch noch nicht ganz soweit sind. Die Trainer sehen die Bestätigung ihrer jeweiligen Auswahl darin, dass die Leistungsunterschiede zwischen dem Stamm- und dem Erweiterten Kader immer größer werden. Es kommt ihnen jedoch kaum der Gedanke, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen Training und Wettkampfeinsätzen gibt! D.h. wer trainiert und spielt, kann sich besser weiterentwickeln als wer trainiert und wenig Praxiserfahrungen sammeln kann. Sollte kurzfristig mal ein schlechtes Gewissen auftauchen, wird es dadurch beruhigt, dass es die Anderen ja auch so machen und schließlich nur der Saisonerfolg gemessen würde.
Um diesen Mißstand zu beseitigen, sollte pro Jugendliga vom DFB eine maximale Kadergröße vorgegeben werden. Man könnte eine einfache Altersregelung benutzen, wonach die Kadergröße altersbezogen auf:
U 14 = 14 Feldspieler plus 2 Torhüter
U 15 = 15 Feldspieler plus 2 Torhüter
U 16 = 16 Feldspieler plus 2 Torhüter
U 17 = 17 Feldspieler plus 2 Torhüter
U 18 = 18 Feldspieler plus 2 Torhüter
U 19 = 19 Feldspieler plus 2 Torhüter
begrenzt wird.
Alter gleich Kadergröße läßt sich nicht nur leicht merken, sondern findet auch seine Begründung aus der Realität:
Für eine funktionsfähige Mannschaft sollte es nicht nur Unter- sondern auch Obergrenzen geben. Die Obergrenze soll sicherstellen, dass allen Spielern ausreichend Möglichkeit gegeben wird, regelmäßig Praxiserfahrungen in Wettkämpfen zu sammeln.
Die geringere Kadergröße bei den jüngeren Spielern ergibt sich zum einen aus den geringeren Fehlzeiten durch Krankheit, Verletzungen und Schule (z.B. Ausflug)! Bei den älteren Jugendleistungsteams gibt es einen etwas höheren Kaderbedarf, der sich aus Fehlzeiten durch Schule, Berufsausbildung und Studium, sowie aus Krankheit und Verletzungen ergibt.
Mehr als 2 Keeper braucht auch wirklich kein Team. Denn durch die Einführung der "Kette" und der Regel, wonach der Keeper nicht im 5 m Raum angegangen werden darf, ist die Verletzungsanfälligkeit deutlich zurück gegangen. Andererseits ist die Sammlung von Wettkampferfahrungen gerade für einen Keeper unerlässlich, um sich weiterentwickeln zu können.
Konzeptvorschlag für Jugendleistungsmannschaften:
1. Kaderzusammenstellung unter Berücksichtigung des RAE-Effekts (d.h. Talente sollen gleichmäßig verteilt aus dem gesamten Jahrgang stammen)
2. altesbezogene Limitierung der Kadergröße
3. Kontrolle über regelmäßigen Einsatz aller Kadermitglieder
