Alle Jahre wieder kommen die Sichtungsthemen hier ins Forum. Das ist auch gut so. Denn unerfahrene Trainer und Eltern können sich hier informieren. Auch erfährt vielleicht der ein oder andere Verantwortliche, was da so in seinem Gebiet getrieben wird.
Fangen wir mal an:
In der Tat gibts eine Reihe von Unterschieden bei der Talentförderung, Auch gibts Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. Da durchzublicken ist manchmal nicht einfach. Und ob das alles so richtig ist, lass ich mal dahin gestellt.
Dennoch möchte ich auf 2 Punkte aus dem unteren Förderbereich eingehen:
1. Kreisauswahl
1.1. Jungen
Dies ist die älteste Form der Talentförderung und wird heute als Vorstufe für den DFB-Stützpunkt gesehen. Das hat Vorteile, hat jedoch auch Nachteile. Ein Vorteil ist sicherlich, dass Kinder, die in ihren Heimatvereinen nicht die Möglichkeit haben, mit gleichaltrigen, ähnlich talentierten Kindern unter der Leitung von lizensierten Trainern einmal wöchentlich zu spielen. Selten kommt es vor, dass auch besonders talentierte Mädchen bei den Jungen in der Kreisauswahl mitkicken.
1.2. Mädchen
Die Mädchensichtung beginnt 1 Jahr später. Training findet 2 x monatlich statt. Spötter mögen nun sagen: aha, Mädchen sind also nicht so wichtig! Nein, der Hauptgrund ist, dass die Mädchen im Schnitt später mit dem Vereinsfussball beginnen.
2. DFB-Stützpunkt
Ca. 12 - 15 Spieler pro Jahrgang werden in den DFB-Stützpunkt aufgenommen. Zwar erfolgt eine weitere Sichtung, jedoch wird meistens der Kern der Kreisauswahl auf dem DFB-Stützpunkt übernommen. An dieser Stelle kann ich KK gut verstehen, der vermutlich nicht ganz so unrecht hat, das ein nachträglich gesichteter Spieler für alle sichtbar mehr Fähigkeiten besitzen soll. Dies läßt sich auch in dem Video einer Endsichtung erkennen.
3. Sichtungsmerkmale
Die Sichtungsmerkmale für die Feldspieler liegen fest. Bei den Torleuten gibt es direkt keine, weil es auch keine verbindlichen Inhalte des Nachwuchs-Torwarttrainings gibt. Hier gibts eine starke Verunsicherung, weil auch die meisten Sichter keinen Dunst haben, was ein Torwart können sollte und wie eine TW-Leistung überhaupt zu bewerten ist?
3.1. Sichtungsmethode
Die Sichtung wird generell so durchgeführt, dass jeder Sichter jedes Kind mal gesehen haben soll. Die Ergebnisse aller Sichter werden nach der Sichtung ausgetauscht. Die hier angesprochene Trainerbeeinflussung durch Lob mag vielleicht bei einem Sichter wirken, wohl aber nicht bei Allen!
3.2. Qualität der Sichtung
Die Qualität der Sichtung hängt natürlich von den Fähigkeiten der Sichter ab. Weil jedoch nicht immer ausreichend Sichter zur Verfügung stehen, helfen teilweise Personen aus, die sonst nicht als Kreis- oder Stützpunkttrainer tätig sind. Ihre Ergebnisse fließen zwar mit ein, jedoch bestimmt letzendlich der verantwortliche Jahrgangstrainer des Kreises oder Stützpunkt, welche Talente fürs Probetraining eingeladen werden.
3.3. Probetraining
Wer einen Anruf zur Einladung eines Probetrainings erhält, darf sich zwar freuen, dass sein Kind berücksichtigt wurde. Jedoch gibt nach ca. 3 Trainingseinheiten eine weitere Selektierung. Zwar gibts jeweils Einzelfallentscheidungen. Jedoch haben die Kinder, die von ihren Eltern und/oder Vereinen nicht zum Fördertraining gebracht werden, wenig Chancen auf eine weitere Förderung. Denn wer nicht da ist, der kann auch nicht ausgebildet werden.
