Beiträge von TW-Trainer

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    Liebe Trainerkollegen,


    nur wenige bekommen die Chance, die Probleme von traditionell entwickelten Sichtungssystemen zu erkennen und sie im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten zu verbessern. Schon vor Jahren wurde angemerkt, dass in Deutschland jahrgangsbezogene Leistungsorientierung erfolgte und ohne den Blick und die Erfahrungen aufs Ziel die Sichtung und Förderung die Talentenwicklung der Suche einer "Stecknadel im Heuhäufen" ähnelt.


    Kleinere Länder können sich diese Talentverschwendung schon seit vielen Jahren nicht leisten, wollen sie auf dem Niveau der "Großen" weiterhin dabei sein.


    Deshalb verläßt man sich dort schon längst nicht mehr auf die Stichtagssichtungen, in denen ein gutes Stück Arbeit der Heimattrainer, nicht jedoch das Talentpotenzial sichtbar wird. Schon fälschlicherweise frühzeitig auf beistimmte Positionen im Spiel fixiert, liefern sie gute Leistungen ab.


    Doch ist der moderne Fussball längst eine Kopfsache geworden, in der Antizipation und Spielintelligenz ganz wichtige Eigenschaften geworden sind. Die günstigen Grundlagen dafür zu erkennen, ist nur in einem geeigneten Zeitrahmen und Trainingsinhalten gegeben. Die Nachwuchsbereiche der Proficlubs sind hier bereits ein gutes Stück vorgedrungen, weshalb man sich hier einen verstärkten Know-How-Austausch zu den DFB-Stützpunkten wünschen würde. Im Bereich der DFB-Koordinatoren sollte es auch so langsam zu einem Generationswechsel kommen, damit eine Neuausrichtung zu den Zielen des moderenen Fussballs nicht in Gefahr gerät.


    Je früher diese Möglichkeiten über Multitasking-Trainingsinhalte die Antizipation und Spielintelligenz anzuregen realisiert werden, desto besser ist das Potenzial auf einem guten Weg zu höheren Ansprüchen. Wohlgemerkt: es geht hier nicht darum, künstliche Stress-Situationen anzuregen. Es geht darum, dem Spieler durch geeigentes Training viele Situtionen zu vermitteln, im aber die Entscheidung zu überlassen, welche Variante er im Wettkampf wählt. Denn, egal ob er die Beste oder Zweibeste wählt, er kann daraus immer lernen, was besser oder schlechter ist. Dies gelingt ihm nicht, wenn sein Trainer via Kommando alles vorgibt!

    Günter


    Natürlich soll hier im Forum jeder seinen Senf dazu geben können. Man redet nur leider manchmal aneinander vorbei oder kommt in einem Thema nicht weiter! Deshalb wurde bereits vor einiger Zeit angeregt, die Themen mit einer Zielgruppe zu verbinden.


    @FB
    In Teilen gebe ich dir recht. So kommen nach meinen Erfahrungen der überwiegende Teil der Profis aus der unteren und mittleren Gesellschaftsschicht. Hier ist die Entscheidung für den Fussball und dem damit verbundenen hohen Risiko geringer, weil es an Alternativen fehlt. In Südamerika findet man auch heute noch Kinder, die ihren Eltern entrissen in den großen Clubs interniert leben und man bereits von Berufsfussballspielern sprechen müßte.
    Im heutigen Jugendleistungsfussball wächst jedoch die Anzahl der Gymnasiasten und gebildeten Eltern. Sie sind im Umgang mit Kritik sensibler geworden, als noch vor Jahren. Es ist abzusehen, dass nur noch mit mehr Geld der Verlockung des Fussballs nicht mehr wiederstanden werden kann. Wo viel Geld verdient wird, da bleibt meist die Moral auf der Strecke. Immer mehr Jugendliche aus den A-Jugend-Bundesligen kommen mit eigenen Spielerberatern daher.


    Im unteren Jugendbereich der Dorfvereine ist es nicht unbedingt fehlende Intelligenz der Beteiligten. Es ist das zufällige Zusammentreffen von unerfahrenen Trainern, Kindern und Eltern. Ohne tiefere Kenntnis entwickelt sich die Brisanz häufig daraus, dass der Kinderfussball nach den Regeln des Erwachsenensports gespielt werden soll.


    Motivation aus Sicht der Kinder kann dann entwickelt werden, wenn sie beim Fussball ihren Spieltrieb ausleben dürfen und nicht gleich in ein enges Korsett von Vorgaben ihrer Trainer gezwängt werden.

    @FB


    Ich mag diese Schwarz-Weiß-Denke eigentlich gar nicht, weil aus ihr immer wieder die gleichen Argumente hervorgehen!


    Ein Arbeitgeber, der Seinesgleichen verteidigt, wird auch hierzulande zu ähnlichen Argumenten gelangen. z.B. dass man als Unternehmer Jobs schaffe und mit dem Geld besser umzugehen wisse als der Staat. Daraus leite sich dann auch das Recht ab, bestimmte Gesetze, die man selbst für unsinnig hält, nicht einhalten zu müssen.


    Wohl in keinem anderen Land in Europa ist man so fortschrittsgläubig und gleichzeitig konservativ wie in der Schweiz. Daraus erwächst das Bedürfnis sich abzuschotten gegen ausländische Einflüsse. Natürlich ist man sich insgeheim bewußt, dass der hohe Lebensstandard nur durch internationale Geschäfte aufrecht zu erhalten ist.


    Man wird jedoch fuchsig, wenn gerade der große Nachbar Deutschland, der ähnlich einiger südeuropäischer Länder für Wirtschaftskorruption hinlänglich bekannt ist, ihnen mit moralischen Ansprüchen kommt! Sind es doch keine Schweizer, sondern Deutsche, die das Geld vor dem Finanzamt verstecken! Sollen doch die deutschen Finanzbehörden besser arbeiten, damit solche Leute gar keine Steuergelder wegschafffen können.


    Aber Moral läßt sich nicht aufwiegen! Ein fader Beigeschmack bleibt deshalb: warum unterstützt die Schweiz diese Kapitalverbrecher, indem sie ihnen die dafür günstigen Rahmenbedingungen gibt? Ist das etwa Neutralität?

    @FB


    O.K. auch, wenns jetzt ein wenig ab vom eigentlichen Thema geht! Stressbewältigung gehört auch zu jeder Managerausbildung. Soweit kann ich dir noch folgen! Leider wird dabei lediglich die Einzelperson in seinem beruflichen Umfeld in Betracht gezogen. Das Privatleben findet eigentlich nicht statt, weil er sein Leben dem Beruf widmen soll. Wenn aber der Manager noch eine Familie hat, die er nicht enttäuschen möchte, dann sind wir wieder genau an dem Punkt angelangt, dass man sein Leben nicht isoliert getrachten kann, sondern das es immer auch Wechselwirkungen im sozialen Umfeld gibt.


