Beiträge von TW-Trainer

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    Betreuer


    Wenn es euer Trainer nicht besser und du weißt nicht verstehst, warum etwas geändert werden soll, dann seit einfach die Kümmerer und überlasst späteren Trainern die technische und taktische Ausbildung. Schließlich haben die Kids noch jede Menge zeit den Fussball zu erlernen. Es sind ja noch Bambinies, bei denen die Bewegung sehr viel wichtiger ist als Tore zu schießen und zu verhindern!


    Es ist zwar schon viele Jahre her, als ich mal auf Bitten eines befreundeten Trainers ein Spiel bei den Bambinis gepfiffen habe. Das Team meines Freundes hatte einen "Partisanen" in der Abwehr. Nach dem 4. Selbsttor habe ich ihm ins Ohr geflüstert, wenn er jetzt nach vorne geht, dann bekommt er nach dem Spiel ein Bonbon von mir. Aber der Knirps war nicht korrupt! Schließlich hatte ihm sein Trainer gesagt, wo er spielen soll und alles Andere kam für ihn nicht infrage. Besagter "Torschütze" spielt nach wie vor einer Gurkentruppe des Vereins. Weil der "Überzeugungstäter" gleichzeitig der Mannschaftsclown ist, nimmt es ihm niemand übel, wenn er mal wieder ins falsche Tor trifft. Manchmal, so wurde mir berichtet, wird er sogar von Mannschaftskameraden abgeklatscht, wenn ihm ein besonders schönes Selbsttor gelingt! Shit happens! But no risk no fun! könnte man sagen, denn auch soetwas gehört zum Fussball!

    Schorsch


    Auch, wenn ich deine Entrüstung durchaus verstehen kann, "die" vom Vorstand dürfen das, weil sie per Wahl die Interessen ihrer Vereinsmitglieder vertreten. Aufhebende Wirkung gibt es lediglich bei Dingen, die geltende Gesetze verletzen.


    Was aber kann man machen, wenn man das Gefühl hat, die Mehrheit der Mitglieder will das so gar nicht. Aber niemand will sich persönlich ins Rampenlicht stellen und gegen den Vorstand aufbegehren. Was kann man da als Einzelner machen?


    Einen Leserbrief in die Zeitung setzen? Zettel für ein Informationstreffen im Vereinsheim verteilen? Daraus eine Interessensgruppe gründen und Plakate im Einflußbereich eures Vereins aufhängen? Das Gespräch mit dem Vereinsvorstand suchen? Es gibt viele Möglichkeiten, seinen Unmut zu kommunizeren!


    Will man jedoch eine Veränderung erreichen, so bedarf es zunächst einer "Welle". Dazu genügt zunächst nur ein kleines Lüftchen: D.h. den Verantwortlichen wird ein Widerstand gegen ihre Maßnahmen bewußt. Um einen Sturm (der Entrüstung) daraus werden zu lassen, braucht es die gemeinsame Kraft von Gleichgesinnten. D.h. es regt sich zunehmender Widerstand im Umfeld des Vereins. Die anberaumten Maßnahmen werden nicht mehr ausschließlich positiv beurteilt.


    Je nach dem, wer hinter den Veränderungen (z.B. Vorstandsmitglieder sind gleichzeitig Sponsoren) steckt, kann die Härte der Konfrontation zunehmen. D.h. es braucht neue Vorstandskandidaten, die für eine Rückkehr des Breitensports im Verein zuverlässig eintreten.


    Wer bereit ist, dafür zu kämpfen, der sollte sich daran gewöhnen, dass mindestens seine Freizeit dafür draufgeht, wenn nicht noch mehr! Sonst war das Ganze nicht mir wie ein "Sturm im Wasserglas"!


    Prüfe, was dir diese Sache wert ist und handle danach. Denn sich beklagen ist immer nur ein Anfang, der durch Engagement auf dem Weg zur Besserung geführt werden kann!

    @Frühlingssonne


    Vielen Dank für die Beschreibungen.


    Einen geraden Erfolgsweg gibt es nicht, genauso wenig wie es einen linearen Absturz gibt! Es ist immer nur die Hoffnung und die Befürchtung, die es so erscheinen läßt.


    Niemand kann bis heute erklären, welche Wechselwirkungen biologische Prozesse (z.B. Einsetzen der Pubertät) und Umwelteinflüsse (z.B. Schule, Freunde, Elternhaus) für Leistungsprünge oder Stagnation verantwortlich sind. Das ist vermutlich ganz gut so, sonst kämen Erfolgsfanatiker auf die Idee, Kinder mit Erfolgsgarantie zu züchten!


    Der Sport, ganz besonders sobald er unter Leistungsbedingungen geführt wird, bringt den jungen Menschen dazu, seinen Alltag zu organisieren. D.h. der Mensch macht da, was er gerade macht, mit größstmöglicher Intensivtät. Doch dazu muß er bereit und freien Willens sein. Hat er das Gefühl, er wird zu etwas gedrängt, was er auch nach mehrmaliger Reflektion für sich ablehnt, so wird er innerlich auf Abstand gehen.


    Gestolpert bin ich über den Nachhilfeunterricht für die Schule im Zusammenhang mit dem Scheitern des nächsten sportlichen Sprungs. Der Mensch kann nur so funktionieren, wie er es möchte. Dazu braucht er keinen Nachhilfeunterricht, sondern die Freiheit sich für oder gegen etwas zu entscheiden, ja auch Fehler machen zu dürfen. Günter schrieb: " ... in vier Wochen will er schon etwas anderes ..."! Genau das heißt sich ausprobieren zu dürfen, statt funktionieren zu müssen. Man kann den Kindern ihr Leben nicht vorleben, mag es noch so gut gemeint sein. Statt permanent zu fordern (Schule, Fussball) sollte gerade dann die Familie ein Hort sein, in der sich das Kind wohlfühlt, weil es so sein darf, wie es gerade sein möchte.


    Im Entwicklungsprozess zur Selbständigkeit gilt es zu unterstützen. Was das Beste fürs Kind ist, läßt sich weder am Schulabschluß, noch an der Fussball-Liga messen, sondern wobei es sich glücklich fühlt. Dieses Glück läßt sich nicht erzwingen, denn ihr seit die Berater.


