Steini
Ich finde deinen Beitrag prima, weil er andere Seiten der Trainerarbeit (technische Ausbildung) beleuchtet, die jedoch nicht im Wiederspruch zur Rotation stehen, sondern nicht allein die Mannschafts- sondern auch Einzelleistungen ihr Lob verdienen.
Über den nachfolgenden Absatz bin ich jedoch gestolpert:
quote='Steini','index.php?page=Thread&postID=87910#post87910']Keeper: Keine andere Position hat derart koordinative und kognitive Anforderungen wie diese Position. Dazu erfordert es von einem Knirps Mut und Entschlossenheit. Das sollte man nicht verachten ! Kniet euch mal im Training bei G-F im Tor bei Ecken oder so hin und spielt mit. Spätestens wenn ihr eine Traube im Strafraum vor euch habt stellt ihr fest, was die Kinder für eine Situation vor sich haben. Da braucht es schon Mut sich auf den Ball zu stürzen. Ist aber jetzt nur ein Aspekt.
Diese Bewegungserfahrung sollte man keinem seiner Spieler vorenthalten. Bevor der Einwand kommt: Wenn jemand partout nicht in die Bude will, ist das kein Ding.[/quote]
Bis heute wird auf den DFB-Ausbildungsfolien der Mut als besonderes Torwart-Merkmal beschrieben. Wenn es soetwas gäbe, dann müßte man den jeweis den Einfältigsten in der Mannschaft ins Tor stellen, denn der macht sich noch die geringsten Gedanken! Angst ist ein zuverlässiger Partner, sich in Gefahrensituationen klug zu verhalten. Genau deshalb besitzten gute Torleute genau die gleiche Angst wie jeder Andere auch. Doch im Gegensatz zu den "Schießbudenfiguren" und "Torlinienakrobaten" haben gute Torleute das große Glück gehabt, diese Postion schmerzfrei und mit Spaß an den vielfälitigen Aufgaben kennenzulernen.
Nachfolgend findet ihr die häufigsten Fehler mit schmerzhaften Folgen:
1. TW soll Finger niemals in Ballrichtung ausstrecken.
Begründung:
a. der Ball kann auf die Fingerkuppen prallen und zu schmerzhaften Prellungen und Brüchen führen
b. durch die fronale "Rohrstellung" von Händen und Armen zum Ball, wird das Leder bei stärkerem Druck hindurchrutschen und entweder mit fast voller Wucht vor den Körper, ins Gesicht und meist auch im Tor landen
2. TW soll auf korrekte Arm- und Handstellung (leicht angewinkelte, nach vorn fast ausgestreckte Arme, wobei die Handflächen die Armverlängerungen bilden. Nach Ballkontakt mit beiden Händen gleichzeitig erfolgt das Heranziehen an den Körper und das Umklappen der Handgelenke zur Ballsicherung am Körper) achten
Begründung:
Der Ball soll immer vor dem Körper gefangen werden. Nur so kann dem Ball nach der Kontaktaufnahme die Geschwindigkeit genommen und sicher gefangen werden. Wird versucht, den Ball direkt am, über oder neben dem Körper zu fangen, so prallt das Leder mit voller Geschwindigkeit auf die Körpertrefferfläche.
Hin und wieder sieht man sogar bei gestandenen Leistungskeeper nach unten ganz ausgestreckte Arme. Diese Position ist jedoch nur in der finalen 1 gegen 1 Situation als "Dreieckbildung" korrekt. Denn wird der Ball hart über Schulter oder Kopf des Keepers geschossen, so dauert es bei ganz nach unten ausgestreckten Armen meist zu lang, bis sie den Ball in dieser Schußposition abwehren können. Durch diesen technischen Fehler kann der Ball u.U. mit voller Wucht das Gesicht des Keepers treffen und u.U. zum Nasenbeinbruch führen. Bei mittlerer Distanz sollten die Arme in mittlerer Höhe angewinkelt parallel zum Körper geführt werden. Denn nur so ist der Arm-Weg zu allen 4 Richtungen gleichlang.
Bei TW-Anfängern sieht man häufig, dass sie bei hohen Bällen nicht hochspringen, um den Ball vor dem Körper zu fangen, sondern in ausgestreckter Armposition verharren. Selbst, wenn der Ball so noch mit den Fingerspitzen berührt wird, landet er meist trotzdem im Tor. Dafür können Prellungen oder sogar Brüche durch die Überdehnung der Finger zu langanhaltendem Schmerz führen.
3. TW soll korrekt Abrollen (d.h. schräg nach vorn (ca. 45 Grad, wobei die Fußspitze die Fallrichtung zeigt) über Oberschenkel, Hüfte und Schulter. Dabei Arme lang lassen und den gefangenen Ball nach der Landung am Körper sichern
Begründung:
Wer mit beiden Füssen in Ballrichtung wie eine "Bahnschranke" zur Seite fällt oder hechtet, wird die volle Härte des Untergrunds spüren. Eine Abart dieses Fehlers kann sogar bei gestandene Keepern im Senioren-Leistungsfussball beobachten. Dies führt in aller Regel zu Schürwunden an den Unterschenkeln. Sie resultieren daher, das nicht die Fußspitze die Richtung vorgibt, sondern während des Hechtens der Unterschenkel zur Richtungs- und Geschwindigkeitskorrektur eingesetzt wird. Durch die Sprungschubkraft können dabei Hautabschürfungen entstehen. Man kann es ihnen abgewöhnen, braucht jedoch sehr viel Geduld, weil dieser Bewegungsablauf bereits automatisiert ist und zunächst im Kopf via Zwischenschritte die Korrekturen verinnerlicht werden müssen.
Fazit: Ein Keeper, der sich nicht wird ins Getümmel stürzt, sondern auf auf eine günstige Gelegenheit (wenn der Ball gerade frei ist) wartet, ist ein guter Torwart, weil er erfolgreich handelt und sich bei dieser Aktion nicht verletzt.
Allein diese Beschreibungen sind Gründe genug, auch der DFB-Philosophie von: der Torwart trainiert die Mannschaft, die Mannschaft trainiert den Torwart" als puren Blödsinn zu entlarven. Auch durch Rotation werden die schmerzhaften Erfahrungen nicht weniger! Es bedarf das fachspezifische Wissen von Trainern, um ohne erhöhtes Verletzungsrisiko den Spaß an dieser Postion zu entwickeln.