    Je höher ihre Macht, je einsamer sind diese Menschen! Nur noch Arbeit kann sie glücklich machen und nur noch damit identifizieren sie sich in ihrer Freizeit. Die wenigsten Topmanager werden alt. Ein ordentlicher Herzinfakt mit 50 sollte es schon gewesen sein, sonst ist man nicht an sein Leistungslimit gegangen.


    Für andere Leser, die jetzt selbst kurz vor einem Herzinfakt stehen: ja, es gibt einen Ausweg - und da hat "FB" hier absolut recht! Aber diesen Ausweg, seine Person nicht aufs Serviertablett der Verantwortlichen tagtäglich verfrühstücken zu lassen, den schaffen die Wenigsten.


    Rezepte bieten Gurus an, wie wäre es mit ein bißchen mehr Ehrlichkeit und Bodenständigkeit? Auch Fussball kann zu einer gefährlichen Religion und Ersatz-Droge werden, denen gerade für junge Menschen leicht verfallen können. Warum sonst erholen sich viele Hoffnungsträger nicht aus einem Leistungstal! Wer interessiert sich für sie, wenn Schule oder Elternhaus Stress machen? Warum werden sie einfach weggeworfen, ihre erfolgreiche Vergangenheit gelöscht und einfach ausgetauscht?


    Es wäre dcoh gut, einen Schlüssel zu haben, um in jeder Phase des Lebens glücklich zu sein?

    @FB


    ... aber nicht wegen dem Druck, sondern weil man ihnen nicht schon im Vorfeld Werkzeuge an die Hand gegeben hat um mit diesem Druck besser umgehen zu können.



    Soll das die Antwort darauf sein:Alain Sutter (Ex CH-National und FC Bayernspieler, zur Zeit Juniorentrainer und Mentalcoach) ganz toll: "Stressfrei glücklichsein".


    Wir Erwachsene können uns "auf Augenhöhe" unterhalten. Ein Kind ist einem Erwachsenen in vielfacher Hinsicht nicht gewachsen und ist ihm deshalb ziemlich schutzlos ausgeliefert. Ohnehin möchte es am liebsten den Willen des Trainers perfekt erfüllen, weil es sich ein positives Feedback wünscht. Ohne es selbst zu spüren, bewegt sich der hochtalentierte Spieler in großen Schritten weiter. Wird es nicht permanent mit der Realität konfrontiert, besteht die große Gefahr, dass es in eine Scheinwelt abdriftet, in der nur noch eines: der Fussball zählt! Genau solche Menschen wollen die Trainer, weil junge Menschen, die zum perfekten Funktionieren gebracht wurden, am leichtesten zu führen und zu manipulieren sind. Während seine Trainer mit stoischer Professionalität ihre Litanei von wegen Anstrengen, Siegergen und Alles Haben Wollen herunterbeten, wächst ein Vertrauensverhältnis der Kinder zu ihrem Trainer. Sie hängen mehr und mehr an seinen Lippen! Er ist ihr Guru, dem sie alles glauben wollen!


    Was aber fängt sie auf, wenn die Leistung nicht mehr stimmt, wenn das positive Feedback plötzlich ausbleibt? Mit welchem Werkzeug im Jugendfussball sollten sie darauf vorbereitet werden?


    In Deutschland ist es übrigens ebenfalls so, dass ein Tel von Talenten eine Berufsausbildung vorzieht. Die Motivation dazu ist jedoch vielfältig. Meist sind des die Eltern, die sich wünschen, dass das Kind auch einen "ordentlichen Beruf" ergreifen soll. Einige BuLi-Vereine stellen ihre Jungtalente vor die Wahl: Ausbildung oder Fussballprofi? Denn Beides gleichzeitig kann kaum jemand schaffen. Etwas anderes ist es mit der Schule (Fall: Julian Drachsler), wo auch die Profivereine zum Schulabschluß raten.


    Auch in Deutschland greift die Erkenntnis, dass der Berufsfussballer ein Tagesgeschäft betreibt! Was schon morgen (z.B. Sportinvalide) beendet sein kann, das braucht auch ein vernünftiges Übermorgen.


    Zu Zeiten eines jungen Uli Höneß war es übrigens normal, dass man zuerst einen Beruf erlernte und dann erst die Profi-Fussballer-Karriere anstreben durfte. Klinski durfte zunächst als Bäckerlehrling nur kleine Brötchen backen, bevor er die Weltbühne des Fussballs betrat.


    Jedoch sollen die heutigen Spieler nach dem Ende der U 19 bereits fertig ausgebildet sein. Die U 23 wird mitlerweile von den Profi- wie von den Leistungsvereinen infrage gestellt, da kaum noch jemand aus der U 23 den Sprung ins erste Team schafft. Dementsprechend haben bereits Jugendliche mit guten Perspektiven Spielerberater. Statt eines Probetrainngs werden Video`s verschickt. Ich will das Ganze gar nicht bewerten, aber kurios ist es schon!


    Fristeten in Zeiten, wo man lieber preiswerte, fertige Spieler aus Südamerika holte, deutsche Talente noch ein Schattendasein, ist im Übergang zwischen Junioren- und Seniorenbereich derzeit viel in Bewegung.


    Bewegungen, die motivieren aber auch verunsichern und deshalb leicht kippen können für die Zielgruppe der Jugendlichen! Aber, wo viel Geld im Spiel ist, da gibt es eben nicht für alle Sicherheit!

    @Uwe


    Ich glaube "FB" Beitrag ringt den meisten hier nur ein müdes Lächeln ab! Jeder, der sich ein wenig schlau macht, weiß doch, dass ein beträchtlicher Anteil der Schweizer Volkswirtschaft durch "Hehlerware-Schwarzgeld" erwirtschaftet wird.


    Die Schweiz verdient dumm und dusselig am Schwarzgeld, denn sie wissen um die Herkunft des Geldes auf den Nummernkonten ihrer ausländischen Kunden und verzinsen es darum weitaus geringer, als es Banken für legales Geld machen. Ohne diese Hehlerware wäre der Wohlstand unter der Schweizer Bevölkerung um einiges geringer!


    Ich würde das Schweizer Volk deshalb nicht als "europäische Sozialschmarotzer" bezeichnen, weil ein Hauptteil aus ehrlich erworbener Arbeit stammt. Aber man sollte nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt!

    Natürlich ist die Freiwilligkeit die Grundvoraussetzung, schließlich ist es ein Hobby.