    Selbst nach vielen Jahren im Fussballgeschäft, in der ich eine Reihe von Fussballkarrieren begleiten durfte, die teilweise bis zur Nationalmannschaft führten, könnte ich auch heute kein Erfolgsrezept geben. Seit einfach geduldig, besonnen und begleitet sie in Freud und Leid. Seit einfach ein Heimathafen, wenn es von seinen kleinen und großen Abenteuerreisen heimkehrt!


    Niemand muß der Beste sein, aber Jeder darf es!

    Günter


    Auch, wenn wir jetzt ein wenig vom eigentlichen Thema abdriften! Es gibt im Fussball immer mehrere Möglichkeiten, die sich lediglich in ihrer Qualität ein wenig unterscheiden. Deshalb ist es wichtig, dass die Kinder früh genug lernen, dass es nicht allein ankommt, mehrere Möglichkeiten zu erkennen, sondern sich rasch für Eine zu entscheiden. Ob es dann die Beste, Zwei- oder Drittbeste war, ist dabei zweitrangig! Denn was nützt es, wenn ich mich nicht entscheide, aber im Nachhinein die beste Möglichkeit erkannt habe! Im Fussball, insbesondere im Leistungsfussball passiert alles rasend schnell, weshalb der Abgleich mit ähnlichen Situationen aus dem Langzeitgedächnis und der Entscheidung für eine Variante im Bruchteil einer Sekunde gedanklich passieren (müssen)! Nur dann lohnt es sich die dafür erforderlichen Muskeln in Gang zu setzen, denn sonst ist der Gegner über alle Berge!

    tobn


    Erst einmal vielen Dank für deine Mühe.


    Weil der Geburtstag kein Grund für Talentiertheit ist, müßten sich die Elitejahrgänge entlang der Normalverteilung des jeweiligen Geburtsjahrgangs hangeln. Da jedoch wenige Personen einer Jahrgangs-Nationalmannschaft mit einer sehr viel größeren Menge des gesamten Geburtsjahrgangs verglichen wird, kann es selbstverständlich zu Schwankungen kommen, die nur durch Zufalligkeiten erklärbar sind.


    Bei der Analyse des RAE-Effekt konnte jedoch nachgewiesen werden, dass die Auswahlen der jüngeren Jahrgänge sich vornehmlich aus Spielern der ersten Geburtsmonate zusammen setzten. In späteren Jahren glich sich dieses Verhältnis jedoch weiter an die Jahrgangs-Geburtsverteilung.


    Es gibt übrigens auch andere Interpretationsansätze des RAE-Effekts aus anderen Ländern oder den Verhältnissen aus früheren Zeiten.
    Danach entwickeln sich Babies besser, wenn sich die Mütter während der ersten Monate vitamin- und abwechselungsreich ernähren können. Diesen kleinen physischen Vorsprung von Kindern mit besserer Nahrungsversorgung in den ersten Monaten ihres Lebens könnten sie über eine Weile von Jahren aufrecht erhalten. In den "Industrieländern" hat jedoch der weltweite Handel dafür gesorgt, dass übers gesamte Jahr ausreichend vitaminreiche Nahrungsmittel zur Verfügung stehen, sodass dieser Faktor wohl keine Rolle mehr spielt. Hier dürfte das Lebensalter eine entscheidende Rolle für den physischen Vorsprung sein.

    @open minded


    In früheren Jahrzehnten gab es eine Reihe von "Intuitiv-Spielern", denen man keine besonders große Intelligenz nachsagte. Mit ihrem Talent der trickreichen Schnelligkeit konnten sie sich für höchste Aufgaben empfehlen, da es lediglich darum ging, seinem Gegenspieler (der meist auch nicht schlauer war) im Ermüdungskampf zu bezwingen.


    Heute nimmt die Kommunikation schon seltsame Züge bei Trainern, die sich auch im Leistungsfussball tummeln, an. Da erklärt ein Trainer seiner Übungsgruppe nach einem hochintensiven Einheit in praller Sonne, sie mögen sich bitte auf den Rasen setzen und "reagieren". Das Hinsetzen haben ja noch alle kapiert, aber das der Trainer die Begriffe "reagieren" und "regenerieren" nicht sortieren konnte, was zunächst schon etwas hinderlich.


    Aufgrund der komplexer gewordenen Aufgaben durch die Einführung des ballorientierten Spiels tummeln sich überwiegend Gymnasiasten im oberen Jugendleistungsfussball. Weil jedoch erst im obersten Trainerlizenz-Bereich ein Schulabschluß als Voraussetzung notwendig ist, kann es hier schon mal passieren, dass der Trainer seine Spieler nicht versteht, weil die nur so mit Fremdworten um sich werfen.


    Jedoch ist es nach wie vor wichtig für einen Trainer das Geschehen auf dem Rasen gut analysieren zu können. Dazu ist es wichtig, sich über den Erfahrungsschatz hinaus permanent weiterzubilden, um sich nicht "für dumm verkaufen zu lassen"!

    Steini


    Ich finde deinen Beitrag prima, weil er andere Seiten der Trainerarbeit (technische Ausbildung) beleuchtet, die jedoch nicht im Wiederspruch zur Rotation stehen, sondern nicht allein die Mannschafts- sondern auch Einzelleistungen ihr Lob verdienen.


    Über den nachfolgenden Absatz bin ich jedoch gestolpert:


    quote='Steini','index.php?page=Thread&postID=87910#post87910']Keeper: Keine andere Position hat derart koordinative und kognitive Anforderungen wie diese Position. Dazu erfordert es von einem Knirps Mut und Entschlossenheit. Das sollte man nicht verachten ! Kniet euch mal im Training bei G-F im Tor bei Ecken oder so hin und spielt mit. Spätestens wenn ihr eine Traube im Strafraum vor euch habt stellt ihr fest, was die Kinder für eine Situation vor sich haben. Da braucht es schon Mut sich auf den Ball zu stürzen. Ist aber jetzt nur ein Aspekt.
    Diese Bewegungserfahrung sollte man keinem seiner Spieler vorenthalten. Bevor der Einwand kommt: Wenn jemand partout nicht in die Bude will, ist das kein Ding.[/quote]


    Bis heute wird auf den DFB-Ausbildungsfolien der Mut als besonderes Torwart-Merkmal beschrieben. Wenn es soetwas gäbe, dann müßte man den jeweis den Einfältigsten in der Mannschaft ins Tor stellen, denn der macht sich noch die geringsten Gedanken! Angst ist ein zuverlässiger Partner, sich in Gefahrensituationen klug zu verhalten. Genau deshalb besitzten gute Torleute genau die gleiche Angst wie jeder Andere auch. Doch im Gegensatz zu den "Schießbudenfiguren" und "Torlinienakrobaten" haben gute Torleute das große Glück gehabt, diese Postion schmerzfrei und mit Spaß an den vielfälitigen Aufgaben kennenzulernen.


