Auch ich habe mehrfach erwähnt, welchen Blödsinn ich früher gedacht und auch gemacht habe. Deswegen tue ich mich hin und wieder etwas schwer, einem Anfänger seine Fehler anzukreiden. Es braucht einfach etwas Erfahrung, um sich eine Meinung zu bilden. Meistens macht man etwas nach, wie man es selbst kennengelernt hat. Früher kamen die Trägen, Faulen, Dicken und Dummen ins Tor, damit sie die Anderen nicht beim Fussballspielen störte. Als Training gabs dann pausenlos Bälle aufs Tor gedroschen. Der Torwart war bis einschließlich der D-Jugend eine Schießbudenfigur, den man auslachen oder beschimpfen konnte. Wenn zur C-Jugend Andere ins Tor kamen, klopften sich die Trainer natürlich gegenseitig auf die Schultern, alles richtig gemacht zu haben. Denn die "Neu-Keeper" waren schon nach der Hinserie besser als ihre Alten.
Eine leichte Wende im Denkprozess setzte bei den Trainern älterer Jugendmannschaften ein, die da meinten, der Keeper sollte wenigstens nicht langsamer sein als der langsamste Feldspieler. Aber Fussballspielen brauchte er dennoch nicht zu erlernen. Wenn er dann man technische Übungen mitmachte, wurde kaum Zeit dafür verwandt, um Defizite zu korrigieren. Er war ja schließlich Torwart.
Im Profibereich gab es solange keine Probleme mit den Ausbildungsdefiziten, wie der Torwart noch der "Linienartist" war und die Trafraumbeherrschung nur daraus bestand, mal einen hohen Ball vom Himmel zu pflücken. Jetzt hat sich das Mannschaftsspiel verändert, aber die Torleute hinken hinterher! Denn nur noch selten wird der Ball hoch in den Strafraum geflankt. Sehr viel häufiger ist der Torwart beim flachen Ball im Brennpunkt. Da zittert jeder Mitspieler, Trainer und Fan: erkennt er die Situation rasch, ist er sprintstark genug, um vor dem Gegner am Ball zu sein und kann er den öffnenden Pass für den guten Spielaufbau spielen? Dabei versagen leider auch ein Großteil unserer Profi-Keeper gelegentlich! Grund genug, um als Nachwuchskeeper nicht in Verzweiflung zu geraten, sondern seine Ausbildungsinhalte dem modernen Fussball anzupassen!
Andre, du stehst deshalb gewiss nicht allein vor dem Problem. Bei dir ist aber die Einsicht gereift, das dort etwas schiefläuft. Du hast es über deinen Sohn am eigenen Leibe miterleben dürfen, was geschieht, wenn sich Trainer irren und ihre Ansichten nicht einmal hinterfragen!