    Chris
    Ich kann jeden Satz deines letzten Beitrags unterschreiben. Leider sieht die Realität längst noch nicht so aus. Nur ein paar Beispiele, die dies belegen:


    1. Tranferzahlungen für Kinder
    Hier wird das Recht des Vereins über den des Kindes gestellt - Kinder werden als Ware, für die ein Betrag X gezahlt werden muß, behandelt. Sogar ein Profi hat mehr Rechte, in dem er nach Ablauf seines zeitlich befristeten Vertrages ohne Transferzahlung sich einen neuen Verein aussuchen kann.


    2. pietro sagt: "wir müssen für jedes Punktspiel eine Mannschaft stellen."
    Aber dürfen wir uns damit auch das Recht herausnehmen, notfalls auf die Freiwilligkeit der Spieler zu verzichten?


    3. Suspendierung unerwünschter Spieler mit eigenen Meinungen
    Nach dem Motto: wer nicht für mich ist, der ist gegen mich, werden Spieler mit abweichenden Meinungen aus dem Team gefeuert. Dies soll gleich auch ein mahnendes Beispiel für alle Anderen haben, manches doch lieber nicht auszusprechen.


    Weil ich selbst früher viel Bockmist gemacht habe, kann ich mich sehr gut in die Situation hinein versehen, dass man nach dem Bewußtsein traditioneller Werte handeln möchte und dabei selbst kaum noch merkt, wo das Eigeninteresse die Entscheidungen dominiert? Wenn man sich jedoch genug dabei blamiert hat, lebt es sich nach den Erkenntnissen ungeniert!


    Wie leicht wird ein ehrenamtliches Traineramt zur Bürde? Welches Gerechtigkeitsempfinden hat ein Mensch (Trainer), der am Morgen" sein Gewissen am Werkstor abgibt" und abends vor einer Gruppe junger Menschen steht? Gibt es einen Schalter (KiFu), den man umlegen kann, gerad wie es gewünscht ist?
    Wieviel kann man einem normalen Menschen, der nichts anderes als Pflicht und Gehorsam gelernt hat, nachsehen? Wann ist Rebellion (Mannschaft ohne Punktspielbetrieb) der einzige Ausweg?

    @uzunbacak


    So, wie Höneß seinerzeit Trainern, die er feuerte, ein "weiches Kinn" vorwarf, tritt er jetzt mit Tränen in den Augen und einem letzten Medienknall von der Bühne ab. Sogar seine Anwälte mögen nach ihrer Revisionsankündigung über die Entscheidung von Höneß überrascht gewesen sein!


    Es sollte zu denken geben, dass Höneß gerade von den Menschen, die er in den vergangenen Jahren besonders beleidigt hat, noch das meiste Mitleid empfängt! Vermeintliche Mitstreiter und in den Zeiten des Erfolges mitbadenden Freunden zeigen nun ihr wahres Gesicht.


    Unbestritten bleibt das Lebenswerk eines Ausnahmetalents im deutschen Fussball. Daran wird auch dieses Urteil nichts ändern können. Es ist jedoch kein sportliches Urteil, sondern es hat Signalwirkung für Hunderttausende unehrlicher Steuerhinterzieher, die den Industriestandort Deutschland für sich nutzen, jedoch die daraus erwirtschafteten Gewinne nicht versteuern wollen. Denn hätte es hier eine Einstellung des Verfahrens gegeben, dann hätte danach jeder Steuerbetrüger auf einer Postkarte den Satz schreiben können:"ich zeige mich wegen Steuerhinterziehung selbst an" und hätte mit einem maschinellen Formschreiben von der Justiz eine Absolution erhalten.


    Dieser Prozeß hat mehr als deutlich gemacht, das man es beim Thema Steuerhinterziehung im großen Maßstab mit der Spitze eines Eisberges zu tun hat. Aber nicht nur Steuerhinterziehung, sondern auch Steuerverschwendung gehört regelmäßgier und gründlicher Prüfung und persönlicher Verantwortung unterzogen.


    Das Urteil und die Entscheidung von Höneß war nur ein kleiner Schritt für den Sport, aber ein großer Schritt zur Wiederherstellung von Gerechtigkeit. Höneß ist nicht nur für die Steuerhinterziehung verantwortlich. Ich ziehe meinen Hut davor, dass er sich jetzt ohne wenn und aber seiner persönlichen Verantwortung stellt. Ich würde mir wünschen, dass diese Entscheidung eine Signalwirkung für andere Steuerhinterzieher hat, wieder mit Recht in einem Rechtsstaat zu leben!

    Schade, dass die Diskussion ein wenig abgeflacht ist!


    @open minded


    Wenn du deinen Kommentar ernst gemeint hättest, dann hätte ich erwiedert: Natürlich möchte sich jeder täglich verbessern. Mit diesem Spruch: "Ich mache euch jeden Tag ein Stückchen besser", hatte sich Klinsi seinerzeit auf den Trainerstuhl von Bayern München gesetzt. Nenne es Unzufriedenheit oder die Gier nach dem Erreichen neuer Ziele. Obgleich es nur ein Weg ist, den man geht, hat man doch das Gefühl einzelne Punkte erreichen zu wollen. Sie selbst in den Mittelpunkt von allem zu stellen und dabei die Endlichkeit, den Zeitpunkt der Geburt und des sicheren Todes zu vergessen. Das gilt nicht nur für den Sport, das gilt sicherlich für viele Dinge mit Leben.


    Günter
    Schön, dass du auch die längeren Beiträge mitgelesen hast. Das war an manchen Stellen für dich als "geborener Praktiker" sicherlich nicht leicht?


    In den Beiträgen wurde der Versuch unternommen, die Erkenntnisse aus anderen Bereichen, natürlich hauptsächlich aus dem Sport, in kritischer Analyse auf den Jugendfussball zu übertragen.


    So, wie Roland Loy im Seniorenbereich schon vor Jahren anhand von Videoanalysen belegen konnte, das aus Gedankenlosigkeit Zusammenhänge nachgeplappert werden, wo die Praxis zu ganz anderen Ergebnissen kommt.


    Es gibt bereits eine Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten, die sich mit der Theorie und Praxis im Jugendfussball beschäftigen. Doch werden dabei Elemente, die auf den ersten Blick keine Wirkung auf den Fussball zu haben scheinen, meist ausgeklammert. Dazu stehen die sich wiederholenden Aussagen von Profis über ihren Karriereweg in der Jugend im Widerspruch zum gezeichneten Bild (durch den DFB und die Verbände). Hier werden Ergebnisse, die nicht ins Bild passen, lediglich als "Spätentwickler" abgetan! Jedoch geht es darum, dass die vermeintlich Hochtalentierten deshalb scheitern, weil man zuviel Druck ausgeübt hat, weshalb sie meist schon beim ersten Leistungsknick (z.B. Verletzung, Veränderungen im sozialen Umfeld) scheitern.