    Nachfolgend findet ihr die häufigsten Fehler mit schmerzhaften Folgen:


    1. TW soll Finger niemals in Ballrichtung ausstrecken.
    Begründung:
    a. der Ball kann auf die Fingerkuppen prallen und zu schmerzhaften Prellungen und Brüchen führen
    b. durch die fronale "Rohrstellung" von Händen und Armen zum Ball, wird das Leder bei stärkerem Druck hindurchrutschen und entweder mit fast voller Wucht vor den Körper, ins Gesicht und meist auch im Tor landen




    2. TW soll auf korrekte Arm- und Handstellung (leicht angewinkelte, nach vorn fast ausgestreckte Arme, wobei die Handflächen die Armverlängerungen bilden. Nach Ballkontakt mit beiden Händen gleichzeitig erfolgt das Heranziehen an den Körper und das Umklappen der Handgelenke zur Ballsicherung am Körper) achten
    Begründung:
    Der Ball soll immer vor dem Körper gefangen werden. Nur so kann dem Ball nach der Kontaktaufnahme die Geschwindigkeit genommen und sicher gefangen werden. Wird versucht, den Ball direkt am, über oder neben dem Körper zu fangen, so prallt das Leder mit voller Geschwindigkeit auf die Körpertrefferfläche.
    Hin und wieder sieht man sogar bei gestandenen Leistungskeeper nach unten ganz ausgestreckte Arme. Diese Position ist jedoch nur in der finalen 1 gegen 1 Situation als "Dreieckbildung" korrekt. Denn wird der Ball hart über Schulter oder Kopf des Keepers geschossen, so dauert es bei ganz nach unten ausgestreckten Armen meist zu lang, bis sie den Ball in dieser Schußposition abwehren können. Durch diesen technischen Fehler kann der Ball u.U. mit voller Wucht das Gesicht des Keepers treffen und u.U. zum Nasenbeinbruch führen. Bei mittlerer Distanz sollten die Arme in mittlerer Höhe angewinkelt parallel zum Körper geführt werden. Denn nur so ist der Arm-Weg zu allen 4 Richtungen gleichlang.


    Bei TW-Anfängern sieht man häufig, dass sie bei hohen Bällen nicht hochspringen, um den Ball vor dem Körper zu fangen, sondern in ausgestreckter Armposition verharren. Selbst, wenn der Ball so noch mit den Fingerspitzen berührt wird, landet er meist trotzdem im Tor. Dafür können Prellungen oder sogar Brüche durch die Überdehnung der Finger zu langanhaltendem Schmerz führen.


    3. TW soll korrekt Abrollen (d.h. schräg nach vorn (ca. 45 Grad, wobei die Fußspitze die Fallrichtung zeigt) über Oberschenkel, Hüfte und Schulter. Dabei Arme lang lassen und den gefangenen Ball nach der Landung am Körper sichern
    Begründung:
    Wer mit beiden Füssen in Ballrichtung wie eine "Bahnschranke" zur Seite fällt oder hechtet, wird die volle Härte des Untergrunds spüren. Eine Abart dieses Fehlers kann sogar bei gestandene Keepern im Senioren-Leistungsfussball beobachten. Dies führt in aller Regel zu Schürwunden an den Unterschenkeln. Sie resultieren daher, das nicht die Fußspitze die Richtung vorgibt, sondern während des Hechtens der Unterschenkel zur Richtungs- und Geschwindigkeitskorrektur eingesetzt wird. Durch die Sprungschubkraft können dabei Hautabschürfungen entstehen. Man kann es ihnen abgewöhnen, braucht jedoch sehr viel Geduld, weil dieser Bewegungsablauf bereits automatisiert ist und zunächst im Kopf via Zwischenschritte die Korrekturen verinnerlicht werden müssen.


    Fazit: Ein Keeper, der sich nicht wird ins Getümmel stürzt, sondern auf auf eine günstige Gelegenheit (wenn der Ball gerade frei ist) wartet, ist ein guter Torwart, weil er erfolgreich handelt und sich bei dieser Aktion nicht verletzt.


    Allein diese Beschreibungen sind Gründe genug, auch der DFB-Philosophie von: der Torwart trainiert die Mannschaft, die Mannschaft trainiert den Torwart" als puren Blödsinn zu entlarven. Auch durch Rotation werden die schmerzhaften Erfahrungen nicht weniger! Es bedarf das fachspezifische Wissen von Trainern, um ohne erhöhtes Verletzungsrisiko den Spaß an dieser Postion zu entwickeln.

    Gringo


    Nicht nur im Fussballspiel, sondern bei jeder Form des Spiels gibt es Situationen, in denen ein oder mehrere Spieler eigene Vorstellungen haben, die vom Standard abweichen. In aller Regel spricht man kurz darüber, erklärt es und weiter gehts. Aber es kann auch Ausnahmen geben.


    Ein Beispiel (besonders schwacher Spieler) einer Ausnahme wurde bereits genannt. Als Ausnahme-Maßnahme wurde gesagt, dass dieser Spieler weniger rotiert, weil er länger als Andere braucht, um eine Situation zu erkennen und für sich Möglichkeiten des aktiven oder passiven Eingreifens zu finden.


    Natürlich kann es auch andere Beispiele geben, wie z.B. ein deutlich geringeres Lauftempo aufgrund von motorischen Störungen oder deutlichem Übergewicht. Auch hier kann eine Verringerung der Rotationshäufigkeit helfen. Aber früher wurden diese Kinder entweder ins Tor gesteckt oder auf einer Außenbahnposition versteckt! Die sollten den Trainer nicht bei seinem rein ergebnisorientierten Spiel stören! War das vielleicht besser?


