Zodiak
Ich finde es auch ein wenig schade, dass der Leistungsfussball hier so kurz kommt. Aber vielleicht gibt eine größere Resonanz, wenn Uwe die Rubriken eingeführt hat?
So, jetzt zu deinen Anmerkungen
zu 1. Wie spielt der Gegner
Es in jeder Saison im Leistungsfussball wieder das selbe Wettrennen um die schnellstmöglichen Fortschritte in der Spielanlage. Erfahrene Trainer wenden dabei ihre bewährten Methoden an und gehen dabei ein geringeres Risiko als die "Frischlinge"! Aber gerade diese Trainer sind die Würze der Liga und für mich ist es auch kein Wunder, warum sollte Trainer hin und wieder einen "Durchmarsch" hinlegen. Doch für jeden Trainer sind die Möglichkeiten limitiert. Wenn man ein Ausnahmetalent hat, dann hat der in der Hinrunde noch den Kopf frei, um seine Vorteile für die Mannschaft in die Waagschale zu werfen. In der Winterpause kommen dann schon die Souts der großen Vereinen mit verlockenden Angeboten. Um sich einigermaßen über das aktuelle Leistungsvermögen zu informieren, ist es am besten, wenn man sich mit frischen Informationen versorgt. Hat man zum Trainer des letzten Gegners einen guten Draht, dann kann ein Telefon reichen. Wenn nicht, dann kommt man nicht umhin, einen Kollegen dorthin zu entsenden, wenn man selbst keine Zeit hat.
zu 2. Wie geht man mit gegnerischen Top-Angreifern um?
Eine Sonderbewachung ist immer der letzte weg, denn dieser Spieler ist durch seine Aufgabenbindung kaum in der Lage, auch offensive Aufgaben (z.B. Spielaufbau) zu übernehmen. Mein Vorschlag: diesen besonders starken Angreifer ins Abwehrverhalten einzubinden. D.h konkret nur bei gegnerischem Ballbesitz stellt dein ballnaher 6-er den Passweg und dein IV den Ballweg für diesen gefährlichen Angreifer zu. Ist dein Team in der Offensive am gegnerischen 16-er rücken deine beiden IV näher zusammen, wobei einer den Passweg und der Andere absicherend den Laufweg für den gegnerischen Angreifer zustellt. Bei eigenen Ballbesitz agieren der IV und der 6-er ganz normal!
zu 3. Spielanalyse
Die Analyse vor der Mannschaft unmittelbar nach dem Spiel habe ich mir abgewöhnt. Denn man ist auch nur ein Mensch, weshalb die Emotionen hin und wieder den klaren Verstand ein wenig benebeln können. Bei einigen Spielern mag überschwängliche Freude oder zornige Verärgerung über sich oder die Mannschaft die Kontaktdrähte zum Gehirn ebenfalls blockieren.
3.1. Zeitpunkt der Spielanalyse
Ich mache die Anlayse zu Beginn des nachfolgenden Trainings. Zwischenzeitlich habe ich genügend Zeit die Eindrücke des Spiels zu verarbeiten und mich mit Trainerkollegen über deren Eindrücke auszutauschen.
3.2. Ablauf der Spielanalyse
Die Analyse läuft jedoch etwas anders ab, als vermutlich bei den meisten von euch.
3.2.1. Vor eigenem Kommentar Abfrage an die Spieler
Ich frage zunächst in der Runde, wie jeder Einzelne seine eigene Leistung beurteilt.
Für die bekannten Spieler ist es immer auch ein Vertrauensbeweis, dass sie ihre Sicht der Dinge darstellen können. Man erkennt, wie häufig man seinen eigenen Augen nicht trauen konnte, weil sich in der hohen Geschwindigkeit manches doch anders abgespielt hat, wie man glaubte. Dieser "zweite Blick" ist jedoch sehr wichtig zur Gewinnung von Erkenntnissen und dem Wissenstransfer. Sonst bekommt der Spieler einen Hinweis, der beim nächsten Spiel aber "in die Hose geht", weil man nur einen Teil der Situation erkennen konnte.