    Es gilt belastbare Erkenntnisse vom Werdegang der Spitzenfussballer zu gewinnen, um daraus bessere Ausbildungsmöglichkeiten für die die Basis zu schaffen. Vielleicht liest ja gerade ein interessierter Student oder Doktorand mit, der noch auf der Suche nach einem interessanten Diplom- oder Dissertationsthema ist und keine Lust hat, immer nur abzuschreiben :thumbup: ?

    Brechstange


    War mal wieder ein prima Beitrag!


    Aus meinen Erfahrungen gibt 2 siginivikante Fehler in den Messmethoden:


    1. Interaktives Handeln auf Basis emotionaler Beziehungen
    Problem von Messungen besteht immer dann, wenn sich während des Messzeitraum etwas verändert. Dabei meine ich nicht so sehr die Mess-Probanden, sondern die Personen, die die Aufgabe haben, eine Messung durchzuführen. Leider wird dabei nicht berücksichtigt, dass zwischen den Spielern und Trainer ein interaktives Verhältnis besteht, welches nicht so sehr rationale, sondern emotionale Hintergründe hat. Bei manchen stimmt die Chemie, bei anderen nicht. Wie groß ist dieser Einfluß auf das Messergebnis? Wie lassen sich unbewußt wahrgenommene Signale beiderseits überhaupt eliminieren? Ein besonders starkes Abhängigkeitsverhältis wurde bereits in der "Vatertrainer-Diskussion" geführt.


    2. Herstellung kausaler Zusammenhänge durch willkürliche Abhängigheiten und Abgrenzungen
    Schon in der DDR versuchte man die besten Sportler durch wissenschaftliche Unterstützung zu ermitteln. So gab es für Torleute theoretische Idealmaße sämtlicher Körperteile incl. Muskelapparat. Aber selbst darauf verließ man sich nicht, weshalb systematisch mit oder ohne Wissen der Sportler gedoopt wurde. Nicht berücksichtigt wurden ideele Werte und der zunehmende Wunsch vieler Sportler als normale Menschen Meinungs- und Reisefreiheit zu genießen.
    Aber auch die Beobachtungen westdeutscher Sportkarrieren zeigen keineswegs immer einen linearen Verlauf, wie dies bei einer kontinuierlichen Sportförderung zu erwarten wäre. Je höher die sportlichen Anforderungen werden, je mehr sind diese an die Ansichten bestimmter Personen und ihrer Wirkungszeit und nicht an Systemen gebunden. Es wäre fahrlässig, daraus eine dauerhafte Wirkung abzuleiten!


    Wie wichtig ist eigentlich Kooperationsbereitschaft im Mannschaftssport?
    An der ersten deutschen Privat-Uni wurde bei der ersten Aufnahmeprüfung den Prüflingen je ein Umschlag mit Puzzle-Teilen gegeben. Kein Umschlag enthielt die volle Anzahl für ein fertiges Puzzle. Die Aufgabe bestand darin, in Gruppen so schnell wie möglich daraus ein gemeinsames Puzzle zu gestalten. Es zeigte sich die bittere Entschäuschung, dass jede Kindergartengruppe diese Aufgabe mit Leichtigkeit sehr viel schneller erfüllt hätte. Denn immer dann, wenn es um Teamgeist geht, zeigt sich die geringe Kooperationsbereitschaft von Erwachsenen! Denn ohne zu wissen, wie kurz man in der Gruppe vor dem Ziel stand, nahmen sich immer wieder einige Studenten aus der Gruppe das Recht heraus, auch dort Puzzle-Teile zu entwenden, wo man dem Ziel schon ganz nahe war! Wenn man nur bestmöglich gemeinsam ans Ziel gelangen kann, dann scheint Kooperationsbereitschaft wichtig zu sein? Sollte man sie deshalb nicht auch trainieren? Wer hat nicht schon mal gehört: ein Özil und ein Podolski tun nichts für die Abwehr und wollen nur am Toreschießen beteiligt sein?

    open-minded


    Wenn`s ganz eng wird, wäre auch Russland eine Option. Der "Kosacknzipfel" wäre dann die erste Wurst mit nur 1 Ende!


    Nach wie vor fällt es mir schwer daran zu glauben, dass Höneß auch nur 1 Tag hinter Gittern muß. Eher gibt er seinen Präsidententitel ab und macht sich aus dem Staub. Viel wahrscheinlicher, auch wenns zunächst unmöglich erscheint, ist die Einstellung des Verfahrens. Das aber muß erst in der obersten Steuergerichtsbehörde erstritten werden. Was also heute der Staatsanwalt ins Mikro gesabbert hat und bereits durch ein anderes Urteil vom Richter korrigiert wurde, interessierte Höneß und seine Anwälte nicht wirklich, da sie von vornherein mit dem Gang durch die Instanzen gerechnet haben.


    Ich denke, dass Uli Höneß beim Zocken weder seine Fabrik noch Bayern München interessiert haben! Er hatte sich zeitweilig nur nicht im Griff, der Reiz Dinge heimlich zu tun, die man öffentlich nicht zugeben darf, war auch er verfallen. Dies setzt ihn auf einer Stufe mit Christoph Daum und Anderen, die er zuvor und sogar während seiner dubiosen Devisengeschäfte angeprangert hatte.


    Das Aussetzen rationaler Analyse hatte für ihn hohe Folgeschäden, denn ein insgesamter Verlust war nicht eingeplant.



    Er ist aber ein listiger Fuchs, der seine Gesichtsfarbe wie ein Camelion wechseln kann, das hat er schon in vielen heißen Wortgefechten bei Bayern München bewiesen. Dazu passt auch sein gesamtes Verhalten vor dem Gericht.


    Ob im Fall Höneß "schmutzige Wäsche" gewaschen wird, davon wird sein weiteres Wirken abhängen! Denn der öffentliche Druck könnte so stark werden, das er sein Amt als Bayern-Präsident niederlegen muß. Ohne diesen Schutzpanzer wäre auch ein Uli Höneß "vogelfrei"!

    Toto2


    ich hatte schon fast die Hoffnung aufgegeben, dass mich jemand versteht. Danke für dein Feedback. Für mich ist nicht allein die Kadergröße entscheidet (ergibt ist im Breitensport in den meisten kleineren Vereine von alleine), für mich ist der Trainer die Schlüsselfigur. Von ihm hängt es ab, ob die Jungs schon nach einer gewissen Zeit ihren Daumen hoch (hohe Trainingsbeteiligung) oder runter (geringe Trainingsbeteiligung) machen.