    Das Konzept der Rotation mit dem Ziel der umfassenden und abwechsungsreichen Ausbildung kommt der kindlichen Neugier dann nahe, wenn es der Trainer mit Augenmerk betreibt. Eine Rotation mit der Steckuhr wäre dabei genauso falsch wie eine rein nach Spielerstärken fokusierte Mannschaftsaufstellung. Schließlich soll der Spaß im Mittelpunkt stehen!


    Die Jugendzeit ist die einzige Zeit der Ausbildung. Was dort versäumt wird, kann in aller Regel nie mehr nachgeholt werden! Klar ist der erste Schritt als Trainer daran etwas zu ändern immer schwer, weil ja alles früher immer irgendwie funktioniert hat und man nicht sofort Verbesserungen (z.B. homogene Mannschaft) erkennt. Aber mittelfristig werdet ihr die Vorteile dieser Methode der Rotation erkennen.


    Uns Menschen zeichnet es aus, das wir Irrtümer erkennen können und daraus lernen. Aber es gehört auch Mut dazu, eine Tradition über Bord zu werfen, um ein neues Abenteuer zu wagen! Ich würde mir wünschen, das die Zweifler hier sich zur neuen Saison ein neues Ziel stecken, die Rotation einfach einmal auszuprobieren und über ihre Erfahrungen zu berichten.

    @Lion


    Gut, dass du dein Anliegen gepostet hast, denn mit diesen Fragen bist du nicht allein.


    So läßt sich der Zweck des Trainings darin beschreiben, das hier neue Fähigkeiten erworben oder verbessert werden können. Das Wettkampf-Spiel dient dazu, die im Training erworbenen Fähigkeiten unter Gegnerdruck auszuprobieren. Deshalb ist es vollkommen normal, dass je nach Entwicklungsstufe die Fehlerquote anfangs hoch und später geringer wird. Erkannte Fehler im Wettkampfspiel gehören jedoch ins Training. Denn nur hier besteht die Möglichkeit der Detailerklärung und Übung. Davon haben die Kinder allemal mehr, als wenn der Trainer versucht, durch allerlei Kommandos sein Team zum Sieg zu brüllen. So manch ein siegesvernarrter Trainer wird nach dem Gewinn der Meisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg rasch ernüchternd feststellen, dass seine Jungs und er den nun höheren Herausforderungen nicht mehr gewachsen sind. Denn es ist ein Irrtum, wenn man glaubt, dass nicht Trainierte im Spiel nachholen zu können.


    Ich denke, nunmehr dürfte klar sein, dass die Trainerarbeit nur dann nachhaltig ist, wenn man seine Aufgaben strukturiert.


    Halt, da war doch noch die Frage, ob denn das Kind seinen Fehler überhaupt reflektieren kann, wenn es erst Tage danach beim Training darauf aufmerksam gemacht wird? Zunächst einmal sollte man unterscheiden, ob es zufällig oder generell falsch gemacht wurde. Bei Letzerem wird es das Kind auch beim nächsten Training falsch machen, weshalb sich jegliche Diskussion darüber, wie er es denn im Spiel gemacht hat, in Luft auflösen. Aufgabe des Trainers ist es nun, mit seiner Trainingsgruppe an Verbesserungsmöglichkeiten zu arbeiten. Es ist nicht Aufgabe des Trainers, diesen Spieler der Mannschaft als Deppen zu präsentieren.


    "Fokus" hat am Beispiel die Aufgabe "Kopf hoch" ganz ausgezeichnet als Trainingsaufgabe beschrieben. Es soll erreicht werden, dass der ballführende Spieler beim Dribbling den Ball und gleichzeitig die Gegner und Mitspieler im Blick hat. Dahinter können sich eine ganze Reihe von Aufgaben verbergen (z.B. die Techniken der engen und beidfüssigen Ballführung). Ganz besonders eignen sich dabei "Multitasking-Übungen", in denen optische und akustische Signale während des Dribblings richtig verarbeitet werden sollen.


    Aufgrund der Beschreibung von "Fokus" dürfte jetzt jedem klar sein, dass "Kopf hoch" kein Coaching, sondern eine Trainingsaufgabe ist oder?

    Günter


    Ja, da hast du wohl recht, diese selbsternannten Experten mit "Fernseh-Bundestrainer-Lizenz" gibt es auch! Selbst ein 4 Augen-Gespräch gestaltet sich schwierig. Denn die verstehen unter Meinungsaustausch, dass zu zwar mit deiner Meinung ins Gespräch gehen darfst, aber gefälligst mit ihrer Meinung wieder hinaus gehst.


    Man muß je nicht immer und jederzeit alle 11 Freunde um sich haben, aber es muß einen Kompromiß des gegenseitigen Respekts geben.

    Coach11


    Wer sich als Trainer für den Leistungsfussball entscheidet, der lernt nicht nur mit den Freuden, sondern auch mit den Tücken des Alltags umzugehen. Natürlich ist diese offene Geste mit Gewaltandrohung nicht üblich.


    Denn überall dort, wo nicht alle mitmachen dürfen, bahnt sich ein emothionaleer Schmelztiegel unterschiedlicher Ansichten. Aber auch unterschiedliche Versuche, sein Kind irgendwie in den Kreis der auserwählten Elite zu lancieren. Manche probieren es mit "Speichelleckerei, Gewaltandrohung oder Korruption." Typische Beispiele unserer geistigen Elite sind die erkauften Titel, wenn nur Geld und Einfluß, aber nicht genügend Verstand vorhanden ist.


    Will auch das nicht gelingen, probiert man`s mit Mobbing! Läßt den Trainer auch das kalt, dann vergreift man sich an dessen Kinder, die fortan zum Mobbing abschußfrei gegeben werden. Das ist zwar nicht die feine englische Art, jedoch sonnt man sich im Gefühl des Sieges, wenn dieser Trainer schließlich aufgibt, weil ihm seine Familie wichtiger ist. So manch ein Bundesliga-Trainer hat um Vertragsauflösung gebeten, weil der persönliche und familiäre Druck zu groß wurde.


    Das Frustschütten über die Nichtberücksichtigung ist dabei noch eine der harmloseren Varianten. Mobbing der Trainerkinder (die nicht mal Fussballspielen) ist eine weitere Variante erzürnter Eltern, dessen Kinder überall die Erste Geige spielen sollen.


