Liebe Kollegen,
erfreulich ist sicherlich festzustellen, dass immer mehr Mannschaften gerne mit "Kette" spielen würden, jedoch die Zahl der Trainer, die dieses Spielsystem einigermaßen theoretisch beherrschen, aber auch Erfahrungen bei der praktischen Umsetzung besitzen, noch sehr gering ist!
Wer genauer hinschaut, wird selbst in den Profiligen Trainer finden, die ihren Teams das ballorientierte Spiel nur lückenhaft vermittelt haben und Systemschwächen durch individuelle Stärken versuchen auszugleichen.
Aber der Amateurfussball benötigt nicht diese hohen Maßstäbe, denn hier heißt es normalerweise: gewinnen dürfen, aber nicht gewinnen müssen. Was ist also gegen die Taktik (Plan ein Spiel erfolgreich zu gestalten) einzuwenden? Im Prinzip nichts! Jedoch kann es nicht schaden, sich zuvor etwas intensiver damit auseinander zu setzen und wenn möglich Trainerpartner zu finden, die sich schon etwas besser mit der Materie auskennen. Geht die Umsetzung erst einmal so richtig in die Hose, dass die Jungs sagen: Trainer, das bringt nichts, dann hört man Aussagen, wie:
1. Dafür muß man die richtigen Spieler haben
Gemeint ist der taktische Anfängerfehler, die "Kette" zu hoch zu positionieren, sodass der Gegner bei Balleroberung sofort einen gefährlichen Pass in die Tiefe schlagen kann und der Weg zum eigenen Tor frei ist. Die eigene Abwehr kann aufgrund der zu hohen Position (direkt an der Mittellinie) nur noch mit dem Gesicht zum eigenen Tor verteidigen und deshalb auch keinen Druck auf den Ball ausüben. Weil in solchen Situationen meist der gegnerischen Angreifer mit hohem Tempo anlaufen kann, während sich die eigenen Verteidiger erst einmal umdrehen und dann Tempo aufnehmen können, glauben diese Taktikneulinge im Traineramt, es würde an den zu langsamen Verteidigern liegen.
2. Die Schiedsrichter können damit nicht umgehen
Gemeint ist, dass der Hauptgrund zur Einführung der "Kette" darin besteht, den Gegner ins Abseits zu stellen. Man spielt zwar beim ballorientierten Spiel mit Abseits (nicht ins Abseits), jedoch kann ein fehlerhafter Abseitspfiff genauso gut bei einer Situation mit Libero vorkommen.
3. Weil immer ein Verteidiger "schläft", kann man nicht mit "Kette" spielen
An diesem Argument ist sicherlich etwas, jedoch sind falsche oder zu späte Reaktionen in erster Linie Korrekturinhalte im Training. Denn man spielt nur so gut, wie man trainiert!
Daraus resulitiert: man kann, egal mit welchem Spielsystem genausoviel richtig wie falsch machen! Das liegt einzig am Wissen und Können des Trainers.
Mir ist bekannt, dass z.B. bei Twente Enschede mit hochveranlagten Talenten mit einer 11-er Mannschaft bereits einige Elemente aus dem "ballorientierten Spiel" bei 4 -5 maligem, wöchentlichen Training geübt werden.
Jedoch würde ich einer "normalen U 11" soetwas noch nicht zumuten und mit dieser Altersgruppe eher Technik und individual-taktisches Verhalten trainieren. Beides sind Voraussetzungen, um ab der U 14 behutsam das ballorientierte Spielsystem einzuführen. Wer es selbst zum 1. mal macht, sollte sich einen erfahrenen Trainer dazuholen, der ihm hilft, anhand geeigneter Übungen und Spielformen diese Taktik mit Spaß den Kindern zu vermitteln.
Von einer "Dauerbeschallung" des Trainers, der sich hinter der "Kette" positiioniert, rate ich allerdings ab! Ähnlicher Unfug ist das Verwenden von Absperrband, mit denen die Spieler der "Kette" aneinander gebunden und das seitliche Verschieben kennen lernen.
Fazit: wer glaubt, dass das ballorientierte Spiel daraus besteht, dass 4 Spieler in einer Reihe mit gleichem Abstand untereinander positioniert werden, darf sich nicht wundern, dass das Ganze "in die Hose geht"! Wer allerdings wissen will, ab wann das richtige Alter und in welchen Schritten man die "Kette" einführen kann, der sollte sich vorher intensiv damit beschäftigen! Wenn möglich, sollte er sich einen Trainerpartner suchen, der ihn bei den entscheidenden Schritten hilft! Probiert er es allein und ohne ausreichendes Hintergrundwissen, dann kann er zu den unter 1 - 3 Erkenntnissen gelangen!