    Chris


    Deiner Beschreibung, wonach sich die Menthalität der Jugend ändert, finde ich O.K.! Es fehlt jedoch der Hinweis, dass dies auch bei den anderen Interessensgruppen (Eltern, Trainer) gilt. O.K.? Wer jetzt im Vor- oder Nachteile ist, das möchte ich an dieser Stelle gar nicht weiter vertiefen.


    Bei der Wahl der Kadergröße im Leistungsfussball sollten schon etwas andere Regeln gelten. Beim NFV wurde in der abgelaufenen Saison ein B-Jugend-Leistungsteam als nachrückender Aufsteiger mit großem Abstand vorzeitig Meister. Die Hälfte des Teams spielte zuvor 3 Klassen niedriger. Dazu zählte auch ihr Top-Torjäger. Sogar ein Torschütze (offensives Mittelfeld, jüngerer Jahrgang) konnte sich in den Top 15 eintragen lassen. Es war das einzige Team in dieser Liga-Staffel, dass auf auswärtige Spieler verzichtete. Es handelte sich um einen 18-er Kader. Wer sich die Mühe machen will, kann es sogar anhand der Namenslisten in den Online-Spielberichten überprüfen.


    Ich möchte jedoch hinzufügen, dass es nicht Sinn und Zweck von Jugendtrainern ist, für ihren Verein Meisterschaftstitel zu holen. Primäre Aufgabe ist die Ausbildung. Dafür gilt es die unter den jeweiligen Umständen aus Sicht der auszubildenden Spieler günstigste Rahmenbedingungen zu schaffen. Hierbei hat ein sehr großer Kader eine Reihe von Nachteilen für den einzelnen Spieler, der nach seiner Auswahl durch den Verein ein Recht auf Ausbildung unter Leistungsniveau hat.



    TRPietro


    Ich vermute, das es große Mentalitätsunterschiede zwischen uns gibt? In meinen Umfeld stelle ich wenig Comitements fest, weil sehr Vieles auf Freiwilligkeit beruht. Aber Arbeiten und zur Schule gehen wir hier auch! Im Gegensatz zur Arbeits- und Schulpflicht, sollten die Freizeitaktivitäten (z.B. Fussball) ausschließlich freiwilligen Charakter haben. Das gilt nicht nur für die Vereinsverantwortlichen, sondern auch für die Spieler.


    Normen und Regeln für Freizeitaktivitäten sollten dahingehend überprüft werden, ob sich daraus für alle Interessentsgruppen überwiegend Vorteile ergeben! Das gilt nicht nur für den unteren Bereich, welches durch Regeln der Fairplay-Liga kindgerecht gestaltet wurde, dass gilt genauso für die anderen Bereiche des Jugendfussballs.

    Brechstange


    Danke für deinen Hinweis zu den Sportstudien! Sie sind dann nützlich, wenn man sie der jeweiligen Zeit (Trend, Mode) zuordnet.


    Aber wie will man das "tiefere Bewußtsein" in der "Kohorte" messen? Sollen alle einen Chip inplantiert bekommen, auf dem alle "Regungen" festgehalten werden und dann bei den im nachhinein Erfolgreichen dessen Regungen als Prototyp für alle Nachfolgenden herhalten? Selbst, wenn klar ist, dass Fussball eigentlich Kopfball heißen müßte, weil die Ideen vom Kopf in den Fuss transportiert werden, ließe sich kaum ein gleichartiges Muster der Individuen erstellen.


    Dazu 2 Beispiele:


    1. Frühförderung
    Es ist nach m.E. nicht möglich, einem 12-jährigen eine Erfolgsprognose zu bescheinigen, weil die dafür zu entwickelnden Talente erst im Alter von 15 - 20 Jahren entstehen. Denn erst dann ist das Gehirn in der Lage, in sehr hoher Geschwindigkeit eine Situation zu analysieren und daraus eine schnelle Entscheidung abzuleiten. Dies zu trainieren, wäre eine Aufgabe des Trainers. Es scheint so, als würden sich Aufgaben, bei dem gleichzeitig mehrere Entscheidungen getroffen werden sollen, besonders gut dafür geeignet sind!


    2. Vom Trainer nicht beeinflußbare Faktoren
    Es gibt eine Reihe von Faktoren, die der Trainer nicht beeinflussen kann, jedoch einen Einfluß auf die Entwicklung seiner Spieler haben. Manches verhält sich aus meinen Erfahrungen kontraer zu den Erwartungen. So ist die Zahl überdurchschnittlicher Spieler aus zerrütteten elterlichen Beziehungen siginivikant hoch. Eigentlich müßten sich durch Vernachlässigung eher negativen Leistungserwartungen ableiten lassen?
    Es steht zu vermuten, dass diese Kinder den Fussball als eine Ersatzfamilie brauchen. Weil ihre Eltern als Vorbilder nicht zu wirklichen Kompromissen fähig sind, suchen sie permanent in ihrem Hobby nach Möglichkeiten und Kompromissen, bei denen sie nicht leer ausgehen. Die Flexibilität In der Ersatzfamilie erlaubt es ihnen, auf Konventionen (funktionieren wie es die Eltern wünschen) zu verzichten, Der Fussballplatz gestaltet sich für sie als (fast) einziger Ort, in der sie Freiheit und Freude empfinden! Bei dieser Gruppe würde nur der letzte Teil der Aussage: "Meine Eltern haben mich dabei sehr unterstützt, aber nie unter (Leistungs-)Druck gesetzt", gar nicht zutreffen!


    Menschliche Neugier scheint besonders empfindlich auf Zukunftsversprechen zu sein! Besonders bequem ist es an fertige und als perfekt angepriesene Systeme zu glauben. Wissenschaftliche Studien belegen den Drang nach endgültigen Aussagen! Sie geben jedoch nur eine lückenhafte Beschreibung einer momentanen Situation her. Grund genug, neugierig zu bleiben und auf etwas Gutes zu hoffen!


    Die Diskussion, was es unmittelbar vor dem Spiel noch Gutes für den Trainer zu tun gibt, scheint sich dahingehend zu erleichtern, dass es fast Gar nichts braucht! Ein gewohntes Prozedere, was mit den Kindern vorher abgestimmt wurde und das wars!


    Die Frage danach erschien dennoch sehr wichtig! Denn genauso gut hätte man fragen können: "was willst du in 10 Jahren als Trainer erreicht haben"?

    TRPietro


    Sorry, habe noch ganz vergessen dir zu antworten.