    Und klappt es nicht beim ersten mal, diesen Trainer in die Wüste zu schicken, dann probiert mans mit weiteren Psycho-Tricks. Wichtig dabei ist immer, dass man irgendetwas und sei es im Privatleben findet, was diesen Trainer zunächst unsympathisch und schließlich auch inkompetent erscheinen läßt.


    Je höher es hinaus geht, je mehr Neider versammeln sich zum Koalitionen zu schmieden. Manchmal ist der Trainerstuhl schon angesägt, noch bevor man sich das erste mal darauf setzen kann.


    Mit dem Fußball im Breitensportbereich hat soetwas kaum noch etwas zu tun und das ist auch gut so!


    Wie kann man diese Situationen verbessern? Denn ich glaube, diese Aktion hat weder der Mutter noch dir Spaß gemacht!


    Leider ist es üblich, nur die selektierten Talente darüber zu informieren, dass und warum sie fürs Team ausgewählt wurden. Doch ist es genauso wichtig die Kinder und ihre Eltern zu informieren, was zur Nichtberücksichtiung führte. Dabei sollte klar formuliert werden, dass es sich herbei lediglich um eine aktuelle Leistungseinschätzung handelt, für die eine Förderung auf deutlich höherem Niveau definitiv zu früh käme.
    Ein paar konkrete Hinweise, an welchen Defiziten weiter trainiert werden sollten, können als Orientierungshilfe dienen. Ebenso klar sollte transportiert werden, dass es immer eine zweite Chance gibt! Denn so, wie man sich verabschiedet, so trifft man sich wieder. Ein Abschied im Zorn kann mit der Zeit heilen, aber ein Abschied aus Desinteresse, der heilt fast nie!


    Man darf bei all den sportlichen Zielen niemals vergessen, dass man es mit Menschen zu tun hat, die man nicht auf ihre fussballerischen Fähigkeiten reduzieren darf. Jegliche Vergleich mit anderen Personen sollten unterbleiben, weil sie nicht zielführend sind. Jeder sollte das Recht auf seine Entwicklung besitzen. Ob dies jeweils ausreichend, um in einer Auswahl-Vereinsmannschaft zu spielen, das steht auf einem ganz anderen Blatt.

    gustl


    Da mußt du was mißverstanden haben beim FPL. Den Kindern ihr Spiel zurückgeben, heißt keineswegs sie durch äußere Abwesenheit zu ignorieren. Das Team coachen heißt:


    - nicht ins Spiel hineinrufen, denn wenn die Kinder nicht mehr frei entscheiden dürfen, sondern die Trainerkommandos ausführen sollen, dann können sie die im Training erlernten Fähigkeiten gar nicht im Spiel ausprobieren
    - sich um die Kinder kümmern, denn wenn man ihnen Mut macht, sie anfeuert, dann können sie über sich hinauswachsen
    - Vorbild sein, denn besonders in Situationen, die Kinder verunsichern (z.B. Eltern rufen ins Spiel) brauchen sie eure Hilfe und Unterstützung


    Trainer der Bambini und F-Jugend sind in der Hauptsache die "Kümmerer", die gute Rahmenbedingungen schaffen. Deshalb seit ihr nicht nur erste Ansprechpartner für die euch anvertrauten Kinder, sondern auch für deren Eltern. Denn auch die wollen (bis auf die Minderheit, die lediglich eine günstige Gelegenheit suchen, ihre Kinder anderweitig beaufsichtigen zu lassen) als Coaching-Partner ernst genommen werden.


    Dabei versteht es sich von selbst, dass die Kommunikation stets in ruhiger, entspannter Athmosphäre verläuft. Dazu braucht es jedoch ein wenig Erfahrung. Wer "neu im Trainergeschäft ist", tut sich leichter, wenn er sich zunächst mit "neuen Fussballweisheiten" zurück hält und die Eltern durch geschickte Fragestellungen ins Geschehen einbindet. Denn diese meist fussball-unerfahrenen Eltern sehen zunächst nur ihr Kind. Mit eurem Verständnis kann es gelingen, sie mitsamt ihren Kindern zur Mannschaft um die Mannschaft werden zu lassen. Mit wenigen Ausnahmen freuen sich die Eltern darüber, ins Team eingebunden zu werden und werden im Laufe der Zeit die unterschiedlichen Facetten des Fussballs kennenlernen und an eurer Seite sein.


    Jugendtrainer brauchen nicht nur interessierte Hobby-Spieler, sie brauchen auch ihre Eltern als Hobbyinteressierte. Die Aufgaben ergeben sich dadurch von ganz allein.

    gustl


    Da mußt du was mißverstanden haben beim FPL. Den Kindern ihr Spiel zurückgeben, heißt keineswegs sie durch äußere Abwesenheit zu ignorieren. Das Team coachen heißt:


    - nicht ins Spiel hineinrufen, denn wenn die Kinder nicht mehr frei entscheiden dürfen, sondern die Trainerkommandos ausführen sollen, dann können sie die im Training erlernten Fähigkeiten gar nicht im Spiel ausprobieren
    - sich um die Kinder kümmern, denn wenn man ihnen Mut macht, sie anfeuert, dann können sie über sich hinauswachsen
    - Vorbild sein, denn besonders in Situationen, die Kinder verunsichern (z.B. Eltern rufen ins Spiel) brauchen sie eure Hilfe und Unterstützung


    Trainer der Bambini und F-Jugend sind in der Hauptsache die "Kümmerer", die gute Rahmenbedingungen schaffen. Deshalb seit ihr nicht nur erste Ansprechpartner für die euch anvertrauten Kinder, sondern auch für deren Eltern. Denn auch die wollen (bis auf die Minderheit, die lediglich eine günstige Gelegenheit suchen, ihre Kinder anderweitig beaufsichtigen zu lassen) als Coaching-Partner ernst genommen werden.


    Dabei versteht es sich von selbst, dass die Kommunikation stets in ruhiger, entspannter Athmosphäre verläuft. Dazu braucht es jedoch ein wenig Erfahrung. Wer "neu im Trainergeschäft ist", tut sich leichter, wenn er sich zunächst mit "neuen Fussballweisheiten" zurück hält und die Eltern durch geschickte Fragestellungen ins Geschehen einbindet. Denn diese meist fussball-unerfahrenen Eltern sehen zunächst nur ihr Kind. Mit eurem Verständnis kann es gelingen, sie mitsamt ihren Kindern zur Mannschaft um die Mannschaft werden zu lassen. Mit wenigen Ausnahmen freuen sich die Eltern darüber, ins Team eingebunden zu werden und werden im Laufe der Zeit die unterschiedlichen Facetten des Fussballs kennenlernen und an eurer Seite sein.


