Günter
Zunächst einmal deine Antwort an Gringo war richtig, denn es kommt nicht auf die Richtung an, aus der der Ball vom Spieler zum Torwart gespielt wird, sondern lediglich, ob der Pass ohne Gegnerdruck in voller Absicht gespielt wurde. Die Ausnahmen resultieren aus den Regeln auf der 1. Seite. Die Rückpassregel wurde zwecks Vermeidung von Spielverzögerungen durch permanente Rückpässe zum Torwart eingeführt. Kurios daran ist jedoch, dass man seinerzeit nicht davon ausging, dass ein Abwehrspieler auch noch mit anderen Körperteilen als dem Fuß den Ball zu seinem Keeper gezielt zurück passen kann, weshalb man diese aus der Rückpassregel raus genommen hat. Zu vermuten ist, dass man sonst eine höhere Quote an Selbsttoren befürchtete, was dann eventuelle Gegner der Rückpassregel auf den Plan gerufen hätte. (So ganz abwägig ist das ja nicht! Denn in den unteren Ligen wird seltener zum Torwart zurück gepaßt. Warum wohl?)
Meine Frage an den Obmann, wie sehr man sich auf die Regelkenntnisse der Schiedsrichter verlassen könnte, kommentierte er so: "Jede Liga bekommt die Schiedsrichter, die es verdient"! Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass zunächst einmal die sportliche Qualifikation für höhere Ligen erreicht werden müsse, bevor man sich über Schiedsrichterleistungen unterhält, denn diese entsprechen nach seiner Ansicht der Durchschnittsleistung der jeweiligen Liga.
Wenn also in den unteren Ligen Spieler und Trainer nicht regelsicher sind, dann darf man vermuten, dass es auch die Schiedsrichter nicht sind! Aber was soll man sich dann über Entscheidungen streiten, wenn niemand dabei ist, der im Zweifelsfall die Regelsicherheit besitzt?
Der einzig kritische Punkt scheint die Unparteilichkeit in den Entscheidungen zu sein. Hierzu gab es eine ehrliche Antwort: "Schiedsrichter sind im Privatleben ganz normale Menschen, die Sympathien und Antipathien besitzen!" Sie werden ausgebildet, nach Regeln zu entscheiden. Ob das dann immer gelingt, das ist eine andere Frage? Aber welcher Trainer, Spieler oder Fan kann bei seinen Entscheidungen die Sympathie fürs eigene Team außer Acht lassen? Sehen wir die Dinge nicht manchmal gern so, wie wir sie sehen wollen?
Nicht für alle Unsitten sind Schiedsrichter verantwortlich. Dazu gehört es, denn Ball beim Freistoß ein paar Meter weiter zum Tor zu legen, um in eine günstigere Schußposition zu gelangen. Dazu gehört es ferner, das die Mauer, sobald ihnen der Schiedsrichter den Rücken zudreht, einige Meter weiter zum Schützen vorrückt. Statt dies jeweils als Regelwidrigkeit zu ahnden und sich dabei in Diskussionen mit den Beteiligten einzulassen, wurde das "Freistoß-Spray" eingeführt.
Der Obmann hielt dies für eine Notlösung, denn besser wäre die Einsicht der Trainer, ihre Spieler nicht zu derlei Regelwidrigkeiten zu animieren. Für ihn sei es nicht verwunderlich, dass die häufigsten Verstöße bei Freistößen und Einwürfen von den Teams gemacht werden, bei der ihr Trainer sich gern über negative Schiedsrichterleistungen ausläßt!
Doch selbst, wenn ein Schiedsrichter Besonderes leistet, gelingt ihm selten der Ruhm eines Spieler oder Trainers. Auch verdient selbst ein Profischiedsrichter einen Bruchteil dessen! Manchmal kann es sogar, wie im Falle des italienischen Weltklasse-Schiedsrichters Colina passieren, dass sich die Presse über seine Glatze amüsiert, wenn ihnen gerade nichts besseres einfällt.
Mein Plädoyer für die Schiedsrichterleistungen mag ungewöhnlich sein. Aber vielleicht resultiert es daraus, das man die Verärgerung durch vermeintliche Benachteiligung als besonders schlimm empfindet, während man die Vorteile von Regelauslegungen fürs eigene Team als Nebensächlichkeit abhakt? Wenn wir also über Schiedsrichter richten, sollten wir das eigene Interesse daran nicht ausser Acht lassen. Wenn also der "Heimschiedsrichter" erwartet wird und einen neutraler Schiedsrichter kommt, gibt es dann einen Grund, sich darüber aufzuregen?