    Nicht ohne Grund habe ich diese Überschrift gewählt, denn in den ersten Jahren meiner Trainertätigkeit habe ich es tatsächlich als Amtsbeleidigung empfunden, wenn ein Spieler nicht zum Training kam.


    Man hatte seine Trainingseinheit für die gesamte Mannschaft geplant und sich bereits im Geiste vorgestellt, wie man sich über die Fortschritte freuen könnte.


    Mit der Zeit mußte ich jedoch erkennen, dass "ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht hatte". Waren bei den ersten Trainingseinheiten noch alle Spieler dabei, nahm die Anzahl kontinuierlich ab, bis sie sich auf eine Standardmenge einpendelte. Auch fehlten besonders die Spieler mit den größten Defiziten.


    Was blieb einem anderes übrig, als enttäuscht zu sein und seine Aktivitäten entsprechend zurück zu fahren?


    Die Kunst eines Trainers liegt jedoch darin, dass die Arbeit erst dann so richtig Spaß macht, wenn Andere meinen, man würde auf der Stelle treten! Es mußte doch Gründe geben, warum so viele Spieler zu den ersten Trainingseinheiten und Spielen kamen? Was sollte es für einen Sinn haben "selbsternannter Abwesenheitskontroll-Sherrif" die Alibis überprüfen?


    Also habe ich den Spieß umgedreht und gesagt, dass ich nur Leute beim Training und den Spielen sehen will, die mit mir Spaß am Fussball haben. Wer keine Lust hat zum Training oder dem Spiel zu kommen, der soll zuhause bleiben. Er braucht mich nicht mal zu informieren.


    Aber auch ich ging mit mir ins Gericht und überprüfte, ob mein Training angemessen war! Der Blick über den Tellerrand half mir sehr. Es half mir dabei sehr, erfahrenen und erfolgreichen Trainern über die Schulter zu schauen und DFB-Fortbildungsseminare zu besuchen. Fortan veränderte ich mein Training in der Weise, dass ich nach und nach Abschied vom Frontaltraining (Trainer macht vor, alle machen nach) verabschiedete und statt dessen in ein variableres interaktives Training überführte. Dies geschah aus der Erkenntnis, dass ich zwar 1 Mannschaft habe, aber nicht einmal 2 Spieler mit den gleichen Stärken und Schwächen. Nur dann, wenn ich das richtige Maß zwischen Forderung und Förderung gefunden hatte, sah ich das Leuchten in den Augen der Spieler. Ich erkannte: jetzt macht es ihnen Spaß. Und ich reflektierte. jetzt macht es auch mir viel mehr Spaß!


    Schon am Tag nach dem Training oder Spiel beobachtete ich bei einem Teil der Spieler "Mangelerscheinungen"! Sie spielten ausserhalb ihrer Trainings- und Spielzeit miteinander auf Bolzplätzen. Auch kam es vor, dass Spieler daraum baten nach dem eigentlichen Training noch weitermachen zu wollen.


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    Wie verändert man die Trainingseinheit, wenn mehr oder weniger Spieler als erwartet, zum Training erscheinen?


    Mit dieser Frage wird jeder Trainer in nahezu jeder Trainingseinheit konfrontiert. Selbst, wenn man ins Training startet, können noch Nachzügler eintrudeln, die eingebunden werden möchten. Das Zauberwort heißt: "Flexibilität"!
    1. Schritt: vor der Trainingseinheit schaut man sich Übungs- und Spielform-Varianten mit weniger oder mehr Spielern anschauen
    2. Schritt: Übungen mit hoher Konzentration und Kraftaufwand an den Anfang des Trainings legen
    2.a. lieber weniger Wiederholungen, dafür aber Wert auf korrekte Durchführung legen
    2.b. Dauer der Übung ist variabel. Sie endet, wenn die Erfolgsquote am höchsten ist (denn danach würde sie abnehmen)
    3. Schritt: Notizen zum Trainingsschwerpunkt lediglich als Roten Faden benutzen, wovon man bei Bedarf abweichen kann (z.B. für eine Zwischenübung)
    4. Spieler für erfolgreiche Ausführung loben, denn mit Lob erreiche ich viel, mit Kritik nur ganz wenig


    siebener
    Ich habe nie im Breitensport gearbeitet, habe jedoch großen Respekt vor diesen Trainern, die sich diesen Herausforderungen stellen.


    Jedoch führt es m.E. in eine Sackgasse, die Menschen im Breitensport und die Menschen im Leistungsbereich in Schubladen zu stecken. Es gibt breite Übergänge. In welche Richtung es geht, dass bestimmt unter anderem auch ihr. Denn es sollte jeder für sich möglichst viel Nützliches mitnehmen!

    siebener


    Ich kenne durchaus Breitensportvereine, auch wenn ich dort nicht Trainer war. Selbstverständlich kommt es auch auf individuelle Verhältnisse im Verein an. Wenn man 21 Spieler hat, dann lassen sich daraus keine 2 A-Jugendteams machen. Aber dieser momante Umstand taugt nicht unbedingt als allgemeine Rechtfertigung für die Mannschaftsstärke.


    Ich gebe dir recht, das sich in der A-Jugend andere Verhältnisse (Studium, Beruf) ergeben als in der B-Jugend.


    Ich war davon ausgegangen, das es hier einzig um die B-Jugend ging! Denn das Thema hieß ja: Lügen haben kurze Beine in meiner B Jugend und du auch die B-Jugend gemeint hast?

    Der Rücktritt von Höneß ist kein Problem für Bayern München. Sammer steht schon bereit. Kloppo muß dann eingestehen, das Sammer nicht sich mehr jeden Morgen beim lieben Gott, sondern bei Höneß bedanken muß, weil er bei den Bayern arbeiten darf!


    Seltsam ist, dass Höneß-Anwälte zu allem Ja und Amen sagen, damit nur der Prozeß schnell zuende geht? Denn man kann nicht zweimal wegen der gleichen Sache angeklagt werden! Aber Uli will auch die WM in Brasilien nicht verpassen.


    Kurz vor der Urteilsverkündung fliegt Uli dann nach Chile (da leben ja schon genug Deutsche, die nicht mehr zurück dürfen) und ist mit einem falschen Paß pünktlich zur WM in Brasilien!
    Nach dem ersten Sieg der Deutschen Natinalmannschaft steigt er ins Taxi und antwortet auf die Frage des Taxifahrer nach seinem Weg: "mich können Sie überall hinfahren, denn mich kann man überall gut gebrauchen!" Aber was wird danach? Will er dann vielleicht Margot Honnecker seine Würschtel anpreisen, nein dann schon eher Bayern-Scout in Südamerika?