    Jugendtrainer brauchen nicht nur interessierte Hobby-Spieler, sie brauchen auch ihre Eltern als Hobbyinteressierte. Die Aufgaben ergeben sich dadurch von ganz allein.

    Zodiak
    Ich mußte über deine Beschreibung schmunzeln. Bis auf wenige Ausnahmen geht es allen Trainern im Leistungsfussball so, dass sie es zunächst allen recht machen wollen, jedoch erkennen, dass das Ziel, hierbei eine klar definierte Position einzunehmen, immer weiter in die Ferne rückt. Nun ist es normal, dass man sich am anderen Rand ausprobiert, in dem man die Grenzen sehr eng setzt. Du hast erkannt, dass etwas geändert werden soll und probierst es gleich aus!


    Auch der Umgang mit komplizierten Charakteren (z.B. Spieler und Eltern, die für sich Sonderrechte verlangen) gehört ebenfalls zum Leistungsfussball, will aber gelernt sein. Man ist nur solange Teamspieler, solange es einem persönlich nützt. Dabei ist fast jedes Mittel recht, den Konkurrenten auszuboten. Höflich ja, jeden ernst nehmen, aber keinen Zweifel an Entscheidungen lassen. Aber du bist weiß Gott nicht der Erste, der über derlei Dinge gestolpert ist. Man kann sich besser einen Spieler aussuchen, der etwas weniger Veranlagung mitbringt, jedoch bereit ist, den gemeinsamen Weg zu gehen, als sich von einem "Genie" am langen Arm verhungern zu lassen!


    Man muß lernen Wichtiges von Nebensächlichkeiten zu unterscheiden, sonst bleibt zu wenig Zeit für die eigentliche Arbeit. Kleinigkeiten zeichnen sich dadurch aus, dass sie schon am nächsten Tag ihre Bedeutung ganz verlieren. Typisch ist auch, dass jeder alles aus seiner Sicht schildert und man erst dann eine ernste Sache gut einschätzen kann, wenn man die Betroffenen gehört hat. Man muß 1000 Dinge lernen, die einem vorher im Traum nicht eingefallen wären! Deshalb braucht man ca. 2 Jahre, um sich mit typischen Situationen einigermaßen sicher umgehen zu können. Diese Zeit mußt du dir einfach geben!


    Aber es hätte weitaus schlimmer kommen können! Stell dir mal vor, du wärst sportlich überaus erfolgreich gewesen! Dann hätte es im Umfeld keinerlei Widersprüche gegeben. (Naja bis auf die, die über Jemanden, der übers Wasser geht sagen: nicht mal schwimmen kann er!) Denn wer Erfolg hat, der hat ja bekanntlich immer Recht! Nur hättest du die Welt spätestens dann nicht mehr verstanden, wenn in einer Saison der Erfolg ausgeblieben wäre. Eine Reihe von Trainern geben dann auf, weil sie nicht wissen, was sie ändern müssen, um wieder Spaß an der Trainerarbeit zu haben. Präventiv ist es wichtig, seine Arbeit und sich selbst von zeit zu zeit reflektieren. Dazu sind die Fortbildungen sehr gut geeignet. Aber man muß lernen, unmittelbar nicht dem Spiel abschalten zu können und frühestens am nächsten Tag mit der Anaylse zu beginnen. Denn erst, wenn sich die Emotionen über Sieg oder Niederlage gelegt haben, kann man mit klarem Versand die Optimierungsmöglichkeiten erkennen. Darum gehts im Jugendfussball: jede Saison ist auch ein Wettrennen, wer seinem Team die größten Fortschritte erzielt. Dort, wo das Team auf einem Leistungslevel verharrt, wird die Rückrunde schwierig!


    Leider wird nach wie vor während der Lizenzausbildung deshalb so wenig gemacht, weil die DFB-Lehrer im Leistungsbereich selbst sehr wenig eigene und auf die heutige Zeit bezogene Erfahrungen einbringen können.


    Aber es ist auch ein Fehler, sich selbst nicht die Zeit zu gewähren, um diese Fehler zu machen und daraus zu lernen! Denn nur dann geht man gestärkt daraus hervor und weiß ähnliche Situationen zukünftig besser einzuschätzen.


    Irgendwann in nicht allzulanger Ferne wirst du die Position gefunden haben, in der du dich am wohlsten fühlst und in der du autentisch ist. Dann ist der Spaßfaktor eng verknüpft mit dem Leistungsgedanken und du freust dich auf die nächste Herausforderung. Hab also noch ein bißchen Geduld! Das wird schon noch!

    Günter


    Man muß sicherlich den "schlechten Trainer" definieren. Ansonsten wäre jeder Trainer, der vom Verein seiner Aufgaben entbunden würde, ein schlechter Trainer. Denn hin und wieder sitzten die schlimmsten Betonköpfe auch im Vorstand. Ihnen genügt es, dass irgendjemand gefunden wird, der den Trainerjob für die Jungs macht!


    Wenn jedoch die Erwartungen von Trainer und Mannschaft sehr weit auseinander liegen, können so ganze Jahrgänge einer Dorfmannschaft aus dem Verein vergrault werden. Zum Glück finden die meisten eine Heimat in einer anderen Sportart. Aber der Schaden ist für den kleinen Verein irreparabel.


    Ralf Klohr hatte eine gute Idee, um das Problem zu reduzieren. Er schlug vor, dass Trainer ohne Ausbildung lediglich Freundschaftsspiele mit ihren Teams veranstalten dürften. Nur ausgebildete Trainer mit der Verpflichtung zur fortwährenden Weiterbildung dürften mit ihren Mannschaften am Liga-Punktspielbetrieb teilnehmen.


    Ich halte die Idee deshalb für gut, weil hierbei endlich auch die Bedeutung des Kinderfussballs hervor gehoben wird. Die Ausbildung des Trainer ist zwar immer noch keine Garantie für eine gute Anwendung. Jedoch dürften Situationen der Überforderung aufgrund mangelnder spezifischer Fussball-Kenntnisse dann nicht mehr die Hauptursache sein.