3.2.2. Erwartete und unerwartete Reaktionen der Spieler
Immer, wenn es neue Spieler in der Mannschaft gibt, ist man von deren Reaktion überrascht. Weil zunächst einmal Scheu davor herrscht, vor der versammelten Mannschaft auch über eigene Schwächen zu sprechen, nehme ich die erst ziemlich zum Schluß dran. Normal ist in dieser Anfangsphase, das Spieler ihre eigenen Leistungen bewußt oder unbewußt falsch einschätzen. Entweder schätzen sie sich zu negativ oder zu positiv ein. Dann gibts noch die, die gar nichts von sich selbst preisgeben wollen und immer nur vom "wir" der Mannschaft sprechen.
3.2.4. Der "zweite Blick"
Genau, wie man sich seine Meinung erst dann bildet, wenn man mindestens 2 unterschiedlichen Seiten gehört hat, sollte man seinen bzw. den Blick des Kollegen mit denen der Spieler abgleichen. Im Verlaufe dieser Anlayse identifizieren sich die Spieler damit, weil sie den Worten der Trainer und Kollegen die Bedeutung zumessen können. Diese Nachhaltigkeit durch das Verständnis der Situationen wirkt sich auf die weitere Entwicklung der Spieler positiv aus. Denn Fussball findet zunächst einmal im Kopf und dann mit den Füssen statt.
4. Integration der Spielanalyse als Übung oder Spielform ins Training
Bei der Spielanalyse unmittelbar nach dem Spiel kann man leicht den Eindruck gewinnen, man habe nun alles zum Thema gesagt und nimmt es auf die leichte Schulter. Aber der Schlußpunkt ist nicht die Analyse, sondern das trainieren von Verbesserungen durch geeignete Übungen und Spielformen. Denn ich integriere nach Rücksprache mit den Trainerkollegen und Spielern diese Punkte durch Übungen und Spielformen ins Training. So macht man die Analyse glaubhaft und so gewinnt sie an Wert. Denn sie hat zu konstruktiven Verbesserungen geführt. Eine Analyse als Bedürfnis, sich als Trainer "Luft zu machen" mag ein emotionales Bedürfnis sein, reicht aber für den Leistungsfussball nicht aus. Denn anders als im Breitensport gibt es Ziele und Zeiträume, in denen diese Ziele bestmöglich erreicht werden sollen.
4.1. Trainieren heißt Improvisieren
Natürlich braucht es Zeit und Erfahrungen aktuelle Erkenntnisse ins Training einzubinden. Auf "sonnenklare Defizite" kann man sich fürs Mannschaftstraining gut vorbereiten. Für "versteckte Defizite" bietet sich das Kleingruppentraining an. Denn dabei kann man sehr viel besser auf den Einzelnen eingehen und die gewünschte Spielsituation präzise provozieren. Um rasch Fortschritte zu erzielen bietet sich widerum das interaktive Training (Frage in der Situation: warum hast du das jetzt so gemacht ... wie könnte man es noch anders bzw. besser machen ...bzw. probier es mal so, wenn Spieler nur mit den Achseln zuckt ...) an.
4.2. Durch Improvisation im Training selbst hinzulernen
Eigenanspruch im Leistungsfussball ist es auch, sich selbst weiterzuentwickln, um wachsende Herausforderungen anzunehmen. Dazu genügt nicht ein Zeitplan und nicht eine häufige Kontaktaufnahme mit interessanten Ansprechpartnern. Dazu gehört zunächst einmal die Weiterentwicklung eigener Trainerfähigkeiten. Ein Teil ist die Lizenz, der andere ist der Transport von Fachwissen. Das Aneignen dieses Wissens ist bei jedem Menschen individuell anders. Eine recht gute Methode ist das Abspeichern von Lösungsbildern im Langzeitgedächtnis. Lösungsbilder einer Situation ergeben sich in jedem Training. Sie können beim späteren Bedarf bei ähnlichen Situationen wieder hervor geholt werden. Wie sagt man so schön: Was man im Kopf hat, das braucht man sich nicht noch extra aufzuschreiben.
Sorry, ist mal wieder viel zu lang geworden!