Als Erstes möchte ich dir empfehlen den Beitrag von @Solohope Satz für Satz zu verinnerlichen. Denn sie trifft viele Punkte sehr genau. Zwar gibts auch bei den Jungen Eltern, die für ihr Kind eine Entschuldigung geben, die nicht wahr ist. Aber das kommt seltener vor. Die Entscheidung der Mädchen zum Training zu gehen oder fernzubleiben, orientiert sich weniger am guten und engagierten Trainer, sondern am momentanen Empfinden der Freundinnen. Man muß auch nicht meinen, dass man sich schon deshalb als Mannschaft versteht, nur weil man das gleiche Tricot überstreift.
Eine Mädchen- und Frauenmannschaft ist eine fragile Gemeinschaft, die durch allerlei Dinge, die mit dem gemeinsamen Interesse am Fussball nichts zu tun haben, ins Wanken geraten kann!
Der Einflußfaktor des Trainers kann sich selbst bei guter und engagierter Arbeit rasch abnutzen!
Die stark schwankende oder besser gesagt geringe Beteiligung am Training verbunden mit sehr kurzfristigen Absagen (z.B. wird ein Firmungstermin nicht erst 1 Woche vorher bekannt gegeben) führen sehr häufig dazu, dass selbst sehr engagierte Trainer das Handtuch werfen. Man kann in Phasen von "Unlust" oder Überschneidung mit anderen Aktiviten in der Gruppe über Alternativen sprechen (z.B. vorübergehend 1 statt 2 mal Trainingsteilnahme pro Woche). Aber muß sollte gemeinschaftlich darüber reden, damit es als gerechte Lösung wahrgenommen wird. Denn Mädchen aber ein weitaus sensibleres Gespür für Gerechtigkeit.
Mädchen- und Frauenteams können vieles untereinander regeln, aber dazu sind regelmäßige Anlässe erforderlich. Um eine "eingeschworene Mannschaft" zu bekommen, muß man nicht noch mehr Zeit in die Trainingsvorbereitung oder das Gestalten von Werbeflyern entwickeln. Effeketiver sind regelmäßige kleine Parties und allerlei gemeinsame Freizeitaktivitäten. Denn erst dabei wird aus den kleinen Grüppchen befreundeter Spielerinnen eine größere Gruppe der Mannschaft. Bei einer eingeschworenen Truppe würde ein Mädchen ihren Freundlinen gegenüber ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie dem Trainings-Date fernbleibt! Dem Trainer gegenüber nur dann, wenn er als Teil der "eingeschworenen Gruppe" akzeptiert wird.
Man kann mit Mädchen- und Frauenteams als Trainer sehr viel Spaß erleben! Jedoch muß man sich vom allgemeinen Prozedere, der Inhalt von DFB-Lehrplan-Folien ist, teilweise verabschieden, um sich "harmoniefördernder Maßnahmen" zu widmen. Denn nur dann, wenn sich die Mädchen dort wohlfühlen, werden sie kommen. Aber das hat fast gar nichts mit dem Tabellenplatz zu tun.
Stimmt die Harmonie innerhalb der Mannschaft nicht, dann bricht sie rasch auseinander. Die geringe Trainngsbeteiligung ist lediglich ein Vorbote. Mädchen sind jedoch anders als Jungs einem Gespräch gegenüber sehr viel offener. Denn sie brauchen keine Raufereien und tauschen lieber Argumente aus.
Dementsprechend ist es förderlich einen Teil der Traineraufgaben an die Mädchen zu verteilen. Nicht allein deshalb, um Verantwortung für einen reibenslosen Ablauf zu delegieren, sondern damit die Mädchen sich als Teil der Gruppe empfinden und regelmäßig Wertschätzung erfahren.
Es ist eine besondere Herausforderung als Mädchen- oder Frauentrainer. Sie macht dann mehr Spaß, wenn man sich aufs Improvisieren einläßt!