    Es gibt jedoch keine guten Trainer "von Geburt an"! Man muß ihnen auch Zeit zum lernen geben. Sehr gute Erfahrungen gibt es damit, Spielern ab der C-Jugend die Chance zu gewähren, als Co-Trainer im unteren Jugendbereich erste Erfahrungen zu sammeln und parallel dazu in die Trainerausbildung zu starten. Für Jugendliche, die dann irgendwann nicht mehr aktiv kicken wollen, ist der Trainerjob dann immer noch eine gute Allternative. Denn diese Leute identifizieren sich nach wie vor für den Verein, sprechen dank des geringeren Altersunterschieds die Sprache der Kinder und können sich so im selbstbestimmten Tempo an die wachsenden Herausforderungen heran machen. Das klappt aber nur dann, wenn sich die Vereinsverantwortlichen auch den Co-Trainern dankbar erweisen.

    Günter


    Um die Dimensionen des Herren- und Frauenfussballs plakativ beschreiben zu können, hat der HSV seine Frauenmannschaften aus der 1. und 2. Bundesliga abgemeldet, um sich einen weiteren Bankdrücker für die 1. Herrenmannschaft finanzieren zu können.


    Bei den Mädchen und Frauen gibts noch soetwas wie Amateurfussball im Leistungsbereich. Dennoch war die B-Juniorinnen-Bundesliga war spannend wie ein Krimi, aber auch eine "schwere Geburt"! Sie war notwendig geworden, um nicht international den Anschluß zu verpassen. Denn der Frauenfussball hatte sich international technisch und taktisch weiterentwickelt. Sie war aber auch notwendig geworden, weil kaum eine Nachwuchsspielerin direkt den Sprung in die 1. Mannschaft einer Frauen-Profimannschaft schaffte.


    Zunächst war eine zweigeteilte Bundesliga geplant. Aufgrund der geplanten Uhrzeiten für die Spiele hätte es eine Reihe von Auswärtsspielen mit Anreise am Vortag und Übernachtung am Spielort gegeben. Für Spielerinnen (meist Schulmädchen) eine sehr hohe Belastung, da in der Woche kaum aufgrund der Kombination von Schule und 3 x wöchentliches Training eine Regeneration möglich. Auch hagelte es zunächst Auflagen(z.B.Stadien mit min. 500 Sitzplätzen, Dopingraum, Mannschaftsarzt. usw.), die kaum jemand erfüllen konnte. (In einem anderen Thread zur Selektierung von TW-Trainern sprach ich schon davon, dass der DFB seine Klientiel manchmal gar nicht kennt - hier gab es ein weiteres Merkmal für die Realitätsferne)


    Erschwerend kam hinzu, dass man sich gar keine Gedanken über die Nachhaltigkeit dieser B-Juniorinnen-Bundesliga gemacht hatte. Nur in NRW gab es schon eine B-Juniorinnen-Regionalliga. In Niedersachsen gabs eine B-Juniorinnen-Bezirksliga. Hierfür konnte man sich an- und abmelden. D.h. eine sportliche Qualifikation war nicht nötig. Um jährlich ein gleichbleibendes Leistungsniveau in der Liga zu gewährleisten, kickten sehr erfolgreiche B-Juniorinnen schon damals in den Jungenligen. Also wurde jeweils eine Verbands-B-Juniorinnen-Liga installiert, in der sich die Mädchen für die neue Bundesliga qualifizieren konnten.


    Schließlich ist aber doch noch etwas Vernünftiges aus der B-Juniorinnen-Bundesliga geworden. Es gab eine Dreiteilung, um nicht so weite Anfahrten zu haben. Fast in allen Verbänden gab es mindestens 2 Startplätze, so dass das Know How im Verband nicht gänzlich beim Abstieg eines Teams verloren ging. Die Rahmenbedingungen schraubte man schließlich auf ein "erträgliches Maß" herunter.


    Ein gutes B-Juniorinnen-Bundesliga-Team nimmt es problemlos mit einem Frauenteam aus der obersten Verbandsliga auf. Und wer ein Taktik-Freak ist, dem kann ich den Besuch eines B-Juniorinnen-Bundesligaspiels wärmstens empfehlen. Ihr werdet garantiert auf eure Kosten kommen!


    Aber auch die teilnehmenden Vereine mußten sich etwas einfallen lassen. Denn trotz guter Vereinsarbeit wuchs der Aufwand für die Logistik des Trainngs- und Spielbetriebs. Doch anders wie beim Juniorenbereich gibt es hier viele echte ehrenamtliche Helfer und vor allen Dingen Trainer mit Herz, die sich gegen das "Schmerzensgeld für die Herren-Dorfbundesliga" und für das Ehrenamt im Mädchen- und Frauenleistungsfussball entschieden haben.


    Zwei Jahre nach der Einführung der B-Juniorinnen-Bundesliga läßt sich sagen, dass es dank dieses Wettbewerbs eine Reihe hoffnungsvoller Talente direkt in den Frauen-Profibereich geschafft haben. Aber auch für die ortsnahen Frauenleistungsvereine gibt es genügend gut ausgebildete Spielerinnen, die ihre Teams bereichern. Auch, wenn noch nicht alles rund läuft, kann man die Projekt B-Juniorinnen-Bundesliga als positiv bezeichnen.


    In seinem Sog entstehen jetzt C-Juniorinnen-Auswahlspielerinnen-Teams. Den Spielerinnen fehlen in ihren Heimatvereinen die Möglichkeit Leistungsfussball zu spielen. Erschwerend kommt hinzu, dass ihnen das Mitspielen bei gleichaltrigen Jungen häufig verwehrt wird, weil diese Vereine ihre Mädchen lieber als Hilfskräfte fürs Essen und Trinken statt auf dem Fussballplatz sehen.