    Wie sagte Jurgi noch kürzlich: "Die Uhr tickt, aber der, der sie hört wird auch in Brasilien dabei sein!" Oder glaubt jemand daran, dass ein Uli Höneß auch nur 1 Tag hinter Gittern verbringt?

    siebener


    Die Summe deiner Argumente machen die Nachteile eines zu großen Kaders nicht besser! Einige Argumente, wie Abi, Praktikum treffen die Konkurrenten ebenfalls. Normalerweise läßt sich das Hobby gut mit Schule und Beruf kombinieren. Aber es gibt auch Ausnahmen . Da sollte Schule und Beruf immer Vorrang haben. Bei rechtzeitiger Kommunikation lassen sich solche Situationen organisieren.


    Schon im letzten Beitrag gab ich zu bedenken, dass die Teilnahme oder Nichtteilnahme am Training und Spiel nicht allein vordergründigen Argumenten folgt, sondern auch den Grad der Verweigerung dokumentieren. D.h. haben die Spieler große Lust auf Fussball, dann kommen sie auch dann, wenn sie ein Wehwehen packt. Dann organisieren sie ihre Verpflichtungen so, dass noch Zeit für den Fussball bleibt.


    @ Offtopic für Brechstange
    Ich kenne ein paar junge Leute, die im vergangenen Frühjahr ihr Abi mit 1,0 bis 1,5 bestanden haben. Sie betreiben Leistungsport, teilweise sogar mehrere Sportarten gleichzeitig. Was sie unterscheidet ist, dass sie ihren Alltag präzise organisieren.


    @ wieder siebener


    Auf mich wirken einige Antworten so, als dass eine Reihe deiner Spielern keinen großen Bock auf Fussball hat? Für mich deutet das auf eine sehr geringe Priorität hin, weil vieles Interessanter zu sein scheint. Wenn das so ist, sollte man nach den Gründen fragen und sein Angebot optimieren. Welcher Trainer hat schon Lust mit ein paar Männlein sich im Training zu langweilen?


    Ich verzichte seit einigen Jahren ganz auf Abmeldungen. So weiß ich einigermaßen sicher, dass die die kommen, gerne kommen und nicht aus falschem Solidaritätsgefühl. Aber das allein beschert noch keine hohe Trainingsbeteiligung. Dazu müssen auch die Inhalte bestmöglich zum Team passen. Nur so gibts die richtige Mischung aus Forderung und Förderung. Nur so gibts kaum noch Gründe nicht erfolgreich zu sein!


    Ich möchte deshalb nicht den Anschein erwecken, der m.E. zu große 21-Kader würde allein schon die Trainings- und Spielbeteiligung erhöhen. Aber ich möchte dir gerne ein paar Punkte ans Herz legen, über die es nachzudenken lohnt:


    1. Auch bei einem 18-er Kader wird es Verletzte geben, aber man braucht nur 11 Spieler für ein Punktspiel. Da kann also fast die Hälfte der Mannschaft fehlen und du hat immer noch genug!
    2. Auf der Basis von altersgerechtem Training und zuverlässigem, fairen Wettkampfeinsatz ist jeder Spieler auf jeder Position ersetzbar


    Sollte es tatsächlich mal wegen kurzfristiger Absagen knapp werden, so kann man sich mit Vereins-Trainerkollegen über das Ausborgen der fehlenden Spieler verständigen.


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    Vorbilder:


    Auch im obersten Jugend-Leistungsbereich vertritt man nicht mehr die Meinung, das man in erster Linie auf Basis einen großen Kaders jede Position doppelt oder gar dreifach besetzen muß. Dies mag zwar für die Erreichung kurzfristiger Saisonziele von Vorteil sein, jedoch fördert es die Ausbildung zum "Positionsidioten" (da jeder Spieler nur 1 Position bekleiden kann).


    Der moderne Fussball verlangt jedoch Spieler mit Kenntnissen auf vielen Positionen. Nicht, weil er mal für den Einsatz als Abwehr- und mal als Angriffsspieler in der Mannschaftsaufstellung geplant ist, sondern weil das ballorientierte Spiel alle Spieler situativ auf der gesamten Spielfläche erfolgreich wirken sollen.

    siebener


    Klar gibts eine ganze Reihe von Gründen nicht zum Training und den Spielen zu erscheinen. Jemand, dessen Interessen sich verlagert haben, wird man schwerlich daran hindern können. Bei der A-Jugend machen sich die Auswirkungen des "Turbo-Abi" bemerkbar, weil diese Jungs schon aufgrund ihres früheren Studienstarts beim Training fehlen.


    es ist nicht die qualität des trainings, du kannst hier anbieten was du willst, es ändert sich nichts.


    Wenn es nicht das Training ist, was ist es dann?

    wie sind dritter der LK und haben bei 21 spielern regelmässig nur 8 - 10 beim training.
    die B ist letzter in der LK und ebenfalls bei 21 jungs nur 8 - 10 spieler.


    Hallo? 21-er Kader in der Jugend?


    Wie sollen da alle auf ihre Einsatzzeiten kommen? (Es können doch nur maximal 15 Spieler eingesetzt werden!)
    Wird bei dieser Kadergröße das Team nicht schon zwangsläufig in Stammspieler und Reservespieler aufgeteilt?


    Typische Aussagen der Spieler in zu großen und rein ergebnisorientierte Jugendteams sind:


    "Ich kann machen, was ich will - der Trainer hat eh seine Lieblinge!" - "Der Trainer hat mich angepflaumt, also mache ich erst mal einen auf krank!" "Mich braucht keiner, es sind doch genug Andere da!"


    Aber das sagt dir niemand von den Jungs! Das trauen sich viele gar nicht! Genau deshalb halten sich diese Mißstände, in der Normen aus dem Seniorenbereich ungeprüft übernommen werden, auch so lange! Weil die Jungs es nicht ändern können, stimmen sie durch ihr Fortbleiben mit den Füßen ab. Das eigentliche Ziel des Jugendfussballs und eine umfangreiche Ausbildung mit einem guten Mix aus Training und Wettkampf wird so gleich mehrfach verfehlt!


    In früheren Jahren (als ich noch viel Bockmist gemacht habe, jetzt etwas Weniger) habe ich mich viel über die geringe Resonanz beim Training und den Spielen geärgert. Ich hab`s fast als Ehrenbeleidigung gesehen! Fast immer kam ich auf das gleiche Ergebnis wie du! Irgendwann gelangte ich zur Erkenntnis. Ich kann nicht machen was ich will, sonst haben wir nicht genug Spaß beim Fussball. Die Jungs vertrauen mir und möchten nicht enttäuscht werden. Der Tabellenplatz ist dann sekundär, wenn jeder gern zum Training und den Spielen kommt, weil er weiß, er wird gebraucht! Wer einen 21-er Kader zusammenstellt, der darf sich nicht wundern, wenn ein Teil der Jungs das Gefühl hat, er wird nicht gebraucht!