3.4. Trainingstage.
Während das Kreistraining an unterschiedlichen Tagen (je nach Vereinbarung und Resourcen des Trainingsplatzes) geben kann, findet das DFB-Stützpunkttraining in der Regel immer montags Nachmittags statt.
3.5. Verantwortlichkeiten
Für die Kreisauswahlen sind die Verbände zuständig, für die DFB-Stützpunkt der DFB.
3.6. Trainer-Ausbildung für Auswahl-/Stützpunkttrainer
Für die Kreisauswahl genügt die Trainer-Breitensportlizenz, für den DFB-Stützpunkt wird die B-Leistungslizenz angestrebt.
Abweichungen von den einzelnen Punkten kann es geben!
4. Stärken und Schwächen dieses Systems
Selbstverständlich werden Statistiken über die Effektivität dieses Fördersystems geführt und regelmäßig im Rahmen des Bundes Deutscher Fussballtrainer präsentiert. Aber diese Zahlen sagen natürlich wenig darüber aus, wie es insbesondere im unteren Förderbereich wirklich aussieht. Selbst ab der Verbands- oder DFB-Auswahl gibts riesige Schwankungen, die schwer erklärbar sind. Der "DFB-Stützpunkt" ist seinerzeit aus "der Not heraus geboren worden", als das DFB-Teams frühzeitig aus der WM ausschied und die Trainer als Ursache fehlende Qualität des Nachwuchses beklagten. Wir waren im Jahr 2000 so ziemlich das letzte Nationalteam, was noch mit einem Libero (ich glaube Loddar wars) gespielt hat. Ein harter Schnitt war überfällig geworden.
Natürlich hat dieses System jede Menge Schwächen. Auch ist es schwierig ein ausgewogenes Maß dort zu finden, wo nicht alle mitmachen dürfen und man sich auch nicht für Geld hineinkaufen kann. Erfahrene Auswahltrainer berücksichtigen stets auch die Meinung der Heimattrainer. Insbesondere, wenn es sich um erfahrene Leute handelt, die in ihren Heimatvereinen gute Arbeit leisten und immer wieder Talente für die Auswahlen entsenden konnten. Denn es gibt eine Reihe von Faktoren, die diese Stichtungssichtungen beeinflussen können. Für so manches Kind hat die Aufnahme in das Förderprogramm nicht nur Vorteile. Von anschließenden "Spießrutenläufen" der Kinder, die von Neid und sogar Hass begleitet sind, wird berichtet.
Es sind nicht so sehr die Trainer, sondern insbesondere die talentierten Kinder, die sehr viel voneinander lernen. Deshalb sollte jedes Fördertraining mindestens 50 % Fussballspiel mit all seinen Facetten enthalten. Diese Möglichkeit gibt es in den Heimatvereinen nicht, weshalb sich solche Einrichtungen lohnen. Auch bringen die Kinder Fähigkeiten mit in ihre Heimatvereinsteams, wodurch aus die Mannschaftskameraden profitieren. Wir Training haben dabei eine weitaus bescheidenere Aufgabe. Wir sind die Kümmerer und Impulsgeber. Den großen Rest können die Kinder ohne unsere (ständigen) Eingriffe ins Spiel viel besser. So wird in Auswahlteams fast immer ohne Schiedsrichter gespielt, damit die Kinder Fairplay und Verantwortung lernen.
Leider gibt es nach wie vor auch die "Schwarzen Schafe" in der Auswahlarbeit. Denn dort, wo sich die Auswahltrainer die Klinke in die Hand geben, erkennt man einen Zusammenhang zur wechselnden Vereinsherkunft der Kinder und ihrer Auswahltrainer. D.h. wechselt der Auswahltrainer, kommen plötzlich auch die Auswahlkinder aus dem Heimatverein oder befreundeten Vereinen des neuen Auswahltrainers Mancherorts hat man hier einen Riegel vorgeschoben, indem es Auswahltrainer verboten wurde, gleichzeitig Vereinstrainer für die von ihm trainierte Altersgruppe zu sein.
Um die Nachhaltigkeit der Fördermaßnahmen sicher zu stellen, muß man sich auch die Verantwortlichen anschauen. Bewegung ist Leben - so ist das auch im Fussball. Wer keine Ideen mehr auf den Platz produzieren kann, der sollte es anderen Menschen überlassen!