    Sie spielen gegen gleichaltrige Jungenteams der Kreisebene. Dort versuchen sie die physische Überlegenheit der Jungenteams durch ihre technischen und taktischen Stärken zu kompensieren. Man könnte die Leistungskurve während der Saison mit der eines Berges vergleichen. In den ersten Spielen haben die Mädchen das Nachsehen, weil sie sich zunächst an das körperbetonte Spiel der Jungen gewöhnen müssen. Haben Sie sich daran gewöhnt, dann werden sie von Spiel zu Spiel erfolgreich, weil sie Ball und Gegner laufen lassen. Zur Rückserie hin holen die Gegner jedoch durch starken Zuwachs an Körperlänge und Muskelkraft auf. Haben die Jungen die Schwächen der Mädchenteams erst einmal erkannt, dann wird der Vorteil der höheren Geschwindigkeit gnadenlos ausgenutzt. Doch diese Mädchen gelingt der Sprung in den hohen B-Juniorinnen-Bereich sehr viel einfacher!


    Im Gegensatz zu den Jungen ist im Mädchenbereich sehr viel mehr an Bewegung. Gerade, weil es hier (noch) keine starken Limitierungen durch die Verbände gibt, probiert man Neues und sammelt Erfahrungen. Auch unsere niederländischen Nachbarn (bei denen es erst seit 1 Jahr eine sogenannte Frauen-Profiliga gibt) wollen davon provitieren und schicken ihre Mädchen und Frauen, ja sogar Trainer zum lernen nach Deutschland.

    Günter


    Eigentlich war mein Hinweis auf die Beurteilung von Spieler auf den jüngeren Jugendbereich bezogen. (Hatte unlängst die Aufgabe talentierte Nachwuchstorleute zu beurteilen. Dabei vielen alle Keeper durch, die schon während der Bambies als Stammtorwart gespielt hatten.) Es soll davor schützen, schon Kinder als Positionsidiioten auszubilden und ihnen damit Chancen für spätere Interessenswechsel zu nehmen.


    Unstrittig ist, dass Menschen besondere Fähigkeiten besitzen. Diese Talente gilt es rechtzeitig zu erkennen und zu fördern und ist unsere Traineraufgabe. Natürlich immer vorausgesetzt, der Spieler will es so!


    Ich will ein paar Fälle kurz beschreiben, damit es verständlich wird:


    1. Fall:
    Der Junge hatte es auf seiner Position bereits in die Jahrgangs-Nationalmannschaft geschafft. Irgendwann hatte er jedoch keinen Bock mehr auf Torwart und wurde zwar spät, aber noch nicht zu spät zum Angreifer ausgebildet, in der er es immerhin zum Stammplatz in der 2. Bundesliga brachte.


    2. Fall:
    Beim gestrigen Länderspiel gabs mit dem Dortmunder Durm ein weiteres gutes Beispiel dafür, was man mit einem Talent machen kann? Der Junge war als Angreifer zum BVB gekommen. Aufgrund der Verletzungen im Defensivbereich wurde er kurzerhand zum Abwehrspieler umgeschult. Gestern konnte er zeigen, was es für zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten gibt, wenn man Beides gelernt hat!


    3, Fall:
    Selbst ein Phillip Lahm, konnte als ausgebildeter, gereifter Spieler in der Bayernelf hervorragende Spiele auf der 6-er Positon liefern!


    Je komplexer das Fussballspiel in seinen technischen und taktischen Aufgaben wird, je umfangreicher sollte die Ausbildung dafür sein!

    @pegasus77


    Ich kann euch zwar gut verstehen, denn in den meisten Vereinen fristet der Mädchen- und Frauenfussball ein Schattendasein.


    Das Beispiel: Höltinghausen und Cloppenburg mit Lizenzübertragung ist jedoch so nicht richtig. Vielmehr wurde nicht eine Mannschaft, sondern der Frauenbereich bei BV Cloppenburg integriert.


    Hier wechselt jedoch eine Mannschaft den Verein. Weil jedoch die Liga-Lizenz an den Verein und nicht an eine Mannschaft gebunden ist, kann diese Lizenz nicht übertragen werden.


    Wenn das möglich wäre, könnte man sich ja sogar eine Lizenz in der gewünschte Liga kaufen, ohne sich dafür sportlich qualifiziert zu haben.


    Wechseln kann man immer einen Verein, aber die Liga-Lizenz ist nicht übertragbar!

    Steini


    Habe am Wochenende immer viel zu tun und hätte deinen Beitrag fast überlesen. Es wäre schade drum gewesen, denn ich find ihn richtig klasse!


    Immer wieder münden Diskussion über die Leistungsbeurteilung von Spieler´n in: " ... auf der Position ist er mir gar nicht aufgefallen ... , aber auf der anderen Position ist er eine Granate ..." Damit hat man sich schon die Legitimation zur Selektion gegeben. Die anschließende stärkere Positionsfixierung ergibt sich aus der vermeintlichen Notwendigkeit, die letzten Leistungsreserven für den Mannschaftserfolg herausholen zu wollen.


    Zur Frage, ob denn auch die schulische Entwicklung bei der Frühförderung im Fussball berücksichtigt würde, wurde mir ein Verantwortlicher von einem europäischen Top-Club ganz ehrlich gesagt: "wenn er Junge gut genug ist, dann ist uns die Schule scheißegal. Wenn nicht, gibt es uns ein Argument, sich von ihm zu trennen!" Glaubt ihr, das würde der so auch in die Zeitung setzen lassen?


    Vermutlich muß man so denken wie Sir Alex, um Zweifel an dieser Form der Frühförderung nicht erst aufkommen zu lassen und keine Gewissensbisse haben zu müssen? Aber wenn er ehrlich ist, so war manche Argumentation von Vereinsverantwortlichen über dieses Thema reichlich dünn und leicht durchschaubar.


    Weil es unterschiedliche Anlagen und Interessen gibt, sollte sich jedes Kind ausprobieren dürfen und im Rahmen der Möglichkeiten eine Förderung erhalten. Dabei sind stets die Interessen des Kindes und nicht die der Vereine und Trainer in den Mittelpunkt zu stellen.


    Heute ist es jedoch so: entweder man macht mit oder man muß verschwinden. Ein Mitspracherecht in dieser Art der Förderung gibt es weder für die Kinder noch für deren Eltern. Das muß als Erstes anders werden. Als Zweites müssen zunächst die Eltern, dann aber auch die Trainer und Vereinsverantwortliche darüber aufgeklärt werden, wie sich ihre Maßnahmen positiv aber auch negativ auswirken können. Dabei geht es nur indirekt um das fussballerische Know-How, sondern um die sozialen Rahmenbedingungen.


    Hat sich noch nie jemand die Frage gestellt, warum es keine U 12 Nationalmannschaft gibt?