@FB und Sir Alex
Nachdem wir uns darüber einig geworden sind, dass der RAE-Effekt nicht zu leugnen ist und man ja nach "irgendwelchen Faktoren" seine Entscheidungen zu treffen hat, habe ich ein paar Vorschläge für euch:
A. NLZ-Teams erst ab der C-Jugend
Begründung:
1. Unterhalb der C-Jugend ist ein permanenter Leistungsvergleich mit anderen Teams in der Umgebung nicht möglich. Erst ab dieser Altersgruppe kann man einen Punktspielbetrieb überall auf "Augenhöhe" austragen. In der D-Jugend kann dies selbst in den Ballungszentren nicht immer sichergestellt werden.
2. Geburtsdaten der Spieler müssen bei jeder Sichtung vorliegen.
"Sir Alex": deine Kritiik: " ... die tragen doch nicht ihr Geburtsdatum auf der Stirn ..." ist berechtigt. Weil man aber die Leistung mit dem jeweiligen Alter in Verbindung setzen muß, um den RAE-Effekt zu berücksichtigen und zu einer fairen Beurteilung zu gelangen, müssen die Geburtsdaten bei einer Sichtung zur Verfügung stehen. Bei den Vorsichtungen gibt es meist mehrere Jahrgänge. Auch hier könnte man wesentlich effektiver sichten, wenn zu den Spielern auch deren Geburtsdaten vorliegen. Denn wir wissen ja alle, die "Ausnahmetalente" sieht man sofort. Weil die jedoch selten ausreichen, bemüht man sich um weitere Kandidaten. Hier kann die Berücksichtigung des RAE-Effekts mit dem Geburtsdatum helfen.
2. Synergien statt Konkurrenz
Derzeit machen sich Kreise und DFB-Stützpunkte mit den NLZ der Vereine Konkurrenz, weil sie in den gleichen Jahrgängen Nachwuchsförderung betreiben. Das flächendeckende Fördersystem der Kreise und des DFB eignet sich aufgrund der Heimatortsnähe für die unteren Jahrgänge besser. Nach dem Förderzeitraum sollten die besten Talente in Zusammenarbeit mit den NLZ dorthin wechseln. Dies würde auch die Fluktuation innerhalb der NLZ deutlich reduzieren. Denn wir wissen alle auch, dass nicht der, der Talent besitzt, auch den Fleiß und die Lust für eine weiterführende Förderung hat. Auch sollte die individuelle Situation berücksichtigt werden, statt den frühestmöglichen Wechsel ins NLZ zu favorisieren. Hier wäre etwas mehr Flexibilität notwenig. z.B. man beläßt das Talent noch im Heimatverein, bietet jedoch regelmäßiges Fördertraining an.
3. Entscheidung über Aufnahem eines Talents im NLZ mit gesamten Trainerteam (statt mit Jahrgangstrainer)
Man sagt zwar: Konkurrenz belegt das Geschäft. Man darf es jedoch nicht auf dem Rücken der Kinder austragen. Wir betreiben auch heute schon sehr viel Förderarbeit, jedoch könnte man die Effektivität erhöhen, wenn man miteinander arbeiten würde. Denn wir wissen auch, dass wir noch einen sehr hohen Irrtumsfaktor haben. Mit ihm verbunden sind immer enttäuschte Kinder und Eltern. Sich und den Kindern mehr Zeit für die Selektierung zu gewähren, würde die heute teils noch hektischen Prozesse gleichmäßiger werden lassen. Denn genauso wie die Kinder die Zeit zum "Reifen ihrer Talente" brauchen, brauchen auch wir dafür zuständige Trainer die Zeit unserer Entscheidung. Bei einer auf mehrere Trainerschultern getragenen Entscheidung zur Talentaufnahme verträgt in einer späteren Phase auch mal eine Leistungsstagnation, wo heutzutage noch der Daumen vorschnell nach unten gezeigt würde.
3.a. Internes Jugendförderkonzept verfeinern und Einhaltung besser kontrollieren
Leider gibt es durch meist unnötige Konkurrenz innerhalb des Jugendbereichs unnötigen "Reibungsverlust"! Dies liegt an der fehlenden Detailformulierung in den Konzepten und der damit verbundenen weitergehenen freien Auslegung. Nicht immer dienen die persönlichen Ziele des Trainers auch dem Ziel einer bestmöglichen Ausbildung über den gesamten Zeitraum der Jugend. Auch beim Übergang vom Junioren- in den Seniorenbereich geht noch viel zu viel schief (FB sprach schon einen kleinen Teil der Probleme an)! Aus meiner Erfahrung heraus sind der Jugend- und Seniorenbereich noch zu wenig vernetzt, was seine Ursache in der Schwierigkeit hat, dass sich weder der U 23 noch der Trainer der 1. Seniorenmannschaft so richtig verantwortlich fühlen und der zuständige Jugendtrainer als Nochansprechpartner der Spieler und Eltern häufig viel zu spät informiert wird. Dann aber haben sich einige Hoffnungsträger schon über ihre Berater für andere Vereine (mit wengier Perspektiven) entschieden.
4. Kommunikation unter den NLZ verbessern
Heute kommt es vor, dass ein Talent nicht in ein ortsnahes NLZ gefördert wird, weil andere Gründe zu dieser Entscheidung geführt haben. Bei aller Konkurrenz sollten jedoch die Interessen der Talente stets im Mittelpunkt stehen. M.E. kommt es bei einer in etwa gleichen Ausbildungsqualität der NLZ nicht darauf an, wo und von wem, sondern das das Talent unter den günstigsten Rahmenbedingungen ausgebiildet wird. Allerdings sollte diese Arbeit gerechter als heute entlohnt werden. Denn Nachwuchsförderung kostet auch eine Menge Geld! Auch sind es nicht die Verbände oder der DFB, sondern die Nachwuchsabteilungen der Vereine, die die Profis und Nationalspieler von morgen aufgrund intensiver Arbeit entwickeln!
Ihr wolltet konkrete Maßnahmen für die NLZ: jetzt könnt ihr darüber diskutieren!
Auch, wenn hier vornehmlich die Möglichkeiten der NLZ genannt wurden, gibt es auch bei den anderen Beteiligten Optimierungsmöglichkeiten. Denn wird die Qualitätsverbesserung nicht als interdisziplinäre Aufgabe verstanden und man beharrt darauf, das gefälligst jeder sein "eigenes Säckchen" schnüren soll, so besteht die Gefahr, dass damit die eigenen Fehler als geringfügig, die der anderen Interessensgruppen jedoch als schwerwiegend betrachtet werden. Um sich schrittweise näher zu kommen, bedarf es zunächst der Offenheit, selbst auch Fehler begangen zu haben, statt sie jeweils nur bei den Anderen zu sehen. Dies darf ich aus der Erfahrung, bereits auf verschiedenen Seiten langjährig tätig gewesen zu sein sagen, ist leider das am häufigsten auftretende Problem. Danach folgt auf dem Fusse, das man den Worten keine Taten folgen läßt!