    Heute habe ich fast 110 % Trainingsbeteiligung, weil auch immer einige Neugierige kommen und gern mitmachen wollen. Bis auf Bettlägerige ist auch niemand total verletzt. Wer seinen Fuß nicht bewegen darf, der kann sich mit dem großen Rest des Körpers trotzdem fithalten. Weil Fussball eigentlich Kopfball heißen müßte, denn die Ideen im Kopf werden auf den Fuß übertragen, kann jeder nicht total Verletzte immer auch taktisch etwas dazu lernen.


    Die Ligazugehörigkeit der 1. Senioren oder der eigenen Mannschaft bzw. Tabellenplatz verlieren meist nach dem 1. Spieltag an Bedeutung, weil sie dann schon normal geworden sind. Nur der Spaß genau in diesem Team, das von tollen Trainern geführt wird, mitzumachen zu dürfen, hat eine längere, positive Ausstrahlung. Schade, dass das immer noch so selten der Fall ist!

    Brechstange


    Es gibt gar keinen Grund, warum du den Mund halten solltest oder? Kritisches Hinterfragen ist allemal besser als gedankenloses Abnicken!


    Natürlich kann auch ich dir trotz langjähriger Erfahrungen kein abschließendes Feedback dazu geben. Aber vielleicht helfen die ein paar wiederkehrende Aussagen von Profis, die den Weg bis ganz nach oben geschafft haben?


    Hier ein paar wiederkehrende Sätze, die mir besonders wichtig erschienen?


    1. In meiner Jugend gab es eine Reihe von Leuten, die sehr viel mehr Talent besaßen als ich
    2. Ich habe mich nicht vom Weg abbringen lassen. Ein negatives Feedback hat mich nicht demotiviert, weil ich an meine Chance geglaubt habe
    3. Meine Eltern haben mich sehr unterstützt, denn ohne sie wäre es gar nicht gegangen. Sie haben mich aber nie unter Druck gesetzt.
    4. Als der Fussball zu meinem Lebensinhalt wurde, vermisste meine Freunde schon sehr. Aber die Wichtigsten sind mir geblieben
    5. Der Fussball hat mir später sehr viel mehr zurück gegeben, als ich mir erträumt hatte.
    6. Ich hatte das Glück zufällig zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle zu sein.


    Weil es sich um Einzelschicksale handelt, ist ein Fazit auf Basis dieser Aussagen nicht möglich. Sie helfen jedoch diesen immer schmaler werdenden Weg wachsender Herausforderung ein wenig zu beleuchten. Erschreckend ist es, wie wenig zuverlässig Leistungen sind. Selbst dann, wenn bessere Rahmenbedingungen (z.B. uCoaching) den Spaß an der Leistung unterstützen sollen.


    Seinen Traum in seinem Beruf zu leben ist sicherlich nicht vielen Menschen vergönnt. Es braucht dazu unvorhersehbares großes Glück. Wenn man nach dem großen Glück sucht, wird man es nicht finden. Wohl der, der sich täglich über sein kleines Glück freuen kann.


    Es sind deshalb sehr bescheidene Hinweise, die wenig Zuverlässigkeit geben. Jedoch geben sie genug Anlaß durch Erfahrungen, einem 12-Jährigen keine Erfolgs-/Mißerfolgsprognose auszustellen. Es gibt da nichts, auf das man sich verlassen könnte! Leider gibt es zu wenig, die das eingestehen. Denn für kurzfristige Saisonziele bzw. egoistische Interessen des Trainers kann man am besten diese hochveranlagten Talente holen. Ob man dabei junge Schicksale verbrennt, ist den meisten doch egal!


    Leider zieht sich diese Form der Leistungsbeurteilung durch den deutschen Fussball, wie ein roter Faden. Deshalb fragte ich bereits an anderer Stelle, wie lange wir uns diese Talentverschwendung noch leisten können? Ich wäre schon zufrieden, wenn man für die Masse mit Breitensport die allwöchentliche "Dorfbundesliga" auf dem Rücken der Kinder endlich abschaffen könnte.

    TRPietro


    Jungs in diesem Alter gehen häufig den Weg des geringsten Widerstands. Will heißen: ihnen ist keine Ausrede zu blöd, um unnötigen Fragen aus dem Wege zu gehen.


    An anderer Stelle hatte ich bereits einmal angemerkt, dass für mich die Spieler wichtig sind, da zum Training und den Spielen kommen. Wenn jemand nicht kommt, dann wird er seine Gründe haben. Die kann er mir sagen, wenn er das Bedürfnis hat, aber er muß es nicht. Was habe ich davon, Zeit damit zu verbringen, wenn sich Aussagen als Ausreden herausstellen? Das führt doch zu nichts. Ohnehin bin es nicht ich, sondern die Eltern, die für die Erziehung verantwortlich sind.


    Bei mir können sie lediglich Fussballspielen lernen! Damit wären wir auch schon beim Punkt angelangt, um den es sich ursächlich dreht. Wenn die Priorität für den Fussball sinkt, dann würde ich zunächst einmal bei mir anfangen und mich fragen:


    1. ist mein Training für diese Altersgruppe interessant und abwechselungsreich?
    2. ist meine Kommunikation für diese Altersgruppe O.K.?
    3. bin ich fair zu den Spielern und achte ich darauf, dass sie fair miteinander umgehen?


    Wenn ich über meine Spieler richte, muß ich auch erwarten, das die Spieler über mich richten. Fällt ihr Urteil negativ aus, so ist zunächst mit einer geringeren Motivation im Training und dem Spiel zu rechnen. Schließlich wird mit den Füssen abgestimmt und man widmet sich interessanteren Hobbies. Die heutigen jungen Leute lassen sich längst nicht mehr so viel von Erwachsenen gefallen. Ein Grund, warum im Breitensportbereich kaum noch Leute in der A-Jugend ankommen.


    Überleg einfach einmal in einer stillen Stunde, was du besser machen kannst. Frag auch regelmäßig in die Runde, ob dein Training und deine Mannschaftsführung O.K. Versuche verloren gegangenen Kredit bei den Jungs wieder aufzuholen. Dann wird die Trainingsbeteiligung wieder steigen. Ja es besteht sogar eine gute Wahrscheinlichkeit, dass Jungs, die man sonst nur noch auf dem Bolzplatz sieht, wieder in den Verein zurück kehren, weil die Priorität für sie dank deiner Arbeit gestiegen ist.


    Das will keiner verpassen!